Beiträge von Printus

    Warum nur die Mindestlöhne? Man könnte dann alle Jobs von der Allgemeinheit bezahlen lassen und wäre in gedanklicher Nähe zum bedingungslosen Grundeinkommen...


    Der Haken an der Anti-Mindestlohn-Argumentation ist, dass die unsäglichen Minimaleinkommen beweisen, dass der Markt in manchen Bereichen versagt.


    Wenn man aber argumentiert, dass der Markt sich selber regelt, kann man nicht andererseits der Aufstockung von Mindestlöhnen das Wort reden. Also entweder Marktwirtschaft mit fairen Löhnen und ohne Notwendigkeit der Aufstockung von Gehältern - oder kein völlig freier Markt mit flächendeckend staatlich verordneten Mindestlöhnen (keine Insellösungen für einzelne Branchen oder je nach Verhandlungsgeschick mehr oder weniger guter Gewerkschaften; eine Tüte Milch kostet einen Bauarbeiter dasselbe wie einen Briefträger und eine Friseuse, deswegen ist auch ein branchenspezifischer Mindestlohn Mumpitz). Aber sich aus beiden Teilen das gerade Passende Detail auszusuchen, den Rest aber nicht in Kauf nehmen zu wollen, geht so nicht.

    OK, machen wir ein bisschen Außenpolitik. Wieso wirft die Bundeswehr in Afghanistan Bomben auf Zivilisten, obwohl eine sehr große Mehrheit der deutschen Bevölkerung der Meinung ist, dass die Bundeswehr gar nicht in Afghanistan sein sollte?


    IMHO kommt man aus der Nummer Afghanistan JETZT nicht mehr so einfach heraus. Aber man hätte erst gar nicht dorthin gehen dürfen.
    Erstens weil Partisanen und Terroristen noch nie erfolgreich von regulären Armeen bekämpft wurden.
    Zweitens weil die Mehrheit der deutschen Bevölkerung deutlich gegen diesen Einsatz war (und ist) und die Politik somit gar nicht legitimiert war, diesen Einsatz zu starten...
    Drittens weil Wiederaufbau schlecht vom Militär geleistet werden kann, sondern glaubhaft eher von anderen Organisationen erfolgen muss.
    Viertens weil die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee ist und die Behauptung, dass unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt werde, seeeehr abenteuerlich ist.

    Da gibt es nix "so oder so zu sehen" weil es schließlich nicht um Meinungen, sondern Fakten und Logik geht.


    Wenn ein Arbeitsplatz bezuschusst werden muss, muss das Geld dafür irgendwo herkommen - es kommt aus den Steuern des Mittelstandes. Mit anderen Worten: wenn einer für Billiglohn arbeiten geht, muss im Mittelstand ein anderer dafür mitarbeiten und -verdienen sowie höhere Abgaben zahlen um die Staatskasse ausreichend zu füllen.


    Wer also einerseits sagt, dass der Mittelstand entlastet werden und Eigenverantwortung wieder betont werden muss, kann nicht andererseits gegen einen Mindestlohn sein, der garantiert, dass Geringverdiener nicht obendrein Geld aus der Steuerkasse brauchen.


    "Hauptsache überhaupt Arbeit" widerspricht auch dem marktwirtschaftlichen Prinzip. Wenn eine Arbeit unproduktiv ist, muss sie wegfallen. Oder sie ist ausreichend produktiv, dann lohnt es sich den Arbeitsplatz zu halten. In dem Fall muss der Mitarbeiter aber auch ausreichend bezahlt werden, weil sonst stimmt die ganze Grundkonstruktion nicht.


    Nächster Punkt: wenn ein bisheriger Geringverdiener schließlich eine angemessene, höhere Bezahlung bekommt gibt es dadurch auch höhere Steuereinnahmen. Zum einen weil dieser Arbeitnehmer in Zukunft auch Steuern zahlt und ein weiterer Aspekt ist, dass die Leute dann mehr ausgeben können und der Konsum wiederum unsere Wirtschaft belebt während die Steuermehreinnahmen wieder die Staatskasse füllen.


    Was <registered> meint ist, dass Arbeitgeber - mal ganz übertrieben zu Ende gedacht - irgendwann gar keinen nennenswerten Lohn mehr an ihre Mitarbeiter auszahlen wollen. Es gibt immer irgendeinen, der es noch preiswerter macht - wo ziehst du da die Grenze?


