Beiträge von Printus

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    Original geschrieben von A1234
    Was die ARGEn und JobCenter angeht, da ist eh viel im Argen. Jedem der ne grosse Klappe hat von wegen "die bekommen doch alles" empfehle ich einen Besuch beim örtlichen JobCenter und danach sieht er dann, dass dort regelmäßig geltendes Recht gebrochen wird, Hilfesuchende schikaniert werden und die Sachbearbeiter dort oft Ihren Job nichtmal ansatzweise richtig können.


    Trifft absolut die Erfahrungen einer Freundin, die Niederlassungsleiterin einer größeren Zeitarbeitsfirma in Nordhessen ist. Ihr Unternehmen bemüht sich - im Gegensatz zum schlechten Ruf der Branche - Menschen in fairen Arbeitsverhältnissen unterzubringen.


    Wenn sie beim Amt einen Parkettleger sucht, schickt man ihr ein dutzend Zimmermänner und Schreiner/Tischler. Sucht sie einen Aluschweißer, kommt ein Schlosser ohne Erfahrungen mit Alu. Will sie einen Baumpfleger mit Kletterschein, schlägt man ihr Gärtner (obendrein natürlich ohne Kletterschein) vor. Examinierte Altenpfleger, sie hat mehrere Stellen mit übertariflicher Bezahlung im Angebot, kann sie seit Wochen nicht besetzen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch, und zwar bei 4 verschiedenen Argen, die in ihrem Einzugsbereich zuständig sind.


    Es ist also nicht das Problem eines einzelnen unfähigen Sachbearbeiters oder einer einzelnen Arge, sondern offensichtlich ein systemisches Versagen. Es ist nicht anzunehmen, dass es in ganz Nordhessen keinen Parkettleger, keine examinierten Altenpfleger oder keinen Aluschweißer geben soll.
    Obendrein werden seit 1. September aufgrund einer Gesetzesänderung keine Telefon- oder Handynummern von Bewerbern mehr herausgegeben. Direkter Kontakt zu Arbeitssuchenden ist damit nicht möglich. Die Arge selber arbeitet wie eine Schnecke, wer kurzfristig Personal braucht, kann es gleich vergessen - vom Problem der untauglichen Vermittlungsvorschläge ganz abgesehen.


    Die Arge ist völlig sinnlos, denn so viel Unfähigkeit und Ineffizienz ist unglaublich. Die Erfahrungen meiner Freundin entsprechen also absolut deinen Schilderungen.


    Wer da noch mit der Argumentation kommt, es läge primär an unwilligen Arbeitslosen, schimpft über die Ausnahmen und verkennt die wirklichen Quellen des Problems.


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    Original geschrieben von A1234
    Nicht falsch verstehen. Ich will Hartz IV nicht abschaffen, aber es muss grundlegend geändert werden, und was sich da die Politiker, egal ob CDU, SPD oder FDP ausdenken, gehört, meines Erachtens nach, nicht gerade zu den großen Fortschritten.


    Ich könnte aus dem Stand heraus 5 himmelschreiende Ungerechtigkeiten aufzählen die Hartz IV-Betroffenen widerfahren sind, und dann möchte ich einen sehen der mir das logisch erklären kann.


    Nebenbei sind selbst die legalen Verfahren völlig untauglich. Wer tatsächlich öfter mit 1 EUR-Jobbern zu tun hat merkt schnell, dass diese Menschen völlig demoralisiert sind, weil man ihnen zu verstehen gibt, dass ihre Arbeit nichts wert ist - naja, 1 EUR halt eben.


    Politiker können doch nicht nicht gegen Ausbeuter-Mentalität in der freien Wirtschaft wettern, wenn sie zugleich Gesetze vertreten, mit denen Leute für ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt werden, sondern weiter mit Hartz IV + 1 EUR-Jobber-Almosen abgespeist werden.


    Das sind Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, die von der Regierung dringend anders gelöst werden müssen. Ich sehe aber kommen, dass wir sowieso schwarz-gelb oder die nächste große Koalition bekommen, und vor der nächsten Wahl laufen die selben Diskussionen ab, weil wir bei den großen Themen "soziale Gerechtigkeit" oder "globales Finanzwesen" keinen Schritt vorwärts gekommen sind.

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    Original geschrieben von bernbayer
    Ich halte deine Ausführungen und Einwände nach wie vor für falsch, habe jetzt auch keine Lust mehr darauf auf alles Falsche einzugehen.


