Re: mayba
Zitat
Original geschrieben von WP7-Androidler (gekürzt)
... dennoch haben iOS und Android auch einen gewaltigen Vorsprung, den Microsoft nur durch besondere Innovationen oder günstige Preise aufholen könnte. Von alleine wird das nicht passieren.
Nur auf das Image der Marke Nokia zu setzen, hilft hier gar nix, nämlich dieses Image existiert nicht mehr. Geh mal auf die Straße und frage die Leute nach Nokia, da ist man schon uncool, wenn man noch sowas nutzt.
.. Presse
Ich glaube, dass der zeitliche Bezug der Systeme und ihrer spezifischen Werdegänge einen höheren Stellenwert in der Diskussion einnehmen sollte. Im übrigen mahne ich dies insbesondere auch bei der sog. Fach(-Presse) an, die oftmals alles, worüber sie schreibt, durcheinander bringt.
Ausgangsgedanken:
- Nokia hat das Smartphone erfunden und war auch einer der ersten mit Touchscreens. Das ist Fakt.
- die ersten E-Mails im Telefon holte ich bereits mit dem 6310i - Gerät ab (damals mit der App Sirius)
- Damals war das Internet nicht für jeden erschwinglich.
- Viele hatten Angst, Horror-Telefonrechnungen zu bekommen und verschmähten geradezu internetfähige Handsets. Verbraucherformate warnten vor der Internet-Taste/Button am Telefon.
- Das Surf&E-Mail-Pack von o2 war in Deutschland eines der ersten Paketpreisangebote für mobiles Internet, bei dem man keine 'Angst' vor Internetabzocke haben musste (nutzte ich mit dem ersten Nokia 6600).
Die Situation hat sich ein paar Jahre später bis zur Jetzt-Zeit deutlich gewandelt. Mobiles Internet ist zum Massengeschäft geworden.
Das iPhone kam zur richtigen Zeit mit dem richtigen Tarif. Es hat mobiles Internet 'gefühlt erschwinglich' und 'sorglos erlebbar' gemacht. Das ist der Verdienst des iPhones. Wenn es überhaupt dem eigentlichem Gerät iPhone zu verdanken war. Eigentlich war es der entsprechende Internettarif für ein ziemlich einfaches Gerät, bei dem auch für den dümmsten Konsumenten kostentechnisch (fast) nichts passieren konnte (ausser vielleicht bei Roaming). Weil es einfach, aber auf keinen Fall 'innovativ' in dem Sinne war, dass es viele technische Innovationen aufzuwarten hatte. Jedes andere Gerät konnte mehr als dieses einfache Ding. Deshalb hat es auch fast keiner am Anfang ernst genommen.
Das Erfolgsrezept lautete also: Mach ein einfaches funktionsarmes Gerät, konzipiere einen Tarif, den jeder versteht und integriere einen App-Store, der auch den dümmsten Konsumenten keine Angst macht. Zusätzlich pushe die kostenpflichtigen Apps, die der Konsument unbedingt benötigt, um dem funktionsarmen Gerät Funktionen einzuhauchen, die andere Hersteller (im übrigen) kostenlos und ohne App-Notwendigkeit bieten.
Das ist die Syntax des Erfolgs des iPhones. Andere Verdienste hatte es in der Geschichte des Mobilfunks nicht.
Wenn man sich mal die Gesamtsituation ansieht, erinnert das an die Wettbewerbssituation japanischer Autos in den 80er Jahren. Gegen deutsche Qualitätsautos hatten die keinerlei Chancen. Aber sie waren immer billiger/schlanker/weniger komplex. Sukzessive erhöhten die Japaner ihr Qualitätsniveau, befanden sich aber immer ein paar Schwellen unterhalb der deutschen Vergleichsgruppe, die mit exklusiven High-End-Modulen ihre Produkte immer mehr verteuerten, bis sie nicht mehr für jedermann erschwinglich waren. Irgendwann bekamen die deutschen Automobilhersteller heftige Absatzprobleme und japanische Autofirmen dienten kurze Zeit später als Vorlagen für die neuesten Managementbücher, da sie nun im früherern Markt der deutschen (aber auch im us-amerikanischen Markt) fischten.
