Grundsätzlich halte ich die Einrichtung "Betriebsrat" im Grundgedanken für sinnvoll, allerdings ist doch offensichtlich, dass es der IG Metall im Fall SAP weniger um die Interessen der SAP-Mitarbeiter geht, die, wenn ich mich recht erinnere, bei den jährlichen Umfragen immer zu den zufriedensten gehören, sondern viel mehr darum, einfach einen Fuß in die Türe zu bekommen.
Wie bekannt ist, tun sich die Gewerkschaften in IT-Unternehmen grundsätzlich sehr schwer, da dort zum einen nicht die klassische Gewerkschaftsklientel beschäftigt ist, sondern hoch qualifizierte Spezialisten, die zwar teilweise sehr viel mehr arbeiten als ein normaler Arbeiter/Angestellter, aber das mehr oder weniger in Kauf nehmen, weil sie eben auch sehr gut bezahlt werden und von den ganzen Regelungen betreffend Arbeitszeit, Pausen etc., also Errungenschaften, die die Gewerkschaften immer hoch halten, nicht viel halten, und eben auch eine andere Unternehmenskultur, bei der der einzelne Mitarbeiter mehr gefordert, aber dafür auch im Erfolgsfall entsprechend belohnt und gefördert werden.
Daher passen SAP und Betriebsrat meines Erachtens aus der Ferne betrachtet, grundsätzlich nicht zusammen. Ein Unternehmen, das seinen hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitern viel abverlangt, dafür aber auch viel mehr zurückgibt, als es müsste und eine auf Paragraphen, Tarifvertrag und Solidarität reitende Gewerkschaft. Ich denke nicht, dass die SAP-Mitarbeiter sich mit einem Betriebsrat selbst etwas gutes tun würden und das haben sie wohl auch mehrheitlich erkannt.