    Ich habe zugegebenermaßen einen Hang zu langen Postings. Deswegen ist der Inhalt aber nicht falsch und man kann ja kurz antworten. Den Beweis, dass ich etwas Falsches schreibe, bleibst du aber schuldig.


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    Original geschrieben von bernbayer
    Nur ein Beispiel. Du schreibst, das niemand in der sozialen Hängematte liege, einen Beweis dafür kannst du nicht liefern, weil es einfach nicht stimmt.


    Nee nee, wir wollen mal nicht die Reihenfolge vertauschen ;) Du kamst zuerst mit der Behauptung, Menschen würden in der sozialen Hängematte liegen. Bevor ich also belegen muss, dass es nicht flächendeckend so ist, musst du erst beweisen, dass es so ist.


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    Original geschrieben von bernbayer
    DA gibt es Familien die leben teilweise schon in der dritten Generation von sozialen Transfer-Leistungen, die denken garnicht daran zu arbeiten.


    Woher weißt du denn...
    a) dass sie nicht daran denken zu arbeiten und
    b) dass sie das freiwillig tun?


    Ich verstehe zwar was du meinst und kann dir da auch zum Teil zustimmen. In manchen sozialen Brennpunkten oder Biografien ist der Normalfall nicht mehr "seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten", sondern man richtet sich von vorneherein darauf ein, von Hartz IV zu leben. Das ist selbstverständlich nicht OK. Blöderweise haben Leute, die in solchen Verhältnissen leben, aber oft auch gar keine andere Chance mehr. Es gibt inzwischen viele qualifizierte Menschen ohne adäquaten Job. Dann ist für die nur mäßig Begabten natürlich gar kein Platz mehr - womit wir wieder bei dem Punkt "gesellschaftliche Schieflage" wären...


    Wenn du Argumente bringen würdest, würde ich dir in Manchem Recht geben. Wenn es aber nur Behauptungen sind und die Fakten anders liegen, kommen wir nicht weiter.

    Vor ein paar Tagen las ich, dass - sinngemäß wiedergegeben - die Schallgrenze für das Bestreben nach Verstehen von Technik inzwischen bei 35 Jahren liegt! :rolleyes: Das heißt: bereits ab diesem Alter sind Menschen heute nicht mehr willens, sich jede Technik anzueignen und die Mehrheit "steigt aus".
    Wenn man oberhalb dieser Altersgruppe nachfragt, wie man z. B. mit dem Handy ins Internet kommt, wird eine Mehrheit der Befragten es nicht mehr wissen und zugleich aber auch nicht mehr bereit sein, sich damit auseinander zu setzen.


    Früher war es normal und OK, wenn die 80jährige Oma nicht mehr alle Funktionen ihres Telefons verstand und lieber 2x die Nummer eintippt als einmal zu lernen, was eine Wahlwiederholung ist. Heute sind es schon Menschen ab 35, die nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen technischen Geräte komplett zu verstehen und zu bedienen.


    Das ist vor allem auch deswegen interessant, weil gerade bei teuren technischen Spielereien Menschen unter 35 oft erst gar nicht als potentielle Konsumenten in Frage kommen. Mit Ende 20 / Anfang 30 haben sich viele erst beruflich etabliert und die Priorität ist dann oft, als Nächstes familiäre Strukturen aufzubauen. Das Gekd fließt dann nicht primär in neueste technische Gadgets, sondern es werden Dinge wie Haus/Wohnung, ein ordentliches Auto als Ersatz für die Studentenkarre, Möbel, der Aufbau einer Familie nach oben auf die Prioritätenliste gesetzt.
    Blöderweise ist die Bereitschaft zum Kauf von technisch kompliziertem Schnickschnack dann aber schon wieder vorbei, wenn die finanziellen Mittel dazu wieder verfügbar werden.


    Eine Technik, die nicht verstanden wird und die zu kompliziert ist, wird der Konsument nicht erwerben und erst Recht nicht, wenn es besonders teuer ist. Es wäre den Unternehmen also dringend anzuraten, neue Erfindungen erst ausgereift und ausreichend bedienerfreundlich auf den Markt zu bringen, sonst floppen die Dinge nämlich allein schon aufgrund der fehlenden Akzeptanz der Kunden...


    Eigentlich müsste es so sein, dass die Generation 50+ noch leicht mit der Technik umgehen kann, dann wäre die Industrie auf dem richtigen Weg. Man manövriert sich aber durch komplizierte, nicht ausgereifte und viel zu schnell durch wieder ein neues Format abgelöste Produkte selber ins Aus...

