Beiträge von Printus

    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Der gute Mann wurde von einem der Großaktionäre (Sal. Oppenheim) aus seinem sicheren Arbeitsverhältnis der Telekom herausgekauft durch eine Garantie eines 5 Jahres Vertrages bei Arcandor, welcher durch Sal Oppenheim abgesichert wurde.


    Was ja schon mal ein Luxus ist, den normale Bürger flächendeckend nicht haben, wenn es nicht gerade Beamte sind. Sie stecken weder jetzt in einem sicheren Arbeitsverhältnis noch bekommen sie bei einem Jobwechsel Garantien für ihren neuen Arbeitsplatz. Sie sind 6 Monate in der Probezeit und haben oft nur einen befristeten Vertrag, mit dem sie entweder wieder nur eine befristete Verlängerung bekommen oder gleich wieder auf der Straße stehen. DAS ist die Lebensrealität für viele Menschen. 5 Jahre sind zwar auch eine Befristung, allerdings nicht vergleichbar mit den Konditionen im normalen Volk, wo es regelmäßig wesentlich kürzer ist und dann auch wirklich so gemeint ist, während Eick selbstverständlich auch den Anschlussvertrag bekommen hätte, wenn er keine silbernen Löffel geklaut hätte.
    Und wenn die Leute ihren Job verlieren sind sie nach 1 Jahr Arbeitslosigkeit - in dem Alter des Herrn Eick unter Garantie - unvermittelbar arbeitslos und auf Hartz IV.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Die 15 Mio zahlt also nicht der insolvente Arcandor Konzern (könnte er auch gar nicht), sondern eine Privatbank.


    Die das Geld aber auch nicht im Keller selbst gedruckt hat, sondern letztlich von ihren Kunden nimmt. Die bezahlen es mit hohen Überziehungszinsen oder teuren Krediten. Oder es zahlt der Steuerzahler, wenn die Bank Geld aus dem Bankenrettungspaket bezieht. Egal wie, am Ende zahlt es wieder die Masse der Otto Normalverbraucher.



    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Vielleicht sollte man dieser die Dummheit vorwerfen, einen schon zur Verpflichtung insolventen Konzern mit so einem Langzeitvertrag für Eick ausgestattet zu haben. Eick hatte Handlungsmöglichkeiten die sehr bescheiden waren.


    Man sollte ihr nicht nur vielleicht Dummheit vorwerfen, sondern ganz bestimmt. Dazu Arroganz und ein Verhalten, das zwar legal, aber nicht mehr legitim ist.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Der Karren wurde schon lange voher tief in den Schlamm gefahren. Das nennt sich freie Vertragsausgestaltung, die Parteien waren hier beide im "vollbesitz" ihrer geistigen Fähigkeiten und haben diesen Vertrag unterschrieben. Natürlich kann man sich streiten ob es sinnvoll war, aber bezahlt wurde nicht durch die Allgemeinheit, sondern durch private Besitzer, die der Ansicht waren, dass Eick 15 Mio für 5 Jahre wert sei.


    Es sind aber genau solche Aktionen, die man den Bürgern nicht mehr vermitteln kann und weshalb die Menschen zu Recht kein Vertrauen mehr haben. Wie will man denn einer 50jährigen Karstadt-Verkäuferin, die schon immer wenig Geld für täglich stundenlange harte Arbeit bekam - ätzende Kunden, langes Herumstehen, kein Tageslicht etc. - und nun noch tiefer rutscht weil sie demnächst nur noch Grundsicherung nach Hartz IV bezieht, vermitteln, dass hier jemand 15 Millionen EUR für ein halbes Jahr - von vorneherein - sinnloser Arbeit bekommt?


    Rechtlich ist das zwar nicht angreifbar, aber solche Dinge sprengen unsere gesellschaftlichen Rahmen. Die Karstadt-Verkäuferin macht vielleicht ihrerseits keine Randale, aber andere schon und irgendwann geht es dann überall zu wie in Kreuzberg am 1. Mai weil die Leute nicht mehr akzeptieren, wie die Dinge in dieser Gesellschaft laufen.


