Die Frage ist doch nicht, ob ein Mensch ein paar Monate übergangsweise von 340 €+Miete und Heizkosten wohnen und leben kann. Natürlich geht das, wobei man auch nicht vergessen sollte, dass nicht jeder über ein Nettoeinkommen von 3.000 € aufwärts verfügt und fast alles bar bezahlen kann und deshalb für größere Investitionen wie Auto, Wohnungseinrichtung etc. auch langfristige Verbindlichkeiten vorhanden sein können, die sich eben auch in 12 Monaten nicht einfach in Luft auflösen. Natürlich könnte jeder zukünftig nur noch die Hälfte des ihm zur Verfügung stehenden ungebundenen Einkommens konsumieren, um für den Notfall eingestellt zu sein, aber ist die schlechte Binnennachfrage nicht gerade ein großes Problem für personalintensive Branchen wie Einzelhandels- und Dienstleistungen?
Die Problematik ist doch, dass die Menschen, die dieses Schicksal trifft, schon 12 Monate lang arbeitslos sind, oftmals völlig unverschuldet in diese Situation geraten sind und trotz großer Anstregung keinen neuen Arbeitsplatz finden, weil es de facto einfach viel mehr Bewerber als offene Stellen gibt.
Für diese Menschen ist Hartz IV in vielen Fällen kein vorübergehendes Schicksal, sondern die Perspektive für Jahre und möglicherweise den Rest ihres (Erwerbs)lebens. Da geht es nicht um vorübergehenden sozialen "Abstieg", sondern um dauerhaften Abstieg in Armut.
Diese Menschen befinden sich in einem Teufelskreis. Wer einmal in Hartz IV und 1-Euro-Job drin steckt, kommt da auch kaum noch hinaus. Ich stelle jetzt mal die These auf, dass von 100 Arbeitgebern 99 bei gleicher Qualifikation einen beschäftigen Bewerber, Kurzarbeitslosen oder Zeitarbeiter einstellen anstelle eines Langzeitarbeitslosen, da diese nach einer gewissen Zeit für den 1.Arbeitsmarkt einfach abgeschrieben und erledigt sind. Dann bleiben nur noch ABM, Bewerbungskurse und 1,30 €-Job, mit dem weitere sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vernichtet werden.