Aaaalso. 
Die Diskussion um Berlin ist zweifelsohne interessant, denn Berlin scheint eine polarisierende Wirkung zu haben. Berlin hat tausend Ecken und tausend Gesichter und man kennt Berlin sicher nicht auch nur ansatzweise nach einem dreitägigen Kudamm-Unter-den-Linden-Alexanderplatz-Trip. Definitiv gibt es im Gesamtbild schönere Städte als Berlin, aber mit pulsierend meine ich die Tatsache, daß aus meinen Augen (und wie gesagt, ich traue mir da eine gewisse Urteilsfähigkeit zu) in kaum einer anderen Stadt Geschichte so greifbar ist. Es geht nicht um Discos, Clubs und coole Leute - die gibts auch in Erfurt, Magdeburg und Gelsenkirchen, sondern um die Stadt an sich. Und genau der dreckige, laute und rauhe Ton, der viele abstösst, ist es auch, der Berlin eben urban macht. Aber so gerne ich auch über die schönen und weniger schönen Seiten Berlins diskutiere, eigentlich ging es mir wirklich um etwas anderes. Ich hätte auch München und Kaiserslautern (rein bezogen auf den Standort) vergleichen können.
Es dominieren übrigens nicht Schalke, Bremen, Stuttgart und Co., sondern einzig und alleine seit dreißig Jahren eine Mannschaft und die kommt eben zufälligerweise auch aus einer Millionenstadt. Die anderen spielen reihum mal ein, zwei oder auch drei Jahre oben mit. Und jetzt mal ehrlich: Uli Hoeneß ist bei Bayern als Manager angetreten, da hatten sie eine handvoll Meisterschaften gewonnen, sieben Millionen Mark Schulden und waren weit von dem FC Bayern entfernt, der sie heute in der Liga sind. Glaubst du, er hätte diese Leistungen im Bereich Marketing und Merchandising, einen Zuschauerschnitt von > 50.000 usw. auch in Kaiserslautern geschafft und damit den Geldbeutel der Lauterer immer weiter gefüllt und daraus den Kreislauf "sportlicher Erfolg --> finanzieller Erfolg --> sportlicher Erfolg" werden lassen? Ich bezweifel das.
Und daß Hertha diese Leistung nicht wenige Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Aufstieg schon leisten kann, liegt auf der Hand. Aber Hertha hat es im Gegensatz zu den meisten Aufsteigern geschafft, sich nachhaltig in der Liga zu etablieren. Schon vergessen? Hertha hat einen Etat von 55 Millionen Euro - 10 Millionen mehr als der deutsche Meister und nur fünf Millionen weniger als Bayern München und das zehn Jahre nach dem Aufstieg! Natürlich ist ein Standortvorteil nicht immer auch gleich ein sofort auf der ganzen Linie ausgespielter Vorteil, aber Hertha ist schon deutlich weiter als andere Aufsteiger zehn Jahre danach und das führe ich eben auf die genannten Tatsachen zurück. Warum konnte sich Hertha etablieren und Bochum nicht?
Aber was gibt es denn daran zu diskutieren, daß Berlin mit 3,4 Millionen Einwohnern ein besseres Werbepflaster ist als Bremen (und ja, auch die Tatsache, daß Soaps aus Berlin und Köln kommen, sagt etwas aus!), daß ein Olympiastadion, wenn man es gefüllt bekommt, finanziell in anderen Regionen spielt als ein Weserstadion usw.? Es ging nicht um den Status Quo, sondern um die Möglichkeiten und schöpfen Vereine wie Hertha oder Hamburg diese aus, dann bleiben Vereinen wie Bremen oder Kaiserslautern im Wettbewerb einfach nur noch die Möglichkeit, durch geschicktes Wirtschaften und der Verpflichtung von günstigen aber effektiven Spielern, dem etwas entgegenzusetzen - so wie es im Verhältnis gegenüber Bayern, Schalke etc. auch heute schon ist und immer wieder gut gelingt.
Aber weil du auch wieder - trotz mehrfacher Klarstellung von mir - nur auf den Aspekt Lebensqualität/Spieler anwerben etc. abzielst, nochmal zur Klarstellung: meine Aussage war, daß ich der Meinung bin, daß es für Vereine wie z.B. Bremen in Zukunft schwerer sein wird, wettbewerbsfähig zu bleiben, da ich davon ausgehe, daß Vereine wie Hertha und evtl. auch Hamburg mittelfristig ihre Standortvorteile in die Waagschale werfen und der o.g. Kreislauf in Fahrt kommt und durch diese Faktoren dann eben potenziert wird, wenn diese Vereine nur einige Spielzeiten konstante Leistungen zeigen. Diese Standortvorteile setzen sich aus meinen Augen zusammen aus Infrastruktur (Stadion z.B.), anderem Medieninteresse und damit erhöhter Werbe- und Sponsoringmöglichkeiten, Merchandising und (und darauf hat mich eben Hoeneß' Interview gebracht) der Name Berlin/Hamburg/Frankfurt ggü. Kaiserslautern und Co. - ihr habt euch dann einen Bereich herausgepickt, der subjektiv anders bewertet werden kann und reitet nun fortwährend darauf herum und ignoriert vollkommen meine ständigen Ausführungen, daß dieser Aspekt lediglich ein kleiner Teilaspekt war - das ist auch keine ganz faire Art, eine Diskussion zu führen, nachdem ich das nun mindestens dreimal erklärt habe. 
Halten wir fest: Jochen würde in Saarbrücken spielen, Oliver in Schalke und Berlin finden alle scheiße. 