In die Mobilfunkwelt transformiert bedeutet das, Apple war immer einfacher und schlanker als die komplizierten Geräte der Mitbewerber mit den vielen Mehrfunktionen, die man auch noch erlernen muß. Sowas von uncool und bäh. Vorher war Apple so was von einfach, dass es kurz vor der Pleite stand, dass selbst Bill Gates, damaliger CEO von Microsoft, bei der bedrohlichen Situation seines einstigen Widersachers und Konkurrenten Apple sentimental wurde und das Unternehmen 'wegen den alten Zeiten' unter anderem mit einer Finanzspritze und einem Business-Deal (MS Office for Mac) zum Teil mitstütze.
Erkennt Ihr die Ähnlichkeiten?
Hinzu kommt aber auch noch ein Lifestyle-Trend, der den Absatz von Apples Produkten zusätzlich pushte. Es formierte sich ein immer größerer Hype, der weiterhin schwelt und blubbert.
Die Welt hat sich aber wieder weiter gedreht. Und wer es noch nicht bemerkt hat: Der Gegenwind bei Apple wird größer. Samsung, HTC, etc. Die Sättigungsgrade von Apple sind mittlerweile sehr hoch. Auch der Lifestyle-Zyklus ist mittlerweile längst in die Hype-Phase eingetreten. Was folgt ist das Ende eines Produktlebenszyklus. Und der wird Apple genauso erfassen wie Nokia, das zu lange auf Symbian (welches, rechnet man das in den Joint-Venture Symbian eingebrachte EPOC-Symbian noch mit ein, mittlerweile fast 17 Jahre existiert) gesetzt und das Auslaufen des eigenen Produktlebenszyklus ignoriert hat.
Apple wird in den nächsten Jahren der Getriebene unter den Systemen sein. Und Apple wird (nachdem gefühlt 5 +/-2 Leuten von 10 Leuten in der Straßenbahn damit herumlaufen) bald keinen Lifestyle-Sex-Appeal mehr haben. Der Jugend- und vor allem Mid-Life-Crises-Trend (das sind die 40-50jährigen jung-gefühlt-gebliebenen Hornbrille- und Adidas-Spezial-Schuhe-tragenden Männer, die das iPhone ständig neben ihrer LKW-Planen-Tasche auf dem Rücken und ihrem dünnen Schal über dem Hemd getragen in der Hand halten) von Apple-iPhone-Trendsetter-Usern des Sozio-Bio(läden)-Neo-LaLa-Biedermeiers (Bohemian Bourgeois, Neo-Hippies, Schnösel, Yuppies, Agenturfuzzies und hippe Neureiche; schaut mal in den Biomärkten und Latte-Macchiato-Bars nach 'Berlin - Prenzlauer Berg' - das beschreibt das, was ich meine, wohl am besten) -die alle meinen, sie seien sowas von trendy und individuell- wird auslaufen. Da gebe ich Brief und Siegel. Nur der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht exakt vorhersagen. Er wird jedoch kommen.
Android wächst mächtig. Ja. Macht Nokia Probleme in den Schwellenländern. Huawai und andere zum Teil gerade erst markteintretende (chinesische, asiatische) Firmen fischen nun im angeblich letztem Rückzugsgebiet von Nokia (next billion ...). Android ist aber auch sehr virenanfällig. Businesstauglich. Sicher? Würde ein Unternehmen mit (auch nur teilweise) sicherheitsrelevantem Geschäftsmodell seine Mitarbeiter mit Android-Geräten ausstatten? Naja, wohl kaum. Und wenn, dann aus Unkenntnis und/oder Leichtfertigkeit heraus. Sind wir doch mal ehrlich: Es ist der Aldi und 'billige Jakob' unter den Systemen.
Jedoch ist Nokia nicht tot. Es ist immer noch der größte Mobilfunkanbieter weltweit. Hat eine gut gefüllte Kasse und etliche Assets, die andere nicht haben. Nokia steht für Qualität. Für Innovation. Für zahlreiche Patente. Es ist kein Klitschenladen, wie ihn die Presse manchmal versucht darzustellen. Weltmarktführer. Der Platz wird stark umkämpft. Der Markt hat sich mitbewerbertechnisch aber auch stark verbreitert. Nokia konnte da doch nur Marktanteile abgeben. Das ist nun mal so. Es ist nicht ungewöhnlich.
Ob Apple die in den letzten jahren erworbenen Marktanteile verteidigen kann, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Vorheriges Jahr gabe es zum ersten Mal nicht so erfreuliche Zahlen. Der Marktanteil wächst nicht mehr so toll.
