Beiträge von Printus

    Aber wahrscheinlich nur weil du ein Online-Ticket gekauft hast? Dieses Ärgernis, dass man Verspätungsgutscheine online nicht einlösen kann, sondern nur am Schalter, soll beseitigt werden oder seit dem neuen Webauftritt (also seit vorletztem Wochenende) beseitigt sein.


    Irgendwann im Sommer ist sowieso Schluss mit sinnlosen Gutscheinen, da werden verschärfte Regeln gültig und die Bahn muss auf Verlangen Bargeld auszahlen.

    Re: Re: Re: Re: Marktsituation


    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Das gibt es nicht - die gesetzlichen Regelungen hinsichtlich Umsatz- und Gewinnrealisierung sind recht eindeutig.


    Das stimmt im Bezug auf die Dividende, die der Aktionär direkt vom Unternehmen ausgeschüttet bekommt - aber das sind ja auch nur Peanuts.
    Das große Geld wird aber ja nicht durch die Dividenden, sondern anhand der Kursgewinne beim Handel mit Aktien gescheffelt. Diejenigen, die sich an der Börse eine goldene Nase verdient haben, haben das natürlich nicht mit den paar Kröten aus den Unternehmen geschafft, sondern aufgrund ihrer Zockerei mit den Papieren.

    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Da im Regelfall keine Dividende in Höhe des Anschaffungspreis des Anteils gezahlt wird, ist jeder Anteilseigner am Fortbestand des Unternehmens interessiert, oder er verkauft seine Anteile. Von daher sind irgendwelche emotionalen Bindungen irrelevant.


    Weiter oben hattest du noch argumentiert dass die Anleger Interesse an den Unternehmen, deren Anteile sie halten, haben...


    Aber der Punkt ist doch: nein, die Anteilseigner haben keinerlei irgendwie geartetes Interesse an einem Unternehmen. Es geht nur darum durch geschickten An- und Verkauf von Anteilen satte Gewinne zu realisieren. Um welche Papiere und Unternehmen es geht, ist den Anlegern völlig wurscht. Wir reden hier nicht über Kleinanleger, die Aktien von ein paar tausend EUR auf ihnen genehme Unternehmen halten, sondern die großen Geschäftemacher.


    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Der Punkt ist ganz einfach: nicht die Leute verdienen zu wenig, sondern die Lebenshaltungskosten sind zu hoch. Und wenn eines Tages die Rentenkasse nicht mehr aus diversen Mineralölsteuern quersubventioniert werden kann, platzt die Bombe so oder so. Die SV-Abgaben durch Unternehmen & Angestellten würden sich massiv erhöhen, so daß hier eh keiner mehr produzieren kann bzw. vom Gehalt zu wenig übrig bleibt.


    Wenn man das System unverändert weiter laufen lässt, mag das sein. Aber deswegen müssen die Stellschrauben ja gedreht werden. Ob man nun die Lebenshaltungskosten oder die Gehälter verändert ist "egal", es muss eben nur zusammen passen. Bei solchen Dingen kann man eben nicht an einem Rädchen drehen, sondern muss immer an vielen Einstellungen justieren.


    Ich sehe das grundsätzliche Problem unserer Gesellschaft darin dass die wenigen Reichen immer reicher und die vielen Armen und Früher-Mittelschicht-heute-gerade-so-zurecht-Kommer immer klammer werden. Die relative Stabilität durch eine große, gesunde Mittelschicht, schwindet. Übrig bleiben ein paar Reiche, die sich abschotten oder flüchten, und viele Arme, die auf die Barrikaden gehen.


    Da ist eine Menge sozialer Sprengstoff drin, und was wir in Deutschland und Europa brauchen ist sowas wie ein eigener Obama, der versteht dass wir so nicht immer weiter wurschteln können und unsere ganze politische und gesellschaftliche Aufstellung an die heutigen Herausforderungen anpassen müssen.


