Beiträge von Printus

    Nebenbei fragt man sich auch ob und wie lange China diese Gegensätze noch aushalten wird: einerseits das kommunistische System, andererseits der Turbokapitalismus und die völlig ungezügelte Expansion einiger Unternehmen und Unternehmer sowie der Gegensatz zwischen den wenigen Superreichen in den Städten und der Masse der - bisher noch - Radfahrer und Reisbauern auf dem Land... Auch die chinesische Gesellschaft kann das auf lange Sicht nicht so wegstecken...
    Und solange die Chinesen durch Abkupfern und billig nachbauen westlicher Produkte Geld verdienen hängen sie am "Know-hoff-Tropf" westlicher Vorbilder, aber stellen selber wenig auf die Beine. Aus eigener Kraft läuft dann wenig wenn es hier stagniert. Mit Ramsch und Billigschrott, die man mit eigener Kraft hinbekommt, kann man auf die Dauer auf dem Weltmarkt nicht bestehen.
    Vielleicht kann man ja irgendwann ein paar gut ausgebildete Leiharbeiter nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch zum Arbeitseinsatz nach China schicken... (um den Bogen zum Thema wieder zu kriegen :))

    Wobei ich mich da regelmäßig frage wer den Käse noch glaubt. Jeder, der sich die Hose nicht mit der Klüttenzange anzieht, weiß doch längst dass die Chance einer Übernahme in den festen Mitarbeiterstamm des ausleihenden Unternehmens regelmäßig mehr als unwahrscheinlich ist. Daran ändern auch einzelne Ausnahmen nichts.


    Gerade dann wenn, wie im Falle von Bayer und systematisch von auch vielen anderen Firmen, eigens hauseigene Personalgesellschaften gegründet werden, deren Mitarbeiter dann im Mutterhaus eingesetzt werden - und das seit Jahren - kann man doch nicht mehr ernsthaft davon träumen dass es irgendeine Übernahme geben könnte. Wer so denkt hat die simpelsten Zusammenhänge nicht verstanden.


    Es liegt doch offensichtlich auf der Hand dass da zur Kostenreduktion Konstrukte geschaffen wurden, mit denen man teures Stammpersonal abbaut und durch preiswerte, rechtlose Arbeitssklaven ersetzt. Wer da noch träumt - oder entsprechenden Aussagen glaubt - dass irgendeine Übernahme realisierbar wäre...

    Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    Also bei uns hat es einzig damit zu tun, dass wir unseren Head Count einfach nicht erhöhen dürfen in dem Maße, wie wir das eigentlich realistisch müssten (ist auch viel Politik mit im Spiel)


    Und damit geht es dann los. Vom ganz unbeeinflussten, normalen Menschenverstand her muss man doch fragen: warum ist das so? Warum wird etwas, das erforderlich ist, nicht gemacht? Mindestens versucht...


    Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    und befristete Verträge auch nicht unbedingt zur Firmenphilosophie passen in der Hinsicht, dass man sich sehr schwer damit tun würde, Leute de facto durch Nichtverlängern zu entlassen.


    Und deswegen ist die Firmenphilosophie: Wir benutzen Mitarbeiter, die nach der Nichtverlängerung auch entlassen werden und die während ihrer Tätigkeit zum einen weniger verdienen als ein hauseigener Mitarbeiter (weil die Zeitarbeitsfirma ja auch noch etwas verdienen will) und zum anderen das schlechte Image des Leiharbeiters haben? Das ist ja eine tolle, faire Einstellung!


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    Original geschrieben von D-Love
    Außerdem ist es momentan sehr schwer wirklich gute Leute, die man auch ohne Bedenken sofort unbefristet einstellen würde, zu finden.


    Das ist ein grundsätzliches Problem eines jeden, der beabsichtigt einen Mitarbeiter einzustellen, also keine Besonderheit eurer Firma. Außerdem gibt es die 6-monatige Probezeit, in der man sich ohne Angabe von Gründen sehr einfach wieder von einem Mitarbeiter trennen kann.


    Darüber hinaus befristen viele Firmen ihre Verträge auf 1 Jahr und verlängern dann um ein weiteres, so dass sich nicht nur innerhalb der ersten 6 Monate, sondern auch nach 1 Jahr und nochmal nach 2 Jahren die Chance bietet sich von Leuten zu trennen, die nicht zum Unternehmen passen. Erst nach der 2. Verlängerung wird ein Arbeitsverhältnis unbefristet.
    So, und jetzt frage ich dich: reichen 2 Jahre immer noch nicht aus um zu wissen ob der Mitarbeiter ins Unternehmen passt?


