ZitatOriginal geschrieben von diger
Die Reichen sind nicht gieriger, als die anderen. Lediglich die Summen sind andere, aber die Gier ist genauso stark ausgebildet. Und rein moralisch ist beides gleich verwerflich, egal welche Summe da eine Rolle spielt.
Nein, das ist keineswegs egal und auch nicht genau das gleiche. Wer schon dreimal zuviel hat und dann weiter Gier zu Lasten anderer (obendrein Schwächerer!) zeigt steht auf einer anderen Stufe als derjenige, der wenig hat und aus einer gewissen Notwendigkeit heraus Schnapper sucht. Du kannst auch nicht sagen "wer einem anderen ins Gesicht haut ist immer gleich schlecht, egal ob er eine Schlägerei anzettelt oder aus Notwehr handelt".
Wer eine besondere finanzielle - oder wie auch immer geartete - Potenz hat muss sich darüber klar sein, dass seine Handlungen andere Auswirkungen haben als die von Leichtgewichten und daraus resultiert eine besondere Verantwortung. Um im Beispiel zu bleiben: ein Kampfsportler muss wissen, dass, wenn er zuschlägt, das andere Auswirkungen hat als wenn eine zierliche Frau jemanden ohrfeigt. Daraus resultiert eine besondere Verantwortung und man muss an den Kampfsportler daher auch andere Maßstäbe ansetzen wenn er zuschlägt.
Die Banken- und die Euro-Krise wurden nicht vom harmlosen schnäppchensuchenden Konsumverhalten der Bürger ausgelöst, sondern durch Zockerei von Investmentbankern. Die Bürger baden den Mist aber aus weil sie die Folgen am Arbeitsmarkt tragen und obendrein auch noch Milliarden für die Fehlleistungen anderer zahlen. Und nicht mal jetzt hört der Mist auf, sondern die Banken zocken nach wie vor auch in verwerflichen Bereichen, nicht nur auf sicherem, fairen Terrain.
Und ein weiteres: es gibt nach wie vor viele Menschen, die "leben und leben lassen" und nicht wegen 2 Cent Preisvorteil zwielichtige Unternehmen unterstützen. So geizig, wie du es unterstellst, ist die große Masse der Menschen durchaus nicht.
ZitatOriginal geschrieben von Erik Meijer
Nur weil oben scheiße gebaut wird, befreit mich das noch lange nicht von meiner eigenen Veranwortung.
Sicher nicht. Es wird aber allgemein erwartet, dass man seine Aufgabe ordentlich erfüllt. Das erwarten deine Kunden von dir, das erwarten meine Kunden von mir. Haben die "Kunden" der Bundesregierung sich aber gewünscht, dass Steuersenkungen vorsprochen werden, die - für jeden sichtbar - nie finanzierbar waren? Haben sich die "Kunden" Stillstand seit der Bundestagswahl und Zaudern bis nach der NRW-Wahl gewünscht?
Da geht's nicht um unpopuläre, aber vielleicht langfristig doch richtige Maßnahmen. Das sind "Spielchen", die man sich nicht leisten kann und die dennoch stattfinden weil niemand da ist, der das stoppen kann. Dein Chef würde dir vermutlich etwas anderes erzählen wenn du unangenehme Arbeit liegen lässt weil du erstmal die Beförderungssituation in einem dreiviertel Jahr abwarten willst... oder etwa nicht?
Gehört nicht hierher, deswegen nur kurz: bzgl. Afghanisthan war von Anfang an nicht plausibel, was die Bundeswehr dort soll. Für Stabilisierungseinsätze muss man das THW schicken, keine Soldaten. Die Lage dort wurde nicht besser sondern kontinuierlich schlechter. Die Bundeswehr ist seit 9 Jahren dort und man ziert sich seitens der Politik es Krieg zu nennen, obwohl jedem Bürger sonnenklar ist, dass es genau das ist. Man kann jetzt nicht von heute auf morgen abhauen, aber wieso tut man sich so schwer, klar zu sagen "da haben wir einen Fehler gemacht"? Ich sehe nicht, dass da ehrlich agiert und der immer schon richtigen Wahrnehmung der Bevölkerung Rechnung getragen wird.
Es zeigt sich einfach in diversen Aspekten, dass der Fisch vom Kopf her stinkt und deswegen kommen wir mit "Gutmenschen-Postings", die besagen "jeder fasse sich an seine Nase" nicht weiter. Klar muss jeder vor seiner Tür kehren. Deswegen erwarte ich dennoch von der Politik, von Unternehmen und Banken, dass die ihre Hausaufgaben erledigen - so wie das auch von jedem Normalbürger verlangt wird. Und ich erwarte es von Eliten um so mehr als deren Einflüsse größer sind, die bestimmen die Richtlinien der Politik, der Wirtschaft, des Geldflusses.
Eigenes Handeln zu reflektieren ist gut und schön, aber das machen die meisten Bürger schon zwangsläufig, während auf den Ebenen, wo die großen Räder gedreht werden, nicht wirklich Veränderungen stattfinden.