1233321918, du zeigst doch an dem Beispiel perfekt auf, was schief geht - und kommst dennoch zu den falschen Schlüssen: heute kostet ein Untere-Mittelklasse-Golf das, was früher eine Mercedes-S-Klasse kostete. Die Löhne haben sich in derselben Zeit aber nicht genauso entwickelt. Wer sich früher den Benz leisten konnte, kann heute also nur noch Golf fahren. Wo soll das enden? In 10 Jahren fährt derselbe Mensch dann Dacia Logan und in 15 Jahren kann er sich gar kein Auto mehr leisten... der Bürger wird aber als Steuerzahler Millionen für Opel zahlen (egal ob mit oder ohne Deal mit GM oder weil er die arbeitslos werdende Belegschaft dürchfüttern muss), zahlt also, wenn man so will, am Ende sogar für ein Auto, was er gar nicht hat.
autares, ich habe nicht gesagt, dass ich in ein paar Tagen mit Bürgerkrieg rechne. Meine Aussage war, dass ich langfristig soziale Unruhen erwarte wenn die Mehrheit der Bürger nicht mehr zufrieden und zukunftssicher leben kann und sich der Frust ausweitet. Den hat nämlich inzwischen nicht mehr nur eine sich benachteiligt fühlende Unterschicht, der man teilweise Eigenversagen unterstellen könnte. Inzwischen haben auch viele aus der bürgerlichen Mittelschicht Existenzsorgen und Zukunftsängste.
Was die Lösungen angeht reicht mir der dann immer gerne bemühte, stereotype Spruch "dann geht doch in die Politik und ändert es" nicht. Meiner Meinung nach ist die Gesamtsituation eine Folge des gesellschaftlichen Versagens von Eliten. Es ist immer schön, den einzelnen Bürger an seine Beteiligungsmöglichkeit zu erinnern. Das entlastet die Entscheidungsträger und Verantwortlichen aber nicht, ihren Job ordentlich zu machen.
Die FDP redet komplett am Thema vorbei, hat immer noch nicht verstanden, dass ihre politischen Konzepte uns überhaupt erst in das Schlamassel geführt haben. Die CDU lässt sich von den Gelben wie ein Tanzbär am Nasenring herumführen. Die Bundeskanzlerin sitzt da und führt nicht.
Banker verzocken Geld und verteilen es zu ihren Gunsten und zugunsten von Investoren um, ohne Verantwortung und Schamgefühl.
Unternehmer sourcen out und ersetzen unvermeidbare Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen mit Zeitarbeitern. Auch der viel gelobte Mittelstand macht da oft mit - manche aus Gewinnstreben, andere aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, weil auch gute Unternehmer unter Preisdruck manchmal nicht mehr anders können als die Probleme auf Mitarbeiter abzuwälzen.
Somit sehe ich ein zunehmendes Versagen in Politik, Wirtschaft und im Finanzsektor. Es wird nicht mehr zugunsten eines allgemeinen Wohlstands gearbeitet, sondern nur noch egoistisch zugunsten des eigenen Vorteils. Aussitzen um die nächste Wahl zu gewinnen, zocken um hohe Boni zu verdienen, outsorcen um keine Mitarbeiter verantworten und zahlen zu müssen.
Mir reicht es an der Stelle nicht, zur Eigenbeteiligung aufgefordert zu werden, sondern ich erwarte von den Eliten, die Staat und Wirtschaft führen, dass sie ihre Hausaufgaben erledigen und dabei fair und ehrlich sind, und dass sie ihre Verantwortung für die Gesellschaft, die Menschen, verstehen und wahrnehmen. Davon spüre ich seit Jahren immer weniger. Und diesen Missstand kann ich kritisieren und Besserung einfordern ohne mich auf jeder einzelnen Ebene erst persönlich engagieren zu müssen.