Naja, UMTS wird kommen...sagt man zumindest.
Ich halte es absolut nicht für ausgeschlossen, daß auch UMTS-Lizenzen zurück an den Staat fallen - schließlich wird unter Umständen aufgrund von Finanzproblemen nicht jeder Lizenznehmer in der Lage sein, die gesetzlichen Auflagen (Mindestabdeckung) zu erfüllen. Als Beispiel Quam: Die spanische Telefonica zieht sich aus dem für sie defizitären GSM-Funk beinahe europaweit raus. Heißt Kundenverlust, heißt Investitionsverlust. Schließlich müssen Anbieter nicht nur in die UMTS-Technik an sich investieren, sondern auch in die Standorte - und da sehe ich derzeit ein Problem.
Noch hält Quam die Lizenz, was verkaufstechnisch nicht ungeschickt ist. Aber nehmen wir den nicht unwahrscheinlichen Fall, daß niemand Quam übernehmen will, fällt diese Lizenz an den Staat zurück (nicht verkäuflich und Auflagen nicht erfüllt). Und siehste: Eine neue Lizenz wird versteigert. Anderes Beispiel Mobilcom: Wer noch ernsthaft denkt, die würden tatsächlich ihr Netz aufbauen, der irrt gewaltig. Und somit dürfte auch diese Lizenz kippeln. Es ist durchaus manchmal billiger, die Lizenzen abzuschreiben, als auf Deibel komm raus das Netz aufzubauen. Wenn sich das nicht trägt, hat man dann einen Schuldenberg, dessen jährliche Zinsbelastung ausreichen würde, eine UMTS-Lizenz zu bezahlen...
Und auch die Großen der Branche werden es schwer haben:
Beispiel T-Mobile. Warum wohl wird der UMTS-Start erst in grob einem Jahr sein? Die Investitionen in die neuen Funkanlagen, in das Content Providing, in die Vermarktung, in das Billing System, die ungesicherte Verfügbarkeit der Endgeräte usw machen UMTS zu einem schwer kalkulierbaren Risiko. Es ist primär eine finanzielle Entscheidung, den Starttermin zu verzögern - rein technisch gesehen ginge gerade bei T-Mobile der Start wesentlich früher. Aber diese gigantischen Summen, die alleine der Hardwareausbau des Neztes kostet, kann sich der Endverbraucher kaum vorstellen.
Dazu kommt noch, daß die Rentabilitätsberechnungen, auf deren Basis überhaupt die Lizenzen eingekauft wurden, schlichtweg der Fantasie entsprachen. Es wurde damals ein Richtwert angenommen, nach dem der durchschnittliche UMTS-Benutzer über 50 Euro pro Monat dafür auszugeben bereit wäre. Diese Zahl ist unhaltbar. Somit ist die Gesamtrentabilität gefährdert. Ein weiterer Punkt ist das Auslaufen der GSM-Lizenzen 2009: Anfänglich hat man damit kalkuliert, man könne das GSM-Netz bis 2009 stark redizieren und evtl bis 2011 abschaffen - womit erstens Standorte frei würden, zweitens die Betriebskosten des GSM-Netzes wegfallen würden und drittens die Kunden quasi zu UMTS gezwungen würden. Nur wie es derzeit ausschaut, müssen ab 2009 die GSM-Lizenzen teuer erneuert werden, weil eine REduzierung geschweige denn Abschaltung utopisch geworden ist.
Zudem ist die vielbeschworene Killerapplikation nicht in Sicht - mit dem derzeitigen Plänen kann man gerade Privatleute nur schwer locken. Und Andre, Deine optimistische Einschätzung in allen Ehren, aber ich bin nicht Deiner Meinung, daß jeder das haben wird. Vor wenigen Jahren noch hat man gesagt, bald hätte jeder ein Navigationssytem im Auto (nur als Beispiel) Und was passiert? Wenn ich eine langfristige Prognose auf dei deutschen Wirtschaftsdaten abgeben darf, sehe ich nicht, daß der anvisierte finanzstarke Kunde die Regel sein wird. Im Gegenteil, man muß damit rechnen, daß die Wirtschaft weiter stagniert - und dann wird es nicht ausreichend Kunden geben, um solche "Spielereien" zu verkaufen.
UMTS sehe ich als Damoklesschwert der deutschen Wirtschaft. Sollten die beiden großen der TK-Welt daran scheitern (und das ist meiner Meinung nach durchaus realistisch), dann drohen uns wirklich finstere Zeiten.
Zu nio: "Kommt Zeit,..." genau das ist das Problem: Die Zeit, die dieses Systembraucht, sich zu amortisieren, kann das KO-Kriotierium für den Anbieter sein. Wenn Du die Kosten nimmst und nur eine Milchmädchenrechnung aufmachst, was die jährliche Zinsbelastung ist (ohne Abschreibungen, ohne Unterhaltskosten, ohne alles, was noch draufkommt), dann wirst Du feststellen, daß diese Zinssummen in Höhen sind, in denen sich vom Umsatz(!) nur wenige deutsche Firmen überhaupt bewegen. Anders gesagt: Die Zeit ist der tödliche Faktor bei dem Spiel.
Luposen