Ein paar Infos direkt von der Demo:
1. In Rostock waren heute zig Geschäfte in der Innenstadt verbarrikadiert. Einige hatten selbst ihre Leuchtreklame in zwei Metern Höhe mit Holzplatten "verstärkt". In diesem ganzen Gebiet ging aber bis zum Abend nichts zu bruch.
2. Dagegen sah es in einem Gebiet am Rand des Demoplatzes in der Tat aus wie nach einem Bombentreffer. Der Bürgersteig ist komplett plattenlos, einige Säulen wurden herausgerissen. An Gebäuden traf es aber nur ein Restaurant direkt in diesem Gebiet, von dessen Außenanlage nicht mehr viel übrigblieb. Schon beim Haus direkt auf der anderen Seite (10 Meter weiter) des fraglichen Weges ging offensichtlich nichts kaputt.
3. Es ist absolut übel, was da lief. Die Polizei war bis zu diesen Aktionen zwar nicht gerade zimperlich, nachdem in direkter Nähe zum Demoplatz schon diverses schweres Gerät aufgefahren wurde, aber sie hielt sich zurück. Soweit ich das mitbekam, ging die Provokation von den Autonomen aus. Entstanden ist sie wohl aus einem Brand, der dort gelegt wurde. Die Polizei selbst zeigte da aber auch völliges Chaos - obwohl die Wege bis dahin frei waren, dauerte es 6-7 Minuten, bis die Feuerwehr auffuhr. Die wurde nicht durchgelassen, erst dann ließ man die Wasserwerfer los und da wurde nach Augenzeugenberichten auf alles Wasser marsch gegeben, was sich im weiteren Umfeld befand, ohne Rücksicht auf Verluste. Nachdem noch Tränengas dazukam (das bei dem Wind auch auf die Polizisten zurückkam - selten dämliche Planung), war die Lage völlig eskaliert.
4. Rostock konnte man gestern abend gut und gerne als Polizeistadt bezeichnen. Alles, was in D mobilisierbar war, steht offensichtlich dort. Die Innenstadt wurde komplett abgeriegelt, alle (!) Parkplätze waren voll mit Polizeiwagen, insgesamt mindestens 15-20 Wasserwerfer vor Ort und auf den Straßen begegnete man neben Demonstranten nur der Polizei. Ziviles Leben fand an diesem Samstag in Rostock definitiv weitgehend nicht statt.
4. Wenn Wasserwerfer am Rande des Platzes aufmarschieren, eine Polizeikette die Bewegungsfreiheit massiv einschränkt, ist das letztlich für einige Provokation. Ich fühle mich davon auch bedroht, denn die Polizei-Repressionsmaßnahmen betreffen IMMER auch völlig gewaltlose Demoteilnehmer, die nur zufällig in der Gegend eines Einsatzes sind und durch die bei solchen Veranstaltungen große Menschendichte nicht rechtzeitig abhauen können.
ZitatWas passiert eigentlich mit den fest- und ingewahrsamgenommenen Autonomen ?
Das hängt davon ab, was man denen nachweisen kann. Da die Polizei mittlerweile alles filmt, was sich bewegt - und das auch außerhalb dieser Gewalttaten, praktisch filmen sie jeden Demo-Teilnehmer an zgi Stellen - ässt sich da sicherlich einiges machen.
ZitatJeder Fussballfan wird wahrscheinlich härter kontrolliert ("Datei Gewalttäter Sport") als diese Damen und Herren...!
Das ist Unsinn. Nach 20.00 Uhr wurde auch plötzlich der Bahnhof in Rostock wieder völlig abgeriegelt und jeder kontrolliert.
ZitatDer Staat oder in diesem Fall die Personen/Polizei die für ihn handeln haben nun mal andere Rechte zumal die "Bekleidung" nicht dazu dient die einzelne Person unkenntlich zu machen, sondern die körperliche Unversehrtheit zu garantieren.
Naja... die Jungs von der Polizei haben weiterhin nicht mal ein Nachnamensschildchen. Die agieren völlig anonym für Menschen außerhalb der Polizeiführung. Das muss definitiv nicht sein.
ZitatDen offen zur Schau gestellten Zynismus, das Elend der Welt mit Popkonzerten und Sparziergängen fern von allen Regierungsgebäuden zu beklagen, den leistet sich nur die wohlstandsverwahrloste Linke der westlichen Welt.
Na denn. Besser das als gar nichts. Und das war jetzt kein Zurückschrauben auf minimales Level.
ZitatAls vernünftiger Demonstrant, versuche ich mich möglichst fernzuhalten vom Autonomen Block und der Polizei. Ich stelle mich schon gar nicht dazwischen.
Wenn du mal auf einer Demo warst, weißt du, dass das mit annähernder Sicherheit nicht möglich ist.
ZitatFalls man doch mal etwas abbekommen sollte von einem Polizisten, dann hat dieser das bestimmt nicht absichtlich gemacht
Natürlich hat der Polizist das dann absichtlich gemacht. Unabsichtlich kann man einen nicht vermöbeln oder Tränengas abgeben. In solchen Situationen nimmt die Polizei im Regelfall immer lieber einen mehr als einen zu wenig. Und das mit voller Absicht.
Zitatund wenn du meinst, du müßtest dem Polizisten auch noch ans Bein pissen, dann kannst du dich an die zuständige Stelle wenden und dein Leid klagen.
Alles klar, wenn du dir in dieser Situation noch die irgendwo angebrachte Nummer des Polizisten (teilweise nur auf dem Rücken...) merkst, das Land dazu, dann kannst du dich beschweren. Und das wird dann meist zurückgewiesen, siehe z.B. selbst die Prozesse zu Ohnesorg oder dem in Genua offensichtlich Ermorderten. Das ist doch realitätsfern!
ZitatWeil bekanntlicherweise in D ja auch immer und sofort von den Behörden Tränengas gegen friedliche Demonstranten eingesetzt wird oder wie?
Ich kann nur sagen, dass heute mir bekannte Demonstranten, die friedlich dabei waren, eine ordentliche Ladung Tränengas abbekamen. Polizisten soll auch selbst betroffen gewesen sein. Du kannst das gar nicht klar "absetzen".
ZitatEs waren laut Medienberichten 25.000 Demonstranten davon ca. 2.000 gewaltbereit.
Die Zahl 25.000 war lächerlich. Da waren mindestens 50.000, davon vielleicht 1.000 gewaltbereit.
Grüße...