    Waren es in den 1960/70 Jahren die "68er", die den konserativen Mief vertrieben haben und in den 1980ern die Grünen, die Umweltschutz in den Mittelpunkt der Wahrnehmung rückten, braucht diese Zeit eine soziale Erneuerung. Einen Trend, der die globalisierte Welt und aber auch jeden einzelnen Staat auf soziale Zukunftsfähigkeit trimmt weil die Gesellschaft sonst auseinander fliegen wird.

    Re: Re: Marktsituation


    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx



    Dagegen spricht ja auch nichts, schließlich ist das Unternehmen Eigentum der Aktionäre.


    Dagegen spricht dann nichts wenn das Unternehmen diese Gewinne realistisch abwirft und alle Fixkosten (dazu gehören auch korrekte Gehälter für alle Mitarbeiter) gedeckt sind. Wenn ein Unternehmen aber um 2, 3 Prozent wächst kann der Aktionär nicht 25% Rendite bekommen.


    Moralisch wäre auch zu definieren wie "Erfolg" definiert wird und wann ein Manager entsprechende Prämien verdient hat. Wenn die Einsparungen durch Entlassungen und vermehrten Einsatz von billigeren Arbeitskräften erwirtschaftet wurden, ist das zum einen schlechter Stil und zum anderen kein redlicher Gewinn, für den man den Manager loben kann.


    Ansonsten identifizieren sich große Aktienanleger nicht mit IHREM Unternehmen, sondern handeln nur zur persönlichen Gewinnoptimierung mit Wertpapieren. Da gibt es keine Bindung zu irgendeinem Unternehmen.
    Wenn du das Bild irgendwelcher Kleinanleger vor Augen hast: die haben nur Peanuts-Beträge und sparen auf das Alter, aber die mischen nicht in Größenordnungen mit, in denen es wirklich um etwas geht.

    Global kann man das so nicht sehen, da spielen in vielen Ländern andere Einflüsse größere Rollen. Aber es wäre ja schon mal ein guter Anfang wenn es bei uns besser liefe.


    Solange Politiker ihr Amt mehr als Nebenerwerb begreifen, ansonsten aber in diversen Aufsichtsräten und als Berater unterwegs sind, haben sie natürlich nur begrenztes Interesse daran solche Entwicklungen gegenteilig zu beeinflussen.


    Den Mindestlohn z. B. gibt es in den meisten europäischen Staaten, wir sind eine Ausnahme, wo es ihn noch nicht gibt. Und dass obwohl wir das finanzstärkste Land in der EU sind. Gleichzeitig wird ein großes Theater darum gemacht ob wir einen Mindestlohn brauchen und ob das finanzierbar ist, oder ob es zu mehr Arbeitslosigkeit führt.


    Es ist einfach lächerlich dass über sowas diskutiert werden muss, dass nicht sofort klar ist dass wir als eines der reichsten Länder der Erde uns blamieren und schämen sollten, wenn wir es nicht schaffen Menschen, die arbeiten, so zu bezahlen dass sie von ihrem Verdienst in dieser Gesellschaft leben können.


    Nicht nur dass die Argumente gegen den Mindestlohn Nonsens sind, es geht hier auch um eine ordnungspolitische Maßnahme: klar zu definieren dass Arbeit so bezahlt werden muss dass man damit sein Leben finanzieren kann. Stattdessen lassen wir es zu dass immer mehr Beschäftigte trotz Vollzeitstelle von ihrem Gehalt nicht leben können, dadurch als Aufstocker in die entwürdigende Situation von Bittstellern gebracht werden, und die Allgemeinheit zahlt das Lohndumping indem wir diesen arbeitenden Menschen immer noch wesentliche Teile des Lebensnotwendigen zahlen müssen.


    So kann es aber nicht laufen; entweder ein Job trägt sich auch mit fairer Bezahlung, oder er ist überflüssig. Sollte dadurch jemand seine Stelle verlieren, macht das finanziell nur einen graduellen Unterschied, denn derjenige hatte ja offenbar keine bezahlbare Arbeit und musste eh schon von uns, der öffentlichen Hand, über Wasser gehalten werden.


