Zitat
Original geschrieben von D-Love
Der Untergang eines eigentlich profitablen Autobauers in dieser Größe wäre eine Katastrophe für DIE deutsche Schlüsselindustrie. Etliche Zulieferer würden mit in die Pleite gerissen, die ganze Branche würde massiv an Kreditwürdigkeit einbüßen und schon allein das würde weitere Zulieferer dem sicheren Tod nahebringen. Das wiederum hätte fatale Auswirkungen für die anderen Autohersteller, die auf ihre Zulieferer angewiesen sind und die für ein laufendes Produkt nicht mal eben beliebig austauschen können.
Nur stellen sich hier auch folgende Fragen:
1) wenn man für den einen - Opel - bürgt, fragen morgen Daimler, BMW, Ford, VW, Audi und Porsche, Aldi, Lidl, KiK, der Kaufhof, o2, E Plus, Hans und Franz auch nach Bürgschaften. Es geht mir jetzt weniger darum wer von denen eine Bürgschaft braucht, sondern um das Prinzip: das man nicht dem einen sagen kann "OK, wir wollen dich retten, wegen all der Arbeitsplätze", und dem nächsten dann antworten "Äh, für dich gibt's aber nichts mehr, wir können ja nicht für jedes marode Unternehmen haften." Wie meint Opel denn begründen zu können dass sie eine Bürgschaft bekommen sollen, während andere, die sie vielleicht auch brauchen, diese nicht erhalten? Weil eins ist klar: der Staat kann jetzt nicht jedes Unternehmen retten...
2) Wir leben hier nicht im Kommunismus mit Staatsbetrieben, sondern im Turbokapitalismus. Seit Jahren wird der Privatisierung das Wort geredet, jeder ist seines Glückes Schmied, und im Klartext bedeutete das für die große Mehrheit der Bürger Reallohnverluste und soziale Einschnitte. Unternehmen haben sich währenddessen bereichert und satte Gewinne eingefahren, und zwar vom Geld, das bei den Menschen im Land abgezogen wurde.
Wie schon bei den Banken, die wir stützen müssen damit das Weltfinanzsystem nicht kippt - und wo nach wie vor Leute ihre Spielchen treiben - sollen nun aber ausgerechnet diese Bürger, die selber wenig in der Tasche haben, erneut und zunehmend Unternehmen retten, die sich alleine nicht am Markt halten können.
Da stellt sich dann einfach die Grundsatzfrage, was für ein Spiel wir hier eigentlich spielen. Wer vor ein paar Jahren ohne Rücksicht auf Verluste Turbokapitalismus gelebt hat, der soll jetzt nicht jammern wenn er die Geister, die er rief, nicht mehr los wird und selber unter die Räder des Systems kommt. Man kann nicht fette Gewinne kassieren und sich an der Gesellschaft bereichern um dann, wenn man die Kurve nicht mehr kriegt, aber zu jammern dass einen diese Gesellschaft mit sozialen Wohltaten retten soll.
Insofern wird es wirklich höchste Zeit dass eine Grundsatzdebatte losgetreten wird, wie wir uns eigentlich ausrichten wollen. Wie Unternehmen, die jetzt nach Solidarität rufen, zu derselben standen als es um ihre Mitarbeiter ging. Es kann nicht sein dass Opel Leiharbeiter unter miesesten Bedingungen verheizt, diese jetzt rücksichtslos auf die Straße setzt, um dann aber zu erwarten dass die gebeutelten Arbeitnehmer dieses Unternehmen mit ihrem teuren Steuergeld retten sollen.
Nichts gegen den Willen, Arbeitsplätze bei Opel, Zulieferern und in der deutschen Automobilindustrie generell retten zu wollen, aber dann sollen diese Betriebe auch bitte mal erklären wie sie sich das so vorstellen, woher die Bürger das Geld dafür hernehmen sollen. Denn man hat ihnen ja während des Aufschwungs keine Gewinnbeteiligung ausgeschüttet...