Beiträge von Printus

    Ich vermute, dass der auf seinem Schweizer Fahrrad viel besser antreten und aufgrund des Gewichts Schwung holen kann als das bei einer professionellen Rennmaschine geht. Wenn dann die Renndistanz stimmt, ist man mit dem Militärrad schneller vorneweg als der Profi aufschließen kann. Wären die nicht 200, sondern 500 Meter gefahren, hätte der Voigt mit Sicherheit gewonnen.


    Huntziker ist eine Augenweide und absolut sympathisch. Ich mag sie. Aber auch ohne reine Sympathiepunkte sollte man sie nicht unterschätzen. Sie spricht 5 Sprachen, hat in Italien, der Schweiz und Deutschland große Shows moderiert und eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. Das muss ihr erstmal einer nachmachen und sie hat sicher mehr vorzuweisen als nur ein nettes Äußeres. Sie hat eine total sympathische, fröhliche Art und insofern ist sie IMHO tatsächlich mal eine angenehme Bereicherung für die Show.


    Die Wetten waren mal wieder unter aller Sau, aber das überrascht schon lange nicht mehr und das habe ich hier ja immer wieder kritisiert. Es geht halt immer weiter abwärts - früher ging es mal um die Wetten, inzwischen ist das nur noch Beiwerk aus der Kathegorie "Partyspiele", egal ob man die Briefmarken oder das Flasche-umpusten nimmt. Auch die Fahrradwette war eine langweilige Spielerei, die jeder Hanswurst auf der Straße nachstellen könnte, ebenso wie der Typ mit den Gummistiefeln. Wer wollte, könnte das in jedem x-beliebigen Sportverein ohne jedweden Aufwand selber nachmachen. Allein die Sache mit dem Auto auf dem Baggersee hatte das Niveau von "Wetten dass" in den guten Jahren. Wenn man sich vorstellt, dass der Kostenaufwand für alle Wetten (außer dem Auto auf dem Wasser) - obwohl sie der eigentliche Kern der Sendung sind - bei unter 5 EUR liegt während die Sendung das höchste Budget im öffentlich-rechtlichen Bereich hat, dann ärgert man sich schon, was mit den GEZ-Gebühren angestellt wird.


    Das Geld landet offenbar in First-Class-Tickets und Hotels dafür, dass z. B. Whitney Houston ihre beiden Töchter auf unsere Kosten mitnehmen kann... Oder dass in der ersten Reihe Prominente herumlümmeln, die sicher nicht auf eigene Kosten angereist sind und Tickets gekauft haben. Oder dass ein Herr zu Guttenberg seine Frau mitnehmen kann, die keinerlei öffentliche Bedeutung hat, aber neben ihren Herrn Gemahl aufs Sofa gesetzt wird. :mad:


    Die Wettanbieter werden hingegen immer mehr zu Deppen der Nation gemacht. Nicht nur, dass sie Oma und Opa grüßen dürfen wie kleine Kinder, denen man einen Lolli schenkt, sondern sie tragen auch noch Namensschilder damit Gottschalk weiß, wie der jeweilige Kandidat heißt. Die Leute scheinen nicht so wichtig zu sein, dass sich der Moderator deren 5 Namen merkt. Sehr bezeichnend, welche Prioritäten in der Show gesetzt werden... Würde mich nicht wundern, wenn diese Leute auch noch abseits der Prominenz in einem preiswerteren Hotel oder zumindest den billigeren Zimmern untergebracht werden.


    Gottschalk - naja, was erwartet ihr? Vielleicht muss man da die Erwartungshaltung herabschrauben. Der Mann wird älter, das ist ihm nicht vorzuwerfen, und vielleicht wird man auch anspruchsvoller weil wir über die Jahre hinweg von immer mehr Krawall- oder Skandalshows im Privatfernsehen "verzogen" wurden. Der Mann ist eigentlich nur Moderator und kein Kabarettist, der eine abendfüllende One-Man-Show bieten soll. Das Problem ist auch in dieser Hinsicht, dass die Wetten nix taugen und die Gäste auf der Couch eine Dauerwerbesendung abspulen, so dass der Moderator den Mist mit 3 Stunden Witz und Esprit rausreißen müsste - was natürlich nicht geht. Wären die Wetten ausreichend spektakulär und die Gäste wirklich am Wettspiel beteiligt - z. B. mit lustigen oder guten Wetteinsätzen - würde sich keiner an Gottschalk stören weil alles andere ausreichend für Unterhaltung sorgt.