    Der Eick wird unter Garantie schnell wieder den nächsten ungehörig hoch dotierten Job haben, weil man sich in derartigen Kreisen letztlich immer wieder in den eigenen Reihen Posten zuschustert. Das mag in einem gewissen Umfang normal und nicht zu verhindern sein, genauso wie Politiker immer Gefahr laufen, Lobbyisten auf den Leim zu gehen oder selber die völlige Neutralität zu verlieren. Man könnte ja sogar den einen oder anderen positiven Ansatz darin sehen.


    Nur darf es nicht ausufern. Im Ganzen müssen die politischen Entscheidungsorgane neutral sein und muss es in der Gesellschaft fair zugehen. Die allermeisten Menschen erleben aber, dass das nicht mehr so ist. Es gibt eine relativ kleine Elite, die sich auf Kosten der großen Masse ungehemmt und zügellos bedient, und die riesengroße Gruppe der normalen Bürger, die immer mehr ausgenommen werden und mit ihren immer kleineren Gehältern jeden Mist bezahlen und erdulden müssen.


    Wenn ich der Herr Eick wäre, würde ich das Geld auch nehmen und genau wie er einen Teil spenden, vermutlich zugunsten von Karstadt-Mitarbeitern. Ihm persönlich ist nicht vorzuwerfen, dass er nimmt, was er kriegen kann. Das würden wir alle tun.


    Aber als Gesellschaft müssen wir Regeln schaffen, die Auswüchse verhindern - denn das ist zur Zeit nur auf dem Papier der Fall, nicht in der Realität und es ist sehr gefährlich für unsere Demokratie, wenn das Volk nicht mehr zu unserem System steht, sondern es als korrupt, ungerecht und ausbeuterisch empfindet.

    Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Das glaube ich nicht und halte ich sogar für Mumpitz. Arbeitsplätze werden in anderen Bereichen entstehen (mehr Menschen auf dem Planeten brauchen mehr Pflege, mehr Kinder brauchen mehr Kindergärtner etc.). Es wird immer Jobs geben die keine Maschine erfüllen kann. Und es sind nicht eben wenige. Der Dienstleistungssektor wird umso mehr an Bedeutung gewinnen.


    Mehr Menschen auf dem Planeten sind aber nur ein Problem in China, Indien und Entwicklungsländern, nicht in Deutschland. Hier kämpfen wir mit massivem Geburtenrückgang und allen negativen gesellschaftlichen Folgen desselben. Überalterung der Gesellschaft, fehlende Beitragszahler für zukünftige Renten usw. ....
    Jobs, die keine Maschine erfüllen kann, werden komplexe Jobs für Spezialisten sein, keine einfachen Tätigkeiten für wenig ausgebildete und leistungsfähige Menschen.
    Der Dienstleistungssektor muss aber dann auch bezahlt werden. Wenn immer mehr Menschen nicht ausreichend verdienen, haben sie auch kein Geld, um es für Dienstleistungen auszugeben.


    Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Die Linken hätten die Entwicklungen des 9/11 und der Finanzkrise nicht verhindert.


    Indem sie die Position des "kleinen Mannes" stärken, wären die Folgen für dieses Klientel aber geringer gewesen.


    Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Wie auch, beides war nicht (kaum) vorherzusehen. Das Problem der Linken ist ihre Ideenlosigkeit hinsichtlich der Umsetzung ihrer Vorstellungen. Nicht das es die etablierten Parteien besser machen würden


    Siehst du... es geht um Konzepte, um Visionen, um die Frage, wie man sich zukünftig aufstellen könnte, wohin die Reise gehen sollte. Derartige Überlegungen waren bisher nur von neoliberalem Gedankengut bestimmt. Wenn linke Parteien auch wieder die Zukunft der kleinen Leute thematisieren, ist das nicht verkehrt. Dass nicht alle Ideen 1:1 umgesetzt werden, ist klar. Aber allein es zum Thema zu machen, ist wichtig.


    Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Tolle Vorstellungen über die Zukunft hat jeder, aber auf die Umsetzbarkeit pfeiffen sie alle gleich-artig. Und daher ist die Linke im Kern nicht besser als alle anderen - denn Luftschlösser bauen kann jeder...


    Mag sein. Immerhin tritt diese Partei für die Interessen einer in der Politik ansonsten nicht repräsentierten Bevölkerungsschicht ein. Die SPD macht's ja nicht mehr... Die Bedeutung der Linken ist daher weniger, was sie konkret fordern oder durchsetzen können, sondern eher, dass sie die Grundinteressen vieler Menschen vertreten. Das kann aufgrund der Wahlergebnisse der Linken auf Dauer auch von anderen Parteien nicht mehr einfach ignoriert werden können. damit ist dann schon ein Ziel erreicht.

    Wenn es dir besser gefällt kann ich pro forma gerne immer dazu schreiben, dass nur angestellten Manager aus systemrelevanten Großkonzernen, die zu Lasten der Allgemeinheit gezockt, sich bereichert und das Kapital verspielt haben, gemeint sind. Es sollte aber eigentlich klar sein, dass "Manager" als totum pro parte gemeint ist...

    Die kleinen selbstständigen Unternehmer sind aber auch nicht die, die das ganze Finanzsystem gefährden und Milliarden an Steuergeldern verbrennen - nicht systemrelevant, wie man es dann nennt.

    Im Grunde stimmt es dann aber doch insofern, als nur der - offensichtlich - unvernünftige Teil der Ossis Berliner gegen einen Zusammenschluss war. Wie sie die Finanzen der Stadt regeln wollen, haben sie wahrscheinlich nicht dargelegt.
    Berlin fällt sowieso immer wieder durch großkotzige und unsinnige Entscheidungen auf, sei es die Schließlung von Tempelhof oder der Großflughafen BBI... Kein Geld und Kulturhauptstadt spielen, aber THF schließen und einen völlig überdimensionierten BBI bauen... :rolleyes:


    Obendrein, Brainstorm, tragen die Mitarbeiter doch längst ein enorm hohes Risiko, denn sie verlieren als erste ihren Job und damit Geld und Sicherheit! Gerade die geringsten Mitarbeiter sind als erste weg vom Fenster.


    Manager hingegen gehen mit hohen Abfindungen und einem somit goldenen Handschlag.


    Die Behauptung, die Mitarbeiter würden das Unternehmensrisiko nicht mittragen, ist Unsinn.

    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Wie hätte denn die Linke dies verhindert bzw. abgeschwächt? Wenn sowas passiert schlägt es durch, egal ob in Planwirtschaft oder Turbokapitalismus.


    Ich habe es darauf bezogen, dass ich den Deutschlandplan von Steinmeier für unrealistisch halte weil er auf 11 Jahre bis zur Vollbeschäftigung ausgelegt ist. In meinen Augen völliger Nonsens. Selbst wenn nichts Schlimmes passieren würde - man vergleiche uns heute mal mit unseren Verhältnissen vor 11 Jahren. Die Welt ist so anders geworden, dass ich nicht glaube, dass solche Planungen nur halbwegs realistisch sind. Als Konzeptstudie nett, aber nicht als realistische Planung.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Finanziell am meisten wurden Leute getroffen, die sich Wertpapiere im Vermögen leisten konnten. Natürlich ist es ein Unterschied ob jemand von 1 Mio vermögen auf 500 Tsd Euro abstürzt oder ob jemand einen Job verliert und plötzlich nur noch 60% des Gehalts zur verfügung hat.


