Beiträge von Printus

    Zitat

    Original geschrieben von polli
    Hm, schweigen wird als Fehler ausgelegt??


    Ja, in diesem Fall schon. Findest du nicht bizarr, dass Duisburg unter dem Schock des Ereignisses steht, ganz Deutschland beschäftigt sich damit - und der wichtigste Repräsentant der Stadt taucht ab. Da gibt es eine Trauerfeier, sogar die Spitzen des Staates reisen an - aber der erste Bürger der betroffenen Stadt fehlt.


    Als Bürgermeister ist Sauerland nicht nur Verwaltungschef sondern auch Sprachrohr der Stadt. Er soll die Bürger vertreten. Nach dieser Katastrophe und angesichts der Betroffenheit der Duisburger wäre es die erste Pflicht des OB gewesen, als Repräsentant der Stadt da zu sein und nicht zu schweigen und abzutauchen um seine persönliche Position abzusichern.


    Niemand erwartet, dass sich der Mann straf- oder zivilrechtlich angreifbar macht. Es erwartet auch keiner, dass er SÄMTLICHE Versorgungsansprüche aus seiner Lebensarbeitszeit aufgibt und völlig unversorgt bleiben soll.


    Man erwartet aber, dass ein OB für die Bürger seiner Stadt das Wort ergreift, die Gefühle der Menschen thematisiert und den Leuten mit einer entsprechenden Ansprache Halt gibt. Dass er die moralische Verantwortung übernimmt und sich mit den Bezügen, die er vor seiner letzten Wahl erarbeitet hat und die besser sind als das, was 99% aller Deutschen später bekommen, zufrieden gibt.


    Stattdessen verpisst sich der Mann, sichert nur sich selbst rechtlich und finanziell ab, behauptet Unglaubwürdiges (als ob ein OB nicht involviert wäre wenn in seiner Stadt das größte Event aller Zeiten stattfindet) und lässt seine Mitarbeiter im Regen stehen.


    Da darf er sich wirklich nicht wundern, wenn das "Verantwortungsvakuum" von den Medien gefüllt wird und diese sich den größten Versager im Krisenmanagement aussuchen.

    Ich verstehe dich nicht falsch, aber ich finde, dass man es so dennoch nicht darstellen kann. Tausende Menschen sind schwerst traumatisiert und/oder verletzt worden und denen wird es nicht gerecht wenn man ihre Leiden - die Hunderte nie mehr los werden - als vorrübergehende Missempfindungen hinstellt.


    Dass es zu einer solchen Katastrophe kam kann ich auch nicht als "gerechte Strafe" für die Ellbogenmentalität und Oberflächlichkeit der Gesellschaft sehen. Ich bin immer in der 1. Reihe wenn es darum geht, unfähige Eliten und mangelnde Werte im Land zu beklagen. Es wird den Toten, Traumatisierten und Verletzten aber nicht gerecht, wenn man "schulterzuckend" argumentiert, sie würden den (gerechten) Preis für Fehlentwicklungen zahlen. Diese Argumentation passt zu Eva Herman, aber ich kann mir das so nicht zu eigen machen.


    Wenn das Ereignis etwas zeigt, dann doch im Wesentlichen 3 Dinge:


    1) Wie verhältnismäßig kleine Fehler Einzelner sich zu einer fatalen Fehlerkette entwickeln können. In der Luftfahrt weiß man schon lange um diese Problematik, an anderen Stellen ist sich darüber niemand so wirklich klar. Man verlässt sich darauf, dass die Dinge schon gut gehen werden, unsere vermeintliche Sicherheitskultur wohl verhindern werde, dass tatsächlich etwas anbrennt und dass es somit auch nicht weiter schlimm ist, wenn man mal 5 gerade sein lässt. Wenn das aber mehrere Leute denken sind irgendwann auch 15 und 25 gerade und irgendwann gehen die Dinge nicht mehr gut.


    2) Wie unglaublich dilettantisch und selbstherrlich hierzulande wichtige Entscheidungen zustande kommen. Unser bürokratischer Wasserkopf mit seinen Millionen Fachleuten, Zuständigen und Vorschriften erzwingt offenbar dennoch keine in jedweder Hinsicht abgewogenen Planungen und Entscheidungen, sondern Willkür und Wunschdenken von Entscheidungsträgern in Schlüsselpositionen reichen nach wie vor um jedes gewollte Ergebnis zu bekommen.
    So wie auch an anderer Stelle Politik, Unternehmen, Banken etc. abgekoppelt vom normalen Volk, demokratischen Prozessen und moralischen Vorgaben tun und lassen was sie wollen, wurde auch hier selbstherrlich durchgezogen, was bestimmte Lobbyisten und Politiker haben wollten.
    Wir tun so als wäre alles demokratisch legitimiert, gesetzlich geregelt und sicherheitsmäßig immer im Optimum. De facto sind wir oft genauso eine Bananenrepublik mit Willkür und Wegdrücken untergeordneter Bedenkenträger wie irgendeine Diktatur in Afrika.


