Zitat
Original geschrieben von Bino-Man
Aber meine Frage bleibt unbeantwortet: Warum wird das Thema dieses Jahr so gepusht? Und warum blieb die bisherige Grippeimpfung all die Jahre so unbetrachtet? An den Pharmakonzernen (alleine) wird es ja nicht liegen können. Ist das mediale Sommerloch in diesem Jahr zusammen mit den milden Temperaturen bis in den November gerutscht?
Als die sog. Schweinegrippe im Frühsommer in Mexiko aufkeimte, hatte man Sorge eine neue, sehr aggressive "Seuche" a la SARS, Ebola, Vogelgrippe mit seeehr schneller Verbreitung vor sich zu haben. Es musste dann schnell entschieden werden, ob ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt wird.
Man entschied sich für eine flächendeckende Impfung und es gibt nun 2 Möglichkeiten: einen Impfstoff nur mit Antigenen - es dauert dann aber lange und ist teuer, bis genügend Impfstoff verfügbar ist. Oder einen mit weniger Antigenen, aber einem zusätzlichen Katalysator, der die wenigen Antigene verstärkt und im Ergebnis denselben Schutzfaktor erreicht.
Da es Geld und Zeit spart bzw. in gleicher Zeit mehr Impfdosen hergestellt werden können, wurde vor allem der mit einem Wirkverstärker versetzte Impfstoff gekauft. Der war eben relativ schnell und preiswert in großer Stückzahl herstellbar. Nachteil allerdings: der Katalysator verstärkt nicht nur die Wirkung der Antigene, sondern nach der Holzhammer-Methode auch eventuelle Gegenreaktionen des Körpers.
Als sich die Grippe dann ausbreitete stellt man fest, dass die Verläufe eher harmlos sind - und DAS brachte dann, zusammen mit der Nachricht über die beiden Impfstoff-Varianten, das Informationschaos.
Viele Leute dachten (und denken), dass man sich bei den momentan eher leichten Verläufen der Grippe nicht impfen lassen braucht. Wenn es nur um die aktuelle Welle geht, stimmt das auch. Die Gefahr ist aber, dass sich ein so leicht und schnell übertragbarer Erreger früher oder später bei irgendeinem Menschen mit schlimmeren Erregern vermischt, der aktuell eher harmlose Erreger zu einer schlimmen Form mutiert. Genau diese 2. Welle ist dann die eigentlich gefährliche.
Das war und ist vielen aber nicht klar. Die denken nur an jetzt und lehnen daher eine Impfung ab. Wichtig ist diese aber vor allem zur Verhinderung einer wirklich schlimmen 2. Welle mit mutierten Erregern.
Wer sich jetzt impfen lässt, hat dann zumindest einen gewissen Schutz gegen die mutierte Form des kursierenden Erregers.
Das wurde aber nicht gut kommuniziert, die beiden Impfstoffe wurden in der Krawall-Presse zu einem "guten" und einem "schlechten" Impfstoff gemacht, Kranke äußerten, sooooo schlimm sei es ihnen nicht ergangen - und damit war das Chaos da.
Impfgegener, die es seit Jahren gibt, waren (und sind) "Spinner", werden in der aktuellen Situation aber gehört und verunsichern die Menschen. Zwischendrin die Verschwörungstheoretiker, die "aus Prinzip" gegen die böse Pharmalobby sind und glauben, dass hier die Bevölkerung zur Profitsteigerung flächendeckend verängstigt wird.
NATÜRLICH profitiert die Pharmaindustrie stark von einer Situation, wo ihre Produkte sehr gefragt sind. Als die Mauer auf ging brachen auch goldene Zeiten für Bananenhändler an. Deswegen kam aber dennoch keiner auf die Idee, die Maueröffnung sei eine Verschwörung der Bananenhändler gewesen. In etwa so wird aber bei der Schweinegrippe jetzt von Manchen argumentiert.