    Vergleiche mit dem Rest der Welt sind uninteressant. Es gibt immer irgendwen, dem es schlechter geht. Das kann aber nicht der Maßstab sein.
    Mit deiner Logik könnte ich damit kommen, dass es den Leuten in Dubai soooo viel besser geht als uns und wie bettelarm wir Deutschen sind weil wir uns nicht alle 5 Ferraris leisten können.
    Derartige Vergleiche sind Nonsens. In der sog. "3. Welt" gehört mancher Hungernde zur Normalbevölkerung und in Dubai ist man mit nur 1 Ferrari arm.


    Der Maßstab kann immer nur das eigene Bezugssystem sein. Und da liegt hier niemand in einer sozialen Hängematte, sondern von der Grundsicherung kann hier realistisch niemand leben. Die Menschen kommen nur deswegen klar weil sie sich Esswaren bei den Tafeln holen, Zuwendungen von Verwandten bekommen, sonstwie Geld beschaffen oder sich irgendwie durch's Leben schlagen. Auch wenn du es hundertmal wiederholst wird die Behauptung, das Existenzminimum sei gesichert, nicht richtiger. Das ist reine Theorie, aber nicht die Praxis.


    Zum Punkt Eigenverantwortung: Laudanum hat völlig Recht, du wirfst mit Plattitüden um dich, denn die Realität ist schon lange nicht mehr, dass man sich nur anstrengen muss und schon geht es einem gut.


    Auf meine aufgeworfenen Fragen bist du nicht eingegangen. Dass Bildung in Deutschland inzwischen eine Frage des Geldbeutels geworden ist, ist wissenschaftlich belegt. Wie kannst du dann noch weiter behaupten, man müsse sich nur anstrengen und schon sei alles kein Problem? Wer die finanziellen Mittel nicht hat um seinen Kindern (oder sich selbst) eine gute Bildung zu leisten, hat eben NICHT mehr die von dir unterstellten Aufstiegschancen.


    Es gibt genügend Leute, die sich anstrengen und doch nicht auf einen grünen Zweig kommen. Was ist z. B. mit all den Aufstockern, die einen Vollzeitjob ausüben und dennoch nicht mal das zum Leben notwendige Geld verdienen, weshalb sie vom Staat mindestens auf das Hartz IV-Niveau gehievt werden?
    Wie passt sowas auch rein argumentatorisch zum Subsidiaritätsprinzip, nach dem man nur dann Transferleistungen beziehen darf, wenn man sich selber nicht ausreichend eigenverantwortlich helfen kann? Bei einem Vollzeitarbeiter kann man nicht argumentieren, dass seine Arbeitskraft womöglich unzureichend sei. Wenn derjenige dann aber doch in derartigen prekären Arbeitsverhältnissen nicht das Existenzminimum erwirtschaftet stellt sich die Frage: Wie vereinbart sich das mit unserer Sozialgesetzgebung?
    Eigentlich dürfte der Staat keinem Vollzeit Arbeitenden Leistungen zukommen lassen, denn derjenige müsste eigentlich schon durch seine eigene Arbeit ausreichend verdienen. Ein Aufstocker ist von vorne herein eine nicht gesetzeskonforme Konstruktion!


    Oder wenn du lieber eine marktpolitische Argumentation haben willst: wenn der Ansatz "Angebot und Nachfrage regeln den Markt" noch stimmen würde, dürfte es derartige Arbeitsverhältnisse ebenfalls nicht geben, denn niemand schuftet freiwillig für weniger Geld, als er zum Leben braucht.
    Obendrein: würde sich der Arbeitsplatz nicht rechnen, würde kein Unternehmen ihn aufrecht erhalten. Wenn er doch erhalten bleibt, muss es für das Unternehmen einen Sinn und einen Vorteil dabei geben. Alles andere wäre unlogisch. Warum wird es dann aber nicht angemessen vergütet?
    Es ist ein klares Marktversagen, wenn das so läuft, wie bei diesen Aufstockern!

    Obendrein zwingen die Behörden Menschen in "jede zumutbare Arbeit" - wobei inzwischen so ziemlich alles zumutbar ist, aber das nur nebenbei.
    Wie kann sich der Staat also in dieser Weise in einen sich angeblich selbst regulierenden Markt einmischen und dann auch noch solche rechtlich heiklen Strukturen wie "Aufstocker" zulassen? Das ist auch ordnungspolitisch alles andere als ungefährlich.


