Beiträge von Printus

    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Diese Information lässt sich über öffentlich zugängliche Quellen in Erfahrung bringen. Man muss sich eben nur die Mühe machen, danach zu suchen.


    Googlen und falsch abschreiben kann jeder. Meine Frage an dich war ja, welche konkreten und fundierten Quellen du hast, oder ob du nur im Brustton der Überzeugung hinschreibst, was du irgendwo aufgeschnappt hast.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Dann erfährt man, dass bei Verkehrsflugzeugen ab 200 Passagieren eine zweite Axt (bzw. ein vergleichbares Werkzeug) vorgeschrieben sei, aber viele (nicht alle) A320 ebenfalls über eine solches Werkzeug verfügen.


    Mag oft so sein, aber ob das so sein MUSS steht auf einem ganz anderen Blatt.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Nein, erklär mal, wie das geht. Wie bekommt man alleine einen A320 flugbereit, wozu normalerweise eine ganze Heerschar an Personal notwendig ist? Ich fände es alleine schon spannend, wie man denn an einen Tankwagen herankommt, ohne dass ihn jemand vermisst. Und wie bekommt man ein solches Flugzeug "unbemerkt" auf einem Flughafen mit engen Start- und Landefenstern in die Luft, ohne auf dem üblichen "Dienstweg" eine Starterlaubnis einzuholen?


    Vielleicht bin ich diesbezüglich einfach zu naiv, aber irgendwie kann ich mir nicht so recht vorstellen, wie man im Alleingang einen A320 einer deutschen Kurzstreckenlinie unbemerkt in die Luft bekommt.


    Von "unbemerkt" war nie die Rede. Wer stoppt denn einen Piloten, der einfach einsteigt, die Triebwerke startet, auf die Runway rollt und startet? Keiner!


    Es ist genügend Sprit in den Tanks und die Zeit, bis eine Alarmrotte der Luftwaffe da ist, ist auch dreimal lang genug um "Dummheiten zu machen".


    Zitat

    Original geschrieben von 200prokdzufriedh
    Welche Weisungen haben die im Cockpit verschanzten Crewmitglieder im Falle einer Geiselnahme / von Geiseltötungen (außerhalb des Cockpits) zum Zweck des Erzwingens der Cockpitöffnung?


    Man war vor den New Yorker Anschlägen immer davon ausgegangen, dass Täter überleben wollen und eine weitgehende Zusammenarbeit der Flugzeuginsassen mit den Tätern die besten Überlebenschancen sichert.
    Das wird seitdem anders bewertet. Man geht davon aus, dass es weder das eigene noch das Leben Dritter rettet wenn man mit den Terroristen kooperiert, also z. B. sie ins Cockpit lässt. Also sollen sie um jeden Preis draußen bleiben damit die Piloten das Flugzeug ASAP landen können und dieses nicht als Waffe benutzt werden kann - wie es in New York und Washington der Fall war.


    Es mag ein schlimmes Gefühl für die Cockpitcrew sein wenn vor der Tür Grausames abspielt, aber das Wissen, dass die Türöffnung das nicht verhindert sondern man damit nur die eigene Ermordung forcieren würde, wird dafür sorgen, dass die Tür zu bleibt.

    Genau diesen Gedanken hatte ich sofort als ich hörte, dass der Copilot den Absturz absichtlich herbeigeführt hat: was wäre gewesen wenn er es den 9/11-Attentätern nachgemacht hätte und in ein Gebäude oder eine Innenstadt gestürzt wäre?


    Atomanlagen sind angeblich gegen Flugzeugabstürze gesichert. Angeblich...


    Es wurde aber auch schon berichtet, dass Lubitz persönliche Bezüge zu dieser Alpenregion hatte. Es könnte demnach auch sein, dass sich bei diesem Flug nach BCN für ihn gleich ein paar Dinge fügten: der Zeitpunkt passte in seine akute persönliche Situation, die Flugroute, der Kapitän geht im "richtigen" Moment pieseln. Vielleicht hat Lubitz das als eine Art "Jetzt oder nie"-Situation wahrgenommen? Wir werden es nicht mehr erfahren.


