Die Bundestagswahl 2009

  • Zitat

    Original geschrieben von BigBlue007
    Und das ist halt das Problem an Deiner Denke: Denn 3,50 sind halt unter keinen Umständen angemessen.


    Das ist zugegebenermaßen sehr wenig. Trotzdem ist es Realität das es Branchen gibt, wo ein höherer Stundenlohn sich wirtschaftlich nicht rechnet, ob das einen gefällt oder nicht. Jetzt gibt es eben zwei Alternativen, man stockt diesen Mindestlohn auf oder man nimmt in Kauf das der Arbeitsplatz verschwindet. Es gibt sicher auch Fälle wo ein zu niedriger Lohn bezahlt wird und kostenmäßig ein höherer Lohn bezahlt werden könnte. Die Fälle sind eben individuell verschieden gelagert, deshalb kommt mann mit Schwarz-Weiß-Malerei nicht weiter. Erst recht nicht wenn man durch eine idelogisch getönte Brille guckt.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Das ist zugegebenermaßen sehr wenig. Trotzdem ist es Realität das es Branchen gibt, wo ein höherer Stundenlohn sich wirtschaftlich nicht rechnet, ob das einen gefällt oder nicht.


    Genau. Das ist mir absolut klar. Aber diesen Fall habe ich ja schon mehrfach beantwortet: Das sind dann eben genau die Branchen bzw. die Arbeitsplätze, die keiner braucht. Denn wenn eine bestimmte Arbeit nicht einen bestimmten Mindestlohn wert ist, dann braucht diese Arbeit auch keiner. Und wenn sie doch gebraucht wird, dann ist sie auch mehr Geld wert. Das MUSS sie dann halt.

    Zitat

    Jetzt gibt es eben zwei Alternativen, man stockt diesen Mindestlohn auf oder man nimmt in Kauf das der Arbeitsplatz verschwindet.


    So ist es. Und da bin ich eindeutig für Letzteres. Zumal ich auch absolut 100%ig sicher bin, dass ein massenhaftes Wegfallen solcher Arbeitsplätze nicht eintreten würde. Vielmehr würde sich wundersamerweise zeigen, dass viele dieser Arbeitsplätze eben auch noch funktionieren, wenn sie halbwegs vernünftig bezahlt werden. Aber selbst wenn es nicht so wäre - dann wäre das halt so.

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Ich bin eindeutig fürs Aufstocken, die Gründe hierfür habe ich schon in diesen Thread angeführt und muß sie deshalb nicht nochmal wiederholen. Es wäre auch schwarz-weiß gemalt daß bei der Einführung eines Mindestlohnes diese Arbeitsplätze zu 100 Prozent ausnahmslos wegfallen würden, so einfach ist die Welt natürlich nicht. Aber ein Großteil davon würde wegfallen. Ob er wegfällt hängt davon ab um vieviel der kostenmäßige noch verkraftbare Stundenlohn vom Mindestlohn abweicht. Wenn da nur 50 cent Unterschied bestehen, wird er kaum wegfallen, bei 5 Euro Abweichung in der Stunde höchst wahrscheinlich.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    Original geschrieben von BigBlue007
    Das hast DU jetzt gesagt, und warum, versteht außer Dir selber wahrscheinlich niemand... :confused: Da mich sowas ohne Ende aufregt, ich aber keine Lust habe, in diese ausgelegte Falle zu laufen und den Thread nun endgültig zu ruinieren, indem ich mich auf dieses Niveau begebe (hinab wohlgemerkt), ist die Diskussion mit Dir an dieser Stelle beendet. Zumal es ja auch ohnehin nichts bringt.


    Die Polemikschublade auf persönlicher Ebene hast nun mal DU aufgemacht und dann nun mit gespielter moralischer Empörung über Niveaustufen zu referieren entbehrt jeder Grundlage. Wir sind uns zumindest dahingehend einige, dass das weder dem Beitrag noch der gesamten Diskussion zuträglich ist.


