Die Bundestagswahl 2009

  • Klar geht das so nicht, aber dass die Wirtschaft immer genau dann nach dem Staat schreit, wenn er ihr was nützt, sich ansonsten aber bitteschön raushalten soll, das haben wir ja in der jüngsten Vergangenheit viele Male eindrucksvoll erleben dürfen. Aber das verstehen unsere Neoliberalismusfreaks nicht, wie man an deren Argumentation schön ablesen kann.


    Ein Punkt, der mir eben einfällt: Wenn man dafür ist, dass extrem niedrige Löhne durch ein Eingreifen des Staates aufgestockt werden sollen, dann müsste man konsequenterweise auch dafür sein, dass extrem HOHE Einkommen, bei denen absolut kein objektiver Bezug zwischen geleisteter Arbeit und erzieltem Einkommen mehr gegeben ist, vom Staat gedeckelt werden. Ist ja im Prinzip dasselbe, nur umgekehrt. Aber was die Neoliberalisten hierzulande von solchen Ideen halten, ist ja bekannt...


    Es ist letztlich völlig egal, mit welchen Argumenten diese Leute kommen. Es läuft am Ende immer darauf hinaus, dass man der Wirtschaft das Leben so leicht wie irgend möglich machen muss - auch auf Kosten der Arbeitnehmer - weil sonst ohne Ende Jobs wegfallen, Firmen massenweise aus Deutschland abwandern usw. usf.. Ich persönlich kann dieses Gelabere nicht mehr hören, zumal es durch beständiges Wiederholen weder intelligenter noch zutreffender wird.

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Wenn man Argumente gegen den Mindestllohn nicht hören will, dann tut man das polemisch als Gelabere ab. Besser wäre es da die linke idelogische Brille abzulegen und dann sieht man viel klarer das das Gerede vom Gelabere auf einen selber zurückfällt.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Der Haken an der Anti-Mindestlohn-Argumentation ist, dass die unsäglichen Minimaleinkommen beweisen, dass der Markt in manchen Bereichen versagt.


    Hmm, der Markt versagt eigentlich nicht. Man sollte erst gar nicht von einem Markt sprechen, wenn ein Vertragspartner kaum Wahlmöglichkeiten hat.


    Für mich hängt die Frage nach dem Grad der Freiheitlichkeit einer Gesellschaft ganz stark an der tatsächlichen Wahlfreiheit jedes Einzelnen. Und an seinem Zugang zu Entfaltungsmöglichkeiten (capability approach), wie ihn z.B. A. Sen vertritt.


    http://en.wikipedia.org/wiki/Capability_approach


    Die tatsächliche Wahlfreiheit des Individuums, der Grad an möglicher Autonomie, an selbst bestimmter Lebensführung, das ist, was die FDP in Deutschland nach meinem Dafürhalten so aus den Augen verloren hat, dass ich sie als eigentlich liberal denkender Mensch nicht mehr wählen kann.


    Der Liberalismus der FDP ist kalt und leer geworden. Entkernt sozusagen.
    Daran ändern auch Herr Baum und Frau Leutheuser-Schnarrenberger nichts mehr.


    Meine verhältnismäßig harten Urteile hier im Thread müssen vor dem Hintergrund dieser großen Enttäuschung gelesen werden, da bitte ich um Nachsicht.


    :)

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Deine Verlagerung in die Schwarzarbeit gibt es doch wesentlich öfters als der Allgemeinheit lieb ist. Oder was glaubst du, was ein arbeitsloser Hartz-IV-Bezieher zwischen 18 und 40 Jahre tagsüber so macht!?



    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Außerdem verbessern sich für den BEtreffenden zumindest die Chanchen wieder in einen besser bezahlten Job hineinzukommen, wo er dann keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen muß. Ein Arbeitsplatz ist immer besser als kein Arbeitsplatz und jahrelanger Bezug von Hartz IV-Leistungen.


    Ich spreche jetzt mal nicht vom Hörensagen, Wissen aus Bildzeitungsartikeln oder Parteiengelaber, ich wohne da;) : In den östlichen Bundesländern leben ganze Gewerke von Minijoblern. Gerade im Einzelhandel sitzen an praktisch allen Supermarktkassen Aushilfen auf Grundlage von Minijobs. Da wird keiner fest eingestellt, da es für die Arbeitgeber einfacher und billiger ist 5-6 Minjobler zu beschäftigen als einen in Vollzeit.
    Und im übrigen sind die Bezüge so niedrig, das diese immer einen jahrelangen Bezug von HartzIV zur Folge haben.


    bye Kai

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Die tatsächliche Wahlfreiheit des Individuums, der Grad an möglicher Autonomie, an selbst bestimmter Lebensführung, das ist, was die FDP in Deutschland nach meinem Dafürhalten so aus den Augen verloren hat, dass ich sie als eigentlich liberal denkender Mensch nicht mehr wählen kann.


    Der Liberalismus der FDP ist kalt und leer geworden. Entkernt sozusagen.
    Daran ändern auch Herr Baum und Frau Leutheuser-Schnarrenberger nichts mehr.


    Kannst du mir das mal genauer erklären, warum du diesen Eindruck hast?
    Finde das schon interessant.
    Gerne auch per PN, falls es nicht on topic ist. :)

  • Ich mach' mir gerade eine Stichwortliste und schreib' Dir am Abend eine PN.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Ich habe eher den Eindruck, daß sich die FDP mit ihrem aktuellen Wahlprogramm wieder deutlich mehr in Richtung Sozialliberal bewegt.


    Die Zeiten in dene reine Wirtschaftsliberale den Kurs bestimmt haben sind wohl vorbei.

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    Ericsson T39m
    Legends never Die!
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  • Zitat

    Original geschrieben von galahad13
    Ich habe eher den Eindruck, daß sich die FDP mit ihrem aktuellen Wahlprogramm wieder deutlich mehr in Richtung Sozialliberal bewegt.


    Die Zeiten in dene reine Wirtschaftsliberale den Kurs bestimmt haben sind wohl vorbei.



    Ich will's hoffen. Solange jedenfalls Guido Westerwelle die Zügel in der Hand hält folge ich dem Motto:


    an ihren Taten sollt ihr sie messen. ;)


    Ist auch nicht gesund für eine Partei, so eine one-man-Show.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Wie sich wohl ein Minijobber fühlt, wenn er auf Wahlplakaten den FDP-Wahlspruch "Arbeit muss sich wieder lohnen!" lesen darf?

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Ich mach' mir gerade eine Stichwortliste und schreib' Dir am Abend eine PN.


    Warum per PN? Passt doch hierher...

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

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