In dem Kontext hat Microsoft/Nokia gar nicht so unrecht. Der Markt verträgt ein zweites/drittes starkes Ökosystem. Gartner sieht die mittelfristigen Prognosen gar nicht mal so schlecht und räumt MS/Nokia einen zweistelligen Marktanteil auf Höhe Apple ein. Ich teile mittelfristig diese Ansicht. Es ist eine Kooperation zweier Weltkonzerne und Weltmarktführer. Vergesst das bitte nicht.
Die Presse, ja sie schreibt, jeden Tag viel Blödsinn. Und Analysten erst recht. Die hauen alle auf Nokia ein, verwechseln 'a' mit 'b'. Schreiben über Absatzzahlen der Lumia-Reihe, die nicht gut waren. Es gab ein Gerät und das letzte kam gerade erst raus. 1. Quartal zu 4. Quartal. Das vierte Quartal ist immer das beste im Jahr gewesen; Weihnachtsgeschäft. Aber bei Nokia war das erste schlechter als das vierte. Was für eine überraschende Tragödie. Das ist doch alles Blödsinn. Nokia hat das Problem einer gelenkten Einheitsbrei-Presse-Meinung, wo ein Fachidiot einer Presseagentur (der nur das iPhone und das Vorgänger-Handy Nokia 6210 kennt) einen fachlich falschen Artikel schreibt, welchen jeder andere Redakteur, der den Artikel einkauft, abtippt, weil da keiner selber mehr denken will oder aus zeitlichen schnell-schnell-schnell-Gründen nicht erdenken kann. Hauptsache Meldung, Überschrift raushauen, alle Blogs, Web, News-Feeds und Twitter in realtime bedienen. Das ist ja selbst bei der führenden Wirtschaftspresse schon so. Im Internet wird da manchmal was rausgehauen. Regelmäßig Fehler. Nichts wird reflektiert. Nach 2 Stunden kommen die ersten Änderungen. Und nach dem 6. Update steht da plötzlich ein inhaltlich ganz anders klingender Artikel. Technische Probleme beim Lumia 900 - Tragödie - Nokia bald tot - erst nach einer Woche am 16. April kommt ein Update - Skandal. Da werden Tagesgeschwätsch mit Taktik und Taktik mit Strategie über einen Haufen geworfen. Das Tagesgeschwätsch war jedoch für eine strategische Ausrichtung noch nie nachhaltig relevant. Wie war das denn bei Apples Antennagate? Steve Jobs schrieb: '... dann haltet halt das iPhone anders'. Darüber hat sich zunächst keiner beschwert. Auch nicht die Presse mit dem Einheitsbrei. War Antennagate für Apple nachhaltig relevant? Selbst Monate später hat Apple das Gerät mit den Konstruktionsfehler (auch ohne kostenlosen Bumper) weiterverkauft.
Ergo: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr in der Fachpresse. Es ist wie an der Börse, wenn Menschen immer noch Aktien mit einem 1.000er-KGV kaufen, weil alle blind vor Geldgeilheit sind und fest daran glauben, dass es unendlich schneller-höher-weiter geht. Alle Hypes haben eines gemeinsam: Sie platzen irgendwann.
Nokia bleibt für mich daher der Underdog. Wenn alle 'verkaufen' schreien, dann ist keiner mehr drinn, der noch 'verkaufen' will. Dann geht es bald wieder hoch. Wenn alle schreien 'kaufen', dann sind alle schon drinn, bis keiner mehr nachkommt ... Dann platzt die Blase, der Hype.
Und das ist der Zeitpunkt, wo Nokias Imperium und die Allianz mit Microsoft zurückschlägt. Und ich denke, dass genau darauf auf Investorenebene abgezielt wird. Sie stehen am Anfang. Bald mit W8 und WP8 (im eigenen integrierten Ökosystem) in Angriffsstellung. Stichwort 'Verhältnis Marktanteil Windows-Desktop-System versus Apple-System'. Macht es nun 'Klick'?
Wie kann man denn nur ernsthaft glauben, dass zwei milliardenschwere Weltkonzerne, die seit Jahrzehnten in der Oberliga spielen, zu dumm sind, nach einem gewissen Time Lag (gut, das kann man ihnen vorwerfen) einer dramatischen Marktverschiebung nicht die besten strategischen Optionen gefunden und im Anschluß gewählt zu haben?
- Allein daran dürfte man schon die Hybris und die Marktunkenntnis einiger iPhoneAndroid&Co.-Überflieger erkennen. 