Beiträge von Printus

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    Original geschrieben von rasputin
    Genau darum geht es mir hauptsächlich. Was man als positiv oder negativ empfindet, hat man zum Großteil selbst in der Hand. Ich habe das Gefühl, viele negative Empfindungen sind in einer (vielleicht zu hohen) Erwartungshaltung begründet.


    Es gibt die Meinung, dass unser Denken komplett gar nicht frei wäre sondern so ziemlich alles Folge diverser Umstände und Bestimmungen ist. Aber auch wenn man nicht dieser Denkschule folgt:


    Speziell bei Gefühlen ist impliziert, dass man sie nicht mit Ratio steuern kann, sondern sie sind einfach da. Du kannst dann vielleicht Wege entwickeln damit umzugehen, aber du wirst nicht anders empfinden können als du empfindest.


    Um so schwerer wird es wenn die Lebensumstände schwierig sind. Mal ganz krass gesagt: Wer im Konzentrationslager saß konnte sich das auch mit der größten Kraftanstrengung nicht schönreden indem er sich vornimmt, anders zu empfinden um insgesamt besser klar zu kommen.


    Was die Erwartungshaltung angeht: die ist natürlich immer am Umfeld orientiert. Studien in brasilianischen Favelas z. B. belegen, dass sich ein Armer inmitten anderer Armer verhältnismäßig OK fühlt weil das die Lebensbedingungen für alle sind.


    In unserer Gesellschaft steigt die Anzahl der Armen rasant, in der Öffentlichkeit sieht aber man nur eine erfolgreiche Glitzerwelt und dem Einzelnen wird suggeriert, dass er nicht en vogue, nicht modern, nicht "dabei" ist, wenn er dem Tempo und dem Konsum nicht folgen kann.
    Prekäre Wohngegenden wie Marzahn und Hellersdorf oder Wedding in Berlin tauchen hin und wieder in Reportagen auf, das öffentliche Bild ist aber nicht so, dass längst ganze Gruppen von Menschen den Anschluß verloren haben...


    Ich finde fatal, dass Regierungen dennoch entweder kein Programm oder eins mit Klientelpolitik für FDP-Wähler haben. Kein Wunder, dass immer weniger Menschen wählen gehen.
    Ich kann nicht erkennen warum es einer Regierung heute nicht gelingt, auf die aktuelle Lebenssituation zu reagieren. Schmidt konnte das... Man stelle sich vor, die Landshut würde heute entführt und das Kabinett müsste angesichts einsitzender Terroristen und eines lebensbedrohlich Entführten eine Entscheidung treffen...

    Ja, wenn du etwas hast und sich in deinem Leben Erfolge und Pleiten etwa die Waage halten kann man es so sehen. Die Realität Vieler zeigt aber ein deutliches Übergewicht der als negativ empfundenen Dinge.


    Als ich klein war gab es einen Bundeskanzler Schmidt. Die Leute hatten das Gefühl, dass der seine Sache gut macht weil er ein Konzept hatte, dazu eins, was Sinn und Verstand hat und von Vielen befürwortet wurde. Er hat geführt, noch dazu in die richtige Richtung.


    Heute haben wir das Merkel und Guido. Welches Konzept haben die, welche von den Bürgern als wichtige und richtige Weichenstellungen empfundenen Gesetze wurden von denen auf den Weg gebracht, womit haben sich die beiden positiv in Szene gesetzt? Die sind sich nicht mal untetreinander einig und sämtliche nennenswerten Projekte sind mehr als zwiespältig. Steuererleichterungen für Hoteliers, Bankenrettungspaket, Kopfpauschale und dergleichen mehr fallen einem ein. Die Leute werden in befristete, nicht zukunftssichere Prekärjobs gedrängt und die FDP plakatiert "Leistung muss sich wieder lohnen". Das ist ein Hohn für alle betroffenen Menschen. So wäre Schmidt nie und nimmer mit seinen Bürgern umgegangen.