    So, wie es im Moment läuft, finanzieren wir das Lohndumping skrupelloser Unternehmen und Geschäftemacher.

    Es gibt viele faire Mittelständler und Kleinbetriebe, die eigentlich nicht so ticken, aber vor allem Großkonzerne, für die nur der kurzfristige Erfolg zählt; ein Manager, der ergebnisabhängig bezahlt wird, hat mehr davon wenn er die Zahlen seines Unternehmens kurzfristig in die Höhe treibt um dann anteilig abzukassieren, als wenn er mit mäßigem Gewinn langfristig plant.


    Nach ein paar Jährchen verkrümmelt sich der Mitarbeiter, was dann aus der Firma und den Mitarbeitern wird, interessiert nicht mehr weil dann ist der Verursacher ja längst mit sattem Gewinn über alle Berge.


    Personalkosten sind in Deutschland ein extremer Faktor weil vor allem die Lohnnebenkosten so teuer sind. Also kann man hier mit Einschnitten in den Gehältern besonders viel "herausholen" - und in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Einschnitten in den sozialen Leistungen durch Hartz V gibt es einen hohen Druck auf Arbeitnehmer, sich auch mit einem kleinen Gehalt (anstatt gar keinem und nicht zum Überleben reichenden Transferleistungen) irgendwie über Wasser zu halten.


    Und immer, wenn einer für wenig arbeitet, gibt es einen anderen, der es für noch ein bisschen weniger anbietet...


    Wenn nun aber Arbeitnehmer wenig verdienen können sie folglich auch wenig ausgeben; das wiederum schmälert die Einkünfte der Wirtschaft, und mit dem Argument "die Zeiten sind schlecht, der Konsum stagniert" wird dann wiederum gerechtfertigt dass weitere Lohneinbußen stattfinden müssten.


    In diesen Teufelskreis geraten dann zwangsläufig auch Unternehmen, die eigentlich willig wären ihre Mitarbeiter fair zu bezahlen, aufgrund der Marktsituation aber tatsächlich keine besonders üppigen Gehälter zahlen können.


    Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen bedürfte es schon mal eines gesetzlichen Mindestlohns um sicher zu stellen dass jemand, der arbeitet, dafür auch ein korrektes Gehalt bekommt, von dem er mindestens leben kann. Des weiteren müssten potente Unternehmen beginnen nicht nur kurzfristige, hohe Gewinne für die Aktieninhaber und das Management zu erwirtschaften, sondern das Unternehmen auf langfristigen, gebremsten Wachstumskurs zu bringen - und vor allem auch zu verstehen dass die Mitarbeiter zum wichtigsten Kapital eines Unternehmens gehören.


    Das sind keine leidlichen Kostenfaktoren, die die höchsten Unkosten verursachen, sondern die besten Erfolgsgaranten eines Unternehmens, die man mit fairen Arbeitsbedingungen und ordentlicher Bezahlung hegt und pflegt.


    Solange das aber von skrupellosen Geschäftemachern und schlechten Politikern ignoriert wird, sieht es leider so aus wie es aussieht, in Deutschland.

    Also ab 6 Uhr anstellen???


    Das heißt dann aber wohl dass 98% derjenigen, die extra zum Lidl rennen, kein Ticket mehr kriegen und leer ausgehen, weil solche riesigen Mengen an Tickets wird der Lidl kaum haben, wenn da derartige Schlangen anstehen werden. Mal ganz zu schweigen von all denen, die nichts von den früheren Öffnungszeiten wissen und erst um 8 oder später zum Lidl pilgern - aber eben auch extra hingehen.


    Wenn ich Lidl-Manager wäre würde ich mir gut überlegen ob das gut ist, wenn von 100 Kunden 98 enttäuscht abziehen müssen, nachdem sie - teilweise auch noch extra früh am Morgen - dorthin gerannt sind.


    Bei Tchibo hab' ich seinerzeit online bestellt und gemütlich geschlafen als andere anstanden. :D