Auch wenn es bei einem kleinen Jungen, der ermordet worden ist, schwer ist, unemotional zu bleiben, muss man dies meiner Ansicht nach gerade in diesem Fall.
Wir sprechen hier ja nicht von einem normalen Polizisten, sondern von einem Vize-Polizeipräsidenten, der die Verantwortung für mehrere hundert, wenn nicht tausende, Beamte in Frankfurt hat. Ich denke, wir sind uns einig, dass in einer solchen Position nur ein absolut vorbildlicher Top-Polizist tätig sein sollte, der weiß, was er tun kann und der sich auch in Extremsituationen rational verhält.
Herr Daschner hat sich, was vor allem in den jüngsten Zeugenaussagen deutlich wird, wissentlich über jegliche Dienstvorschriften, Gesetze und Menschenrechte hinweg setzen wollen. Er hat seine Mitarbeiter und Untergebenen aufgefordert, eine Straftat zu begehen, soll sehr ungehalten gewesen sein, als die Polizisten zögerlich waren, seinen Anweisungen folge zu leisten und das obwohl bereits ein SEK-Experte verständigt und unterwegs war, um eine Vernehmung nach Geheimdienstmethoden durchzuführen.
Sicher in einem Fall, wo es um das Leben oder den Tod eines kleinen Jungen geht, mag solch ein Verhalten noch nachvollziehbar sein, aber ein Polizist und vor allem ein Polizist in führender Position mit personeller und disziplinarischer Verantwortung über die Polizei einer ganzen Großstadt muss bei allem was er tut, zumindest auf den grundsätzlichsten Grundlagen des Grundgesetzes ("Die Würde des Menschen ist unantastbar bleiben."). Nach den jüngsten Zeugenaussagen bleibt bei mir ein sehr bitterer Beigeschmack und ich kann in Daschners Verhalten nur sehr wenig heroisches erkennen. Warum hat er nicht selbst foltern wollen, warum sollten die unmenschliche Drecksarbeit, einen anderen Menschen zu foltern, andere für ihn machen und sich dabei strafbar machen? Wenn er selbst bereit war, sich über jede Vorschrift und jedes Gesetz hinweg zu setzen, warum hat er seine Untergebenen da mit reinziehen wollen? Man muss mal ganz klar sagen, was er vorhatte, wäre ein polizeidienstlicher Amoklauf gewesen. Solche Cowboys, die Helden spielen wollen und meinten, sie stünden als Polizeichef einer Stadt über dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und könnten in Extremsituation dermaßen eigen(un)verantwortlich handeln, dürfen nie wieder auch nur in die Nähe einer Polizeimarke und einer Dienstwaffe kommen.
Von daher bin ich trotz der Tatsache, dass es um ein Kind ging, für die härteste mögliche Bestrafung und dass Daschner nie wieder im Polizeidienst tätig sein darf. Man stelle sich vor, was die Außenwirkung eines milden Urteils oder eines Freispruches wäre. Die deutsche Polizei hat einen sehr guten Ruf und ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Wenn man jetzt Polizisten, die nach dem ähnlichen Muster wie Daschner gestrickt sind, einen Freibrief ausstellt, kann dieser Ruf sehr schnell hinüber sein.