    Konsequent zu Ende gedacht bräuchten Unternehmen flächendeckend kaum noch Lohn zu bezahlen - der Staat stockt es schließlich auf. Das ist aber doch genau das von euch immer wieder abgelehnte Modell eines starken Staates...

    Bernbayer, ich lese von dir keine "Fakten, Fakten, Fakten" mit belegbaren Quellen, sondern immer nur die gleichen stereotypen Aussagen. Du versuchst dann immer wieder den Spieß dahingehend umzudrehen, dass ich meine Frage beweisen soll, bevor du eine Antwort geben willst. Das ist doch kein fruchtbares Diskussionsverhalten. :confused:


    Ansonsten hat BigBlue es doch inzwischen verständlich dargestellt: allein aus ordnungspolitischer Sicht DARF der Staat nicht zulassen, das Vollzeitarbeiter zusätzliche Hilfen aus dem Steuersäckel bekommen müssen, weil dafür schlicht keine Kohle im Steuersäckel vorhanden ist!
    Nebenbei verstößt es gegen das Subsidiaritätsprinzip. Der Staat darf erst dann Sozialleistungen auszahlen, wenn jemand sich selbst nicht helfen kann. Ein Vollzeitarbeiter kann sich aber durch eigene Arbeit finanzieren - wozu er freilich einen ausreichenden Lohn bekommen muss. Rein verfassungsmäßig ist es also ein dünnes Eis, wenn Aufstocker Geld aus der Staatskasse bekommen. Das darf es so rein verfassungsmäßig eigentlich gar nicht geben.


    Man kann doch nicht einerseits verlangen, dass der Mittelstand Entlastungen bekommen muss, wenn man andererseits Löhne akzeptiert, die Transferleistungen an Geringverdiener erzwingen und somit auch bewirken, dass das Geld beim Mittelstand geholt werden muss.


    Es muss doch eher so laufen, dass man beim Friseur alle paar Wochen mal 3 EUR mehr bezahlt, dafür aber eine Steuersenkung bekommt, die einem weit mehr einbringt als die 3 gesparten EUR beim Friseurbesuch. Das rechnet sich finanziell doch viel mehr für den Mittelständler und nützt auch den Geringverdienern, weil sie dann fair bezahlt werden und nicht bei der Arge um Geld betteln müssen.


    Im Übrigen BEWEISEN Löhne unter Hartz IV-Satz doch, dass der Markt nicht funktioniert! Oder glaubt tatsächlich irgendwer, dass Menschen freiwillig für weniger arbeiten gehen, als sie zum Leben brauchen?


    Das ist doch einfache Logik und sind klare Argumente, denen man sich nicht permanent durch Ignoranz entziehen kann... Wie man das immer wieder nicht zur Kenntnis nehmen will, verstehe ich nicht. Ich kann es mir nur so erklären, dass manche sich damit nicht auseinander setzen wollen. Das würde auch erklären, warum hier nie der Gegenbeweis angetreten wird, sondern immer nur die Aussagen wiederholt, aber nie belegt werden.


    Was den Wegfall von gering bezahlten Arbeitsplätzen angeht: ja, dann fallen die eben weg! Es ist doch ein schiefes Konstrukt, einerseits Subventionen abschaffen zu wollen, andererseits aber nicht gegen Löhne zu sein, die so klein sind, dass Menschen zusätzliches Geld vom Staat bekommen müssen. Dadurch subventioniert man doch schon wieder, und zwar Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht selber ausreichend entlohnen.


    Weiterhin beschäftigt kein normaler Arbeitgeber Mitarbeiter, die sich nicht mindestens selber tragen. Wenn es also tatsächlich nicht mehr rentabel ist, müssen die Angestellten entlassen werden und das Unternehmen ggf. schließen. Aber man kann doch nicht nach freien Märkten rufen, wenn man andererseits an dieser Stelle durch Steuergeld nicht rentable Unternehmen subventioniert.


    Oder sind viele Unternehmen vielleicht doch rentabel - nur geht das erwirtschaftete Geld nicht erstmal in ausreichende Gehälter für alle Mitarbeiter, sondern verschwindet in Managergehältern und Shareholder Value?


