Ich bin ansonsten auch ein entschiedener Gegner der Todesstrafe. Aber auch wenn ich mich moralisch nicht in der Lage sehe, zu beurteilen, ob ein Mensch den Tod verdient hat, so habe ich dennoch das Gefühl, das in solchen Ausnahmefällen (wie Diktatoren) die Todesstrafe vielleicht doch eine Form von Bestrafung und Vergeltung ist, die vielleicht nicht richtig ist, aber die man dennoch als in gewisser Hinsicht gerechtfertigt ansehen kann.
Diese Strafe muss nicht einer Privatperson, die ein oder mehrere Kapitalverbrechen begangen oder möglicherweise eben doch nicht begangen hat, gerecht werden, sondern einem ehemaligen Staatsoberhaupt, der nicht "nur" ein Mörder, sondern geradezu ein Menschenvernichter gewesen ist und über dessen Greueltaten und deren Umfang es kaum einen Zweifel gibt, fairer Prozess hin oder her.
Wenn man den Schmerz und das Leid der Opfer Husseins und deren Angehörigen aufaddiert, dann fragt man sich schon, ob es nicht die einzig gerechte Strafe ist, wenn dieser Mann jetzt 30 Tage in seiner Zelle sitzt und weiß, dass er am Ende dieser Frist nicht mehr leben wird.
Ich kann diese Frage für mich nicht endgültig beantworten. Ich finde die Praxis der Todesstrafe wie z.B. in den USA und Japan absolut verachtenswert, erschütternd und scheußlich, aber letztendlich denke ich auch, dass man sie in diesem Fall möglicherweise, ungeachtet ob es politisch klug ist, sie zu vollstrecken, vertreten. Das muss aber das irakische Volk entscheiden. Denn schliesslich habe diese unter Hussein gelitten, nicht wir Europäer oder Amerikaner, zumal der Tod im Islam ohnehin eine andere Bedeutung hat als in christlich geprägten Kulturen.