    Das ist aber das Entscheidende! Wenn sich nur Zahlen auf einem gut gefüllten Konto verändern aber das Leben ansonsten gleich bleibt, tut das nicht weh. Wenn man mit Job und Geld auch seine Sicherheit und Zukunft verliert, spielt das auf einer ganz anderen Ebene. Vor allem geht es da um weit mehr Menschen als bei ein paar gescheiterten Groß-Spekulanten - von denen viele sogar immer wieder auf die Füsse fallen. Die Dummen sind immer Kleinanleger und Geringverdiener.


    Zitat

    Original geschrieben von _-=voodoo=-_
    Entgegen deiner Meinung wird mein Studium nicht komplett von meinen Eltern finanziert, ich gehe Arbeiten, bin zudem noch Selbständig und darf auch die Studienbeiträge in vollem Umfang selbst bezahlen.


    Du kannst deine persönlichen Umstände nicht auf die Masse projizieren. Jeder Mensch ist anders und auch verschiedene Studiengänge sind anders. Der eine hangelt sich locker durch und hat Zeit und Elan, nebenher etwas zu reißen. Ein anderer lernt bis zum Umfallen und hat weder zeitlich noch persönlich Kapazitäten, nebenher so zu arbeiten wie du es tust.

    Bzgl. Bildung: alles schön und gut, natürlich ist sie wichtig. Man muss aber auch klar sehen, dass die Intelligenz des Menschen ist wie sie ist, d. h. wir sind heute nicht schlauer als die Menschen vor 30, 50, 100, 1000 Jahren. Dementsprechend bleiben in unserer Welt viele auf der Strecke. Früher hätten die ihren Acker umgegraben und und vom Salat, den sie dort züchten, gelebt. Dafür sind sie schlau genug. Heute erwartet man von denselben Menschen aber, dass sie anspruchsvolle Technik beherrschen und sich an permanent wechselnde, komplexe Anforderungen im Arbeitsleben und der Gesellschaft anpassen. Das kann nicht funktionieren, da kommt nicht jeder mit.


    Ich spreche damit nicht gegen die generell wünschenswerte möglichst gute Bildung, aber gegen die Idee, allein darin das Allheilmittel zu sehen und zu glauben, dass man damit alle Probleme löst.


    Wir steuern auf eine 80/20-Gesellschaft zu und allein weil es nicht mehr genügend Arbeitsplätze geben wird, löst Bildung nicht das Kernproblem, nämlich dass, Bildung hin oder her, zu viele Menschen zu wenigen Arbeitsplätzen gegenüber stehen. Natürlich fallen die wenig Gebildeten als erste hinten runter und eine gute Ausbildung erhöht die Chancen, erstmal noch im Rennen um Arbeitsplätze bleiben zu können. Aber irgendwer ist immer hinten und verliert. Reise nach Jerusalem, sozusagen - irgendwer MUSS verlieren weil immer ein Stuhl weniger als Mitspieler vorhanden sind.


    StebuEx,
    das, was du skizzierst, ist Kommunismus in Reinkultur und das ist keineswegs das, was die Linken anstreben. Du solltest dich mal von diesem Schreckgespenst lösen, dass diese Partei eine Planwirtschaft wie in den kühnsten sozialistischen Theorien anstrebt.


    Es ist offensichtlich, dass die Schere zwischen arm und reich immer extremer auseinander klafft und wir inzwischen in einer sozialen Schieflage sind. Das kann so nicht bleiben und erst Recht nicht so weiter gehen. Wenn man die Gesellschaft wieder etwas homogener gestalten will heißt das nicht, den Reichen einfach etwas wegzunehmen und es den Armen zu geben. Aber das System muss schon so gestaltet werden, dass leistungsfähigere Menschen mit sehr hohen Vermögen und Verdiensten mehr in die Gemeinschaft einbringen als Arme und Schwache.


