Ich will mal versuchen, Deine Frage so neutral wie möglich zu beantworten.
Das kann ich mir erlauben, da ich schon 9 Rolexe besass (aktuell sind es
noch deren 3) und daneben auch jeden Menge anderer Marken und Modelle.
Als die Armbanduhr in den 20ern der vergangenen Jahrhunderts zaghaft
versuchte, die allgemein verbreitete Taschenuhr aus den Jacken zu ver-
drängen, waren Armbanduhren meist nix anderes als kleinere Taschen-
uhren mit angelöteten Bandanstössen. Da TU's den Elementen nicht so
ausgesetzt wurden, war es weder um die Dichtigkeit noch um die Stoss-
festigkeit besonders gut bestellt.
Hans Wilsdorf (Rolex Gründer) war einer der ersten, der erkannte dass
die - anfangs noch mit Skepsis beäugte - Armbanduhr nur Erfolg haben
würde, wenn sie robust und zuverlässig genug war. So entstanden die
sogenannten Oystergehäuse (Auster) mit Gewinde an Krone und Boden
sowie abgedichtetem Glas. Dank dieser Massnahmen konnte man mit
den Uhren sogar schwimmen gehen und auch Staub blieb aussen vor.
Den Bedarf an den nun kleiner gewordenen Werken konnte die Bieler
Firma Aegler decken, sie bauten sehr zuverlässige Handaufzugwerke
die Wilsdorfs Techniker noch weiter verbesserten. So wurde besonders
auf gute Stahlqualität und makellose Politur der Zapfen, aber auch auf
gutes Öl geachtet. Klar, dass die Werke mit der Zeit auch über Stoss-
sicherungen verfügten.
Hans Wilsdorf war kein Uhrmacher sondern ein exzellenter Kaufmann
mit viel Erfahrung im internationalen Handel. Diesem Umstand verdankt
die ürsprünglich in England ansässige Marke zweifellos ihren Erfolg.
Wilsdorf wusste, dass gute Uhren alleine nicht genügen. Man muss sie
Welt weit anbieten und auch für qualitativ guten Service sorgen. Hier
hat die Konkurrenz zu Anfang viel verschlafen. Eine Wilsdorf Uhr sollte
auf der ganzen Welt mit Originalersatzteilen von ausgebildeten Uhr-
machern gewartet werden können. Auch heute ist das noch so. Das
Genfer Ausbildungszentrum will jeden Uhrmacher der irgendwo auf der
Welt bei einem Konzessionär arbeitet, wenigstens einmal pro Jahr zur
Weiterbildung im Haus haben.
Darüber hinaus wurden Wilsdorf und später seine Nachfolger Papa und
Sohn Heiniger nicht müde, ihre Produkte an Prominente aller Couleur zu
verschenken. Sportler, Wissenschaftler, Schauspieler, Musiker, sogar
Politiker mussten her halten. Die Tatsache, dass die DayDate jedem
amerikanischen Präsidenten vermacht wurde, gab sogar dem speziell
geformten Armband den Namen. Müssig zu erwähnen, dass dieser
Umstand in der Werbung entsprechend gewürdigt wurde. Auch heute
noch ist die Marke der Traum jedes Inserateverkäufers, Rolex hat einen
um den Faktor 10 höheren Werbeetat als der Zweitplatzierte der Branche.
Dies alles war natürlich nicht billig zu machen und so waren die Uhren
ebenfalls nicht gerade billig. Rolex hatte also von Beginn an das Image
der guten und - was vielen Kunden noch viel wichtiger war - teuren
Uhren. Aus anderen Branchen wissen wir, dass ein über lange Zeit
erworbenes Bild nicht so schnell verblasst, auch wenn die Konkurrenz
längst auf- oder gar überholt hat.
