Mein Senf
Irgendwo hier tauchte die Frage auf:
Zitat
Muss man ultralinks sein, um antiamerikanisch zu sein??
Ich sehe da keinerlei Zusammenhang : Ich selbst würde mich auf keinen Fall als "Links" bezeichnen lassen, sondern sehe mich selbst eher im politschen Umfeld CSU (mitte-rechts eben). Trotzdem bin ich sehr skeptisch den USA gegenüber und rennen nicht fähnchenschwenkend wie so manche andere hier denen hinterher und befürworte alles, was sie tun, ohne meinen Verstand zu benutzen.
Die derzeit brutal geführte Außenpolitik der USA zusammengefaßt:
Golfkrieg - wegen Öl und Stützpunktsicherung. Damals hätte man Hussein stürzen können, hat das aber zugunsten der Stabilität dieser Region nicht gemacht (man hätte ja unter Umständen auf wichtige Öllieferanten verzichten müssen) Schon damals hat es sich gerächt, daß man vorher jahrelang an genau diesen Gegner Waffen und Wissen verkauft hat. Jetzt versucht man einen Angriffskrieg gegen dieses Land mit Verstößen gegen die UN-Waffeninspektion zu legitimieren.
Kosovo - Ich begreife bis heute nicht, warum sich Amerika eingemischt hat. Das war und ist ein europäisches Problem und sollte auch von uns gelöst werden
Afghanistan - um sich an den Taliban zu rächen, verbündeten sich die USA mit zwielichtigen Warlords, machten Pakistan derart Druck, daß die gegen ihren Willen quasi von den USA mitbesetzt wurden, zerbombten das ohnehin schon zerstörte Afghanistan ohne Rücksicht auf die Erhaltung ziviler Infrastrukturen, verhängten eine totalitäre Nachrichtensperre und schafften es nach wie vor nicht, die Taliban restlos zu besiegen, Bin Laden zu fassen oder Frieden in die Region zu bringen. Der einzige "Erfolg" war ein Austausch der Regierung - jetzt sitzt dort eine Marionette der USA. Zudem verletzten die USA massiv die Menschenrechte der Gefangenen (würde ein politscher Gegner der USA genau so handeln, würden die USA diesen wohlmöglich angreifen)
Ich möchte jetzt nicht weiter als den Golfkrieg zurückgreifen (Cuba, Panama-Kanal, Vietnam, Japan usw möchte ich uns allen an dieser Stelle ersparen)
Derzeit verhalten sich die USA absolut rücksichtslos, führen Kriege für ihre ureigensten Interessen, während sie dies mit einem entweder humanitären oder terrorbekämpfenden Mäntelchen zu bedecken versuchen. Für mich ist ein solches Verhalten nicht tolerabel - ein Land, das die Menschenrechte und die Gerechtigkeit sich auf die Fahne schreibt, kann un darf diese nicht nur für sich selbst beanspruchen (Beispiel: Amerikaner müssen nicht vor internationale Krieggerichte!).
@JoPi
Zitat
Aber bevor ich mich auf die "andere Seite" stelle, stelle ich mich auf die Seite der USA
Ohne Dich in irgendeiner Weise angreifen zu wollen: Eine solche Aussage ist für mich Opportunismus pur. Lieber bin ich auf der Seite der Schläger als eventuell selbst einen aufs Dach zu bekommen oder was muß ich daraus lesen?. Mit dieser Einstellung werden die USA noch weiter durch die Welt marodieren. Diese Einstellung verschärft das Problem, daß die USA seit dem Zusammenbruch der UDSSR keinen ebenbürtigen Gegenpart mehr haben. Warum glaubst Du denn, will Bush den Irak erneut überfallen? Um eben zu verhindern, daß sich ein zweiter starker Staat aufrichtet und den USA Einhalt gebietet. Es ist doch geradezu absurd zu denken, die USA unterscheide sich von den Schurkenstaaten - sie sind lediglich stärker und demokratisch geführt. Ich kann die USA weder als Sicherheitsfaktor noch als das kleinere Übel bezeichnen - zähl einfach mal, in wieviele Kriege die USA in den letzten 15 Jahren involviert waren und wieviele davon sogar von ihnen maßgeblich mit vom Zaun gebrochen wurden. Schätze, das dürfte ein Negativrekord sein.
CK-187
Jetzt an dieser Stelle auch noch über das israelische Regime zu diskutieren, würde wohl wirklich entgleisen. Allerdings ist es schon bezeichnend, daß die USA in letzter Zeit sich doch leicht von Israel entfernt hatten, seit aber der Angriffskrieg gegen den Irak vorbereitet wird, die USA wieder Israel unterstützt. Schließlich braucht man dort ja einen Verbündeten...
Mein bescheidener Vorschlag:
USA raus aus der Nato und ein europäisches Kampfbündnis als Gegenpart und zweite Supermacht aufbauen, um wieder ein Gleichgewicht zu installieren. Aber das ist wohl nur Wunschdenken - die Europäer streiten uns lieber jahrelang um Etikettierungsgesetze fürs Rindfleisch als um die wirklich wichtigen Dinge.
Luposen