    In den vergangenen Jahren und auch wieder aktuell in der Finanzkrise lief es so, dass die Normalbevölkerung zuerst ihre Jobs verlor und dann über immer höhere Abgaben zusätzlich noch die hohen Unternehmensgewinne und Spekulationen abgedrehter Manager bezahlte - oder in den Bankenrettungspaketen die Folgen von Entwicklungen bezahlt, durch die sie schon mal geschädigt wurden.
    In Chefetagen wird oft nicht mehr nach langfristiger Leistung für das Unternehmen bezahlt, sondern allein der kurzfristige Gewinn führt zu immensen Gehältern, die in keinem Verhältnis mehr zum Verdienst der normalen Mitarbeiter stehen. Und das selbst dann, wenn Unternehmen heruntergewirtschaftet wurden. So kann das nicht gehen, wir entwickeln uns fast zurück in frühere Jahrhunderte, wo der Adel in Saus und Braus lebte, während der Pöbel hungerte und nach oben abgab, anstatt vom Ergebnis der eigenen Mühe auch angemessen leben zu können.


    Die Linken machen nicht unser ach so tolles System durch reinen Kommunismus kaputt, sondern versuchen die Schieflage wieder auszugleichen. Dass die konkreten Ideen dabei mitunter nicht ganz realistisch und oftmals plakativ sind, ist schon richtig. Nur sollte man das nicht allein den Linken ankreiden, das gilt für andere Parteien genauso. Ich meine, woher wollen FDP und CDU Steuersenkungen finanzieren, wo wir so wenig Geld wie nie dafür haben? Wie will Steinmeier angesichts der 80/20-Problematik Vollbeschäftigung schaffen und wie lächerlich ist es, wenn das Programm auf die nächsten 11 Jahre ausgerichtet ist? Die Anschläge vom 11. September oder die Finanzkrise (Pleite Lehman Brothers) zeigen, dass eine einzelne Initialzündung reicht, um die Verhältnisse in der Welt von einem auf den anderen Tag völlig zu verändern und ins Chaos zu stürzen. Wir wurden da mit Ereignissen konfrontiert, an die 3 Tage vorher niemand im Traum gedacht hätte. Und dann kommt die SPD mit einem Programm, das die nächsten 11 Jahre abdecken soll? Das ist genauso lächerlich wie manche Position der Linken. Nur nimmt man es den anderen Parteien offenbar nicht so übel.


    Wie man daran auch sieht ist unser gesellschaftliches und wirtschaftliches System absolut angreifbar und instabil. Die Pleite einer einzelnen Bank hätte beinahe zum Kollaps der Weltwirtschaft geführt und hat Auswirkungen auf unendlich viele Menschen in der Welt, es kostet weltweit Billionen.
    Jetzt also so zu tun, als würden die Linken eine bombensichere Gesellschaftsform destabilisieren, geht völlig an der Realität vorbei. Ob sie es besser machen könnten als die etablierten Parteien sei mal dahin gestellt. Viel schlechter können sie es aber auch nicht machen.

    Wer "in die eigene Bildung investieren" soll, muss sich das aber auch leisten können. Woher soll das Geld kommen, wenn die Eltern ein geringes Einkommen haben und es nicht finanzieren können? Woher soll der Student 500 EUR Studiengebühren im Semester, ein paar hundert EUR für Lehrmaterial, seine Lebenshaltungskosten, sprich Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Bekleidung, und alles, was sonst noch zu einem Leben gehört, nehmen? Dazu muss er ja schon einen Verdienst haben, den andere in Vollzeitjobs verdienen, und es darf dann nicht mal ein zu niedrig bezahlter Billigjob eines Aufstockers sein... Wie soll das denn gehen, wenn man Student ohne vorherige Ausbildung ist und sich nur mit jobben etwas verdienen kann, außerdem auch zeitlich studieren und nicht arbeiten soll?


    So wie du schreibst können nur Menschen argumentieren, deren Eltern es sich leisten können, dem Studenten alles zu finanzieren, so dass er sich nur auf das Studium konzentrieren kann. Da investiert man natürlich leicht in seine Zukunft, wenn das Geld dafür vorhanden ist...