    Ich sehe das Problem von "Wetten dass" darin, dass man sich nicht mit qualitativ gut gemachten Wetten und wirklich nur mitspielenden Wettpaten von schnell hingeklatschten Shows der Privaten absetzt. Dass die Wettpaten nur noch hinkommen um irgendwas zu promoten, nervt und ist halt kein Unterschied zu andauernden Werbeunterbrechungen bei RTL und Co. So, wie es jetzt abläuft, sind Langeweile und Enttäuschung vorprogrammiert und es kann immer nur in die Hose gehen.


    Pocher ist ein unsympathischer Blödmann und das hat er seinerzeit ja gerade bei "Wetten dass" unsäglich bewiesen, als er da eine Frau wegen ihres Aussehens beleidigte. Allein schon deswegen hätte der nicht mehr in diese Show gehört. Die Geschmacklosigkeit, ihn wieder einzuladen und dann liefert er wieder so einen unlustigen Mist ab - man lernt wohl nicht dazu beim ZDF...

    Kaum jemand zockt die Verbraucher so ab wie die Energiekonzerne. Dass es ohne Atomstrom teurer würde, ist eine Mär. Bestenfalls würden die hahnebüchenen Gewinne von RWE, EON usw. etwas kleiner.


    Ansonsten ist die Antwort, dass man in energiesparende Technologie investieren muss. Wenn man verbesserte Technik mit weniger Energiebedarf nutzt, kann man ohne Gefahren und Umweltbelastung auf Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie setzen.


    Dass wir von ausländischen Atommeillern umgeben sind ist kein Argument, weshalb man selber noch ein paar störanfällige Anlagen mehr betreibt und das Risiko für die Bürger damit prozentual erhöht.


    Vor 11/09 hat auch jeder angenommen, dass Wolkenkratzer gegen Flugzeuge resistent sind - eine leere Metallhülse aus leichtem Luftfahrt-Alu, die wird einem erdbeebensicheren Gebäude schon nichts anhaben... wir haben gesehen, wie es geendet hat.

    Zitat

    Original geschrieben von sweetsonny
    aha? und ich selbst bin dir kein gutes gegenbeispiel?


    Du kannst deine persönlichen Lebensumstände nicht verallgemeinern und individuelle Erfahrungen als Maßstab für alle Menschen nehmen.


    Zitat

    Original geschrieben von sweetsonny
    du sagst doch selbst, es funktioniert durchaus, aber auch nur, weil die verlotterten studenten ja alle mit sperrmüllmöbel leben und es bei uns zum lebensgefühl gehöre, kein geld zu haben


    So habe ich es nicht geschrieben. Meine sinngemäße Aussage war, dass man als junger Mensch noch dabei ist sich eine Zukunft zu bauen und auch alle Chancen dazu hat. Man hat sich noch nichts aufgebaut, hat aber viele hoffnungsvolle Pläne. Alle Chancen und Möglichkeiten sind einem gegeben.
    Obendrein ist man meistens bei guter Gesundheit, klarem Verstand, körperlich agil und belastbar, mit den Möglichkeiten moderner Kommunikation vertraut und somit problemlos in der Lage, Informationen zu beschaffen und soziale Kontakte zu pflegen.


    Ältere Menschen haben bereits eine Lebensleistung vollbracht und stellen sich den Lebensabend sicherlich anders vor als mit allen Beschwerden und Gebrechen, die sie vielleicht haben und die alles doppelt schwierig machen, auch noch existentielle Sorgen aushalten zu müssen. Da gibt es nämlich keine positive Prognose, sondern im Gegenteil Enttäuschung und Angst.


    Kannst du nachvollziehen was es bedeutet, wenn jemand jahrelang schuftet um sich etwas aufzubauen, dann kommt ein Schicksalsschlag (der an sich schon bewältigt werden muss) und der einem alles nimmt, was man sich mühsam erarbeitet hat? So eine Art "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel, nur dass es nicht auf einem Spielbrett stattfindet, sondern ein Schicksal dran hängt... Man steht nach allem, was man geleistet hat, wieder bei 0 und hat aber realistisch keine Chance mehr, das ganze "Spiel" nochmal neu zu bestreiten.