    Leider sind wie vor ein paar Seiten bereits angemerkt bestimmte Themen einfach nichts für TT oder das Internet, die sachbezogene Diskussion steht im Hintergrund hauptsächlich geht es darum die eigene Meinung durchzuboxen oder ums "Recht haben". Schade, aber das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.


    Zum Thema:
    Es ist ja schon mal ein Fortschritt in der Diskussion wenn ein potentieller Arbeitsplatzverlust nicht vollends negiert wird, sondern zumindest als zu zahlende "Zeche" billigend in Kauf genommen wird. Die Frage ist ja weniger ob sich das negativ auswirkt sonder eher wie stark.


    "Der Anspruch, möglichst allen Bürgern durch Erwerbsarbeit ein ausreichendes Einkommen zu verschaffen, ist durchaus gerechtfertigt. Nur birgt das Instrument des Mindestlohnes die Gefahr, dass die Einkommenserhöhung für einige Arbeitnehmer mit Arbeitsplatzverlusten anderer Geringverdiener teuer erkauft wird. Der Anspruch an den Sozialstaat ließe sich viel eher durch geeignete Kombilohnmodelle realisieren."
    http://www.tu-dresden.de/wwvwl…nitz_Thum_Mindestlohn.pdf


    Und genau das wird aber von den Parteien die den Mindestlohn fordern mal lieber diskret unter den Tisch gekehrt.

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    ..."Der Anspruch, möglichst allen Bürgern durch Erwerbsarbeit ein ausreichendes Einkommen zu verschaffen, ist durchaus gerechtfertigt. Nur birgt das Instrument des Mindestlohnes die Gefahr, dass die Einkommenserhöhung für einige Arbeitnehmer mit Arbeitsplatzverlusten anderer Geringverdiener teuer erkauft wird. Der Anspruch an den Sozialstaat ließe sich viel eher durch geeignete Kombilohnmodelle realisieren."
    http://www.tu-dresden.de/wwvwl…nitz_Thum_Mindestlohn.pdf...


    Ganz nachvollziehbar ist das aber nicht, was die Herren Ragnitz und Thum da so schreiben.
    Zitat: "Außerdem darf nicht übersehen werden, dass es sich bei diesen Einkommenszuwächsen um eine Umverteilung von Arbeitgeber- zu Arbeitnehmereinkommen handelt und somit gesamtwirtschaftlich keine Kaufkraftgewinne daraus erwachsen. Als ein Instrument zur Steigerung der Binnennachfrage sind Mindestlöhne daher ungeeignet."


    Niedriglohnempfänger konsumieren ihr ganzes Einkommen (in Deutschland). Das kann man sicher nicht von den Arbeitgebereinkommen behaupten.


    Gruß


    Pitter

  • Zitat

    Original geschrieben von Pitter
    Ganz nachvollziehbar ist das aber nicht, was die Herren Ragnitz und Thum da so schreiben.


    Niedriglohnempfänger konsumieren ihr ganzes Einkommen (in Deutschland). Das kann man sicher nicht von den Arbeitgebereinkommen behaupten.

    ´


    Jein, da spielen andere Faktoren auch noch eine Rolle, abstrakt (so sind sie die Wirtschaftswissenschaftler) hier mal erklärt (Punkt 6.2):


    http://www.wiwi.uni-muenster.d…Arbeitsmarktoekonomik.pdf

  • Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Es wäre auch schwarz-weiß gemalt daß bei der Einführung eines Mindestlohnes diese Arbeitsplätze zu 100 Prozent ausnahmslos wegfallen würden, so einfach ist die Welt natürlich nicht. Aber ein Großteil davon würde wegfallen. Ob er wegfällt hängt davon ab um vieviel der kostenmäßige noch verkraftbare Stundenlohn vom Mindestlohn abweicht. Wenn da nur 50 cent Unterschied bestehen, wird er kaum wegfallen, bei 5 Euro Abweichung in der Stunde höchst wahrscheinlich.

