@ anhi: Wenn Du noch Fragen hast, meld Dich. Aber speakers hat sehr interessante Fragen aufgeworfen, auf die ich gern eingehen möchte (schließlich ist das hier der offizielle Radthread
)
@ speakers:
Mir ist nicht aufgefallen, dass Du diese Punkte zu bedenken gegeben hast, aber es ist in der Tat zu berücksichtigen. Allerdings glaube ich, dass man in der Kategorie um 400€ haltbare Produkte à la Deore bekommt. Dass Du mit Deinem Rad für 500DM (wie lange ist das her? 15 oder 20 Jahre?) nicht glücklich geworden bist kann viele Gründe haben. Zum Beispiel, wenn das Radkonzept einfach nicht gepasst hat. Ich würde zum Beispiel auch kein BMX fahren wollen und als Stadtrad auch kein Rennrad, selbst wenn die Dinger 5000€ kosten - damit würde ich nicht glücklich. Ein anderer Punkt ist, dass Du das Rad nicht genügend gepflegt hast. Ich habe es jetzt erst an meiner Schwester gesehen: Ich habe mit ihr letztes Jahr ein neues Fitnessrad für 500€ gekauft. In diesem Frühjahr habe ich das Rad wiedergesehen und mich wirklich erschrocken: Reifen platt, Kette rostig, Züge gehen schwer, Schaltung verstellt, alles verdreckt. Es hat mich einen ganzen Nachmittag gekostet, das Rad wieder vernünftig fahrbar zu machen. Sie hat sich übrigens darüber beschwert, dass das Rad immer langsamer wird ;). Vielleicht hattest Du damals noch nicht genügend Ahnung von Rädern und deshalb ist Deins ein wenig verkommen?
Es ist richtig, dass man nicht sparen sollte, wenn man das Rad nutzen will. Bloß wie weit sollte man da gehen? 200€ für ein Rad? 50€? 500€? 1000€? 2000€? 10000€?
Die Beantwortung dieser Frage ist absolute Ermessenssache. Ich bin vielleicht das Paradebeispiel für einen günstig fahrenden Radfahrer. Mein Rad hatte anno 2001 einen Neuwert von 1000DM. Weil ich das Rad letztens habe versichern lassen, musste ich alle Werte des Rades zusammenrechnen und bin auf einen Neuwert sämtlicher Teile von knapp 800€ gekommen (Verschleiß außen vor). Ich bin die letzten 5 Jahre also für 800€ (plus ein paar Bremsklötze und Züge) gefahren, und das weder langsam noch materialschonend. Die Zauberformel ist viel Pflege und ein wenig Fachkenntnis, dann kann man auch an einem verhältnismäßig günstigen Rad lange Freude haben.
Viele Kommilitonen von mir fahren Gebrauchträder vom Flohmarkt für max. 100€ und kommen damit auch an und wenn was kaputt geht, dann wird halt beim Radladen um die Ecke das günstigste Ersatzteil gekauft und damit kann man danach noch wesentlich günstiger als ich fahren - aber nicht so schnell :p.
Zu Deinem Mountainbike: vielleicht solltest Du das Verschulden am Defekt der LX auch bei Dir suchen. Vielleicht hast Du sie zu hart rangenommen ode zu wenig gepflegt? Ich kann das nämlich ehrlichgesagt kaum glauben, dass eine LX einfach so nach 3 Jahren kaputt geht, die Mechanik ist beinah für die Ewigkeit gebaut. Ich fahre als Schaltwerk Alivio und mein Umwerfer ist ne Acera (also unterste Schublade). Die Kurbel ist nochmal ne Stufe drunter, hat nämlich gar keinen Namen und die Kettenblätter sind zwar stark gebraucht. Aber die Teile haben die letzten 5 Jahre mehr oder weniger ohne Macken absolviert und ich denke im Moment nicht daran, die Teile auszutauschen. Auch die Schaltbremshebel (Alivio Rapidfire) sind auch noch völlig in Ordnung, fliegen aber bald raus, weil ich endlich meine Avid-Bremshebel montieren will. Wenn also noch jemand 3/8-Rapidfires hat, immer her damit ;).
Zum Thema Qualität (ein bisschen ist ja schon im letzten Absatz zu lesen): Ich glaube kaum, dass die Qualität (insb. bei Shimano) in den letzten Jahren abgenommen hat. Schaltkomponenten sind eigentlich vollständig entwickelt, jetzt geht es eigentlich nur noch um günstiger, langlebiger oder leichter. Meistens werden die Komponenten leichter gemacht (kann man sehr schön an der Entwicklung der XT-Gruppe sehen). Aber ich würde bei Shimano bedenkenlos ab Deore (bzw. bei Rennrädern 105) zugreifen.
Zum Thema Schnäppchen: Ein Schnäppchen ist ein Produkt, das man zu einem deutlich niedrigeren Preis als normal bekommen hat. Nicht mehr, nicht weniger, da gibt es nichts zu dehnen.
Ich gebe dem Kalkhoff 10 Jahre und mehr bei ordentlicher Pflege. Oben habe ich schon geschildert, dass man ein Rad in der Preisklasse auch in einem Jahr beinah zu Grunde richten kann. Ich wage die Behauptung, dass die Pflege eines Rades mindestens 70% bei der Haltbarkeit der Teile ausmacht, 30% liegen dann bei den Komponenten (wobei es da von Teil zu Teil unterschiedlich ist - eine Federgabel kann der Laie nur schwer warten und dementsprechend geht sie zu einem bestimmten Zeitpunkt kaputt).
Dass man nach 3-5 Jahren keine Ersatzteile mehr bekommt stimmt schlicht und einfach nicht! In den letzten 10 Jahren hat sich kaum etwas getan bis auf die Einführung des Aheadvorbaus oder der Evolution von 7- zu 9-fach-Schaltungen. Beide Dinge stellen bei der Ersatzteilbeschaffung keine wirklich große Hürde dar.
So, das war mein Wort zum Sonntag, nun werde ich mich wieder mit dem beschäftigen, was das Rad dann antreibt...
Schöne Grüße!
Georg