ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Wer muss in Deutschland bitte hungern?
Wenn du das auf Lebensmittel beziehst, mag es stimmen. Aber du kannst Menschen nicht auf Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf reduzieren. Sie müssen auch gesellschaftliche Teilhabe wahrnehmen können. Wie soll das mit den Hartz IV-Bezügen funktionieren??? Mit diesem Geld wäre man in einem Slum in Kalkutta reich, aber die Menschen leben nicht in Kalkutta, sondern in Deutschland und müssen sich in dieser Welt hier behaupten. Hier sind Konsum und Verführungen systemimmanent und zu verlangen, dass Menschen einerseits in diesem Umfeld leben und sich sogar bemühen sollen (fördern und fordern), sie andererseits aber finanziell auf rein mechanisches Überleben (Nahrung, Kleidung, kleine Wohnung) zu reduzieren, kann nicht funktionieren.
Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und Geld ist in Massen da. Nur die Verteilung klappt nicht mehr, weil eine kleine elitäre Schicht es exorbitant anhäuft und sich von alleine vermehren lässt, während es der großen Mehrheit abgenommen wird, eine gigantische Umverteilung ohne jedes Maß von unten nach oben.
Die Linken sind die einzigen, die das wirklich zum Thema machen und gegensteuern. Dass ihre Ideen in der Praxis Schwächen haben und so nicht machbar sind, ist unbestritten. Aber welche andere Partei legt denn wirklich den Finger in die Wunde und spricht dieses Problem an?
Ich denke, dass man die Linken weniger für ihre konkreten Ideen wählt - die sie mangels Regierungsbeteiligung eh nicht konsequent umsetzen können - sondern weil sie ein gewissen Klientel - den kleinen Mann - vertritt und als einzige noch Politik macht, für die früher mal die SPD stand.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
In Deutschland fehlt einfach eine gewisse Dynamik des Arbeitsmarktes, wie sie in anderen Ländern völlig üblich ist, diese fehlende Dynamik wurde durch langen Kündigungsschutz erkauft.
Nein. Das wird von der Industrie so behauptet, Fakt ist aber, dass Unternehmen nicht nur die Probezeit haben, die schon ausreichen sollte um die Qualität eines Mitarbeiters zu erkennen, sondern auch noch standardmäßig nur befristet einstellen. Vor diesem Hintergrund kann niemand argumentieren, dass er durch den Kündigungsschutz an einer Einstellung gehindert werde.
Tatsächlich interessieren sich Unternehmen aus reiner Gewinnmaximierung nur noch blauäugig für junge, damit billige Mitarbeiter, und geben älteren Leuten von vorneherein keine Chance mehr. Beim Arbeitsamt ist "Alter über 50" ein offen genanntes Kriterium, warum jemand mehr oder weniger unvermittelbat ist, und das liegt nicht am Kündigungsschutz, sondern der Praxis zahlreicher deutscher Unternehmen.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Warum sind denn die Zeitarbeitsfirmen so erfolgreich? Weil man Fixkosten abbauen kann und das Unternehmen "atmen" lassen kann.
Viele Unternehmen haben Geld/Kapital wie Heu. Nur stecken sie es oft in exorbitante Managerbezüge und Shareholder Value, anstatt auch das Wohlergehen der Mitarbeiter zu sehen, die auch Teil des Unternehmens und seines Erfolges sind. Es wird hier einseitig bei den Mitarbeitern gekürzt, anstatt das vorhandene Kapital fairer zu verteilen.
ZitatOriginal geschrieben von _-=voodoo=-_
Ich höre von den Linken immer "mehr Mitarbeiterbeteiligung", können sie ja gerne haben. Es gibt da so ein kapitalistisches Konstrukt, nennt sich Börse, dort kann man Firmenanteile von Aktiengesellschaften erwerben. Aber nein, dort kauft man ja auch das Risiko mit, dass geht natürlich im linken Weltbild gar nicht, dort will man an Erfolgen partizipieren, aber Risiken auf die "Eliten" (dieses Wort ist schon eine Lächerlichkeit) abladen. Dieses Weltbild ist kein bischen besser als der stereotype Investmentbanker, der mit fremden Geld Gewinne einkassiert, diesmal nur eingerahmt in den sozialromantischen Traum und verpackt für das einfache Wahlvolk.
Die Weltwirtschaftskrise hat deutlich gezeigt, dass das Risiko der hochriskanten Geschäfte nicht von den Verursachern getragen wurde, sondern es ist der Steuerzahler, also wieder die Masse der Gering- und Mittelverdiener, die die Hauptlast des Schlamassels trägt. Das sind nämlich die Leute, die als erste den Job verlieren und die Steuermilliarden finanzieren müssen. Die Menschen werden also doppelt bestraft.
Es ist eben in gewissen Größenordnungen nicht so, dass Eliten das Risiko tragen, sondern sie wälzen es auf die Gesellschaft ab. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, wie das inzwischen jeder nennt.
Kennst du nur ein einziges Gesetz, das das Bankencasino eingrenzt, damit es nicht erneut zu so einer Krise an den Finanzmärkten kommt? Glaubst du wirklich, dass ein hoch verschuldeter Schaat Milliarden zusätzlich ausgeben kann, und dann einfach mal die Steuer von nicht vorhandenem Geld senkt? Das glaubt nicht mal ein Zweitklässler...