    3) Wie unerträglich schlecht man eine Krise managen kann. Das, was der Veranstalter der Loveparade, der OB in Duisburg und die Polizei seit 1 Woche in der Öffentlichkeit darbieten würde einen Preis für die schlechteste PR aller Zeiten verdienen.
    Man hätte gemeinsam erklären sollen, dass man schockiert ist über das Unglück, in Gedanken bei den Toten, den Verletzten, ihren Angehörigen ist. Dass man zu seiner moralischen Verantwortung steht und einem die Toten und Verletzten Mahnung und Ansporn sind, schnellstmöglich aufzuklären was da warum passiert ist und wie man sicherstellt, dass sowas nie wieder passiert. Dass man eigene und Fehler anderer Beteiligter erkennen möchte, Konsequenzen daraus ziehen will und straf- und zivilrechtliche Konsequenzen tragen wird wenn entsprechende Erkenntnisse oder Urteile vorliegen. Dass man bis zur Klärung aber keine Schuldvorwürfe artikulieren möchte und man um Verständnis bittet, dass die Untersuchungen bei aller Intensität dennoch etwas Zeit brauchen.


    Der Bürgermeister hätte sich nicht verdrücken dürfen, er hätte an erster Stelle präsent sein müssen - bei seinen Bürgern, als brutalstmöglicher Aufklärer und als jemand, der sich moralisch verantwortlich fühlt wenn in seiner Stadt eine Katastrophe stattfindet.


    Dass er genau das alles nicht gemacht hat, er weist alle Schuld von sich, will nicht an der Genehmigung und Planung beteiligt gewesen sein, taucht ab, ist nicht bei der Trauerfeier und fehlt somit als wichtigster Repräsentant... das ist ein vielfaches Komplettversagen im Management des Unfalls.


    Ich bin gleichermaßen erstaunt wie ernüchtert, wie absolut schlecht sich alle Verantwortlichen seit 1 Woche verkaufen. Dass man so dermaßen unfähig auftritt ist sagenhaft...

    Drückerdrücker und Matchacom,


    ihr macht hier den Fehler alles an den 21 Toten zu bemessen.


    Neben den Toten gibt es 500 registrierte Verletzte, wahrscheinlich genauso viele, die sich nicht dort vor Ort haben behandeln lassen und die deswegen nicht statistisch als Loveparade-Opfer erfasst sind, und mehrere zehntausend Traumatisierte.


    Die Verletzten hatten Quetschungen von Organen und Gliedmaßen, teilweise offene Brüche (Hast du sowas mal in der Realität gesehen? Gliedmaßen in Fehlstellung, durchspießende Knochen, Blut... Da wird es dir als normalem Bürger, der nicht in der Medizin tätig ist, ganz anders. Schon bei einem Verletzten; und hier waren es hunderte!), blutende Wunden, Atemnot, panische und verstörte Menschen inmitten von Müll und Dreck, blutverschmierte Utensilien auf der Straße...


    Ihr dürft nicht vergessen, dass dort mehrheitlich junge Leute herumgesprungen sind, die oft noch nie einen Toten gesehen haben und jetzt entstellte Leichen, nach Luft japsende Verletzte, offene Brüche, schmerzverzerrte Opfer gesehen haben. Das alles in einem dunklen Tunnel, auf einer trostlosen Duisburger Industrierampe ohne Sicht zum Horizont. Blaulicht, Martinshörner, Megaphon-Durchsagen, Gekreische, Leute, denen die Nerven durchgehen, Sanitäter, Polizei - und das alles in einer surrealen Mischung mit Technobeats im Hintergrund.


    Da sind Zehntausende mitten in der Szenerie gewesen oder zwangsläufig auf dem Rückweg vorbei gekommen, die sowas noch nie gesehen haben und obendrein mental überhaupt nicht darauf vorbereitet waren weil jeder eine fröhliche Musikveranstaltung besuchen wollte.


    Sowohl Festivalbesucher wie auch Sanitäter, selbst jahrzehntelang erfahrene Notärzte und Rettungsdienstler schildern die Szenen als Kriegsschauplatz. Es war zwar noch niemand im Krieg, aber es dürfte auf einem Schlachtfeld kurz nach einem Angriff so aussehen wie bei der Loveparade.