    Ältere Menschen sind körperlich eingeschränkter, tun sich mit geistiger Flexibilität schwerer, können dem Tempo in der Welt nicht mehr folgen und sind technisch nicht mehr up to date. Dafür haben sie oft einen großen Stolz und hungern lieber, als sich die Blöße zu geben, auf dem Amt nach Zuschüssen zu fragen.


    Ich habe in der Ausbildung und als Student auch problemlos "von der Hand in den Mund" gelebt. Im Hintergrund war aber immer ein intaktes soziales Netzwerk und die Aussicht, dass es ja nur eine Phase auf dem Weg in eine gute Zukunft ist. Also "Augen zu und durch". Wäre es mal eng geworden, hätten meine Eltern mir aus der Patsche helfen können und ein großer Freundeskreis war auch da. Das vermittelt eine sehr beruhigende Sicherheit, auch wenn man nicht darauf zurückgreifen muss.
    Ein ALG II-Absturzopfer hingegen ist meistens auf Talfahrt, blickt ohne Mut in die Zukunft und kämpft innerlich gegen den drastischen Verlust seines sozialen Status. Er hat etwas geleistet und findet sich dennoch zuletzt im Bodensatz der Gesellschaft, die ihn als arbeitsunwilligen Schmarotzer beschimpft.


    Die Perspektiven eines Studierenden und eines Menschen, der etwas geleistet hat und dann aber doch auf die unterste Existenzstufe zurückfällt, sind ganz unterschiedlich. Das kann man nicht einfach miteinander vergleichen.


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    Original geschrieben von sweetsonny
    offensichtlich kann man von dem geld ja doch leben. wie gesagt, ich tue das seit ca. 5 jahren, und es sei dir versichert: es geht.


    Es geht für dich. Du isst kein Fleisch, bist wahrscheinlich ein 50 kg-Persönchen, das nach 2 Blättern Salat satt ist und du lebst, wenn ich das gestern richtig mitbekommen habe, nicht alleine. Da kannst du dann obendrein Synergieeffekte nutzen weil man manche Dinge nur einmal pro Haushalt braucht... Und wie gesagt, du hast Zukunftspläne und als zukünftige Akademikerin relativ gute Aussichten.


    Wenn du dein Leben lang geackert hast, nach Scheidung oder Tod, durch Krankheit oder Jobverlust oder andere ungeplante Ereignisse alles verlierst, was du aufgebaut hast, dann stehst du alleine vor den Trümmern deines Lebens und hast sicherlich nicht dieselbe Kraft und Motivation, wieder von vorne anzufangen wie ein Student, der noch nicht mal den ersten Startversuch im erwachsenen Leben hinter sich hat.


    Vor allem macht es einen großen Unterschied ob man aus dem Elternhaus kommt und stolz auf die erste, bescheidene Bude ist, oder ob man längst mehr erarbeitet hatte und dann aber auf das Existenzminimum zurückfällt.


    Zitat

    Original geschrieben von galahad13
    Natürlich kann man davon allein leben, ich bin früher im Studium auch mal ein paar Monate mit 800 DM klargekommen.


    1. 800 DM sind mehr als 359 EUR.
    2. Wenn du DM schreibst liegt es mehr als 6 Jahre zurück, die Umstellung auf den Teuro war 2003. Damals nutzte der Handel die Umstellung zu umfangreichen Preiserhöhungen - teilweise hatte man den Eindruck, da werde 1:1 umgerechnet und die Ware damit beinahe doppelt so teuer. Obendrein fehlt in deiner Betrachtung die kontinuierliche Inflation, die es auch ohne Teuro-Abzocke geben hätte. Wir müssen uns jetzt nicht um exakte Werte streiten, aber die 359 EUR heute dürften einer Größenordnung von 500-600 DM zur damaligen Zeit entsprechen.
    3. "Ein paar Monate" kann man immer sparsam überbrücken, aber auf Dauer haut es meistens nicht hin. Menschen sind Individuen mit verschiedenen Bedürfnissen, es gibt aber nicht für jedwede persönlich nachvollziehbare Anschaffung Leistungen aus den Sozialkassen. Es bleibt in der Praxis immer ein gewisser Bereich persönlicher Bedürfnisse, die auch bezahlt werden wollen. Kleinigkeiten, die aber gerade in einem ansonsten sehr reduzierten Leben eine große Bedeutung haben weil sie die einzigen Lichtblicke für die Menschen sind.
    4. Auch für dich gilt das oben Geschriebene: als Student nimmt man knappe Finanzen noch relativ locker. Später ändert es sich. Würdest du heute nochmal genauso locker von wenig Geld leben wie damals als Student? Wenn alles, was du angeschafft und dir geleistet hast, weg wäre und plötzlich 359 EUR reichen müssten?


