Neulich wurde hier doch ein interessantes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden einer Drogeriemarkt-Kette verlinkt.
Was der Mann gesagt hat, und er hatte vollkommen recht, passt auch gut in dieses Thema.
Positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt werden wir nur kurzfristig erzielen können, indem sich Deutschland im Wettbewerb um die verbliebenden Arbeitsplätze besser positioniert und durch andere Effekte demographischer oder qualitativer Natur (viele Unternehmen werden die Erfahrung machen, dass die Arbeitsqualität und -moral in den klassischen Billiglohnländern proportional zu den steigenden Lebenshaltungskosten sinken, was ein Wunder auch), aber mittel- und langfristig ist jedes Unternehmen auch in Zukunft bestrebt, maximalen Gewinn mit minimalem Aufwand zu machen. Und die heutige und zukünftige Technik wird auch weiterhin das Ziel von immer mehr Produktivität mit immer weniger Menschen vorantreiben.
Das ist real und Fakt, egal, wie lächerlich bemüht, wir an den kleinen Rädchen rumschrauben, ob 1% Arbeitslosenversicherung runter oder irgendwann Hartz VII (Ausscheiden aus dem Leben nach 12 Monaten Arbeitslosigkeit mit Abfindung zur Existenzgründung im Jenseits).
Wir werden auf lange Sicht noch viel mehr Arbeitsplätze verlieren als das bis heute der Fall war. Es wird noch viel mehr als heute nicht mehr für jeden qualifizierten, arbeitswilligen Menschen eine Arbeit in der freien Marktwirtschaft geben. D.h. anstatt alle Energie auf das Verhindern des unvermeidlichen zu wenden, sollte man sich vielleicht auch mal Gedanken machen, wie das System zu verändern ist, dass es in 20, 30, 40 Jahren diese Umstände auch berücksichtigen kann.
Es kann auf Dauer und für die langfristige Zukunft keine Lösung sein, immer weniger Menschen, die in der freien Wirtschaft arbeiten, alleine am volkswirtschaftlichen Einkommen partizipieren und alle anderen verarmen zu lassen.
Man darf nicht nur die Kosten sehen, die Arbeitslose verursachen, man muss auch mal das gewaltige Potential sehen, das wir mit dem derzeitigen Arbeitsmarktsystem quasi in den Mülleimer werfen, weil wir das Leistungspotential vieler dieser Menschen gar nicht abrufen. Wenn es in der freien Wirtschaft nicht mehr genug Arbeitsplätze gibt, dann wird man im sozialen und gesellschaftlichen Bereich Arbeitsplätze schaffen müssen, da gab und wird es immer genug zu tun geben, und das dürfen keine 1,30 €-Jobs sein, sondern es muss möglich sein, mindestens 2/3 dessen zu bekommen, was man in vergleichbarer Stellung in der Wirtschaft verdienen kann.
Natürlich muss das gegenfinanziert werden und auch wenn das heute utopisch klingt, irgendwann werden wir vielleicht tatsächlich die "Maschinensteuer" einführen oder etwas ähnliches.
Es ist natürlich nicht so weit und es muss natürlich versucht werden, die gegenwärtigen Probleme zumindest etwas abzufedern, aber mit diesem Ansatz und Verständnis von Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik wird man nicht mehr ewig weit kommen.