    Studien belegen eindeutig, dass Bildung in Deutschland inzwischen klar vom Geldbeutel abhängt. International werden wir dafür schon gerügt, weil es in vielen Ländern inzwischen weit weniger krass ist als hier.


    Nebenbei: ich habe nicht geschrieben, dass man Akademikern ihre Ausbildung berechnen soll. Meine sinngemäße Aussage ist, dass das von dir verlinkte Beispiel der 10 Studenten in der Mensa hinkt. Es ist richtig, dass der Steuerzahler die Unis finanziert und nicht Studenten, die das Geld dazu nicht haben. Im Gegenzug sollten Studenten dann aber auch sehen, dass die Allgemeinheit eine große Menge Geld in sie gesteckt hat und nicht so reden, wie das in deinem Text rüberkommt.


    Bzgl. der Sozialleistungen verdrehst du Ursache und Wirkung. Sozial Schwache sind an ihrer Lage nicht unbedingt selber schuld, sie sind oft auch Opfer der Entwicklungen und Verhältnisse. Dass immer auch ein paar selbstverschuldete, arbeitsunwillige Schmarotzer durchrutschen - OK.
    Deswegen kann der Staat die Leute aber trotzdem nicht ignorieren, sondern muss sich Lösungen überlegen, wie auch diese Menschen mitgenommen werden können.


    Fakt ist doch, dass Unternehmensgewinne und Managergehälter explosionsartig gestiegen waren, dass an den Börsen exorbitante Gewinne realisiert wurden - und das alles in Größenordnungen, die jeden Bezug zur Realität verloren hatten. Woher kam dieses Geld? Zum einen war es nie da und nur eine Luftblase, zum anderern erwirtschaftete man es indem Arbeitsplätze abgebaut, outgesourced oder Löhne gekürzt wurden. Man realisierte Gewinne durch Abstriche bei den Mitarbeitern und Spekulationen zu Lasten der "kleinen Leute", die nicht die Möglichkeit hatten, im großen Casino den Rubel rollen zu lassen.


    Die Masse der "kleinen Leute" zahlte mit immer höheren Abgaben oder Arbeitsplatzverlust, die Eliten an der Spitze kassierten ab. dadurch gerieten mehr Leute in prekäre Verhältnisse und waren auf einmal auf staatliche Transferleistungen angewiesen. So, und nun wirfst du den Menschen vor, dass sie an ihrer Lage schuld seien? Das ist doch Quatsch!


    Wenn Unternehmen ihre Gewinne nicht nur für Shareholder Value, Managergehälter und Börsenspekulationen verheizt hätten, sondern erstmal die eigenen Mitarbeiter fair bezahlt und in eine langfristige Perspektive des Unternehmens investiert hätten, wären auch nie so hohe Kosten für Sozialleistungen angefallen.


    Genauso wie man einem Neugeborenen seinen Anteil an der Staatsverschuldung nicht vorwerfen kann, kann man auch sozial Schwachen oft nicht ihre Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt vorwerfen. Es gibt natürlich auch einen kleinen Anteil Schmarotzer, aber in der großen Mehrheit immer noch viel mehr Menschen, die gutwillig und leistungsbereit wären, allein man lässt sie nicht. Denen kann man dann aber nicht vorwerfen, dass sie auf Transferleistungen angewiesen sind.

    Ich verstehe zwar, dass du dein Rad natürlich am liebsten sofort wieder fahrbereit zurück haben möchtest. Nur ist das unrealistisch und durchaus als überzogene Erwartungshaltung anzusehen.