    Ich persönlich hätte extrem zu kämpfen wenn ich finanziell auf ALG II-Niveau abstürzen würde. Es würde zwar vermutlich irgendwie funktionieren weil ich ja auch gar keine andere Möglichkeit hätte, aber es würde mich moralisch absolut frustrieren und alles, was ich im Leben gemacht habe, in Frage stellen weil es mich am Ende offensichtlich nur nach ganz unten befördert hat.


    Im übrigen wäre ich im Gegensatz zu vielen älteren, kranken, intellektuell etwas weiter hinten liegenden oder stolzen Menschen in der Lage, sehr umfangreich diverse Register der Informationsbeschaffung und der Nutzung von Hilfsangeboten zu ziehen oder könnte auf ein gutes persönliches Umfeld zurückgreifen. Ich kann mich in Wort und Schrift ausdrücken und trete Behörden oder Entscheidern mit anderen Fähigkeiten gegenüber als Menschen mit nur einfachen Möglichkeiten.


    Hier gilt aber auch wieder: dass Einzelne sich durchkämpfen können beweist nicht, dass das System insgesamt funktioniert...


    Letztlich geht es mir nicht um die Diskussion, ob man einen EUR oder zwei EUR mehr zum Leben braucht. Unser Problem ist die immer massiver aufklaffende soziale Schere in der Gesellschaft. Auf der einen Seite ein paar Superreiche, auf der anderen eine immer größere Anzahl an Geringverdienern - und dazwischen die wegbrechende Mittelschicht, die für alles bezahlen soll und das natürlich gar nicht mehr leisten kann.


    Die Frage ist nun, wieso sich diese Mittelschicht so sehr gegen die ihnen viel nähere prekäre Schicht stellt anstatt die Bedrohung in verantwortungslosen Eliten zu sehen, die primär persönliche Bereicherung betreiben anstatt für faire Verhältnisse im ganzen Land zu sorgen.


    Meine Sorge ist, dass wir unseren gesellschaftlichen Frieden gefährden und soziale Verwerfungen oder Unruhen provozieren wenn nicht eingesehen wird, dass wir alle zusammen in der gleichen Welt leben und alle zufrieden sein möchten.
    Es ist völlig okay, dass manche mehr und andere weniger haben. Aber auch der mit weniger Habe muss sich gerecht behandelt fühlen, Respekt entgegen gebracht bekommen und gleiche Chancen haben. Ohne Teilhabe an der Gesellschaft zerbricht unsere soziale Umwelt.


    IMHO ist wichtig, dass die Bürger verstehen, dass da morgen nicht nur irgendeine neue Regierung gewählt wird und "Hansel 257" auf "Hansel 256" folgt, sondern dass eigentlich grundsätzliche Weichenstellungen nötig sind.
    Im Wahlkampf hat man sich dem leider nicht gestellt und es geht den Protagonisten fast flächendeckend nur darum, selber in den Bundestag oder die Regierung zu kommen. So kann man die dringenden Probleme natürlich nicht lösen...

    Erik,


    wenn ich "das Dreifache" schrieb war das eine plakative Formulierung, die nicht wörtlich zu verstehen ist. Wie du ja auch selber herausgefunden hast sind die Kosten für Sozialtickets überall unterschiedlich, insofern habe ich hier keine konkrete Aussage über einen definitiven Preis gemacht, sondern das zugrunde liegende Problem aufzeigen wollen: dass es selbst in den von dir zitierten besonders preiswerten Städten in keinem Fall möglich ist, ein ÖPNV-Ticket zu dem im ALG II dafür vorgesehenen Preis zu kaufen.


    oleR hat mir dankenswerterweise schon die Arbeit abgenommen den Nachweis zu führen, wie krass die Preise für ÖPNV-Tickets teilweise von den Regelsätzen für ALG II-Bezieher abweichen und dass man, wenn man nicht gerade in einer Großstadt sondern eher ländlich wohnt, noch weitere Probleme haben wird.