    Ich will dir ja ungern persönliche Vorwürfe machen, auch um den fairen Tonfall des Threads nicht zu gefährden. Aber eins muss ich dir leider dennoch schreiben: du wirfst immer wieder irgendwelche ungeprüften und der Realität nicht entsprechenden Aussagen in den Raum und hinterfragst nicht, ob das denn stimmt und überhaupt stimmen kann, was du da behauptest (oder nachplapperst).


    Informiere dich doch bitte im Sinne eines Realitätschecks mal darüber, ob die Welt außerhalb deiner eigenen "kleinen heilen bayerischen Welt" wirklich flächendeckend so rosig ist, wie du glaubst. Nur weil Unions- und FDP-Politiker im Fernsehen behaupten, dass doch alles dufte wäre und das vielleicht in deinem eigenen persönlichen Umfeld auch tatsächlich so ist, muss das landesweit nicht stimmen.
    Ansätze bietet der Thread und bieten meine Postings genug. Du musst dir ja nur mal die Mühe machen, einige der von mir aufgestellten Behauptungen (beispielsweise: Ist Bildung in Deutschland für JEDEN gleichermaßen verfügbar oder inzwischen eine Frage des Einkommens der Eltern?) zu überprüfen und zu lesen, was dazu wissenschaftlich festgestellt wurde. Keine Aussagen aus linken oder rechten Politiker-Quellen, sondern objektive Erkenntnisse...


    Genauso wie man als politischer Gegner der Linken nicht unterstellen sollte, dass diese Partei zurück in den DDR-Sozialismus steuern wolle. Nichts gegen andere politische Meinungen, kritisches Hinterfragen oder ein bisschen Polemik in Wahlkampfzeiten. Aber bitte keine völlig abstrusen Verschwörungstheorien, die keinen weiter bringen und einer ernsthaften Diskussion nicht zuträglich sind. Man sollte dann schon anhand von Inhalten argumentieren und nicht nur mit "einfach mal so hingestellten" Schreckgespenstern oder Plattitüden daher kommen.

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    Original geschrieben von bernbayer
    Du begehst da einen Denkfehler.


    Keineswegs. Wenn man bedenkt, dass jeder 2. (!!!), der sich gerichtlich gegen einen falschen Bescheid wehrt, vom Richter Recht bekommt, ist die Stimmung unter Transferleistungsbeziehern überraschend ruhig. Aber wir brauchen uns jetzt nicht Statistiken um die Ohren hauen, die jeder anders auslegt.


    Man muss "das große Ganze sehen": seit Jahren erleidet die Mittel- und Unterschicht finanzielle Einbußen und Arbeitsplätze werden wegrationalisiert. Zugleich muss aber ausgerechnet die Mittelschicht die immer höheren Sozialleistungen für diejenigen, die zwischenzeitlich "hinten runter gekippt sind", finanzieren - was inzwischen dazu führt, dass der Mittelstand wegbricht und selber zunehmend dem Prekariat zugerechnet werden muss.


    Am anderen Ende der Gesellschaft wurden - und werden! - völlig utopische Gewinne abgeschöpft. Sie wanderten oft illegal ins Ausland oder wurden mit entsprechend hohem (Zins)Gewinn dazu verwendet sich selbst zu vermehren. Als die Finanzblase platzte, wurde wieder die Gesellschaft herangezogen um die Verluste zu bezahlen.


    Da muss doch auch der Dümmste erkennen, dass das so nicht weiter gehen kann. Wir sind hier allmählich an einem Punkt angekommen, an dem die Bevölkerung nicht mehr mitspielt und wo es gefährlich für unsere Demokratie und unseren Frieden wird.


    Egal ob FDP, CDU, SPD oder die Grünen - sie haben allesamt nicht begriffen, welche Entwicklungen auf der Straße unter den Menschen inzwischen laufen. Man palavert über die böse Vergangenheit der Linkspartei und verkennt, dass das Thema der Menschen nicht mehr eine seit 20+ Jahren zurückliegende Vergangenheit ist, sondern Zukunftssorgen und die soziale Schieflage bzw. Finanzmärkte, die aus dem Ruder laufen.


    Dieses kleinliche Gerede um irgendwelche mehr oder weniger einlösbaren Wahlaussagen, die bei Koalitionsverhandlungen sowieso wieder Makulatur sind und die Wahl deswegen sowieso nur um wenige Tage überstehen, zeigt doch, dass die etablierten Parteien durch die Bank weg nicht begriffen haben, welche Themen im Volk tatsächlich drücken und wo wirklich was passieren muss wenn das ganze Ding hier gesellschaftlich nicht kippen soll.