Ich bin bisher noch nicht geimpft, werde es aber schnellstmöglich erledigen. Dass der Wirkverstärker mitunter ein kleines Unwohlsein verursacht - nicht schön, aber so isses dann eben.
Kaum stirbt irgendwo jemand, der zufällig Tage zuvor geimpft wurde, bricht nun Hysterie aus, als läge es an der Impfung. Man könnte aber genauso Wasser gefährlich finden weil alle Toten Stunden vor ihrem Tod noch Wasser getrunken haben... Es ist aber kein Kausalzusammenhang gegeben.
Dass manche Leute heftiger auf die Impfung reagieren und sie nicht vertragen - OK. Ist aber ganz normal, man findet bei jeder Impfung und jedem Medikament Menschen, die es nicht so gut vertragen. Manche vertragen auch keine Milch oder keinen Kaffee. Deswegen sind das dennoch keine gefährlichen Stoffe und die Grippeimpfung ist schon sehr anzuraten. Insbesondere, um einer gefährlichen Mutation des Schweinegrippen-Erregers nicht ungeschützt gegenüber zu stehen wenn es dazu kommen sollte.
Wenn das nämlich passiert ist es zu spät um eine Impfkampagne zu starten, dann verbreitet sich der Erreger und ist nicht mehr aufzuhalten. In dem Moment rollt dann eine Welle hochgefährlicher Erreger durch's Land und dann würden das Viele nicht überleben. Also lieber im Vorfeld alles tun um das zu verhindern.
Wenn es jetzt glücklicherweise nicht zu Katastrophe kommt, werden die Verschwörungstheoretiker das als Beweis für die Ungefährlichkeit des Erregers darstellen. Vielleicht ist es aber auch eine Folge eines guten Impfdurchsatzes in der Bevölkerung, was man aber (leider) nicht wird beweisen können weil ja *nichts* Schlimmes mehr passiert.
Die Bundesregierung hat in der Sache völlig richtig gehandelt wenn sie eine große Impfaktion losgetreten hat. Ich bin ja sonst immer sehr kritisch, aber in diesem Fall war es absolut richtig. Einzig das Informationsverhalten war grottenschlecht. Um ein solches Informationschaos mit all den Unsicherheiten zu vermeiden muss man dringend lernen, solche Ereignisse wesentlich besser zu erklären und eine ausgeklügelte Information für die Bürger ebenso auf den Weg zu schicken, weil das zwingend dazu gehört, damit es nicht zu seinem Chaos kommt wie im Moment.
Im Katastrophenschutz weiß man inzwischen, dass dringend auch Dritte, die nicht direkt betroffen sind (Angehörige, Presse, Schaulustige, Unverletzte) kanalisiert werden müssen. Ansonsten entwickeln die nämlich eine unkontrollierte Eigendynamik und schaden auch den direkt Betroffenen oder der zur Bewältigung der Lage notwendigen Infrastruktur.
Diese Erkenntnisse hat die Bundesregierung bei der Schweinegrippen-Impfung sträflich vernachlässigt. Es gab Unklarheiten und Verwirrung, dann stürzen sich sensationsgeile Medien genau darauf und indem sie reißerisch berichten, kocht das Thema hoch und schließlich müssen auch seriöse Medien mitmischen weil es ja ein aktuelles Thema wurde, das wachsende Chaos dann ja tatsächlich da.
Beim nächsten Mal muss das wesentlich besser klappen und eine großangelegte Informationskampagne parallel laufen. Vielleicht Fernsehspots, Hotlines, Expertenrunden im TV, Faltblätter mit Erklärungen, flächendeckende Fortbildung für Ärzte - und gerne auch kritisches Nachfragen, damit es seriös ist und nicht unsinnige Verschwörer eine komplette Verunsicherung auslösen oder selbst Ärzte nicht recht wissen, woran sie sind und alle andere Auskünfte geben.