    Ich kann mir die jetzige Regierung nicht schönreden nur weil ich keine andere habe. Sie machen ihre Sache nicht gut und da kann ich noch so positiv zu denken versuchen, Mist bleibt Mist und der Schmidt war um Welten besser...

    Geil!


    Ein App von der Post. Darin enthalten: Filialsuche, PLZ-Suche, Sendungs- und Paketverfolgung, Handyporto und Preisinformationen.


    Es schaltet nicht um in den Quermodus, aber damit kann man leben. Ansonsten ein absolut sinnvolles und hilfreiches App!


    Danke, Post! :top: :top: :top: :top: :top:

    Bzgl. GPS eine ganz einfache Frage: du stehst aber schon im Freien, ja? Weil mittig im Zimmer und manchmal selbst am Fenster klappt es natürlich nicht...


    10 Minuten Wartezeit erscheinen mir beim ersten Mal nicht lang genug. Man hört, dass sich die Standortsuche bei der ersten Benutzung (jemals, nach längerer Nicht-Nutzung oder wenn man GPS an einem anderen Ort startet als es zuletzt beendet wurde) initialisieren muss und das kann dauern. Meistens zwar nicht die "bis zu einer halben Stunde" aus vielen Bedienungsanleitungen, aber vielleicht mehr als deine 10 Minuten.


    Lass' das Gerät mal eine halbe Stunde draußen unter freiem Himmel liegen. Wenn sich dann nix tut scheint wirklich etwas nicht zu stimmen.

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    Original geschrieben von rasputin
    Es ging doch noch nie so vielen Menschen so gut, wie es heute der Fall ist. Die subjektive Wahrnehmung mag eine andere sein, sicher. ;) Aber das hat ja jeder selbst in der Hand. Ich habe einfach oft das Gefühl, dass viele Menschen einfach nicht zu schätzen wissen, dass es ihnen so gut geht.


    Ein hierzu ganz passender Artikel: *klick*


    Der Artikel ist IMHO ziemlich unsinnig. Nicht etwa weil ich eine andere Meinung habe, sondern weil keine Fakten und Belege für die Aussagen kommen. Der Autor labert viel rum und ignoriert, was ich weiter oben an offiziellen Zahlen zur Lohnentwicklung geschrieben habe, wie sich die Einkommens- und Lebenssituation entwickelt hat.


    Seine Aussage, Armut sei immer relativ weil sie sich am Einkommen der Gesamtbevölkerung misst und auch die Armen statistisch reicher werden wenn das Gesamteinkommen steigt, ist richtig aber unerheblich. Mit den Einkommen steigen auch die Preise und die Kaufkraft bleibt deswegen gering auch wenn die Zahlen größer werden. Nebenbei müssen Menschen in dieser Gesellschaft leben, nicht in einer anderen. Vergleiche zwischen Hungernden in Afrika und Hartzern hier sind insofern unsinnig. Irgendwem geht's natürlich immer noch etwas schlechter. Aber es geht den Armen hier nicht gut weil es anderen noch schlechter geht.


    Im Übrigen geht es nicht nur um Geld. Das soziale Klima hat sich verändert. Es zählt immer mehr nur Leistung, Geschwindigkeit, Humankapital anstatt Menschen und ideele Werte.


    Der alles entscheidende Indikator ist am Ende nur die Gesamtzufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben und ich bin sicher, dass ein Großteil der Bevölkerung sich nicht pudelwohl fühlt. Man kann nicht einfach sagen, dass nur ein paar Miesmacher die Stimmung versauen und alle, die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken, Reallohnverluste haben oder anderweitig unter Druck sind, sich das nur einbilden.

    OK, was ist den in toto besser geworden? Und ich meine damit nicht, dass irgendwelche Erfindungen gemacht wurden. Die Kosten ja zugleich Geld, können defekt sein etc., also bringt der Vorteil auch Nachteile mit sich und da halten Kosten und Nutzen sich oft die Waage.