    - Man reagiert auf das Fehlern von ausreichend Jobs mit Druck auf Arbeitslose.
    - In einem der reichsten Länder der Welt ist Kinderarmut normal geworden.
    - Bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Einwohnern gibt es eine Dunkelziffer von 8 Millionen Arbeitslosen - das sind 10%. Bedenkt man, dass Kinder, Alte und Kranke nicht erwerbsfähig sind und laut Statistischem Bundesamt im zweiten Quartal 2009 noch rund 40,2 Millionen Erwerbstätige in Deutschland unterwegs waren (kannst du leicht kontrollieren, ich habe die Zahlen gerade frisch nachgeschaut), heißt das im Klartext: Arbeitslosenquote realistisch ca. 20%. Nebenbei zahlen von den Erwerbstätigen viele keine Einkommenssteuer weil das Einkommen dafür zu gering ist. Wie soll das denn in Zukunft weiter gehen??? Kannst du mir mal erzählen, wovon der Staat in Zukunft noch "leben" soll, wie man bei einer sowieso schon vorhandenen Überschuldung auch noch Milliarden in die Bankenrettung, Opel, Arcandor, Scheffler und wie sie alle heißen, langfristige Kurzarbeit - und obendrauf noch das Versprechen von Steuersenkungen (!) stecken will? Dass die Lebenserwartungen steigen und immer mehr Rentner immer länger finanziert werden müssen, wobei über die Jahre auch die Inflation zu bedenken ist, sei auch mal am Rande erwähnt.
    - Man vermeidet eine grundlegende Zukunfts-Diskussion und die Frage, wie wir uns auf längere Sicht finanziell und dann auch gesellschaftlich positionieren sollen, man hört aus der Politik nur unrealistische, hahnebüchene Versprechen. Macht dir das keine Angst?
    - Dafür werden Bürgerrechte schleichend, zunehmend und plump eingeschränkt, woher kommt wohl der Erfolg der Piratenpartei bei informationstechnologisch aufgeklärten Menschen?


    Ich kann diese Liste endlos erweitern, die Aussage bleibt dieselbe: es geht inzwischen nicht mehr darum, ob Partei A oder mal wieder B den Kanzler stellt und ansonsten alles läuft wie immer, wie es sowieso gelaufen wäre. Wir kommen allmählich an einen Punkt, an dem die Weichen grundlegend anders gestellt werden müssen, weil wir uns sonst in den Abgrund manövrieren. So, wie wir uns bisher aufgestellt haben, hat es nach dem Krieg für Jahrzehnte gut geklappt. In den letzten Jahren haben Globalisierung und Informationstechnologien die Welt aber so verändert, dass wir mit den bisherigen Mechanismen immer weniger klar kommen. Wir müssen uns in Zukunft ganz anders aufstellen.


    Und da kommt aus der politischen Landschaft überhaupt gar nichts, sondern die gesellschaftliche Oberschicht und Eliten in Politik, Wirtschaft und Finanzen kapselt sich ab und predigt Eigenverantwortung, ohne zu erkennen, dass es auf lange Sicht wirklich gefährlich für die Demokratie und die ganze gesellschaftliche Ordnung ist, wenn man nicht allmählich mal über den großen Wurf zumindest nachzudenken beginnt.

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    Original geschrieben von weberflo
    Ich glaub die Diskussion ist sinnfrei. Ich verdiene derzeit rund 800 Euro BRUTTO, davon finanziere ich mein Leben in München inkl. Wohnung und ein Auto. Ich glaub Ihr seid irgendwo ein wenig weltfremd...


    Nee, das glaube ich dir nicht.


    Zum einen stellst du es so dar, als ginge von den 800 EUR noch viel weg durch die Lohnnebenkosten. Als Student hast du diese aber kaum, und wenn doch, machst du etwas falsch. Selbst als Nicht-Student wärst du mit diesem Verdienst in der Gleitzone, in der geringere Abzüge, zumindest keine Lohnsteuer, stattfinden, selbst dann blieben geschätzte 550 EUR.


    Selbst in der kleinsten Studentenbude sind in München vermutlich 300 EUR für die Miete weg. Ein Auto kostet pro Monat auch locker 200-300 EUR an Unterhaltskosten. Allein mit Miete und Auto wäre dein Geld komplett verbraucht. Von was lebst du denn? Wer zahlt die anderen 300-400 EUR für Lebensmittel und Bekleidung und wovon zahlst du dein Lehrmaterial, Bücher etc.?