    Das Zeitfenster, in dem der Kapitän aus Lubitz' Sicht zur Toilette gehen musste, war allerdings relativ eng. Sowohl auf dem Hin- wie auch dem Rückflug waren es nur wenige Minuten, in denen er das Cockpit verlassen muss damit der Sinkflug in die Alpen hinein passt.
    Wenn der Flugweg dorthin zu lang oder zu kurz ist, Lubitz also zu lange/zu weit alleine herumkurven muss, hätte man aus der Kabine heraus mehr Zeit gehabt vielleicht doch noch ins Cockpit einzudringen oder es wären bald schon Abfangjäger des Militärs da gewesen.
    Ich glaube zwar nicht, dass die innerhalb Europas tatsächlich ein Verkehrsflugzeug abschießen würden, denn man hatte ja keinerlei Informationen - also auch nicht die, dass es eine terroristische Entführung wäre. Selbst dann müsste man erstens ein geeignetes Areal für einen Abschuss finden und würde sich zweitens auf rechtlich und moralisch absolut dünnes Eis begeben, denn die Rechtsprechung hat Abschüsse, zumindest in Deutschland, selbst für den Fall eines erwiesenen Anschlagsbestrebens, verboten. Begründung ist sinngemäß, dass das Leben der Passagiere an Bord prinzipiell nicht gegen das Leben potentieller Opfer am Boden abgewogen werden darf.
    Es spielt daher auch nicht wirklich eine Rolle wieviele Menschen an Bord und wieviele am Boden bedroht sind.


    Ganz zu schweigen von der moralischen Schuld bzw. man muss sich mal vorstellen was los wäre, wenn eine europäische Luftwaffe ein Verkehrsflugzeug abschießen würde, das vom Kurs abweicht oder in den Sinkflug geht, auch wenn das in dem Moment unerklärlich ist... Diese Verantwortung würde wohl kein Politiker tragen, kein Pilot der Luftwaffe auf sich nehmen und die Meldewege bis zur Entscheidung wären auch viel zu lang. In der Zeit könnte man wahrscheinlich bis in den Himalaya fliegen und abstürzen...

    Zitat

    Original geschrieben von handyman1981
    Dann hast du entweder einen schlechten Arzt oder ein schlechtes Erinnerungsgedächtnis!
    Oder eben beides. ;)


    Ich habe eine sehr stabile Gesundheit! ;)


    Zitat

    Original geschrieben von handyman1981
    Ich bin zwar alle Schaltjahre mal krank,aber wurde immer bei der Arzneiwahl darauf hingewiesen,dass bei Medikamenten xy z.B. das Fahren mit dem Auto zu unterlassen sei und/oder auch das Bedienen von Maschinen,falls ich damit zu tun hätte und die gesamte Krankschreibung dann doch nicht vollständig wahrnehmen wollen würde.


    Das dient aber allein der rechtlichen Absicherung. Dem Arzt dürfte ehrlich gesagt relativ egal sein ob und als was du arbeitest, aber er wird sich nicht angreifbar machen wollen wenn du mit der Hand in die Maschine langst und ihm dann nachgewiesen werden könnte, dass er dich vor der Gefahr verlangsamter Reflexe nicht gewarnt hat.
    Er dokumentiert, dass du aufgeklärt wurdest - und das war's. Ich glaube nicht, dass der Arzt postwendend deinen AG angerufen hat um ihm zu sagen "Hey, dein Mitarbeiter Handymän hat einen an der Waffel, nimmt jetzt Psychopharmaka und darf deswegen nicht an Maschinen arbeiten!". Genau das erwartet oder hinterfragt man jetzt aber bei Lubitz' Ärzten...


    Zitat

    Original geschrieben von handyman1981
    Es ist zudem ein Ammenmärchen,dass in Deutschland die ärztliche Schweigepflicht zu 100% uneingeschränkt gilt.
    Besteht nämlich "Gefahr in Vollzug" gilt sie keineswegs so,wie manche das glauben wollen.


    Gefahr im Verzug. :D


    Wie ich ja schrieb, bei AKUTER Eigen- oder Fremdgefährdung ist ein Verstoß gegen die Schweigepflicht rechtlich zulässig, aber eben nur in diesem Fall. Latente Suizidalität reicht schon nicht mehr weil der Arzt dann, mal salopp gesagt, jeden einsperren lassen müsste, der von seiner Freundin verlassen wurde und deswegen an den ersten 3 Tagen sagt, er wolle jetzt nicht mehr weiterleben. Ohne wirklich konkrete Gefahr passiert nichts und wäre der Arzt rechtlich auch auf dünnem Eis.