    Dass der im ALG II vorgesehene Satz überhaupt nicht zu den realen Lebensumständen passt, wird man so auch in weiteren Lebensbereichen nachweisen können - und da wir hier über das Existenzminimum diskutieren haben die Betroffenen keine Spielräume um Mehrkosten in einem Bereichen durch Sparsamkeit in anderen Bereichen zu kompensieren. Heißt: es KANN nicht funktionieren. Und genau das ist meine These, die ich somit beweise und nicht nur in den Raum werfe ohne konkrete Belege für meine Aussagen zu haben.


    Du hängst dich an einer Formulierung auf, nimmst etwas wörtlich, was so nicht zu verstehen ist, um daran mehr schlecht als Recht etwas gegen die inhaltliche Darstellung zu setzen. Inhaltlich ist meine Aussage aber richtig und konkreter kann ich es auch nicht machen weil ich hier keine Liste aller Städte und Verkehrsverbünde zum Besten geben kann.


    Wenn ich anderen Pauschalität und falsche Wahrnehmung vorwerfe dann nicht wegen irgendwelcher Formulierungen, sondern weil sie Behauptungen in den Raum stellen ohne sie aber belegen zu können. Fragt man nach den Fakten, kommt nix...
    Wenn ich hingegen schreibe, dass ÖPNV-Tickets oft exorbitant teurer sind als das dafür vorgesehene Budget im ALG II ist das eine inhaltlich richtige und nachweisbare Aussage - die Zahlen hat oleR genannt und selbst deine eigenen - speziell selektierten, aber egal - Beispiele zeigen, dass die Tickets in jedem Fall mehr kosten als der Betroffene im Budget dafür zur Verfügung hat.

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    Original geschrieben von laudanum
    Ich weiß nicht, hier fallen Sätze wie "Hartz IV" ist nicht für einen langfristigen Bezug gedacht, aber das ist doch genau das Problem - die Langzeitarbeitslosen, die gar nicht mehr aus dem Elend herauskommen.


    Deswegen machen sich Leute, die sowas äußern, ja auch insgesamt unglaubwürdig - weil Aussagen getätigt werden, die nachweislich nicht mehr der Realität entsprechen und wenn die Annahmen schon falsch sind kommen natürlich auch keine richtigen Folgerungen mehr zustande... man nennt das Schmetterlingseffekt.

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    Original geschrieben von sweetsonny
    denn meines erachtens kann man von 359 euro (plus miete! plus krankenversicherung!) leben.


    Man kann damit physisch existieren, aber zum "Leben" gehört auch psychische und damit soziale Teilhabe. Sozialkontakte sind bei Studierenden schon durch die Uni automatisch gegeben, außerdem ist man mit dem Studi-Ticket und aufgrund seiner Jugend problemlos mobil, in den meisten Städten sogar in ganzen Verkehrsverbünden. Im Alter sieht das anders aus. Da gibt es weder ein Ticket für den ÖPNV, schon gar nicht ein großes Gebiet abdeckend, und es ist auch beschwerlicher sich agil zu bewegen.
    Der Regelsatz des ALG II sieht pro Monat 14,36 EUR für ÖPNV-Tickets vor. Jetzt darfst du mir gerne mal erklären, wie weit man damit kommt... Selbst in Städten mit Sozialtickets kosten diese locker das dreifache.


    In der Studenten-WG steht dann meistens eine von irgendwem spendierte Waschmaschine, ein Kühlschrank, die ausrangierte Wohnzimmergarnitur irgendwelcher Eltern. Bei älteren Menschen ist dieses Sponsoring nicht mehr da und es gibt auch keine Großeltern, Tanten oder Onkel, die einem mal ein Scheinchen zustecken. Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Lebenskonzepte auch ändern. Als Student ist es in der WG lustig, mit 60 sind die Menschen anders drauf.


    Auch dieses unterschlägst du in deiner Betrachtung völlig: Als Student mit Perspektiven und Plänen für die Zukunft betrachtet man die Dinge anders als wenn man im Alter gerne einen friedlichen Lebensabend haben möchte. Wer sein Leben gemeistert und oft auch schwer gearbeitet hat, würde irgendwann gerne die Früchte seiner Leistungen ernten und will nicht mit dem Gefühl leben, es nie zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht zu haben.


