Stoff zum Nachdenken
Salut,
Jahrzehnte, ja Jahrhunderte haben Menschen, Sklaven, Leibeigene, Unfreie und Dissidenten dafür gekämpft, ja teilweise mit dem eigenen Leben bezahlt, um Rechte wie Meinungsfreiheit, persönliche Freiheit, Unabhängigkeit, Liberalismus, uneingeschränkte Selbstbestimmung und einen für jedermann gleichen Ordnungsrahmen bzw. gleichen Rechtsrahmen zu erkämpfen.
- der Überwachungsstaat der DDR ist durch die Stasi-Behörde immer noch nicht aufgearbeitet
- in vielen Staaten werden Menschen heute noch einfach ohne Grund überwacht und eingesperrt
- im Nahen und mittleren Osten wehren sich Menschen gerade jetzt im Moment gegen die Jahrzehnte lang andauernde Beschattung durch Geheimdienste und Repressalien des jeweiligen Staatsapparats
- in Guantanamo sitzen heute noch etliche Unschuldige ein, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren und falsch "lokalisiert" wurden
- in den 70er wehrten sich in Deutschland viele gegen die sog. Volkszählung
- Menschen gingen wegen des Datenschutzes auf die Barrikaden/auf Demos usw.
- diese Freiheitsrechte werden unter dem Deckmantel der Terrorismusgefahr seit Jahren immer weiter aufgebohrt (Vorratsdatensspeicherung usw.)
Und wie ist die Reaktion einer Jugendkultur bzw. eines neuen Menschentypus (es gibt natürlich viele, die nicht so sind) mit teilweisen folgenden Attributen:
Superstar / Top-Modell / geil auf Publicity / mehr sein als sein / auf Facebook, Twitter, StudiVZ unbedingt mitteilen müssen, dass sie gerade ein Leberwurstbrot essen / App- und iPhone-Fanboys (hast Du keins, hast Du keins?), die ihre privaten Daten sogar gegen Entgelt freiwillig verbreiten / ohne einen Hauch (auch politischer) Allgemeinbildung plan- und perspektivlos und mit erheblicher Selbstüberschätzung durchs Leben hampeln / die Generation Doof / die sich nicht mehr aktiv etwa durch Ehrenämter in die Gesellschaft einbringen möchte / die als Azubis schon meinen, die Firma übernehmen zu können / die am Wochenende die Champagnerflasche in der Disco kreisen lassen, nur mit Markenklamotten herumlaufen, alles auf Kredit finanzieren und noch nicht mal eine eigene Vorsorge aufgebaut haben und im Alter vermutlich deshalb verarmen / die alle mit ihren LV-Taschen bei gleichzeitig abgetretenen Turnschuhen herumlaufen / die sich mit etlichen Ganzkörper-Tattoos, Piercings, Extensions, Nageldesignstudio- und Solariumbesuchen auf eine glänzende Zukunft vorbereiten / usw.
Die verstehen doch gar nicht, um was es hier eigentlich geht, weil es easy, cool und trendy ist,
- mit der Masse zu schwimmen
- ein Teil der heutigen Möchtegern-Yuppies zu sein, denen angeblich die Welt morgen gehört
- die danach lechzen, dazu zu gehören (zu was eigentlich?)
Für diesen Teil der heutigen Jugendkultur/des neuen Menschentypus ist das SpyPhone kein Thema.
"Ist doch kein Problem, wenn irgendein Unternehmen/Staat/Behörde sie beobachtet/kontrolliert/überwacht wie einst die Stasi", hört man allerorts.
Das ist doch das eigentliche Problem an der SpyPhone-Diskussion.
Mit Modernität oder modernen Zeiten hat das nichts zu tun - es sind Rückschritte in die Vergangenheit. Es wird nur plakativ als modern beworben.
Und genau dieses Problem können die oben beschriebenen Typen schon geistig bzw. intellektuell gar nicht ergreifen.
Da stimmt doch etwas nicht mehr. Es handelt sich um eine Realitätsverschiebung par excellence.
Es wird höchste Zeit, in den diversen Bildungseinrichtungen Internet- und Medienkompetenz bzw. -recht zu fördern/einzuführen.
Gruß,

derAL