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Original geschrieben von Anja Terchova
Es wurde ja nur eine Aenderung gemacht, die Hoehe im Autopilot reduziert. Und des koennte vielleicht jemand der gerade dabei ist das Bewusstsein zu verlieren schon noch.
Das stimmt. Dann aber hätte er nicht 0 oder 100 ft eingestellt, sondern einfach nur eine niedrige Flughöhe eingestellt. Er hätte sinnvollerweise auch noch schnell das Rädchen für den Kurs verändert und einmal auf den Knopp gedrückt um nicht in der niedrigen Höhe auf Berge zu stoßen. Er hätte kurz der Flugsicherung eine Luftnotlage gemeldet oder hätte den Transpondercode auf 7700 setzen sollen. Und er hätte vor allem die Tür für den Kapitän öffnen können, das wäre nämlich auch nur ein Knopfdruck gewesen.
Wenn du jetzt argumentierst, vielleicht ging nicht mehr als gerade noch die Höhe zu verändern - warum konnte er dann Minuten später, als der Kapitän mit Notcode die Tür öffnen wollte, noch bewusst den Hebel so schalten, dass sich die Tür nicht öffnet?
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Original geschrieben von Anja Terchova
Angeblich hat ja der Kapitaen auch beim Hinflug schon das Cockpit verlassen. Wenn dann haette er doch da gleich die erste Chance genutzt und nicht auf den Rueckflug gewartet. Und wenn dann haette er wohl entweder das Flugzeug moeglichst schnell absturzen lassen oder wenn er wirklich sich ein "Wunschgrab" ausgesucht haette das Flugzeug geziehlt dahin geflogen und nicht einfach durch Hoehe reduzieren an den erstbesten Berg geflogen.
1. "Angeblich"... vielleicht war es auch anders
2. Mit Logik verstehen zu wollen was ein psychisch Kranker tut, ist zum Scheitern verurteilt. Wer weiß schon, was ihn auf den Hinflug daran gehindert hat, den Plan umzusetzen? Womöglich war die Idee zu diesem Zeitpunkt noch nicht umsetzbar oder er nicht ausreichend entschlossen. Wahrscheinlich führte die Route auf dem Hinflug auch nicht genau über diese Region - auf dem Rückflug dann schon, was vielleicht das auslösende Moment war: Kapitän draußen, Flugroute zufällig genau über einen starken Bezugspunkt des früheren Lebens - Auslöser, der einen latent vorhandenen Suizidgedanken in diesem Moment ausführen lässt weil in diesem Augenblick gerade "alles passt".
3. Warum sollte er die Flugroute verändern um irgendwo hinzukommen? Es passte doch genau... Du hantierst hier mit Annahmen, was jemand in einer bestimmten Situation tun würde - aber das sind Vermutungen, für die es keine Belege gibt.
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Original geschrieben von Anja Terchova
Dann auch noch die Frage ob jemand der sowas machen wuerde nicht wenigstens irgendeine Reaktion zeigen wuerde. Entweder ein schluchzen oder murmlen in den letzten Sekunden. Oder eine schnellere Atmung als der Kapitaen die Tuer eintreten will.
Das sind auch nur Vermutungen, die nicht mit Belegen untermauert werden können. Es kann genausogut sein, dass der Mann sich ständig bedrängt, gegängelt, ohnmächtig und ausgenutzt fühlte, jeden als Feind und Aggressor wahrgenommen hat und in den Minuten, in denen er im Cockpit alleine war, das Gefühl genossen hat, es jetzt allen zu zeigen. In diesen Minuten war er der unangreifbatre Herrscher an Bord. Er hatte alles in der Hand und keiner konnte ihm was. Man weiß von Amokläufern, dass derartige Rache- und Allmachtsphantasien häufig eine Rolle spielen.
Du kannst hier nicht den Maßstab eines Gesunden anlegen, der in einer solchen Situation extrem gestresst wäre.
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Original geschrieben von hottek
Original geschrieben von Benz-Driver
Was macht ein Autopilot eigentlich, wenn es einen Druckabfall in der Kabine gibt?
wenn man Pech hat steigt er komplett aus und übergibt die volle Kontrolle an den Piloten. Und dann wird ohne Steuereingabe schnell aus dem kontrolliertem Sinkflug ein unkontrollierter Spiralsturz.
Vorweg: Ich kenne die Details für die kleinen Airbusse nicht und kann auch von den Begrifflichkeiten nicht die Airbus-Terminologie nutzen weil ich im Boeing-Lager zuhause bin, aber die Grundprinzipien dürften weitgehend gleich sein.
Ich denke nicht, dass "der Autopilot" einfach so aussteigt. Ein Verkehrsflugzeug fliegt nicht mit "dem Autopiloten", sondern dahinter steht ein komplexes Flight Management System, das üblicherweise ein vertikales und ein laterales Profil, welches zuvor einprogrammiert wurde, abfliegt. Außerdem steuert das System bei den meisten Flugzeugen den Schub, jedenfalls wenn die Airline auch eine entsprechende Autothrust-Funktionalität mit eingekauft hat (hat Ryanair z. B. in der B737-800 aus Kostengründen nicht gemacht). Bei Airbus müsste der Autothrust Serie sein weil sonst das ganze Bedienkonzept von Airbus ad absurdum geführt würde.
VNAV und LNAV werden so einfach nicht rausfliegen, bestenfalls schalten die Rechner in einen Rückfallmodus, in dem die Piloten auf Flight Envelopes (Sicherheitsnetze, sozusagen) verzichten müssen und dahinter gibt es noch eine weitere Ebene, in der manuell gesteuert werden muss. Soweit sollte es bei einem Druckabfall aber nicht kommen.
Im Gegensatz zu Hubschraubern stabilisieren sich Flugzeuge erstmal selbst, einfach abstürzen werden die aus rein aerodynamischen Gründen nicht. Ausnahme sind Militärjets mit extremen Flügeln, die von Hand überhaupt nicht steuerbar sind.
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Original geschrieben von hottek
evtl ist er in dem Moment ja draufgekommen dass es möglich ist und hat es im Kopf mal durchgespielt und mal berechnet wie viel Zeit das ganze benötigt etc.
Halte ich auch für wahrscheinlich. Eher eine Art Kurzschluss, nachdem mehrere Dinge zusammenkamen und dann ergibt sich eine Möglichkeit weil der Kapitän drraußen ist und man zufällig auch noch über eine Region fliegt, zu der es einen Bezug gibt...
In der Boeing erscheint auf dem Nav-Display eine Art Fanglinie, die anzeigt, wann bzw. wo man bei den anliegenden Werten die eingestellte Höhe erreicht. Will man an einem bestimmten Punkt eine vorgegebene Höhe haben, stellt man das entsprechend ein und das war's .