    Diese Wahrnehmungen scheinen dir völlig fremd zu sein.


    Als Studierender mag knappes Haushalten kultig und "dazugehörig" sein, für alte Menschen ist es würdelos, beschämend und ihr Stolz wird verletzt, sie bekommen nicht den Respekt, den sie für ihre Lebensleistung verdienen und brauchen.


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    Original geschrieben von sweetsonny
    und dass hier das geld vielleicht nicht für teure freizeitaktivitäten reichen usw - ganz ehrlich? algII ist nicht als dauerlösung gedacht...


    Gedacht ist es dafür nicht, aber es ist die Realität. Studien belegen, dass man heute sehr schnell in prekäre Umstände abrutscht, der Aufstieg in eine höhere soziale Schicht aber sehr schwer geworden ist. Wer aufgrund seines Alters oder mangelnder Ausbildung keinen Job mehr bekommt, kann es sowieso vergessen. Für viele Menschen ist ALG II eine Dauerlösung, der sie nicht mehr entrinnen können.


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    Original geschrieben von sweetsonny
    und auch nicht als rundumversorgung inkl. vergnügungspark wöchentlich. hier soll eine grundsicherung geboten werden, nicht mehr, aber auch nicht weniger. und wenn ich mir anschaue, was alles unter grundsicherung fällt (ja, auch zigaretten, ja, auch kino...), dann frag ich mich manchmal, ob das nicht mehr als ausreichend ist, was bei alg II bezahlt wird.


    Der Posten heißt offiziell "Nahrung, Getränke, Tabakwaren" und dafür stehen monatlich 132,83 € zur Verfügung. Entgegen dem Eindruck, den du erweckst, sind Zigaretten keineswegs gesondert im Regelsatz enthalten, sondern wer raucht muss dafür an Esswaren sparen, denn der Betrag bleibt immer derselbe.


    132,83 € heißt, dass pro Tag 4,28 € zur Verfügung gestellt werden. Wer nur von Spaghetti mit Tomatensoße lebt, kann davon gut satt werden. Was ist, wenn der Mensch auch mal Lust auf einen Hamburger hat oder gerne ein Eis essen würde? Ein Eisbecher heißt dann, 2 Tage fasten zu müssen weil die Rechnung sonst nicht aufgeht. Ein kleines Menü, bestehend aus einem Burger, Fritten und Getränk im Schnellimbiss? 1 1/2 Tage fasten weil das Geld sonst nicht reicht.


    Der Staat soll niemandem eine Dauerernährung im Schnellimbiss finanzieren, aber es ist völlig lebensfremd und unmenschlich zu erwarten, dass ein Hartz IV-Bezieher niemals Hunger auf leckere, aber kostspieligere Dinge haben darf. Die Lebensrealität besagt eher, dass das Bedürfnis, sich ab und zu auch etwas Besonderes gönnen zu können, gerade in einem ansonsten auf allen Ebenen reduzierten Leben am Existenzminimum ansteigen wird.


    Das Kino wird, auch entgegen dem Eindruck in deiner Aussage, ebenso nicht explizit finanziert. Der Posten heißt "Freizeit und Kultur" und bietet monatlich 39,49 €. Vergessen wir mal die GEZ, dann bleiben immer noch Fragen: darf man eine Zeitung lesen und obendrein ein Buch, oder muss eins von beidem reichen? Oder lieber keine Zeitung, dafür 1 Kinobesuch und ein Groschenroman aus dem Bahnhofskiosk?
    Auch hier: selbst für einen sparsamen Menschen ist es kaum möglich sich einen ganzen Monat lang zu informieren und zu zerstreuen weil das dafür vorhandene Geld einfach nicht reichen wird.


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    Original geschrieben von sweetsonny
    so, und jetzt am besten wieder draufhauen, ist sehr amüsant :top:


    Nein, nicht draufhauen. Aber ich möchte, dass intelligente Menschen wirklich mal in sich gehen und überlegen, ob es ernsthaft möglich ist von solchen Beträgen über längere Zeit zu leben, und zwar mit dem Anspruch ordentlicher körperlicher Versorgung und sozialer Teilhabe, weil beides zum Menschen gehört. Wir unterhalten uns über Menschen mit kulturellen und sozialen Bedürfnissen, nicht über lebende Maschinen.