    Du bist nicht der einzige Kunde und der Händler verdient sein Geld nicht mit Reklamationen, sondern durch Verkauf. Selbst wenn er sich dennoch sofort um deine Angelegenheit kümmert und nicht erst am nächsten oder übernächsten Tag, dauert es bei Lagerverfügbarkeit der Ersatzteile locker 2-3 Tage im absolut optimalsten Fall, wenn alle SOFORT für dich springen, bis das Ersatzteil da ist. Gibt es keinen Vorabtausch, muss das defekte Teil erst beim Hersteller ankommen und geprüft werden, bevor das neue Teil rausgeht. Kommt noch ein Wochenende dazwischen ist ruckzuck 1 Woche vorbei ohne dass jemand besonders getrödelt hätte. Wenn dann eine kleine Verzögerung - aus welchen Gründen auch immer - dazu kommt, verstreicht um so mehr Zeit.


    Reklamationen kosten den Händler und den Hersteller nur Geld, es wäre also nicht mal ungewöhnlich, wenn es einige Tage mehr dauert weil sich jeder Gewerbetreibende zwangsläufig primär um sein Geschäft und das Geldverdienen kümmern muss - nicht um Dinge, die ihn Geld und Zeit kosten. Herumtelefonieren und Gespräche mit dir und dem Hersteller, mit Hotlines, Faxe, Mails, Verpacken und Versand der Teile, all das kostet viel Zeit. Da ist schnell mal eine halbe Stunde Arbeitszeit weg. Für nichts... Auch dieses Geld muss verdient werden und im Kaufpreis der Waren enthalten sein, sonst zahlt der Händler drauf.


    Manche Onlinehändler sind deswegen billig weil sie dich beim Service hängen lassen (wie geschrieben, Reklamationsabwicklung kostet viel Zeit und damit Geld! Wer billig Teile verramscht, muss zwangsläufig am Service sparen, irgendwo muss der Preis herkommen). Du hast als Käufer im Onlinehandel erstmal selber teure Versandkosten (beim Kauf genauso wie bei der Reklamation), musst deine eigene Versandzeit zum und vom Händler auch noch hinzurechnen - es dauert also noch länger - und manche Händler gehen pleite und du kannst keine Ansprüche mehr geltend machen. Einfach weil sie glauben, Teile im Netz billig verkaufen würde reichen - bis sie merken, dass sie das Rückgaberecht laut Fernabsatzgesetz oder Reklamationen viel Geld kosten, das man auf die Preise umlegen müsste. Dann wäre man natürlich nicht mehr der Preisführer im Netz...
    Ich will damit nicht den hohen - vielleicht tatsächlich zu hohen - Aufpreis deines Händlers rechtfertigen. Aber klar machen, dass das nicht unbedingt Abzocke sein muss, sondern eine für ihn realistische Kalkulation.


    Wenn die ganze Sache 2 Wochen dauert ist das zwar aus deiner Sicht eine lange Zeit, angesichts der erforderlichen Abläufe aber völlig realistisch, ohne dass da jemand tagelang getrödelt hätte. Wenn die Teile dann knapp oder gerade nicht verfügbar sind - und das scheint ja hier der Fall zu sein - kann es schnell länger dauern. Auch das musst du in einem gewissen Rahmen so hinnehmen. Manche Kunden täuschen sich gewaltig über die Zeiträume, die realistisch anfallen und ihnen auch zuzumuten sind.


    Aber ein weiteres: du musst entscheiden, was du überhaupt willst. Wenn du mit dem defekten Lager als Mangel, der nicht da sein dürfte, argumentierst, berufst du dich auf die Sachmängelhaftung oder die Herstellergarantie. Dann bessert der Händler nach und baut dir ein gleichwertiges Teil ein. Oder du möchtest, indem du die Mehrkosten trägst, ein besseres Bauteil. Rein praktisch kommt dir der Händler hier schon entgegen weil er dann vielleicht vom Hersteller einen Ersatz geliefert bekommt, den er später anderweitig "verwursteln" muss. Bei Fahrrad vielleicht weniger ein Problem, bei Elektronik aber z. B. insofern blöd weil der Händler dann ein Austauschgerät ohne Zubehör und Originalverpackung da liegen hat. Das wieder los zu werden ist schwierig und zwingt ihn wieder zu Preisnachlässen, denn das kann er ja nicht wie ein ungeöffnetes, jungfräuliches Gerät verkaufen, sondern nur für entsprechend weniger Geld an einen Kunden, dem er das schmackhaft machen kann.


