Wenn man heute mal den Wald an Wirtschaftszeitungen durchblättert stellt sich relativ klar was das Problem mit Bochum war.
Bochum war schon im Endeffekt unrentabel für Nokia(dies impliziert nicht unbedingt nur den reinen Produktivität- und Entlohnungsfaktor als Messlatte) im Jahr 2001. Dann wurden neue Subventionen zugeschossen und wohl bisschen was geändert in der tariflichen Ausgestaltung und das Werk konnte noch gerettet werden.
Dann werden ja in Bochum primär die Handys aus einzelnen Komponenten gefertigt, welche aus der ganzen Welt kommen und sehr selten aus der Bochumer Region. Da die Zulieferer dieser Komponenten sich harte Schlachten liefern arbeiten sie mit sehr geringen Margen und es zählt jeder gesparte Cent. Deutschland ist also absolut unattraktiv als Standort für diese Zulieferer, da nicht nur zu teuer sondern auch in vielen Belangen zu unflexibel, wie z. B. Kündigungsschutz.
Allerdings entstehen durch diese räumlichen Distanzen zwischen den Entwicklern, Fertigung und Zulieferern natürlich diverse Probleme für Nokia. Entsprechend will Nokia möglichst regionale Verflechtung von Zulieferern, Entwicklern und der Fertigung. In Bochum war dies nicht zu erreichen, da die bestehenden Zulieferer nicht nach Deutschland kamen. Da also die Zulieferer nicht nach Deutschland kommen, muss Nokia zu den Zulieferern. So kommt übrigens die Aussage mit den geringen Lohnanteilen bei dem Bau eines Handys, da ja die Lohnkosten bei der Fertigung eines Handys eher bei der Herstellung der Komponenten zu suchen sind.
Dazu kamen wohl die Faktoren, dass Nokia möglichst große Standorte haben will und halt die gesammten ökonomischen Rahmenbedingungen haben nicht gestimtm.
Die NRW Regierung und auch die deutsche Bundesregierung sollte also sich eher darum bemühen diese sinnlosen Subventionen abzubauen, welche eine typische „Krankheit“ der deutschen Politik sind und versuchen den Standort NRW weiter attraktiver zu machen. Mehr Geld in die Hochschulbildung, Ausbau der Infrastruktur, günstigere Konditionen für Unternehmsneugründung, weitere Reformen des sozialen Systems und so weiter. Die Rahmenbedingungen legt nicht die Unternehmung fest, sondern die Politik. Gute Rahmenbedingungen sind letztendlich, die „sozialste“ Politik welche eine Regierung machen kann, nämlich eine nachhaltige Stärkung des lokalen Standortes. Verteilen kann erst etwas wenn es auch erwirtschaftet wurde.
Eher infantil ist dieses "Drohen" der deutschen Politiker um von eigenen Problemen abzulenken. Wenn ich jemanden was schenke und es nicht vertraglich regele kann ich doch nicht denjenigen drohen.
Und über das Thema Subventionen sollte man sich in deutschen Politik eh sehr stark zurückhalten. NRW badet gerade die Früchte der Jahrzehnte der sinnlosen Kohle - Subventionen aus. Subventionen für Unternehmensniederlassungen sind der absolute falsche Weg und sind nur ein Bestechungsmittel um von schlechten Faktoren abzulenken, wenn die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Übrigens was interessantes zum Standort in Rumänien:
http://derstandard.at/?url=/?id=3184952