    All dieses lässt doch nur einen Schluss zu: irgendwas läuft schief im System - und da kann die Antwort nicht "Weiter so" (CDU) oder gar "Wir müssen es noch ausgiebiger machen" (FDP) sein.


    Mich würde ansonsten interessieren, wie die Schwarz-gelb-Fans hier im Forum zu Bürgerrechten und Internetzensur stehen. Schäuble und von der Leyen haben ja in der Vergangenheit deutlich vorgelegt - übrigens verfassungsmäßig auch mehr als heikel. Für eine Durchsuchung braucht man einen richterlichen Beschluß. Schäubles Bundestrojaner verstößt gegen dieses Gesetz. Was sagt ihr denn zu diesem Themen?

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Ich sehe das Erstarken der Linken in den westlichen Bundesländern als eine Folge der Unzufriedenheit klassischer SPD-Wähler mit der Agenda-Politik von Schröder unt Rente mit 67 durch Müntefering an.


    Das denke ich auch. Die Welt globalisierte sich, veränderte sich, und die Politik reagiert(e) darauf falsch. Sie erkennt die Zeichen der Zeit nicht und versucht weiter mit Antworten und Lösungen von gestern die Probleme von heute zu lösen.


    Verlierer von Technisierung, Globalisierung, veränderten Strukturen sind erstmal die "kleinen Leute" und die SPD hat unter Schröder genau deren Interessen nicht vertreten, sondern sogar gegen dieses eigene Klientel regiert. Dafür bekommt die SPD jetzt die Quittung.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Sollte die SPD auf Bundesebene mit der Linken eines Tages koalieren wird sie als Folge Wähler die mehr zur Mitte tendieren verlieren, was sie sich auch wird nicht leisten können. Diese Partei steckt in einer Zwickmühle, wo sie nur schwer wieder rauskommt. Das soll aber nicht mein Problem sein.


    Ich glaube, es wird darauf ankommen, sich nicht an alten Rezepten tot zu laufen, sondern ob es gelingt die Herausforderungen einer globalen Welt zu erkennen und Verhältnisse zu schaffen, in denen Menschen weiter zufrieden leben. Immer mehr haben den Eindruck, dass die Zukunft für sie düster aussieht. Solange das so ist, geht es mit allen Parteien abwärts. Nur trifft es die SPD als erste...


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Bei dieser Bundestagswahl wird es keinen linken Bundeskanzler geben. Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben, offen ist nur ob in einer Schwarz-Gelben oder Schwarz-Roten Koalition.. Eine Linksregierung wird nicht zu stande kommen.


    Mein Gefühl sagt, es ist schon entschieden. Merkel bleibt Bundeskanzlerin einer großen Koalition.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Außer Polemik kam von deiner Seite nichts an sachlichen Argumenten.


    Du bist putzig. Meine Postings stecken voll von Fragen und Argumenten. Du warst derjenige, der keine Lust mehr hatte, darauf einzugehen.


    Jochen, danke für die Blumen, aber ich glaube nicht, dass ich einfach nur besser argumentiere als nicht vorhandene Unionswähler. Die, die hier mitmischen, könnten ja auch gegenargumentieren und Sachthemen bringen.


    Ich lese von dir und dem Bernbayer aber mehrheitlich, dass ihr euch über das Diskussions- und Abstimmungsverhalten der TT-User auslasst. Argumente oder Sichtweisen, warum CDU/CSU/FDP in diesem oder jenem Punkt "mehr Recht haben" als andere, da macht ihr kaum Aussagen. Das kann man aber nicht "der linken Mehrheit" im Thread anlasten.


    Ich glaube, dass das an Gründen liegt, die hier auch schon genannt wurden: die Altersstruktur der Unionswähler ist interessant. Mehrheitlich sind es Rentner, denen es gut geht und die ihre Schäfchen im Trockenen haben, oder jüngere Leute, die in wertkonserativen und abgesicherten Verhältnissen leben. Und es sind Stammwähler, die "sowieso CDU" wählen, relativ egal, welches konkrete Programm die Partei hat (oder, wie jetzt, erst gar keins hat). Alle sind dann aber auch Wähler, die eher aus ihrer als angenehm empfundenen Lebenssituation heraus wenig Veränderung wünschen und die weniger wegen konkreten Argumenten zu ihrer Wahlentscheidung kommen.
    Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern sind Erkenntnisse von Wahlforschern.