    Zitat

    Original geschrieben von Benz-Driver
    Wieso hatte er die Sauerstoffmaske aufgesetzt? Aus dem Stimmrekorder geht eindeutig hervor, dass er die Maske aufhatte und über deren eingebautes Mikrofon die Atemgeräusche aufgezeichnet wurden.


    Da dieses Forum öffentlich zugänglich ist vermeide ich Konkretes, bin auch kein Airbus-Experte. Aber die Maske könnte wichtig gewesen sein um sich im Cockpit ungestört zu verschanzen. Ohne Maske hätte es möglicherweise "Zugriffsmöglichkeiten" von außen gegeben, die so verhindert wurden. Dem Kapitän wurde somit auch eine letzte Möglichkeit genommen, ins Cockpit einzudringen.
    Vielleicht hat L. auch deswegen außerhalb der dienstlich zugänglichen Literatur auf dem heimischen Tablet nach Informationen zur Tür gesucht.


    Zitat

    Original geschrieben von HHFD
    Es sollte ganz sicher nicht nach einem Unfall aussehen, dann hätte man mehr Aufwand betrieben. Das macht man eher dann, um mehr (oder überhaupt) Geld von der Versicherung zu bekommen. Ich denke das war seine Art, sich an der Fluggesellschaft zu rächen, vielleicht, weil er es nicht bis zur Lufthansa geschafft hat, oder weil er vielleicht wegen seiner Krankheit irgendwann nicht mehr fliegen darf.


    Vielleicht war es ihm aber auch einfach egal, wonach es aussieht.


    Ich vermute, dass hier ein Narzist am Werk war, der in seiner eigenen Problemwelt lebte. Das Thema "Was ist mit den 149 unschuldigen Menschen an Bord?" dürfte keine große Rolle gespielt haben, sondern L. litt unter einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, wie wir inzwischen wissen, und er hat den DLR-Test erfolgreich gemeistert, verkörperte also ausreichend das "gesunde Selbstbewusstsein" (manche nennen es Arroganz), welches bei der Lufthansa gerne gesehen wird.


    Der wird zwischen depressiven Phasen mit Suizidgedanken und dem Gefühl, den Anforderungen seines Lebens nicht gewachsen zu sein, und manischen Phasen, in denen er mal eben 2 neue Audis bestellt oder zuletzt Alleinherrscher über das Flugzeug und sein Schicksal ist, geschwankt sein.


    Wer den DLR-Test schafft und eine Anstellung im LH-Konzern bekommt, ist ein echter Glückspilz; jeder, der Pilot werden will, will dahin, aber nur ca. 5% schaffen es soweit. Insofern ist eine Stelle bei Germanwings keineswegs ein Posten für Loser, sondern erste Liga - Wechsel zur klassischen Lufthansa und Aufstieg zu großen Langstreckenflugzeugen nicht ausgeschlossen.


    Insofern sehe ich kein Rachemotiv aus Frust.


    Ich nehme eher an, dass L. einfach nicht mit sich klarkam und dann in narzistisch-depressiver Weise mit einem ganz großen Knall aus dem Leben scheiden wollte. Was das für die Passagiere und deren Angehörige bedeutet, was es für die Fluglinie bedeutet und den Konzern, die ihm objektiv allerbeste Möglichkeiten geschenkt haben, dürfte in seiner Gedankenwelt unbedeutend gewesen sein. Sonst hätte es ja gereicht sich alleine umzubringen oder tatsächlich mit einem leeren Flugzeug irgendwas anzustellen.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Bei den meisten A320 befindet sich eine zweite Axt in der Küche.


    Hast du stichprobenartig nachgeschaut oder woher weißt du das? Ist das Bestandteil der MEL oder Company rule? Da du hier ja gerne den Erklärbär machst, kannst du bestimmt erklären, wo geregelt ist, dass in der Küche eine Axt hängt und wie das zur Sicherheitsphilosophie nach 9/11 passt. Und warum ist das eigentlich nur bei den A320 so?