    Was du hier schreist, ist totaler Unsinn. Lebensunterhalt, Miete, Auto, normale Lebenshaltungskosten - da werden in München schnell 1200-1500 EUR Im Monat fällig sein. In deiner Rechnung fehlen ein paar hundert EUR, oder bist du Zauberkünstler? Oder ein Poser...?

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    Original geschrieben von weberflo
    Ich weiß nicht, Sklavenjobs hab ich noch keine gesehen. Früher standen Hilfsarbeiter ohne Schutzkleidung an offenen Maschinen. Das war schon eher Sklavenarbeit...


    Zu Hartz4: 800-1000 Euro für eine 4köpfige Familie finde ich jetzt nicht grade wenig, ich weiß nicht wo Ihr lebt? Da haben ja viele Arbeiterfamilien nicht mehr. Ich bin jetzt 25 und hatte bisher noch nie soviel Geld netto zur Verfügung - ausgenommen ein halbes Jahr im Ausland.


    Nimm's mir nicht übel, aber das ist dann einfach deine jugendliche Unerfahrenheit. Du vergisst, dass man nicht nur essen und ab und zu ein T-Shirt beim Kik kaufen muss.


    Wenn Du ALLES, was du zum Leben in einem Haushalt brauchst bezahlen musst, tauchen in der Rechnung schnell Posten auf, an die du bisher nie gedacht hast weil du immer unter anderer Leute Dach gelebt hast. Selbst wenn man sparsam lebt, kommt man auf die Dauer realistisch nicht unter einen Bedarf von 500-600 EUR pro Monat pro Erwachsenem.


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    Original geschrieben von weberflo
    Ich hab schon lange ein Ideal: verpflichtende gemeinnützige Tätigkeit für Hartz4-Empfänger. 4 Stunden täglich reichen. Diejenigen, die arbeiten wollen, bekommen wieder Selbstbestätigung und werden "gebraucht" - und die, die nicht wollen, ja die müssen dann eben...


    Eben nicht. Es würde unser ganzes System auf den Kopf stellen, wenn der Staat die Mitarbeiter bezahlt, während sie aber 4 Stunden lang regulär arbeiten, womöglich in irgendwelchen Wirtschaftsbetrieben. Dann zahlt der Staat Geld und Unternehmen kassieren die Gewinne. Das geht so nicht!
    Wer arbeitet, muss dafür einen korrekten Lohn bekommen und darf nicht weiter Transferleistungen aus der Staatskasse bekommen.
    Anstatt zwei Hartz IV-Empfänger 4 Stunden arbeiten zu lassen, muss man einen 8 Stunden arbeiten lassen - dann ist das nämlich 1 Vollzeitstelle und derjenige ist nicht mehr arbeitslos, sondern hat wieder einen Job und muss dafür einen korrekten Lohn bekommen.


    Hier zeigt sich dann schnell, dass es so aber nicht mehr bezahlbar wäre weil man dafür kein Geld hat... Und das wiederum entlarvt, dass offensichtlich etwas nicht stimmt im System. Denn wer arbeitet, muss dabei auch so viel verdienen, das er von seinem Gehalt leben kann. Wenn das nicht der Fall ist, stimmt auf dem Markt etwas mit dem Prinzip von Angebot und Nachfrage nicht mehr.


    Ansonsten las ich letztens eine Zahl von Heiner Geissler, CDU - also keine Zahl aus linken Quellen. Laut ihm gibt es unter den Hartz IV-Beziehern ca. 100.000 Arbeitsverweigerer, die lieber das Geld vom Staat nehmen als sich um Arbeit zu bemühen. Das sind 100.000 zu viel, keine Frage. Aber vor allem ist es angesicht von 4-5 Millionen Arbeitslosen, die wir demnächst wieder haben, nur ein sehr kleiner Anteil. Die Unterstellung, viele wollten auch keine Arbeit, stimmt also pauschal nicht.

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    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Du vergisst hier eins, wenn eine Dienstleistung nun plötzlich 20% mehr kostet, aber dies in der Sicht der Gesellschaft nicht wert ist (so entstehen diese Billiglöhne übrigens), dann wird der Mindestlohnaufschlag in extrem kurzer Zeit durch eine Inflation aufgefressen


    Keineswegs. Dann passiert das, was Marktradikale wie du an anderer Stelle immer einfordern: nämlich entweder ist eine Dienstleistung ihr Geld wert und der notwendige Preis wird bezahlt. Oder, wenn nicht, fällt sie weg. Das wird aber nur bei Dienstleistungen passieren, die so überflüssig sind, dass sie ihren Preis nicht wert sind und deswegen auf dem Markt auch nichts mehr zu suchen haben.


