ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Der gute Mann wurde von einem der Großaktionäre (Sal. Oppenheim) aus seinem sicheren Arbeitsverhältnis der Telekom herausgekauft durch eine Garantie eines 5 Jahres Vertrages bei Arcandor, welcher durch Sal Oppenheim abgesichert wurde.
Was ja schon mal ein Luxus ist, den normale Bürger flächendeckend nicht haben, wenn es nicht gerade Beamte sind. Sie stecken weder jetzt in einem sicheren Arbeitsverhältnis noch bekommen sie bei einem Jobwechsel Garantien für ihren neuen Arbeitsplatz. Sie sind 6 Monate in der Probezeit und haben oft nur einen befristeten Vertrag, mit dem sie entweder wieder nur eine befristete Verlängerung bekommen oder gleich wieder auf der Straße stehen. DAS ist die Lebensrealität für viele Menschen. 5 Jahre sind zwar auch eine Befristung, allerdings nicht vergleichbar mit den Konditionen im normalen Volk, wo es regelmäßig wesentlich kürzer ist und dann auch wirklich so gemeint ist, während Eick selbstverständlich auch den Anschlussvertrag bekommen hätte, wenn er keine silbernen Löffel geklaut hätte.
Und wenn die Leute ihren Job verlieren sind sie nach 1 Jahr Arbeitslosigkeit - in dem Alter des Herrn Eick unter Garantie - unvermittelbar arbeitslos und auf Hartz IV.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Die 15 Mio zahlt also nicht der insolvente Arcandor Konzern (könnte er auch gar nicht), sondern eine Privatbank.
Die das Geld aber auch nicht im Keller selbst gedruckt hat, sondern letztlich von ihren Kunden nimmt. Die bezahlen es mit hohen Überziehungszinsen oder teuren Krediten. Oder es zahlt der Steuerzahler, wenn die Bank Geld aus dem Bankenrettungspaket bezieht. Egal wie, am Ende zahlt es wieder die Masse der Otto Normalverbraucher.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Vielleicht sollte man dieser die Dummheit vorwerfen, einen schon zur Verpflichtung insolventen Konzern mit so einem Langzeitvertrag für Eick ausgestattet zu haben. Eick hatte Handlungsmöglichkeiten die sehr bescheiden waren.
Man sollte ihr nicht nur vielleicht Dummheit vorwerfen, sondern ganz bestimmt. Dazu Arroganz und ein Verhalten, das zwar legal, aber nicht mehr legitim ist.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Der Karren wurde schon lange voher tief in den Schlamm gefahren. Das nennt sich freie Vertragsausgestaltung, die Parteien waren hier beide im "vollbesitz" ihrer geistigen Fähigkeiten und haben diesen Vertrag unterschrieben. Natürlich kann man sich streiten ob es sinnvoll war, aber bezahlt wurde nicht durch die Allgemeinheit, sondern durch private Besitzer, die der Ansicht waren, dass Eick 15 Mio für 5 Jahre wert sei.
Es sind aber genau solche Aktionen, die man den Bürgern nicht mehr vermitteln kann und weshalb die Menschen zu Recht kein Vertrauen mehr haben. Wie will man denn einer 50jährigen Karstadt-Verkäuferin, die schon immer wenig Geld für täglich stundenlange harte Arbeit bekam - ätzende Kunden, langes Herumstehen, kein Tageslicht etc. - und nun noch tiefer rutscht weil sie demnächst nur noch Grundsicherung nach Hartz IV bezieht, vermitteln, dass hier jemand 15 Millionen EUR für ein halbes Jahr - von vorneherein - sinnloser Arbeit bekommt?
Rechtlich ist das zwar nicht angreifbar, aber solche Dinge sprengen unsere gesellschaftlichen Rahmen. Die Karstadt-Verkäuferin macht vielleicht ihrerseits keine Randale, aber andere schon und irgendwann geht es dann überall zu wie in Kreuzberg am 1. Mai weil die Leute nicht mehr akzeptieren, wie die Dinge in dieser Gesellschaft laufen.
Der Eick wird unter Garantie schnell wieder den nächsten ungehörig hoch dotierten Job haben, weil man sich in derartigen Kreisen letztlich immer wieder in den eigenen Reihen Posten zuschustert. Das mag in einem gewissen Umfang normal und nicht zu verhindern sein, genauso wie Politiker immer Gefahr laufen, Lobbyisten auf den Leim zu gehen oder selber die völlige Neutralität zu verlieren. Man könnte ja sogar den einen oder anderen positiven Ansatz darin sehen.
Nur darf es nicht ausufern. Im Ganzen müssen die politischen Entscheidungsorgane neutral sein und muss es in der Gesellschaft fair zugehen. Die allermeisten Menschen erleben aber, dass das nicht mehr so ist. Es gibt eine relativ kleine Elite, die sich auf Kosten der großen Masse ungehemmt und zügellos bedient, und die riesengroße Gruppe der normalen Bürger, die immer mehr ausgenommen werden und mit ihren immer kleineren Gehältern jeden Mist bezahlen und erdulden müssen.
Wenn ich der Herr Eick wäre, würde ich das Geld auch nehmen und genau wie er einen Teil spenden, vermutlich zugunsten von Karstadt-Mitarbeitern. Ihm persönlich ist nicht vorzuwerfen, dass er nimmt, was er kriegen kann. Das würden wir alle tun.
Aber als Gesellschaft müssen wir Regeln schaffen, die Auswüchse verhindern - denn das ist zur Zeit nur auf dem Papier der Fall, nicht in der Realität und es ist sehr gefährlich für unsere Demokratie, wenn das Volk nicht mehr zu unserem System steht, sondern es als korrupt, ungerecht und ausbeuterisch empfindet.