    Ansonsten sehe ich es auch so, dass KEINE Partei langfristige Lösungen hat. Der Prozentsatz an wirklich komplett hinter den Programmen stehenden Wählern dürfte auch bei Piraten und Linke klein sein bzw. die Piraten sind ja nur eine Insellösung, bei der es gar nicht um "das große Ganze", sondern speziell das Problem Bürgerrechte und Überwachungsstaat geht. Das sind also Protestbewegungen, bei denen Unzufriedene gar nicht unbedingt die perfekte Politik erwarten, aber ihre Unzufriedenheit mit bestimmten Aspekten des öffentlichen Lebens kundtun und die etablierten Parteien abwatschen wollen.


    Den einfachen Stammtisch-Brüdern helfen dann auch noch Themen wie Ullas Dienstwagen, Merkels-Ackermann-Fete, Rüttgers Rumänen-Aussage oder das etwas befremdliche Verhalten des Herrn Althaus auf die Sprünge. Auch wenn es schade ist, aber manche Menschen richten ihre Wahlentscheidungen auch an solcher Polemik aus... auch auf dieser Ebene steht die CDU aber gerade nicht so gut da.

    "Problem" der bürgerlichen Parteien und ihrer Wähler ist unter anderem, dass die Themen der Zeit klare linke Kernkompetenzen sind.
    Die Konserativen kommen gegen die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung und die sachlich richtigen Argumente der Mitte-links-Parteien gegen soziale Schieflagen nicht an und haben nicht mal versucht, eigene Themen in den Vordergrund stellen. Ist ja auch schwer, wie soll man mit nicht vorhandenen eigenen Argumenten gegen klar begründete Positionen der anderen Seite argumentieren? Dementsprechend hält man sich in diesem Thread auch zurück, was soll man auch entgegen halten?

    Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Ich sagte auch nicht, daß es für schwarz-gelb reichen würde.


    Das ist halt das Problem des schwarz-gelben Lagers. Lange sah es so aus als wäre es längst ausgemacht, dass es demnächst eine schwarz-gelbe Regierung geben wird. Das bröckelt inzwischen, auch andere Konstellationen werden wieder wahrscheinlicher.


    Die Themen der Zeit sind IMHO

    • Finanzkrise, Managergehälter, Finanzierung der Milliarden, die die Krise den Steuerzahler kostet - und was lernen wir daraus
    • soziale Gerechtigkeit
    • Bundeswehr in Afghanistan

    .


    Wer etwas höhere Ansprüche an politische Konzepte hat und sich nicht nur durch das Steuersenkungsversprechen blenden lässt, hat bei CDU/CSU und FDP nicht das Gefühl, dass dort wirklich erkannt wurde was auf den Finanzmärkten dringend geregelt gehört. Die FDP ruft sogar noch "weiter wie bisher, aber noch marktradikaler", die CDU äußert sich nicht. Also schon mal keine Pluspunkte bei der Bewältigung der Krise.


    "Soziale Gerechtigkeit" ist bei den Mitte-links-Parteien von Hause aus besser aufgehoben. Da diese die Themen auch deutlich anschneiden und besetzen, punkten sie hier gegen die Union.


    Afghanistan: seit langem lehnt eine große Mehrzahl der Bürger diesen Einsatz ab. Jetzt passiert unter einer CDU-Regierungschefin und einem CDU-Verteidigungsminister ausgerechnet 3 Wochen vor der Wahl ein Super-GAU, nämlich die vielen Toten durch die Luftangriffe auf die Tankwagen. Als wäre es nicht schon schlimm genug, stimmt auch das "Management" des Vorfalls durch den Verteidigungsminister nicht...


    Wenn man keine aktuellen Themen für sich besetzt, den Wahlkampf verweigert und aber doch durch die anderen Parteien hinein gezogen wird, dann noch eine Menge "Pech" (man müsste vielleicht sogar schreiben Dummheit) in Form von Entgleisungen (Ackermann-Fete im Kanzleramt, Aussagen Rüttgers' über Rumänen) hat - tja, dann rächt es sich, dass sich die Kanzlerin nur darauf verlassen hat, dass sich die anderen Parteien selber zerlegen und man dann ohne eigene Anstrengung die Früchte ernten kann. Aber dass das nicht so einfach klappen würde, konnte jeder ahnen.