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Wie "klaut" man denn einen Airbus? Reicht es da aus, unters Armaturenbrett nach dem Bündel Kabel greifen und zwei Drähte aneinander zu halten?


    Also jetzt enttäuschst du mich. Ob es schwer ist einen Airbus zu klauen und wie man das macht solltest du doch selber wissen...


    Zitat

    Original geschrieben von Handyman1981
    Laut Kenntnisstand hat er den Ärtzten sogar erzählt,dass er Pilot ist,nur eben momentan nicht im aktiven Dienst,sondern wieder in der Vorbereitung dazu ist.


    Also ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Arzt schon mal nach meinem Beruf gefragt hat. Solche Fragen werden vielleicht gestellt wenn naheliegt, dass eine Berufskrankheit vorliegt, aber sonst? Ich weiß auch nicht ob ein Arzt sich tatsächlich so weit aus dem Fenster lehnt, an Arbeitgeber oder Behörden wie das LBA heranzutreten und sie über einen Patienten zu informieren. Das wäre ein schwerer Verstoß gegen die Schweigepflicht und würde auch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zerstören. Selbst wenn der Arzt weiß, dass jemand Pilot oder Polizist, Arzt etc. ist, wird er bei Krankheitseinsicht des Patienten wahrscheinlich davon ausgehen, dass derjenige verantwortungsvoll handelt und sich schon selber aus dem Verkehr zieht. 999 von 1000 Ärzten werden hier wahrscheinlich nicht weiter tätig.
    Einzige Ausnahme: eine ganz konkrete Eigen- oder Fremdgefährdung - die man aber wohl ausschließt wenn sich jemand einsichtig zeigt.

    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Gebrochene Knochen kann man auf einem Röntgenbild sehen. Stoffwechselerkrankungen im Blutbild. Psychische Erkrankungen hingegen lassen sich nicht zuverlässig diagnostizieren. Man darf hier nicht vergessen, dass Piloten überdurchschnittlich intelligent sind -- ja sein müssen. Das bedeutet auch, dass die meisten von ihnen fähig sind, sich auf Psychotests so weit vorzubereiten, dass sie sie trotz vorhandener Erkrankung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestehen.


    Speziell die Lufthansa traut sich im Rahmen des berühmt-berüchtigten DLR-Tests zu, insbesondere auch charakterlich zum Konzern passende Kandidaten auszusieben. Okay, da geht es nicht speziell um die Gesundheit sondern mehr den Charakter. Aber man bildet sich eine Meinung über die Persönlichkeit des Bewerbers.


    Später dann reitet man weiter auf den hohen Sicherheitsansprüchen und der besonderen Performance der LH-Piloten herum, was ich einerseits als Imagewerbung verstehe, andererseits als Unsinn empfinde weil auch anderswo gute Piloten fliegen. Aber egal. Man ist bei LH der Meinung, man könnte aussieben, wer richtig gut ist.


    Geht es dann um die Frage nach der psychischen Gesundheit, herrscht Schweigen im Walde. Wie ich schon schrob, das ist kaum zu lösen im Moment, aber dennoch unbefriedigend. Man setzt überall sehr, sehr hohe Standards, und geht es dann um die geistige Gesundheit heißt es nur: "Tja, da können wir nüscht machen, das ist das allgemeine Lebensrisiko."



    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Wir haben doch alle naselang diese Debatten von irgendwelchen Kinderschändern oder sonstwelchen Triebtätern, die nach zig Jahren Knast entlassen werden, weil ein psychologisches Gutachten belegt hat, dass derjenige keine Gefahr mehr darstellt. Und kaum ist er draußen, geht das Spiel weiter.


    1. Aha, man ist im Falle von Kinderschändern also durchaus der Meinung, die psychische Situation eines Probanden von außen beurteilen zu können. Bei Piloten heißt es "geht nicht". Ja was denn nun?


    2. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber zu untersuchen wäre, bei wievielen es denn wirklich schief geht. Du hörst von den Fällen, wo es tatsächlich zu Rückfällen kam, nicht aber denen, wo nichts mehr passiert ist. Wäre mal interessant zu erfahren, welche Trefferquote hier erzielt wird.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Lasst uns doch mal realistisch sein: Seit wie vielen Jahren gibt es Passagierluftfahrt? Wie viele Piloten gibt es? Und wie viele Unglücke dieser Art sind bisher vorgekommen?