    Wo wäre sonst die Untergrenze? Wenn man es mal ganz weit treibt, würden Leute andernfalls irgendwann ehrenamtlich arbeiten oder sogar noch Geld mitbringen um arbeiten zu dürfen.
    Ein etwas überzeichnetes Beispiel, aber es besagt eins: entweder wird eine Arbeit fair bezahlt - d. h. sie muss mindestens ihre eigenen Kosten tragen - oder die Dienstleistung ist nicht konkurrenzfähig und hat vom Markt zu verschwinden.


    Ich glaube nicht, dass sehr viele Jobs wegfallen würden und die, die wegfallen, gehören dann schon aus ordnungspolitischen Gründen auch zu Recht vom Markt entfernt. Es wirft doch ein in unserem Wirtschaftssystem zwangsläufiges - und gerade von Leuten deiner Geisteshaltung - vehement vertretenes Prinzip über den Haufen, wenn in einer Marktwirtschaft durch staatliche Beihilfen Dienstleistungen, die sich nicht tragen, sinnfrei subventioniert werden. Wir reden hier ja nicht über notwendige Daseinsvorsorge, kein Mensch erwartet von der Polizei oder der Feuerwehr, dass sie Gewinne einspielen. Bei privaten Dienstleistern ist das aber unumgänglich.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Die letzten, die eine Lohnanpassung bekämen, wenn ihr Geld wieder weniger wert ist, sind die Mindestlohnempfänger.


    Es kann nicht sein, dass Menschen immer weniger Geld in der Tasche haben und inzwischen in Vollzeitjobs nicht mal mehr das Existenzminimum verdienen, damit ihre Kaufkraft verlieren, und der Staat muss dieses durch Aufstockung der Bezüge auf das Lebensminimum ausgleichen. Vor allem weil die staatlichen Leistungen auch von irgendwem bezahlt werden müssen.


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    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Natürlich sind Entwicklungen wie 3 Euro Stundenlohn unter aller Sau, wobei man gerade in Deutschland auf solche Stellen nicht angewiesen ist und der Sozialstaat hier ein äußerst effizientes Druckmittel ggü. solch dubiosen Unternehmern darstellen sollte.


    Hier subventioniert der Staat Unternehmen, die entweder wirtschaftlich nicht tragbare Leistungen anbieten oder gnadenlos so hohe Gewinne abschöpfen, dass die Gehälter der Mitarbeiter vom Steuerzahler finanziert werden müssen.


    So kann das aber nicht laufen. Entweder trägt sich eine Dienstleistung wirtschaftlich - oder sie muss vom Markt verschwinden. In den meisten Fällen wird sie sich problemlos tragen weil der Mehrverdienst der Mitarbeiter im Niedriglohnsektor nicht so hoch ist, dass es besonders stark auf die Endkundenpreise durchschlagen wird. Die Leute werden auch nicht auf Friseurbesuche oder saubere Hotelbetten verzichten wollen. Insofern werden sie dafür auch bereitwillig angemessen bezahlen, vor allem auch weil jeder versteht, dass jeder, der arbeitet, zumindest kostendeckend unterwegs sein muss und sich das am Ende auch nicht sonderlich schlimm auf den Endpreis auswirkt.


    Wie viel kostet denn z. B. ein Hotelzimmer mehr, wenn das Zimmermädchen dort korrekt bezahlt wird? Deren Anteil an den Gesamtkosten des Zimmers ist nur ein kleiner Posten in einer ganzen Liste von anteiligen Posten, die der Gast mit seinem Zimmerpreis abdeckt.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Du propagierst eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik als gescheitert, die nachfrageorientierte Politik ist aber schon vor langer Zeit als wenig effektiv angesehen worden.


    Die Selbstheilungskräfte des Marktes haben zuletzt immer weniger funktioniert, offenbar regelt er sich in manchen Bereichen inzwischen nicht mehr selbstständig durch Angebot und Nachfrage. Der Staat muss dann eingreifen um die Spielregeln zu definieren, sonst klappt es nicht mehr.
    An manchen Stellen passiert das ja auch, man schmeißt Milliarden in eigentlich nicht überlebensfähige Banken, in volkswirtschaftlich sehr heikle Abwrackprämien - und wenn es um die Menschen geht, soll der Staat nicht in der Lage sein, adäquate Arbeitsbedingungen durch entsprechende Gesetze herzustellen? Das ist ein schlechter Scherz...


