ZitatOriginal geschrieben von VFBler
Wenn der Großteil der Bürger der Meinung entgegensteht, warum haben die Bürger seit 1994 immer wieder die gleichen Parteien gewählt die für das Projekt sind? Warum haben den Großteil der Bürger dann nicht einfach die gewählt die das Projekt stoppen wollen?
Weil das Thema S21 in den vergangenen Jahren zwar schon vorhanden war, aber keine große Relevanz hatte. Das hat sich durch den Beginn der Abrissarbeiten, also dass konkrete Dinge unternommen wurden, geändert. Das ist eine normale Sache, natürlich rücken immer die aktuellen Ereignisse in den Fokus des Interesses und nicht das, was im Hintergrund schwelt.
Obendrein fließen in Wahlentscheidungen viele verschiedene Themen ein, wegen einem einzelnen Projekt, das sich sogar noch in der Vorbereitung empfindet, verlässt erstmal niemand seine sonstige politische Linie.
Und nicht zuletzt: es geht mitunter auch um Abrechnung mit der Bundespolitik. Rot-grün war zuletzt nicht mehr angesagt, also pendelten manche Wechselwähler eher in Richtung CDU/FDP, die in einem strukturstarken Land wie BaWü viele Menschen aus der breiten bürgerlichen Mitte ansprechen können.
Es ist derselbe Effekt, aus dem in NRW - speziell dem Ruhrgebiet - traditionell jahrzehntelang eine starke Dominanz der "Arbeiterpartei" SPD gegeben war.
ZitatOriginal geschrieben von VFBler
Und ich werde das allererstermal seit ich wählen darf (16 Jahre) mein Kreuz bei den Parteien machen die das Projekt und weitere Projekte, die unser schönes Land wirtschtaftlich stabil und für die Zukunt unsere Kinder fitt machen, setzen.
Im Augenblick machen sie eher das Gegenteil. Sie verbrennen in Stuttgart Milliarden...
Ansonsten gebe ich Frank Recht. Ohne damit hausieren gehen zu wollen, aber ich habe hier schon seit Jahren immer wieder davor gewarnt, dass soziale Schieflagen und eine Entfremdung der Eliten (Politik, Wirtschaft/Lobbyverbände, Finanzmärkte) irgendwann eskalieren und die Bürger auf die Barrikaden gehen werden. S21 ist der erste sichtbare und messbare Beweis dafür. Die Umfragen sagen klar, dass es nicht mehr nur um den Bahnhof geht, sondern die Arroganz von Politik und Wirtschaft die Bürger wütend macht. Die Art und Weise, wie man auf den Bürgerprotest reagiert, ist katastrophal.
Es geht nicht um die Legalität der Bauarbeiten, es geht um ihre Legitimität. Wenn den Bürgern das Projekt nicht ausreichend erklärt wird, vielleicht auch nicht erklärt werden kann weil an allzu vielen Stellen aufgrund des politischen Willens Gesetze/Verordnungen/Auflagen "passend gemacht werden" um S21 durchzukriegen, missachtet das elementar den demokratischen Gedanken, dass alle Macht vom Volke ausgeht. Der Protest gegen das Projekt führt nicht etwa zu einem breiten Dialog und Erklärungsbemühungen der Veranstalter, sondern wird von der Staatsmacht Polizei gewaltsam niedergeknüppelt.
Es spielt in der Bedeutung des Ganzen eine eher kleine Rolle was im Verhalten von Demonstranten und Polizei juristisch gerechtfertigt ist und was nicht. Es geht darum, dass in einer Demokratie Abläufe wie bei S21 nicht akzeptiert werden. Die Einstellung, mit der die Bauherren und ihre Erfüllungsgehilfen die Sache durch die Gremien geschummelt haben um jetzt auf die parlamentarischen und gerichtlichen Positiventscheidungen abheben, ist unterirdisch. So kann man mit informierten Bürgern, Wählern, Steuerzahlern, dem Souverän, nicht umgehen.
Das wiegt um so schwerer als nicht nur die Politik von den Bürgern legitimiert wird, sondern auch die Bahn ein bundeseigenes Unternehmen ist. Sich gegen seine Eigentümer, die Bürger, und gegen seine Kunden zu stellen, zieht NATÜRLICH den Vorwurf nach sich, dass die Entscheider offenbar den Bezug verloren haben, in wessen Sinne sie eigentlich zu arbeiten haben.
Zugleich erlebt der Bürger, dass er selbst in dieser Bürokratie mit unendlich vielen Auflagen und Gesetzen drangsaliert wird. Reinhard Mey hat es seinerzeit so formuliert:
"Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars,
Dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt
Zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt."
Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, dass es den gesellschaftlichen Eliten immer stärker an Bezug zu den Bürgern fehlt. Was die Bundesregierungen in den letzten Jahren abgeliefert haben und abliefern und was seitens Unternehmen auf dem (Arbeits)markt läuft sowie was auf den Finanzmärkten abgeht, läuft in eine Richtung: Eliten bereichern sich, die Bürger müssen sich immer mehr einschränken und zahlen die Zeche. Das kann nicht immer weiter gehen, irgendwann läuft das Fass über - und S21 scheint da der Einstieg zu sein.
Es geht also nicht allein um dieses Projekt alleine, sondern die CDU leistet sich auch in der Bundesregierung eine kaum erträgliche Lobbypolitik. Ich hatte zwar auch nichts anderes erwartet, aber es gab sehr viele Leute - auch hier bei TT - die vor der Bundestagswahl die Hoffnung hatten, dass mit schwarz-gelb alles besser werde was rot-grün versaut habe und in der großen Koalition nicht machbar war.