    Neben dem aktuellen Fall weiß ich spontan von Egypt Air 990, einer 737 von Silk Air, in Afrika gab's kürzlich einen vergleichbaren Fall. Man müsste auch hier mal googlen. Es mag nicht alltäglich sein, aber es ist auch kein einzigartiger Sonderfall.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Irgendwo muss man sich einfach mal damit abfinden, dass überall dort, wo Menschen in Schlüsselpositionen sitzen, Unfälle und Unglücke passieren, die auf menschliches Versagen oder Vorsatz zurückzuführen sind.


    Nein, damit darf man sich nicht abfinden! Das Ziel muss sein maximale Sicherheit anzustreben. Natürlich immer nach Güterabwägung mit konkurrierenden Anforderungen. Aber sich einfach damit abfinden, dass Leute in brisanten, lebensentscheidenden Funktionen überhaupt nicht begleitet/geführt/kontrolliert werden, das kann es nicht sein.


    30% aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung. Dafür darf man niemanden ächten und derjenige muss seine sozialen und beruflichen Standards halten können. Aber es ist inakzeptabel, dass andere Menschen ihr Leben dafür zur Disposition stellen sollen, dass man Verantwortlichen ganz lapidar vertraut weil man glaubt, dass es anders nicht geht.

    Dass man das Problem nicht wirklich lösen kann ist sicher richtig, aber mir ist ein Satz wie "Ein anonym in Behandlung befindlicher Pilot ist besser als ein unbehandelte Psychotiker im Cockpit." zu lapidar.


    Bei einer Brötchenverkäuferin sehe ich gelassen und finde richtig, wenn die eine psychische Erkrankung zur Vermeidung persönlicher Nachteile stillschweigend behandeln lässt.


    Ein Pilot trägt aber Verantwortung für tausende Menschen - in seinem Flugzeug, in anderen Flugzeugen und auch am Boden. Dass man im Falle psychischer Krankheiten einfach nur auf dessen Krankheitseinsicht und Integrität setzt, ist mir ehrlich gesagt zu dünn.


    Ich habe auch keine Lösung für diese Fragestellung weil Sanktionsandrohungen natürlich verhindern, dass sich jemand offenbart. Aber einfach hinzunehmen zu müssen, dass man nix machen kann gegen psychisch instabile Piloten, befriedigt mich auch nicht.

    Der Rechner kann nur auf direkte Fehleingaben reagieren, also beispielsweise zu geringe Geschwindigkeit, zu großen Anstellwinkel usw. usw. anmahnen. Insofern kann er zwar vor starken Sinkraten oder Bodenannäherung warnen, bei allzu heftigen Steuereingaben auch blocken, aber er kann keine weitergehenden Entscheidungen treffen und eigenständig komplexe Flugmanöver fliegen. Der Rechner ist nicht in der Lage, beispielsweise ein zu starkes Absinken in den Alpen zu unterbinden oder Berge zu umfliegen. Er verhindert nur direkte Fehleingaben.


    Gerade in der Anfangszeit bewarb Airbus die A320 mit dem markigen Spruch, das Flugzeug könne sogar von einem dressierten Affen geflogen werden, der im richtigen Moment auf den notwendigen Knopf drückt. "Püsch bütong", wie es bei den Airbus-Instruktoren mit ihrem Franzosen-Englisch in Toulouse immer heißt...
    Inzwischen hat aber auch Airbus verstanden, dass ihre Maschinen genauso komplex und verantwortungsvoll bedient werden müssen wie auch jedes andere Flugzeug, denn es ist ein Irrtum zu glauben, der Rechner mache alles alleine wenn man auf den Schalter drückt.