    Man kann also nicht einfach nur ausrechnen wieviele Tote zeitgleich anderswo sterben, sondern man muss die Bestürzung daran messen, dass hier zehntausende Menschen schwerst traumatisiert wurden.


    Ich kenne einen der CISM-Psychologen, die nach dem Einsatz zur Einsatzkräfte-Nachbetreuung eingesetzt waren, sehr gut und hatte selber schon öfter in dem Bereich zu tun. Details aus den Gesprächen unterliegen der Verschwiegenheit, aber ihr macht euch kein Bild darüber was es für die Betroffenen bedeutet hat, mitten in der Hölle zwischen Schwerstverletzten und Toten zu stehen, welche Bilder, Geräusche, Gerüche und Erlebnisse sich da eingebrannt haben.


    Bei einem Busunfall mit 21 Toten ist es schlimm, aber hier sind zehntausende traumatisiert worden! Selbst Leute, die körperlich unversehrt geblieben sind, haben oft fürchterliche Bilder gesehen und müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie selber auch betroffen hätten sein können wenn irgendein Detail an dem Tag anders gewesen wäre, man einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen wäre. Oder die Leute, die während der Katastrophe auf der Rampe und im Tunnel eingepfercht waren... die werden vielfach ein riesiges Problem damit haben, dass es für sie haarscharf war. Wäre man 10 Minuten früher in den Tunnel gegangen, wäre man selber auf der Rampe gewesen...


    Unterschätzt das nicht. Die Anzahl der Toten ist nicht sonderlich aussagekräftig.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Gäbe es eine solche Regelung, die den OB zum Verbleib im Amt zwingt


    Er hat jetzt fast eine Woche Zeit gehabt sich eine andere Lösung auszudenken. Es gibt sicherlich Wege, wie er es elegant regeln könnte, sei es ein Misstrauensvotum im Stadtrat oder was auch immer. Ich denke nicht, dass er nur die eine Wahl hat im Amt zu bleiben oder ALLES zu verlieren.


    Darüber hinaus mangelt es von Anfang an und nach wie vor an Kommunikation. Würde der OB in die Offensive gehen - wie es der Innenminister gemacht hat - und würde Aufklärung versprechen, eine Untersuchung anleiern etc., wäre alles halb so schlimm. Aber das Schweigen, abwiegeln, nicht proaktiv für Klärung der Geschehnisse sorgen, DAS bringt die Bevölkerung auf die Palme. Dieses um so mehr als er mehrfach sehr unglaubwürdig behauptete, in keine Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden gewesen zu sein, während umgehend der Beweis in der Öffentlichkeit war, dass er sehr wohl involviert war. Nichts anderes ist auch zu erwarten, es glaubt doch niemand ernsthaft, dass der Bürgermeister nicht mitredet wenn das größte Event, das die Stadt je gesehen hat und sehen wird, ansteht.


    Die PR in eigener Sache ist also so dermaßen schlecht, dass sich der OB nicht wundern darf, dass er wie kein anderer in die Schußlinie geraten ist. Theoretisch müssten die Polizei, der Veranstalter und Komplettversager Schreckenberg genauso am Pranger stehen wie die Stadt und der OB. Nur verstehen es die anderen besser, sich durch Äußerungen, meinetwegen nur in den Raum geworfene Vorwürfe gegen andere, zu verkaufen.


    Man spürt nicht, dass der OB die Interessen seiner Bürger vertritt und er wird nicht zu halten sein. Insofern ist er gut beraten, wenn er so schnell wie möglich einen gangbaren Weg sucht, seinen Posten zu räumen. Jeder Tag, an dem er länger nicht handelt, macht die Sache unerträglicher, für ihn und seine Bürger.

    Hi Bert,


    klappt bei mir leider nicht... Ich habe das Problem mit dem Sixt-App, hab's 1000 Mal heruntergeladen, neu installiert, und doch ändert sich rein gar nichts. Meine Liste der App-Downloads ist völlig überfüllt mit dem Sixt-App und aktualisieren lässt sich nichts.


    IMHO liegen hier 2 Bugs vor: zum einen würde es reichen wenn mehrfach installierte Programme nur einmal in der Liste geführt würden, zum anderen klappen bei mir ganz offensichtlich die Updates nicht, zumindest nicht bei Sixt.

    Bernbayer, das ist wirklich Unsinn! Der Innenminister ist erst seit ein paar Tagen im Amt und muss nicht die Verantwortung übernehmen für individuelles Fehlverhalten / Fehlentscheidungen einzelner Abschnittsleiter - wenn es denn so ist, dass es da Fehler gab.
    Wenn der Innenminister bei jeder einzelnen Fehlleistung irgendeines Beamten zurücktreten müsste hätte er dazu jeden Tag 50x Anlass weil immer wieder irgendwo ein Fehler in einem Revier passiert.
    Der Innenminister trägt die politische Verantwortung für nicht behobene strukturelle Mängel innerhalb der Behörde, aber nicht für jede einzelne Entscheidung und jedes Verhalten irgendeines Polizeibeamten.