    Bei allem Verständnis für deinen Wunsch nach schneller Abwicklung oder dass du gerne das neue Teil preiswert haben möchtest - aber man muss auch mal die Probleme der Gegenseite sehen. Und mache Kunden haben da schon Erwartungen, die irgendwann fast unverschämt sind, einfach weil sie nicht verstehen, wieviel Zeit, Mühen und Kosten Reklamationen bedeuten.


    Hast du denn kein Ersatzrad zuhause stehen???


    Wenn nicht - warum empörst du dich, das auch der Händler das nicht "mal eben so" besitzt? Es ist einfach nicht so, dass Gewerbetreibende immer das dicke Geld verdienen und gute Gewinne an teurer Ware machen. Was da wirklich hängen bleibt, ist oft sehr wenig und der Laden, das Personal und Vieles andere will auch bezahlt werden. Auch wenn es Kunden oft anders erscheint, aber viele Läden machen nur viel Umsatz, aber deswegen keineswegs riesige Gewinne. Viele sind froh, wenn es überhaupt nach ein paar Jahren mal kostendeckend ist.

    Das Land - die Welt! - steht wirtschaftlich vor einer seiner größten Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund ist unverständlich, dass die Politik hier so gar nichts an Themen/Wahlkampf bietet, sondern man das Nichtstun und Schweigen sogar für salonfähig hält!


    Genau das ist ist die Krux: anstatt sich auf die Hinterbeine zu setzen um Lösungen für die drängenden Probleme Wirtschaftskrise, soziale Schieflage, Arbeitsplätze usw. zu entwickeln, verweigert man sich einfach und steckt den Kopf in den Sand. Und schämt sich nicht mal dabei, den Bürgern keine Aussagen zu machen! Sondern lässt die Dinge einfach laufen und wartet ab, Hauptsache sich nicht festlegen... Würde man wenigstens ein wenig operative Hektik veranstalten, aber so ganz offen nichts zu tun - das ist schon eine ziemliche Dreistigkeit dem Wähler gegenüber und eine Unverschämtheit für die Bürger.
    Ich empfinde das als einen Verlust an politischer Kultur, der beispiellos ist. Und dann wundert man sich, dass die Bürger frustriert sind, nicht mehr zu Wahl gehen oder im Zweifel irgendwann mal radikal wählen.


    Man kann nicht an die Vernunft der Leute appellieren, zur Wahl zu gehen und moderate Parteien zu wählen, wenn man keine Lösungen anbietet. Die Lösungen der Radikalen mögen oft unrealistisch sein, aber es ist leicht verständlich und Menschen, die weniger hohe Ansprüche an die Heilsversprechen haben, wählen dann eben NPD... siehe Sachsen.


    Bzgl. wirtschaftl. Stabilität: es ist doch ein Trugschluss so zu tun, als sei diese vorhanden. Wir haben in der Finanzkrise gesehen, wie stabil das ganze System im Zweifel ist - es stand rasend schnell vor dem totalen weltweiten Kollaps!
    Da soll die Wirtschaft mal nicht so tun, als würde ein Linksbündnis das verschlechtern. Eher sogar im Gegenteil: wer verhindert, dass Zocker so mit Milliarden jonglieren, stabilisiert das System!


    Außerdem haben wir längst eine massive soziale Schieflage - und die wird unter einer schwarz-gelben Koalition nicht besser.


    Was man hier aus Wirtschaftskreisen hört, sind reine Lobbyaussagen ohne jeden sachlichen Hintergrund.