Wir leben im christlich geprägten Abendland, und das Problem liegt vermutlich nur darin, dass viele RELIGIONSunterricht in einen zu engen Zusammenhang mit der (Amts)-Kirche setzen.
Das, was unsere humanistische Gesellschaft an Werten hat, ist Ergebnis unserer christlich-abendländischen Kultur. Diesen Zusammenhang kann man nicht wegdiskutieren, das ist einfach so gewachsen. Dass es schlimme Zeiten gab und die Kirche in manchen Perioden Böses getan hat, ist richtig, hat aber unsere heutigen Werte, unser modernes Menschenbild auch geprägt und unsere Moralvorstellungen geformt.
Es mag zwar ein wenig arrogant klingen, aber ich finde unsere Kultur, in denen unantastbare Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Religions- und Meinungsfreiheit gegeben sind, besser und weiter entwickelt als die meisten anderen Wertesysteme in der Welt.
Wenn man den Religionsunterricht mal nicht so eng angelehnt an die Kirche und deren Gebote sieht, sondern begreift, dass es da letztlich stark und Werte, Sinnfragen etc. geht, dann finde ich es sehr gut, dass wir Religionsunterricht haben und dass der auch primär christlich-humanistisch ausgerichtet ist.
Ethikunterricht mag schön und gut sein, Islamunterricht auch, aber die Frage ist, ob da all das geleistet werden kann, was der Religionsunterricht an Wertevermittlung für unsere Kultur bietet.
Es ist ja keineswegs so als würden Religionslehrer die Schüler allesamt zu braven Christenmenschen bekehren wollen. Im Gegenteil, niemand wird dort gezwungen, gläubig zu werden. Es wird sich aber letztlich mit grundlegenden Werten beschäftigt, die in unserer Gesellschaft sinnvoll sind: Nächstenliebe, Achtung anderer Menschen und der Natur als eine großartige Schöpfung, Suche nach dem Sinn unseres Daseins.
Ich glaube, dass der Ethikunterricht das so nicht leisten kann, weil er zu "neutral" gehalten wird. Solange niemand zum frommen Kirchgänger erzogen wird - und das ist nicht der Fall - ist es durchaus sinnvoll, wenn den Schülern Grundlagen des Glaubens, der uns wesentlich geprägt hat, näher gebracht werden.
Ich bin kein braver Katholik, kritisiere auch sehr Vieles an der Kirche - finde die grundlegende Botschaft der christlichen Kirchen aber sinnvoll und richtig. Wenn man da mal etwas weniger auf die Religion und die Kirche abhebt, sondern mehr auf die dort enthaltene Moral und "Lebensweisheit" abhebt, hat Religionsunterricht sehr viel Sinn.
Eine ganz andere Sache ist, dass man sich über die Modalitäten streitet, wer über den Lehrplan bestimmt. Bei Mathe und Deutsch kommt auch keiner auf die Idee, in einer Volksabstimmung zu klären ob das noch unterrichtet werden soll. Beim Religionsunterricht kommt eine derartige Diskussion auf, und ich habe dabei immer das Gefühl, dass es deswegen stattfindet weil Viele bei den Stichworten "Kirche", "Religion", "Priester", "Papst" etc. sofort rot sehen. Man ist von vorneherein dagegen, nicht weil eine Sache schlecht ist, sondern weil viele Leute bei solchen Worten direkt eine Anti-Haltung einnehmen und automatisch dagegen sind, egal um was es konkret überhaupt geht.
Wir alle, auch die Atheisten, sind irgendwo doch vom christlichen Gedankengut und davon abgeleiteten Werten geprägt - und das ist auch gar nicht schlecht so.
Ich will damit nicht sagen, dass andere Glaubensrichtungen oder Atheismus nicht genauso Recht haben können, gute und sinnvolle Aspekte haben. Jeder hat auch die Wahlfreiheit, zu glauben oder nicht zu glauben, was er will. Für die Gesellschaft finde ich es aber sinnvoll wenn eine Grundlage für ein Wertesystem geschaffen wird, das seine christlichen Ursprünge nicht versteckt.
Wenn wir z. B. auf breiter Front Einflüsse des Islam in unseren Wertekanon aufnehmen oder gleichberechtigt neben das Christentum stellen, wird uns das eher nicht vorwärts bringen, sondern beinhaltet die Gefahr, dass wir uns rückwärts entwickeln. Islamisch geprägte Gesellschaften sind uns nämlich entwicklungsmäßig nicht voraus, sondern ein paar hundert Jahre hinten dran - wie man an diversen Staaten im nahen Osten und Teilen Afrikas sehen kann.
Insofern bin ich klar für Religionsunterricht, und der darf auch gerne christlich geprägt sein. Was die Menschen dann später machen, welche Gedanken sie ableiten und was sie glauben oder nicht glauben, ist wie bisher deren Sache. Niemand muss gläubig werden. Aber er wurde mit Grundlagen unseres Wertesystems vertraut gemacht.
Nicht zu vergessen: in Zeiten von Technisierung, Globalisierung, dem Gefühl, auf jeder Frage eine Antwort geben zu können, bleiben vielen Menschen am Ende doch Fragen. Nach dem Sinn des Lebens, unseren Ursprüngen, was ist nach dem Tod etc. Darauf gibt die christliche Religion gute, beruhigende Antworten. Man kann gerne zu anderen Schlüssen kommen und andere Ideen haben. Aber gerade Heranwachsenden mit ihren Unsicherheiten und Fragen, wo es eh schwer ist seinen Platz im Leben zu finden, bekommen hier eine Möglichkeit der Sinngebung geboten. Völlig OK wenn man später andere Sichtweisen entwickelt. Aber erstmal ist eine beruhigende Grundlage und Antwort vorhanden. Das wird der Ethikunterricht nicht leisten können und weil er keinerlei Antwort auf den Sinn des Lebens oder das Leben nach dem Tod geben kann.
Die Zeugen Jehovas, der Islam oder der Buddhismus geben zwar auch Antworten, nur bringt es unsere Gesellschaft nicht wirklich weiter wenn jemand glaubt, Ungläubige gewaltsam bekehren zu müssen um Jungfrauen im Paradies zu ergattern oder wenn sich jemand auf die Wiedergeburt in "Hund, Katze, Maus" vorbereitet.
Da macht es schon mehr Sinn, wenn die Menschen sich daran orientieren, mit Nächstenliebe, Vergebung und Bescheidenheit zu leben um einen Platz im Himmel zu bekommen. Es erleichtert das jetzige gesellschaftliche Leben in Freiheit und Selbstbestimmung exorbitant...