    Nehmen wir mal die EDV - klar wurde Vieles einfacher. Andererseits schlagen wir extrem viel Lebenszeit mit Soft- und Hardwareproblemen tot, haben Ärger und so kann man sagen: wenn ich früher von Hand Buch geführt habe war das in mancher Hinsicht nachteilig, aber viele Probleme blieben mir auch erspart. Bin ich heute wirklich glücklicher über die elektronische Buchführung? Nicht wirklich...


    Es kommt nicht von ungefähr, dass manche Menschen ins Kloster gehen, in die Einsamkeit auswandern... und dabei meistens einen weit ausgeglicheneren Eindruck machen als diejenigen, die immer vorne mitkämpfen wollen oder müssen.

    Diger, ich denke, dass du einfach zu jung bist. Mit Jahrgang 74 (hattest du das nicht irgendwo geschrieben?) kannst du FRÜHESTENS die 80er überhaupt selber wahrgenommen haben und das ist keine Grundlage um halbwegs begründet über die 70er zu reden.


    In deiner Wahrnehmung mag es sicherlich so gewesen sein wie du schreibst, aber wer nur wenige Jahre älter ist als du hat z. B. den "deutschen Herbst 77" mitbekommen oder andere Sachen, die du mit Sicherheit nicht bewusst erlebt haben kannst. Insofern fehlen dir ein paar Perspektiven, die Frankie und ich mitbekommen haben - vielleicht "gerade so", aber halt anders als du.


    Das ist so wie bei denen, die Mitte der 80er geboren wurden. Die haben auch ihre Erinnerungen, können sich aber in die Zeit der wende 1989 nicht so reinversetzen wie diejenigen, die das wirklich miterlebt haben. Rein vom Wissen her kennt natürlich jeder die Maueröffnung und die Bilder von damals, aber es ist anders wenn man die Zeit bewusst erlebt hat.


    Wir alle können berichten wie wir den 11.09.2001 erlebt haben und wie das war, als wir von den Anschlägen in New York erfuhren. Wer erst danach geboren wurde kennt später das Ereignis, aber er hat es nicht erlebt.


    So geht es mir z. B. mit der Kennedy-Ermordung oder der Mondlandung. Frag' ältere Leute mal danach. Die können das ganz anders schildern als jemand, der nur die Fakten kennt weil er die historischen Bilder angeschaut hat.

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    Original geschrieben von diger
    Ja natürlich hat man das in den Nachrichten gesehen, es hat aber im Grunde niemanden interessiert.


    Doch, das hat schon interessiert. Aber es bestimmte die gefühlte Lebenszufriedenheit der Menschen nicht so sehr weil es im direkten persönlichen Umfeld meistens ganz gut lief. Man hatte einen sicheren Job, die Miete problemlos zu zahlen oder gar ein Haus zu bauen war jedem möglich und ein Auto oder Urlaub waren auch für nahezu niemanden ein Problem.


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    Original geschrieben von diger
    Und ausser ein paar wenigen (absolut vernachlässigbaren "Spinnern") hat sich niemand einen Bunker gebaut.


    Einen Bunker haben nicht viele gebaut, aber es war irgendwann die Auflage, dass ein Keller nicht nur das Haus tragen muss, sondern die Bauvorschriften besagten, dass man notfalls einen Schutzraum daraus machen können muss. Das galt für jeden Neubau.


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    Original geschrieben von diger
    Aber das ist wie heute in den Nachrichten. EINER macht irgend was verrücktes und kommt ins Fernsehen. In 30 Jahren schaut sich jemand die Nachrichten von damals (also heute) an und glaubt auch, dass die Leute damals ziemlich bescheuert oder ängstlich oder was auch immer waren.


    Ich habe nicht mit dem Nostalgie-Faktor argumentiert sondern konkrete Zahlen genannt. Es ist also kein Wahrnehmungs-Phänomen, das man im Nachhinein alles Frühere verklärt, sondern es gibt Argumente für meine Aussage, dass die zufriedenheit in den 1960, 70er und 80er Jahren unter dem Strich größer war weil die persönliche Unsicherheit nicht über jedem schwebte.


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    Original geschrieben von diger
    Man darf nicht den Fehler machen, und nur anhand von irgendwelchen Retro Sendungen sich eine reale Ansicht dieser Zeit zu bilden.


