Vorsicht, dieser Post ist lang und wahrscheinlich völlig unbedeutend und für die Diskussion überflüssig ;).
Die Rollenverteilungs- und die Gewohnheitsfrage sind in der Diskussion mit Sicherheit von Bedeutung. Ich stelle mal ein paar Thesen auf :D.
Es ist ja ein oft beobachtetes Phänomen, dass unbekannte oder ungewohnte Dinge zunächst spontane Ablehnung hervorrufen - wat de Bur ned kennt...
Das liegt daran, dass wir Situationen, die wir nie persönlich erlebt haben, auch nicht
selbst nachvollziehen können.
Menschen können im Voraus nicht verstehen, was die Vor- und Nachteile einer überlieferten Denk- und Lebensweise sind. Selbst kritisches Hinterfragen oder sogar selbst gemachte Erfahrungen schaffen es nur langsam, unsere vorgefertigten Handlungsmuster zu verändern. Vorurteile haben ja auch einen "Sinn" - sie ermöglichen die Orientierung in einer Welt, die zu komplex ist, um auf Anhieb verstanden zu werden. Ohne ein gewisses Niveau an Abstrahierung kann die Welt nicht verstanden werden.
Wir müssen daher daher Urteile aus unserer Umwelt oder den Erfahrungen vergangener Generationen übernehmen, ohne alle davon persönlich nachvollziehen und überprüfen zu können. Je eindeutiger wir ein Muster wahrzunehmen glauben, desto öfter wird das spätere Werturteil bestätigt und desto überzeugender ist es.
Kommt es nun zu starken Abweichungen von dem selbstentwickelten Weltbild, bekommt der Mensch ein Gefühl der Orientierungslosigkeit, weil er die möglichen Gefahren der ungewohnten Situation nicht abschätzen kann oder auf aufgeworfene Fragen keine Antworten weiß, keine sichere Grundlage mehr für seine Entscheidungen hat, oder ähnliches.
Ein Beispiel aus dem Alltag, nachdem es schon im Sprichwort auftaucht: das Essen.
Essen, das aus irgendeinem Grund im jeweiligen Kulturkreis als ungewöhnlich gilt, wird von den meisten Menschen unbewusst abgelehnt. Das dient dem Selbstschutz - wer auf eigene Faust Experimente startet, riskiert ggf. seine Gesundheit. Deshalb verlassen wir uns lieber auf unsere Erfahrung, mit der wir bisher ganz gut gefahren sind. Die meisten Leute empfinden Ekel dabei, Insekten oder ähnliches zu essen (ich selbst bin da keine Ausnahme ;)). Aber einen biologischen Grund gibt es dafür nicht... das ist ein rein kulturelles Phänomen.
Ein Beispiel, das dem Thema näher kommt: die Rollenverteilung in der klassischen Familie. Die Frau gilt klassischerweise bei uns als das sozialere und emotional einfühlsamere Wesen, der Mann hingegen als rational-logisch. Daraus ergäbe sich eine Art "ideale" Aufgabenteilung, der Mann sorgt für die physische Lebensgrundlage der Familie, die Frau für die seelische Gesundheit.
Wenngleich es möglicherweise von der biologischen Seite Tendenzen in diese Richtung geben mag (das kann ich nicht beurteilen, ich bin kein Biologe ;)), glaube ich nicht, dass man diesen Unterschied zwischen Männern und Frauen verallgemeinern könnte. Schon durch die individuellen Charakterunterschiede aller Menschen müsste es zu Überlappungen kommen. Es könnte sich durchaus Paare finden, in denen die Frau besonders rational-überlegt ist und in denen der Mann dann gefühlsgesteuerter und einfühlsamer ist als die Frau. Hier "müsste" die Rollenverteilung dann eigentlich umgekehrt sein. Jedoch kann man den Gesamtcharakter eines Menschen genausowenig ausschließlich einer genetischen Veranlagung zuschreiben wie man ihn allein auf die Erziehung in (Geschlechter-)Rollen schieben kann, so dass die ganze Sache auch noch in gewisser Weise rekursiv ist. Unabhängig davon kann man aber festhalten, dass eine reine biologische Tendenz - "die Mehrheit der Männer ist eher rational und die der Frauen eher emotional" - zusammen mit der Vorurteilsbildung und der Erziehung in dazu passenden Rollenmodellen eine Art Multiplikatoreffekt hat, was letztlich dazu führt, dass sich Mehrheiten im Laufe des Prozesses immer stärker herausbilden.
Dazu stelle ich jetzt noch die These in den Raum: je weniger liberal eine Gesellschaft ist, desto stärker zwängt sie ihre Mitglieder in die vorgefertigten Rollen.
Nachdem unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten liberaler geworden ist, lässt die oben postulierte Multiplikatorwirkung nach und produziert mehr "Sonderfälle" als früher. Als es für Frauen noch schwierig war, Karriere zu machen, waren Familien so gut wie unmöglich, in denen entsprechend veranlagte Väter die Kinder erziehen und Mütter im Beruf den Lebensunterhalt sichern. Durch die stärkere Gleichberechtigung ist dies inzwischen aber möglich. Es sorgt natürlich für viel Verunsicherung, ob es den Kindern gut tun, hauptsächlich vom Vater erzogen zu werden.
Diese Verunsicherung kommt ganz einfach daher, dass es unserem bisherigen Erfahrung widerspricht und wir nicht abschätzen können, was diese Veränderung bewirkt, weil wir dazu keine Erfahrungen vorweisen können. Verfolgt man das Problem zurück, müsste man aber zu dem Schluss kommen, dass die umgekehrte Rollenverteilung für die Kinder sogar besser ist, da der gefühlsmäßig stärker veranlagte Partner "effizienzmäßig" gesehen ja auch besser für die Kindererziehung geeignet ist und genau diese Effizienzmaximierung überhaupt zur Ausbildung der Geschlechterrollen geführt hat.
Ich schätze, dass es mit der Homosexualität und der "Homo-Ehe" um das selbe Problem handelt, bloß dass es noch stärker ausgeprägt ist und noch einen noch fundamentaleren Bruch mit unseren bisherigen Erfahrungen darstellt.
Letztenendes ist die Verunsicherung zum Umgang mit Homosexualität und Homo-Ehe aber unbegründet, wenn man auch wieder von der Hypothese ausgehen würde, dass sich die Tabuisierung dieser Lebensweisen im Prinzip bloß durch die oben skizzierte Multiplikatorwirkung aus der Tatsache entwickelt hat, dass die Heterosexuellen biologisch oder sonstwie bedingt schon seit langem eine Mehrheit gegenüber den Homosexuellen darstellen. Letzten Endes wäre es aber wünschenswert, wenn die Gesellschaft der Homosexualität die gleiche Akzeptanz entgegenbringen würde wie der Hetreosexualität.
Fazit: das Problem scheinen mir wohl die Menschen selbst zu sein. Gesellschaftliche Entwicklungen sind träge. Den Weg zu einer größeren Akzeptanz der Homoehe kann man langsam durch mehr Toleranz voranbringen, aber man kann die Toleranz nicht von heute auf morgen erzwingen. Schockartig ruft Veränderung Ablehnung hervor, aber kleinschrittig lässt sich eine Veränderung der Denkweise in den Köpfen der Menschen erreichen.
Das ist jetzt alles etwas abgehoben aber es ist mir einfach sozusagen aus der Feder geflossen. Vielleicht kann ja jemand damit etwas anfangen und / oder es etwas ordnen
;).