ZitatOriginal geschrieben von A1234
Was die ARGEn und JobCenter angeht, da ist eh viel im Argen. Jedem der ne grosse Klappe hat von wegen "die bekommen doch alles" empfehle ich einen Besuch beim örtlichen JobCenter und danach sieht er dann, dass dort regelmäßig geltendes Recht gebrochen wird, Hilfesuchende schikaniert werden und die Sachbearbeiter dort oft Ihren Job nichtmal ansatzweise richtig können.
Trifft absolut die Erfahrungen einer Freundin, die Niederlassungsleiterin einer größeren Zeitarbeitsfirma in Nordhessen ist. Ihr Unternehmen bemüht sich - im Gegensatz zum schlechten Ruf der Branche - Menschen in fairen Arbeitsverhältnissen unterzubringen.
Wenn sie beim Amt einen Parkettleger sucht, schickt man ihr ein dutzend Zimmermänner und Schreiner/Tischler. Sucht sie einen Aluschweißer, kommt ein Schlosser ohne Erfahrungen mit Alu. Will sie einen Baumpfleger mit Kletterschein, schlägt man ihr Gärtner (obendrein natürlich ohne Kletterschein) vor. Examinierte Altenpfleger, sie hat mehrere Stellen mit übertariflicher Bezahlung im Angebot, kann sie seit Wochen nicht besetzen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch, und zwar bei 4 verschiedenen Argen, die in ihrem Einzugsbereich zuständig sind.
Es ist also nicht das Problem eines einzelnen unfähigen Sachbearbeiters oder einer einzelnen Arge, sondern offensichtlich ein systemisches Versagen. Es ist nicht anzunehmen, dass es in ganz Nordhessen keinen Parkettleger, keine examinierten Altenpfleger oder keinen Aluschweißer geben soll.
Obendrein werden seit 1. September aufgrund einer Gesetzesänderung keine Telefon- oder Handynummern von Bewerbern mehr herausgegeben. Direkter Kontakt zu Arbeitssuchenden ist damit nicht möglich. Die Arge selber arbeitet wie eine Schnecke, wer kurzfristig Personal braucht, kann es gleich vergessen - vom Problem der untauglichen Vermittlungsvorschläge ganz abgesehen.
Die Arge ist völlig sinnlos, denn so viel Unfähigkeit und Ineffizienz ist unglaublich. Die Erfahrungen meiner Freundin entsprechen also absolut deinen Schilderungen.
Wer da noch mit der Argumentation kommt, es läge primär an unwilligen Arbeitslosen, schimpft über die Ausnahmen und verkennt die wirklichen Quellen des Problems.
ZitatOriginal geschrieben von A1234
Nicht falsch verstehen. Ich will Hartz IV nicht abschaffen, aber es muss grundlegend geändert werden, und was sich da die Politiker, egal ob CDU, SPD oder FDP ausdenken, gehört, meines Erachtens nach, nicht gerade zu den großen Fortschritten.
Ich könnte aus dem Stand heraus 5 himmelschreiende Ungerechtigkeiten aufzählen die Hartz IV-Betroffenen widerfahren sind, und dann möchte ich einen sehen der mir das logisch erklären kann.
Nebenbei sind selbst die legalen Verfahren völlig untauglich. Wer tatsächlich öfter mit 1 EUR-Jobbern zu tun hat merkt schnell, dass diese Menschen völlig demoralisiert sind, weil man ihnen zu verstehen gibt, dass ihre Arbeit nichts wert ist - naja, 1 EUR halt eben.
Politiker können doch nicht nicht gegen Ausbeuter-Mentalität in der freien Wirtschaft wettern, wenn sie zugleich Gesetze vertreten, mit denen Leute für ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt werden, sondern weiter mit Hartz IV + 1 EUR-Jobber-Almosen abgespeist werden.
Das sind Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, die von der Regierung dringend anders gelöst werden müssen. Ich sehe aber kommen, dass wir sowieso schwarz-gelb oder die nächste große Koalition bekommen, und vor der nächsten Wahl laufen die selben Diskussionen ab, weil wir bei den großen Themen "soziale Gerechtigkeit" oder "globales Finanzwesen" keinen Schritt vorwärts gekommen sind.