    Wer genügend Geld zur Verfügung hat stimmt hierzulande gerne in die typisch deutsche Neiddebatte ein und schwafelt von seiner schweren Arbeit, dem frühen Aufstehen und dem Lohnabstandsgebot oder den zu nutzenden Chancen von Transferleistungsbeziehern.
    Dass viele von ihnen aufgrund ihrer Lebensumstände keine Kraft haben, sich aus ihrer aktuellen Lebenssituation zu lösen, wird einfach übersehen und man ignoriert sogar, dass selbst besonders zielstrebige Menschen oft schlicht keine Chance mehr haben weil der Zug ab einem bestimmten Alter oder ohne passende Ausbildung schlichtweg abgefahren ist.
    Es ist eben NICHT so, dass sich jeder selbst aus dem Schlamassel befreien kann, der das gerne will.


    Ich habe auch inzwischen überhaupt kein Verständnis mehr für die zunehmende soziale Schere in der Gesellschaft und finde befremdlich wenn sich - wie auch hier im Thread - ausgerechnet auskömmlich verdienende Menschen in Neid über die Ärmsten in unserer Gesellschaft äußern. Das ist ein soziales Armutszeugnis.


    Normal intelligente Menschen müssen doch erkennen, dass man nicht allen Ernstes über einen Mindestlohn diskutieren kann, wenn der in fast allen EU-Ländern gut funktioniert, selbst in Staaten, deren Wirtschaft weit hinter der unseren rangiert. Wenn man dann über solche Themen derart streiten muss, ist das eine geistige Bankrotterklärung für dieses Land. Hier wird eine soziale Kälte transportiert, die unsäglich ist und für die man sich schämen sollte.


    Ich würde manchem als heilsamen Schock gerne mal 1 Monat Leben am Existenzminimum gönnen, dann würden sie aus ihren Traumwelten geholt...

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    Original geschrieben von bernbayer
    Viele möchten immer mehr Geld vom Staat haben, statt etwas mutig voran zu gehen und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, schließlich ist man auch selbst seines Glückes Schmied.


    Das ist wieder deine übliche Phrasendrescherei. Wer will konkret mehr Geld vom Staat haben? Und wer ergreift gute Chancen, die sich ihm bieten, nicht?


    Du bringst hier wieder mal ungeprüft und unreflektiert pauschale Aussagen, die völlig unkonkret sind und keinen Bezug zur Realität haben. Es sind nur wortlose Hüllen, die aus dem FDP-Programm entliehen sein könnten, die du einfach übernimmst und aber nicht Ross und Reiter nennst.


    Wer sind also bitte die Vielen, die gute Chancen haben und diese aber dennoch nicht ergreifen, aber stattdessen mehr Geld vom Staat haben wollen?


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Da braucht man sich dann nicht zu wundern wenn die Steuern und Abgaben immer mehr steigen und sich mancher fragt bin ich nicht wirklich der Dumme wenn ich jedem Morgen aufstehe und meinen Job nach gehe und andere lieber nichts arbeiten.


    Was glaubst du, fragt sich ein Vollzeitbeschäftigter, der mit seiner Arbeit dennoch nicht genug verdient um seinen Lebensunterhalt zu verdienen?


    Wenn sich das Klientel, welches du gerade meinst, fragt warum es morgens aufsteht: dann sollen sie es doch einfach lassen! Wenn sie es attraktiver finden und sich besser stehen wenn sie Sozialleistungen kassieren - bitte, dann sollen sie ihren Rechtsanspruch wahrnehmen und das tun. Es gibt NIEMANDEN, der es macht. Also werden sie wohl irgendeinen Vorteil haben wenn sie weiter früh aufstehen...


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Selbstverständlich gibt es auch viele Menschen in unseren Land die nichts dafür können, daß sie auf soziale Leistungen des Staates angewiesen sind, denen soll auch die Fürsorge unseres Staates zugute kommen. Das ist vollkommen in Ordnung. Schließlich leben wir in einer sozialen Marktwirtschaft, was man aber nicht mit einen Schlaraffenland verwechseln sollte.