    Was den OB angeht: Ein Galgen geht natürlich zu weit, nur provoziert er solche Auswüchse auch wenn er nicht endlich abtritt. Er steht Vielen für das Versagen der Stadt Duisburg und Fehlentscheidungen der Politik in der Sache. Warum zieht er denn nicht endlich Konsequenzen und geht - meinetwegen mit einer entsprechenden Erklärung, dass es keine juristische Schuldanerkenntnis ist, sondern er seinen Teil der moralischen Verantwortung übernimmt. Und meinetwegen mit goldenem Handschlag um die Pension zu sichern. Aber was er im Augenblick treibt, nämlich nicht den Hut nehmen, sich nicht äußern, keine Verantwortung übernehmen - da darf er sich nicht wundern, dass die Bevölkerung immer wütender wird.

    Sehe ich auch so. Dieser Innenminister ist gerade mal ein paar Tage im Amt. Von ihm politische Verantwortung für ein mögliches Versagen zu fordern, das lange vor seinem Amtsantritt versaubeutelt wurde und obendrein andere Stellen weit mehr Verantwortung tragen, ist schon daneben. Der Innenminister ist sicher der letzte, der zurücktreten muss.


    Ich finde eher fatal, dass der OB nicht seinen Hut nimmt. Auf lange Sicht wird er sowieso nicht zu halten sein und gehen müssen. Zum einen ist sehr unwahrscheinlich, dass er nicht persönlich in die Planung des größten Events in der Geschichte seiner Stadt involviert war - und es tauchen ja auch schon entsprechende Protokolle auf, die seine Beteiligung an Planungen und auch dem Verwerfen von Sicherheitsbedenken belegen.
    Zum anderen muss er als langjähriger Amtsinhaber tatsächlich für Verfehlungen seiner Verwaltung gerade stehen. Die mangelhafte Arbeit der Stadt wird sich nicht nur an konkreten Sachverhalten bemessen, sondern allein schon weil das Veranstaltungsgelände in städtischem Besitz ist, ist sie als Betreiber des Geländes neben dem Veranstalter haftbar.
    Die Bürger wollen den Mann auch nicht mehr, er kann nicht mal an der Trauerfeier teilnehmen...
    Das Zögern und Am-Amt-kleben zerschlägt aber sehr viel Porzellan.


    Es zeigt sich da, wie auch schon angesprochen wurde, aber auch mal wieder ein häufiges Phänomen unserer Zeit: das Versagen von Eliten. Sie bauen aus Profitstreben, Machtgeilheit und Geltungsdrang, dem Ignorieren jeder vernünftigen Grenzen, unendlichen Mist. Und dann wird, wenn der Super-GAU passiert, dennoch nicht zur eigenen Verantwortung gestanden. Alle anderen sind schuld, nur man selber nicht. Sagen will man auch nichts, jeder kleine Pimpf hat heute ja auch sogleich seine Rechtsschutzversicherung am Start und es muss erst vor Gericht geklärt werden bevor man das Offensichtliche zugibt, nämlich dass man Mist gebaut hat.


    Er wäre wünschenswert, wenn irgendein Verantwortlicher - besser alle zusammen - dieses unerträgliche Trauerspiel beenden würden und dazu stehen würden, dass sie die Verantwortung im moralischen Sinne übernehmen. Meinetwegen mit dem Zusatz, dass das noch keine rechtliche Schuldanerkenntnis ist. Aber man müsste zeigen, dass man sich für Fehler im eigenen Bereich moralisch zuständig fühlt.

    Der Sanitätsdienst hat sehr gut gearbeitet, nur hat es angesichts der drangvollen Enge Ewigkeiten gedauert bis die an den Patienten dran waren. Da hätte auch der beste Rettungsdienst nichts positiver machen können.


    Dass unter - zu erwartenden - 1,5 Millionen Besuchern nicht nur disziplinierte Leute sind muss man als Veranstalter fest einplanen. Die Loveparade steht auch für durch Musik aufgeputschte Menschen, Alkohol und Drogen. Dass es da irgendwann irgendwo Pöbeleien, Aggressionen, Enge usw. geben wird ist zwangsläufig.


    Natürlich ist das immer ein Fehlverhalten Einzelner. Aber ein Veranstalter, der bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung nicht berücksichtigt, dass das garantiert irgendwo passieren wird, vernachlässigt sträflich seine Fürsorgepflicht.