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Original geschrieben von Printus
Wie steht das aber in Relation zur Lohnentwicklung des Fußvolks? Ich hatte ja nochmal bewußt dazugeschrieben dass es nicht darum geht zu diskutieren ob die Höhe der Bezahlung von Abgeordneten OK ist oder nicht, dazu gibt es sowieso konträre Meinungen und generell wird es auch immer wieder kritisiert werden wenn die Abgeordnetenbezüge steigen. Stammtisch-"Berufs"nörgler gibt es immer.
Der gemeine Arbeitnehmer kämpft aber mit Reallohnverlusten, hat oft also nicht mal die Möglichkeit den Standard zu halten. Lebensmittel wurden teurer, dazu die Umsatzsteuererhöhung, Bahntickets werden auch andauernd teurer... Vor diesem Hintergrund, und vor dem Hintergrund der Diskussion um den Mindestlohn, und angesichts vieler, seit langem ungeklärter Fragen in der Innenpolitik paßt es einfach nicht gut in die Zeit wenn eine Diätenerhöhung nun aber ruckzuck problemlos auf den Weg gebracht wird. Das kommt psychologisch nicht gut an weil es nicht in die Zeit paßt.
Aus populärer Sicht ist eine Erhöhung der Abgeordnetendiäten nie psychologisch günstig. Wann denn, wenn nicht jetzt, wo wir eine halbwegs gute Konjunktur, keine Nettoneuverschuldung haben, sollte eine Erhöhung der Diäten stattfinden? Natürlich ist die Prozedur, dass Abgeordnete selbst über die Höhe ihrer Diäten und Erhöhungen entscheiden nicht unbedingt glücklich, aber vielleicht würde eine unabhängige Kommission ja zu ganz anderen Ergebnissen kommen und 15 oder 20% Erhöhung vorschlagen.
Vom Reallohnverlust sind im übrigen auch Politiker betroffen, es sei denn es gibt in Berlin für Politiker inflationsfreie Wohnungen, Lebensmittel etc. Noch einmal: Wir reden hier von 9% nach 4 Nullrunden in zwei Schritten. Da haben die meisten Arbeitnehmer in den letzten 5 Jahren summiert genauso viel oder sogar mehr bekommen. Natürlich kann man jetzt auch wieder argumentieren, jemandem mit 8000 Euro im Monat tut der Preisanstieg weniger weh. Richtig. Aber wer und in welchem Beruf auch immer zu einem Gehalt von 8000 Euro gekommen ist, hat dies in der Regel von plakativen Gegenbeispielen einmal abgesehen, doch durch Leistung erreicht und hat genauso wie Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Erhöhung wegen Inflation.
Von einer Diskussion zum Mindestlohn sehe ich jetzt mal ab, sonst wird der Thread nie mehr aufs richtige Gleis finden 
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Sagst du... Aus Sicht vieler Menschen ist es aber eben nicht mehr so. Die erleben es eben so dass sie nicht mehr die Möglichkeit haben ihren sozialen Status eigenverantwortlich zu verändern. Wer in Berlin Neukölln oder anderen Brennpunkten groß wird, wer auf der Hauptschule war, hat heute das Gefühl keine Chance im Leben zu haben. Dass es theoretisch doch Chancen gibt mag sein, aber die Hürde liegt so hoch dass es nicht mehr machbar ist wenn man nicht außergewöhnlich viel Engagement bringt - und die Mehrheit der Menschen ist nun mal das Mittelmaß, man kann eben nicht die Erwartung haben dass jeder überdurchschnittlich viel Leistung bringen kann.
Was aus Sicht dieser Menschen so ist, interessiert mich eigentlich wenig.
Leider ist es so, dass es bei einer gewissen gesellschaftlichen Schicht keinerlei Antrieb vorhanden ist, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und die persönliche Situation zu verbessern. Pure Lebensunfähigkeit. Bildungsferne, Junk TV-konsumierende Zombies, die es noch schaffen, die wichtigsten Botschaften der Seite 1 einer BILD-Zeitung zur Hälfte zu verstehen, aber höchstwahrscheinlich nicht mal einen Absatz eines Artikels in der FAZ kognitiv erfassen könnten. Ich bin wirklich dafür alles zu tun, damit jedes Kind in Deutschland, ob Immigrantenkind oder von deutschen Eltern, die gleiche Chance hat, Bildung zu bekommen. Denn für die Verhältnisse, in die man geboren wird, kann man nichts. Aber wer spätestens in der Pubertät und als Erwachsener nicht doch langsam mal aufwacht und merkt, er muss was tun, er muss sich anstrengen und etwas leisten und dass das Leben was anderes sein kann, als um 12 aufzustehen, das erste Bier und die erste Zigarette des Tages zu konsumieren, für den kann ich einfach kein Verständnis aufbringen. Mir tun diese Menschen ja in dieser Lebensunfähigkeit leid, aber ich bin nicht bereit für diese Menschen mit arbeiten zu gehen. Jeder Cent an sozialen Wohltaten mehr, den man in diese Menschen investiert, könnte ich genauso gut in die Kanalisation schmeissen. Für die Kinder von solchen Menschen jede erdenkliche staatliche Förderung und Anleitung, damit diese eine Chance haben, aus diesen Verhältnissen herauszukommen, aber wer bis 25 nicht kapiert hat, wie man für sich selbst Verantwortung trägt, ist zu 95% verloren.
Ich habe jetzt bewusst das Extrembeispiel gebracht. Natürlich gibt es zwischen Unter- und Mittelschicht, der ich mich als normaler Angestellter selbst zuordnen würde, noch viele Zwischenebenen aber mit ähnlichen Tendenzen auf schwächerem Niveau. Und ich meine auch nicht, Menschen, die unverschuldet in Arbeitslosigkeit geraten sind und aufgrund ihres Alters keinen neuen Job mehr finden. Nur denen hilft auch eine ALGI-Verlängerung absolut nicht, sondern wiegt sie eher noch in falscher Sicherheit. Die Schicht, die ich beschrieben habe, macht aber auf jeden Fall einen mindestens genauso großen Anteil an den Hartz IV-Empfängern aus.
Ich habe dieses Jahr auf jeden Fall meine Leistung gebracht und im November dafür auch mehr als ein Monatsgehalt zusätzlich bekommen und ich könnte ehrlich gesagt KOTZEN, wenn ich sehe, dass ich die Hälfte an den Staat abtreten muss. Ich würde die Hälfte lieber spenden oder einem Altenpfleger, einer Krankenschwester oder einer Frisörin, die für 3 Euro die Stunde arbeitet,in die Hand drücken anstatt zuzusehen, wie eine in alte Schemata zurückgefallene SPD vorgezogene Wahlgeschenke und Sozialalmosen verteilt.
Wenn es schon soweit ist, dass man als Erwerbstätiger mit Durchschnittseinkommen oder minimal darüber und Abneigung gegen die Grünen sowie gegen zu viel Konservatismus und Staatsterrorismus ausgerechnet die FDP als einzige Partei ausmachen kann, die die Interessen der Erwerbstätigen, die ihr Leben gerne selbstbestimmt und eigenverantwortlich in einer sozialen Marktwirtschaft leben möchten, vertritt, dann sieht man sehr gut, wie weit abgedriftet eine eigentliche Arbeiter- und Angestelltenpartei wie die SPD von der Wirklichkeit der tatsächlichen Leistungserbringer ist.