    Auch hier haust du wieder eine Aussage heraus, die unbedacht ist. Wer Vollzeit arbeitet hat zwangsläufig immer das Potential, sich selbst zu ernähren. Nun besagt die Realität aber: nein, da gibt es einen erheblichen Anteil an Aufstockern, die trotz regulärer Arbeit nicht genügend Lohn bekommen um damit ihre Existenz zu finanzieren. Wenn diese Leute auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist das ein Systemfehler.


    Und vom naheliegenden Schlaraffenland kann bei 359 EUR Hartz IV wohl kaum die Rede sein. Du wiederholst auch hier eine Aussage zum x-ten Mal, obwohl jeder normale Menschenverstand einsehen muss, dass man damit nicht im Traum in der Nähe des Schlaraffenlandes ist. Wieso wiederholst du also immer wieder derartige Aussagen, die Leistungsbezieher indirekt als Abzocker hinstellen?


    Auch wenn du es so nicht gemeint haben solltest - so kommt es eben rüber. Wenn man über 359 EUR Existenzminimum spricht und du in diesem Zusammenhang das Wort "Schlaraffenland" fallen lässt - für den Fall, dass jemand "noch mehr" bekäme - das ist einfach unredlich und wahlweise dumm, ignorant oder peinlich.


    Sorry für die harten Worte, das soll kein persönlicher Angriff werden, nur musst du dich doch auch mal einem Realitätscheck unterziehen und überlegen, wie sehr deine Aussagen Wirklichkeitsbezug haben und welche Stimmungen und Unterstellungen in solchen Aussagen unterschwellig mitschwingen.

    Zitat

    Original geschrieben von sweetsonny
    ich zum beispiel, und das gar nicht schlecht - und ausschließlich mit bioeiern und biomilch (dafür fleischlos).


    Als Student ist man in einer nicht unbedingt vergleichbaren Situation zu Menschen, die in höherem Alter noch unter derartigen Konditionen leben. Insofern finde ich den Vergleich Student - Geringverdiener nicht zutreffend.


    Zum einen hast du eine Perspektive und bastelst an deiner Zukunft. Da ist man ganz anders motiviert als wenn man seine Lebenssituation als sozialen Abstieg mit Chancenlosigkeit und Zukunftsängsten begreift.


    Zum anderen gehört es zum studentischen "Lifestyle" wenn man sich mit anderen zum Spaghettikochen trifft, mit dem Rucksack durch die Lande trampt und aus bewusster Entscheidung im Schlampen-Look herumläuft.


    Mit 50 haben die Leute eher weniger Lust sich die Nudeln mit der Nachbarschaft zu teilen, mit kaputten Knochen kilometerweit durch die Gegend zu laufen weil die Straßenbahn zu teuer ist oder sich in abgerissenen Klamotten kleiden zu müssen weil das Geld für Besseres fehlt.


    Man darf auch nicht vergessen, dass viele Menschen im Alter anfällig und krank werden - das ist aus vielen Gründen teurer als wenn man sich in jedweder Hinsicht selber helfen kann weil man mobil, flexibel und unbelastet ist.


    Außerdem ist zu beachten, dass ein Student große Summen aus dem Steuertopf "konsumiert", denn Studiengebühren hin oder her, man bekommt "Bildung" zu einem wesentlich geringeren Preis, als es eigentlich kostet. Der Geringverdiener schuftet dagegen zu einem nicht angemessenen Lohn, dem wird eher ausbeuterisch etwas weggenommen und es wird nichts in ihn investiert.


    Soziologen haben auch nachgewiesen, dass die eigene Zufriedenheit stark mit dem Umfeld korreliert, in dem man sich bewegt. Wenn man inmitten sparsamer Studenten lebt, ist man einfach ein Teil davon und fühlt sich zugehörig. Zudem ist da die Perspektive, sich nach dem Studium durch einen lukrativen Job vorwärts zu bewegen.
    Ältere Menschen werden mit einem Umfeld konfrontiert, in dem andere besser da stehen - obwohl sie möglicherweise nicht mal mehr geleistet haben, sondern einfach mehr Glück im Leben hatten oder vom Schicksal mehr begünstigt waren. Sie erwarten, dass es gesundheitlich und finanziell bestenfalls abwärts gehen kann, aber sehr wahrscheinlich keine Verbesserung erreichbar ist. Das lässt einen die eigene Situation dann keineswegs so locker ertragen wie man das als Student kann.