    Glaub nicht das ein Grossteil wegfallen wuerde, weil soviele Niedriglohnjobs kan man nicht ins Ausland verlagern - denke das waeren dan vielleicht so 10-15 % der Niedriglohnjobs


    Wen man jetzt rechnet das 12 % der Niedriglohnjobs wegfallen, aber bei den verbleibenden 78% Niedriglohnhobs das Einkommen um durchschnittlich 50% steigt, dan steigt das Gesamteinkommen des Niedriglohnbereich immer noch insgesamt um 17% auch wen Jobs wegfallen


    Wen das Einkommen bei den bleibenden Jobs steigt hat man:


    - mehr Sozialabgaben fuer den Staat, vieleicht sogar Einkommenssteuern


    - mehr Konsum durch diese Menschen, dadurch mehr Nachfrage nach Waren


    - dadurch auch mehr indirekte Steuern


    Davon kan man dan auch das Arbeitslosengeld fuer die neuen Arbeitslosen zahlen


    78.000 Leute die mindestens 7,50 Euro in der Stunde verdienen und dazu 12.000 Arbeitslose sind guenstiger


    als


    100.000 Leute die zwar alle arbeiten aber so 3,50 - 5,50 Euro verdienen und dan aufstocken muessen

  • Zitat

    Original geschrieben von Anja Terchova
    Glaub nicht das ein Grossteil wegfallen wuerde, weil soviele Niedriglohnjobs kan man nicht ins Ausland verlagern - denke das waeren dan vielleicht so 10-15 % der Niedriglohnjobs


    In diesem Bereich geht es nicht nur um Verlagerung ins Ausland, sondern auch um Verlagerung in die Schwarzarbeit, was besonders im Dienstleistungsgewerbe durch einen Mindestlohn eintreten würde. Durch einen Mindestlohn würde ein Großteil der betroffenen Arbeitsplätze verloren gehen, eine genaue Prozentzahl kann man im Voraus allerdings nicht nennen.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Auch wenn Ragnitz und Thum auf etwas anderes hinauswollen, steht und fällt das Thema Mindestlohn letztendlich mit folgendem Punkt:


    "Außerdem darf nicht übersehen werden, dass es sich bei diesen Einkommenszuwächsen um eine Umverteilung von Arbeitgeber- zu Arbeitnehmereinkommen handelt"


    Entlassungen und Unternehmenspleiten werden wohl marginaler sein, als an die Wand gemalt. Aber etwas weniger bares Geld werden die Unternehmer in der Tasche haben, zugunsten ihrer niedrigentlohnten Angestellten.
    Verständlich, dass niemand "weniger" haben möchte, und verständlich dass interessierte Kreise dagegen Sturm laufen, aber bei diesen krass niedrigen Löhnen wird es unter dem Strich abseits einiger weniger Ausnahmefall-Pleiten oder -entlassungen trotzdem wohl das richtige, weil gerechtere Instrument sein.


    Die Alternative ist ja im Wesentlichen, den Unternehmern ihr Geld zu lassen und die Niedriglöhne von der Allgemeinheit bezahlt aufzustocken.

  • Warum nur die Mindestlöhne? Man könnte dann alle Jobs von der Allgemeinheit bezahlen lassen und wäre in gedanklicher Nähe zum bedingungslosen Grundeinkommen...


    Der Haken an der Anti-Mindestlohn-Argumentation ist, dass die unsäglichen Minimaleinkommen beweisen, dass der Markt in manchen Bereichen versagt.


    Wenn man aber argumentiert, dass der Markt sich selber regelt, kann man nicht andererseits der Aufstockung von Mindestlöhnen das Wort reden. Also entweder Marktwirtschaft mit fairen Löhnen und ohne Notwendigkeit der Aufstockung von Gehältern - oder kein völlig freier Markt mit flächendeckend staatlich verordneten Mindestlöhnen (keine Insellösungen für einzelne Branchen oder je nach Verhandlungsgeschick mehr oder weniger guter Gewerkschaften; eine Tüte Milch kostet einen Bauarbeiter dasselbe wie einen Briefträger und eine Friseuse, deswegen ist auch ein branchenspezifischer Mindestlohn Mumpitz). Aber sich aus beiden Teilen das gerade Passende Detail auszusuchen, den Rest aber nicht in Kauf nehmen zu wollen, geht so nicht.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

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