    Mache ich nicht. Ich erinnere mich an Vieles selber.


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    Original geschrieben von diger
    Es sind in den 80er auch nicht alle Jugendlichen mit bunten Haaren, soften Jackets und Schulterpolstern herumgelaufen. Klar gab es das, aber weniger, als die heutigen 80er Jahre Shows es glauben machen wollen.


    Klar war da nicht JEDER dabei, aber es prägte doch das Outfit der Zeit.


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    Original geschrieben von diger
    Und 2030 kommen dann die Threads, wie toll doch alles Anfang des neuen Jahrtausend war.


    Ich glaube kaum, dass ich dann vor dem TV sitze und Bilder von 9/11 sehe, vom Golfkrieg, von der Einführung von Hartz 4, Zeitarbeit auf dem Vormarsch und zunehmend prekären Arbeitsverhältnissen, Outsourcing, der Loveparade 2010, von der Banken- und der Eurokrise und dabei denke "Hach, das war ne schöne Zeit damals!".


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    Original geschrieben von diger
    Schaut euch doch NUR mal die Nachrichten an. Wenn man sich daraus ein Bild der aktuellen Welt machen würde, kann das eigentlich nur in eine Depression führen.


    Deswegen schreibe ich ja: so sehr witzig ist das Leben heute nicht, dass es uns flächendeckend besser geht als in den vergangenen Dekaden.

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    Original geschrieben von Quindan
    Wenn ich einige Statements hier so lese, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die "Propagandamaschinerie" bei euch letztenendes hervorragend gegriffen hat. Ich lese hier das typisch "deutsche" Gemecker.


    Ich glaube eher, dass TT relativ viele technikaffine und auskömmlich lebende Menschen hat. Diejenigen, die sich keine neuesten Smartphones leisten können treiben sich hier selten herum weil man an einem 15 EUR-Prepaidhandy nicht mehr viel zu diskutieren hat. Insofern denke ich eher, dass Vielen einfach der Blick für die Lebensbedingungen derer fehlt, die am unteren Rand der Gesellschaft leben.


    Ansonsten habe ich ja nicht nur "Stimmungen" beschrieben, sondern mit Zahlen / Links belegt warum viele Menschen heute objektiv weniger gut aufgestellt sind als früher.


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    Original geschrieben von Quindan
    Ich glaube nicht, das ihr als Kinder seinerzeit schon so weit wart, und euch um Terrorismus, Waldsterben, Endzeit usw. ernstlich Sorgen gemacht habt.


    Es kommt drauf an wann man geboren wurde. Wer heute 35 ist hat nichts mehr mitbekommen, wer 40, 45 ist aber schon.


    Wer Anfang der 1970er Jahre geboren wurde hat sich zwar keine Gedanken wie ein Erwachsener gemacht, er bekam aber schon mit was weltpolitisch los war. Es war in jeder Tagesschau präsent und ich erinnere mich z. B. auch, dass irgendwann Keller beim Hausbau als Schutzräume beim Atomkrieg auszulegen waren, Anti-Atomkraft oder Pershing 2-Demos, Krawall an Atommüll-Endlagern in Wackersdorf oder in Frankfurt an der Startbahn West stattfanden, oder die Förster bei Exkursionen im Schwarzwald über fast nichts anderes mehr redeten als herabhängende Zweige an Nadelbäumen als Beweis für den sauren Regen.


    Dennoch war die Gesamtstimmung positiver weil derartige Bedrohungen zwar präsent aber unveränderlich waren, man lebte damit. Es war nicht zu ändern und die persönliche Zukunft war - vom Atomkrieg, unbeabsichtigen Unfällen oder Krankheit abgesehen - sicher und positiv.
    Dieses ist heute für Viele nicht mehr so. Zukunftsängste, Geldprobleme, Sorge um den Job, die Rente und die Versorgung im Alter, Angst vor Arbeitslosigkeit, die Sorge, dem allgemeinen Tempo nicht mehr standhalten zu können, sind heute bei vielen Menschen deutlich präsenter.