ZitatOriginal geschrieben von ChickenHawk
Das ist a) so viel zu pauschal (immer auf die böse Globalisierung) und b) so auch nicht zutreffend. Krisen gab es auch in den vergangenen Jahren schon, nur bisher hat es eben weniger die USA, Europa und die reichen Asienländer erwischt. Zu unterstellen, dass eine Welt(wirtschaft) stabil ist solange die Krisen nur andere Länder trifft ist etwas kurzsichtig.
Argentinien (in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts mit einem Pro-Kopf Einkommen auf dem Niveau von Frankreich und Deutschland) ist bereits seit Ende der 70er ständig mal wieder baden gegangen. Und hat es jemanden groß gestört oder hat das überhaupt jemand registriert?
Nein - weil es unbedeutend war. Aus persönlicher Perspektive ist es ein Unterschied ob eine Krise in Deutschland oder Argentinien stattfindet, denn die (isolierte) argentinische Krise war weit weg und hatte hier für niemanden Auswirkungen. Also konnte man das lockerer sehen als wenn es im eigenen Bereich stattfand.
Obendrein waren die USA, Europa und die reichen Asiaten sowohl für uns (weil wir da leben und handeln) als auch global gesehen die entscheidenden Gebiete. Da gab es Wohlstand und Stabilität, da gab es einen stabilen und bestimmenden Dollar und da wurden die entscheidenden Geschäfte gemacht, es lief halt rund auf hohem Niveau. Wenn in Afrika, Mittel- oder Südamerika eine Bananenrepublik vor die Wand fuhr war das für die Menschen dort natürlich schlimm. Es hatte hier und global aber so gut wie keine Auswirkungen weil die Big deals eben anderswo liefen.
Der Unterschied ist jetzt aber dass die weltweiten Vernetzungen nicht nur einzelne Strukturen in begrenzten, dazu weit entfernten, für uns und die Weltwirtschaft unbedeutenden Schadensgebieten zusammenbrechen lassen, sondern dass es jetzt in den USA seinen Ursprung nimmt und dann wie Dominosteine sämtliche wichtigen Volkswirtschaften mitreißt.
Natürlich sind solche Aussagen pauschal, treffen aber das "große Ganze". Für mich ist schon entscheidend ob die Krise mich persönlich trifft oder ich nur im Fernsehen sehe dass es in Argentinien stattfindet. Allgemein interessiert dann weniger ob es mich oder andere trifft, sondern ob es die Großen trifft - und das war in den letzten paar Jahrzehnten eben nicht der Fall.
Und so war global eben eine Schieflage, aber darin zugleich eine Stabilität gegeben. Natürlich war da das Nord-Süd-Gefälle zwischen arm und reich, hier der Überfluss und da hungernde Kinder in Afrika (als plakatives Beispiel). Wie man das moralisch bewertet ist ein anderer Aspekt der Diskussion; nur im Bezug auf die Weltwirtschaft spielt Hunger in Afrika oder die Krise in Argentinien einfach keine Rolle weil es sich in Regionen abspielt, die auf uns und die Weltwirtschaft wenig Einfluss haben/hatten.