    Der Erfolg der Linkspartei ist doch keine aus sich selbst geborene Entwicklung wie der Urknall, sondern selbstverschuldetes Ergebnis einer politischen Landschaft, in der sich die Verhältnisse konsequent zu Ungunsten weiter Teile der Bevölkerung verschoben hatten.


    Nicht einlösbare Versprechen macht gerade jede Partei, manche erdreisten sich sogar, nahezu nichts zu versprechen (CDU) und sind trotzdem vorne dabei. Die Menschen wählen ihre Präferenz also nicht primär wegen der "glaubwürdigen" Wahlversprechen, sondern es ist ein Lager- und Richtungswahlkampf. Und da die Arm-reich-Schere immer drastischer aufging, zunehmend viele Menschen in prekären Verhältnissen leben müssen und nur einige wenige am anderen Ende der Skala in immer maßlosere Verhältnisse abdriften, ist die logische Folge ein entsprechend gutes Ergebnis für die Linkspartei.


    Wenn ich mir z. B. die Angst vom Bernbayer vor einer "DDR reloaded" oder einer Auferstehung des Sozialismus durchlese, sagt mir das, dass er hier eigentlich nur irrationale Ängste hat - oder Polemik schürt. Weil sachlich ist es Nonsens anzunehmen, dass wir mit der Linkspartei auf dem Weg in den Sozialismus wären.

    Man muss die Sache in größeren Zusammenhängen sehen und nicht das Parteien-Kleinklein.


    Industrialisierung, Globalisierung und Fortschritte in Wissenschaft und Technik erfordern immer weniger Menschen in Erwerbstätigkeit und gerade die einfachen Jobs werden als erste wegrationalisiert.


    Jetzt gibt es den konserativen (CDU/CSU, FDP) Ansatz, die Unternehmen zu stärken, damit es ihnen besser geht und sie dann auch mehr Mitarbeiter einstellen. Oder anders herum, den Menschen durch (angebliche) Steuersenkungen mehr Geld zu geben, damit sie konsumieren und dieses auch die Unternehmen stärkt.


    Der linke Ansatz ist (Linke, teilweise SPD), den Bürgern mehr Geld zu geben, sei es durch Mindestlohn oder alle möglichen anderen Wohltaten, um deren Kaufkraft zu stärken und so das Wirtschaftssystem zu stabilisieren.


    Das Problem ist aber, dass der Bürger erkennt, dass das neoliberale Unions-Konzept in den letzten Jahren nicht aufgegangen ist und uns den ganzen wirtschaftlichen Schlamassel, in dem wir stecken, erst beschert hat.


    Andererseits können die links angesiedelten Parteien keine Wohltaten und Entlastungen versprechen, für die gar kein Geld da ist und wo auch unser Wirtschaftssystem längst anders funktioniert.


    Was soll der Bürger da machen? Er hat nur 2 Alternativen, die beide nicht wirklich funktionieren. Er wählt dann die Gruppierung, die eher sein Wohlergehen thematisiert, auch wenn klar ist, dass die Versprechen nicht 1 zu 1 umsetzbar sein werden. Immerhin wählt man die Partei, die für den kleinen Mann spricht und nicht die, die für die Großindustrie argumentiert. Immer noch der bessere Weg.


    Das erklärt den Erfolg der Linkspartei aber zugleich den Erfolg der FDP. Viele Leute hören hier nur "Steuersenkungen" - dass die FDP zugleich auch gegen Mindestlohn, Senkung des Spitzensteuersatzes, gegen Erbschaftssteuer und für weitere Privatisierungen (also Abbau von Sozialleistungen für Bedürftige) ist, geht unter.


    Althaus: Problem war nicht der Unfall und die Verurteilung, sondern dass er nicht pietätvoll damit umging, dass jemand gestorben ist. Er stellte sich nicht der menschlichen und moralischen Dimension des Geschehens, sondern nutzte den Vorfall bestenfalls im Sinne seiner politischen Ziele. Niemand erwartet, dass er im ewigen Büßerhemd eines Totmachers herumrennt, aber man erwartet, dass er nicht völlig emotionslos über das, was passiert ist, hinweggeht und auftritt, als hätte ihn der Unfall sogar mental bereichert. Er setzt sich überhaupt nicht mit seiner moralischen Verantwortung auseinander - und das möchte man bei einem Spitzenpolitiker gerne anders erleben.