    Bei einer Dekompression verliert man innerhalb von Sekunden die Fähigkeit, selbst einfachste Aufgaben zu lösen. Man hat also nicht 1 Minute oder mehr Zeit, sondern muss SOFORT (!!!) die Sauerstoffmaske anziehen. Deswegen steht in den Sicherheitskarten im Flugzeug immer, dass man zuerst die eigene Maske anziehen soll bevor man anderen dabei hilft.
    Es gibt interessante Tests, wo man Leute in Druckkammern in eine solche Situation bringt, das gehört AFAIK bei Militärpiloten fest zur Ausbildung. Man filmt die Szene damit die Betreffenden, die das selber nicht spüren, nachher auf Video sehen können, dass sie innerhalb von Sekunden nicht mehr in der Lage waren einfachste Aufgaben zu lösen wie z. B. Bauklötzen sortieren oder 2+2 zu rechnen.
    Insofern hat man bei einer Dekompression nur Sekunden um sich die Maske aufzuziehen, danach ist man nicht mehr in der Lage, seine Situation zu erkennen und etwas dagegen zu tun.


    Zur Bedienphilosophie in Verkehrsflugzeugen: Boeing ist der Meinung, dass die Piloten immer letzte Entscheidungsinstanz sein müssen. Steuert der Pilot die Maschine aus sicheren und komfortablen Limits heraus, gibt es akustische und optische Warnungen und die Steuerelemente werden sehr schwergängig, aber: es geht, der Pilot KANN solche Manöver steuern. Man ist der Meinung, dass es in Ausnahmefällen, beispielsweise bei Ausweichmanövern etc. möglich sein muss und die Piloten immer die letzte Entscheidung haben müssen.


    Airbus hingegen argumentiert, dass Unfälle heute nicht mehr durch mangelhafte Technik passieren, sondern in ordentlich gewarteten und fehlerfrei konstruierten Maschinen sind es statistisch überproportional viele Bedienirrtümer, also Pilotenfehler. Dementsprechend wandern alle Steuereingaben der Piloten zunächst in einen Rechner, der die Eingaben auf Plausibilität prüft und nur die ungefährlichen Manöver passieren lässt und zu den Steuerflächen weiterleitet. Alles, was gefährlich/außerhalb der Limits liegt, gelangt nicht zur Ausführung. Damit ist der Computer letzte Eintscheidungsinstanz, nicht mehr der Pilot.


    Die A320 war das erste Flugzeug, bei dem dieses Prinzip mittels Fly-by-wire und Flight Envelope Protections konsequent umgesetzt wurde und es gab in den ersten Jahren einige Vorfälle, wo Piloten in Gefahrensituationen keine Chance hatten weil der Rechner notwendige Manöver einfach abgeblockt hat. Es gab diesbezüglich viele Grundsatzdiskussionen, Piloten fühlten sich in ihren Kompetenzen eingeschränkt. Man hat die Software im Laufe der Jahre immer wieder angepasst und an manchen Stellen mehr Kompetenzen für Piloten freigeschaltet. Das Grundprinzip ist aber geblieben. Natürlich gibt es auch Rückfallebenen für den Fall, dass der Rechner "spinnt" oder ausfällt. Inzwischen hat sich das Airbus-System etabliert und die Kritik ist weitgehend verstummt weil man auch die Vorteile erkennt.


    Statistisch ist nicht nachzuweisen ob das Boeing- oder das Airbus-Prinzip das Bessere ist, beides hat Vor- und Nachteile. Einerseits verhindert das Airbus-Konzept gewisse Pilotenfehler, aber es ist auch unflexibel gegen unvorhergesehene und softwareseitig nicht erkennbare Probleme. Bei einer drohenden Kollision beherzt zur Seite zu ziehen würde im Airbus nicht gehen... aber dafür greifen in anderen Problemfällen die Protections ein und verhindern womöglich gefährliche Fehleingaben der Piloten , die eine Boeing nicht verhindern würde.


    BTW, hier könnte auch eine weitere Erklärung für den einprogrammierten Sinkflug der Germanwings-Maschine liegen: mittels "ALT Sel" rechnergesteuert innerhalb der akzeptablen Betriebsgrenzen bis zur Kollision mit dem Berg zu sinken, geht. Einfach den Sidestick maximal nach vorne drücken um das Flugzeug abzustürzen geht, zumindest im normalen Bedienmodus, nicht weil die FEP das schlicht verhindern würden. Man kann den Stick zwar dergestalt bewegen, der Rechner würde aber nur eine Neigung und Beschleunigung innerhalb der erlaubten Betriebsgrenzen zulassen.