Heute steht Rolex in der Schweiz einzigartig da. Nach dem Aufkauf aller
Lieferanten werden praktisch nur noch wenige Komponenten wie Gläser,
Lagersteine, Verpackungen u.a. zugekauft. Die Produktion der Uhrwerke,
der Gehäuse und Bänder sowie der Zifferblätter und Zeiger erfolgt an
zahlreichen Standorten in Biel, im Jura und im Grossraum Genf. Rolex
fertigt rund eine Million Uhren pro Jahr mit einem extrem hohem Grad
an Automatisierung, alle Qualitätskontrollen erfolgen zu 100%, es gibt
nirgendwo Stichproben. Dies gewährleistet gleichbleibende technische
Leistung, das Finish lässt allerdings leider oft zu wünschen übrig.
Die Flächen deckende Bekanntheit der Marke in Verbindung mit dem
Preisimage hat natürlich immer eine sehr durchwachsene Klientel auf
den Plan gerufen, dafür kann aber weder Rolex noch das Produkt was
und es sollte sich auch niemand davon von einem Kauf abhalten lassen.
Ich persönlich würde Rolex als den Golf unter den Uhren einstufen:
Man macht nix falsch, die Qualität ist gut, aber es ist und bleibt halt ein
Massenartikel. Exklusivität bleibt aussen vor, auch wenn einige Modelle
wie die Stahl-Daytona oder die grüne Submariner in vielen Ländern kaum
zu bekommen sind und dadurch die Graumarktpreise exorbitant steigen.
Gefällt das, über die Jahre nur wenig und erst in jüngster Zeit mit mehr
Engagement Face geliftete, Design dann kann man die Modelle wirklich
empfehlen. Es gibt ja auch ein paar schöne Klassiker wie die Explorer
denen man die "Rolex" erst auf den dritten Blick ansieht.
Eine kleine Anekdote am Rande: Immer wieder hört und liest man dass
der Name Rolex eine Abkürzung aus Horlogerie Exquisite sei. Das ist
leider falsch, würde ja auch gar nicht funktionieren, und wird auch durch
noch so viele Wiederholungen nicht wahrer.
Hans Wilsdorf beschreibt in seinem Vademecum ganz klipp und klar wie
er mit seinem damaligen englischen Partner, dem Gehäusehersteller
Davis in einem Pub sass und die Idee eines eigenen Namens vortrug.
Man muss dazu wissen, dass es damals noch nicht üblich war, auf Uhren
den Herstellernamen zu drucken. In der Regel wurde der Name des
Juweliers oder des Grossisten auf dem Zifferblatt verewigt, den Hersteller
fand man allenfalls auf dem Werk oder in der Innenseite des Deckels.
Wilsdorf wollte aber nicht hunderte verschiedener Namen, sondern auf
jeder Uhr den selben drucken. Also musste ein Begriff gesucht werden,
der klein genug war um mit dem Juweliernamen zusammen auf dem ZB
Platz zu finden. Ferner sollte er symmetrisch mit ausgewogener Laufweite
der Buchstaben und in jeder Sprache auszusprechen sein.
Man hat dann zahlreiche Bierdeckel mit allen möglichen Kombinationen
aus dem gesamten Alphabet gefüllt und sich rechtzeitig um 22 Uhr zur
Sperrstunde auf ROLEX geeinigt. Wie man sehen kann, hat das Guinnes
die Sinne der beiden nicht getrübt, das Wort ist perfekt ausbalanciert
und sehr einprägsam. Einige dieser Deckel existieren in Genf übrigens
noch, leider sind sie - wie alles andere auch - nicht öffentlich zugänglich.
Bereits am nächsten Tag beauftragte man den Zifferblattlieferanten
mit dem Druck und legte fortan jeder Lieferung erst eine, dann zwei
und mit der Zeit immer mehr mit ROLEX signierte Uhren in die Kartons.
So wurde die Akzeptanz im Handel langsam erwirkt und der Begriff
Rolex auf der ganzen Welt verteilt.
Das Krönchen kam übrigens erst Jahr später dazu, es hat gemäss
Wilsdorf fünf Zacken weil auch ROLEX aus fünf Buchstaben besteht.
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