    Also unter dem Strich nichts, was deine Branche und Firma von allen anderen im Land unterscheidet und keine Begründung, warum man nicht auch einen eigenen Mitarbeiter einstellen könnte.



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    Original geschrieben von D-Love
    1. haben wir nicht, alles eigene Verhandlungssache


    Dann könnte man ja auch einen eigenen Mitarbeiter anstatt des Leiharbeiters einstellen!


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    Original geschrieben von D-Love
    2. ist für uns nicht entscheidend


    Also ihr zahlt gerne Gehälter weiter wenn jemand krank oder schwanger ist, somit seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellt, aber Geld kostet? Respekt! Dann frage ich mich um so mehr wieso ihr nicht einfach ein paar Leute mehr anstellt als ihr braucht!!!


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    Original geschrieben von D-Love
    3. haben wir nicht


    Dann bekommen die Leiharbeiter bei euch nicht gesagt was sie zu tun und zu lassen haben, sondern dürfen an Entscheidungsprozessen teilnehmen wie eigene Mitarbeiter?


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    Original geschrieben von D-Love
    4. im Engineering-Bereich ja


    Siehste...!

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    Original geschrieben von Scum
    Auf der anderen Seite was hat Opel (oder jeder andere x beliebige Firma)mit dem Kram zu tun der Fremdvergaben wurde??


    Wieso duldet - ja rechtfertigt sogar! - Opel derartige Geschäfts-, besser Ausbeutungspraktiken in seinen Werken? Welche Moral und Menschenverachtung steckt dahinter wenn Opel nicht mal auf den Skandal reagiert, sondern eine solche Pfeife wie der gezeigte Opel-Manager in einem derartigen Tonfall reden darf ohne dass das Konsequenzen für den Mann selber, aber auch Opel insgesamt hat? Darauf muss man doch reagieren, wenn man sich nicht als völlige Ausbeuter-Firma blamieren will...


    Zitat

    Original geschrieben von Scum
    In solchen Firmen sind die angesprochenen Kantinen schon lange Ausgegliedert und da kümmert sich das jeweilige Unternehmen um die seinen Mitarbeiter!


    Die Kantine war ja nur eines unter ganz vielen Beispielen, wo die Leiharbeiter ganz klar schlechter gestellt sind als die Stammbelegschaft. Ein anderes Beispiel war die gelbe Warnkleidung, mit der die Leiharbeiter als solche stigmatisiert werden, fast denkt man an "Warnwesten als moderne Judensterne" (auch wenn ich diese Nazi-Vergleiche eigentlich nicht mag - es drängt sich hier aber auf).


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    Original geschrieben von Scum
    Geht doch auf einen X beliebigen Flughafen in Deutschland!
    Wieviele Firmen sind dort vertreten? Da kann auch nicht jeder was der andere kann!


    Dass es dort viele Firmen gibt sagt aber noch nichts über die Arbeitsbedingungen aus, wenngleich man vermuten kann dass es dort sicher auch genügend Lohndumping geben wird.

    Re: "Leiharbeit undercover" - Realität contra Theorie


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    Original geschrieben von Miramal
    Was haltet ihr davon? Ob diese gezeigten Zustände aus der Reportage wirklich der Realität entsprechen oder ob es nur die berühmt berüchtigen Ausnahmen oder Trittbrettfahrer sind? (Bei ARD muss man ja mit der Meinungsbildung aus solchen Reportagen vorsichtig sein, da diese meistens recht einseitig sein können - ist absichtlich im Konjunktiv :D ).


    Das ist ein Allgemeinplatz, die ARD ist riesengroß, nicht alle Sender und Redaktionen sind gleich, und so ist mir eine solche Aussage zu pauschal. Wann und wo verkauft die ARD ein falsches Bild der Realität? So allgemein in den Raum geworfen ist das eine unnötige Aussage... zumal wenn du keine Indizien hast wo tatsächlich konkret die Wahrheit verdreht wird...


    Es wird schon so sein dass man sich hier besonders krasse Leiharbeiter-Situationen ausgesucht hat und bei den ganz schlechten, anstatt auch den guten Unternehmen war - aber das heißt ja nicht dass die ganze Geschichte erfunden und falsch wäre.


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    Original geschrieben von Miramal
    Erschreckend waren die Aussagen der Opel Pressesprechers: Einfach die Verantwortung abschieben (Outsourcen!!) und schon ist man schön aus dem Schneider und das Schlimme ist dabei: Damit ist er sogar im Recht und es ist legitim...


    Vor allem diese unerträglich arrogante und angreifende Art gegenüber der interviewenden Reporterin sprach Bände. Das fand ich fast noch schlimmer als die Aussagen an sich, da kam der Charakter dieses kalten Menschen so richtig heraus...



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    Original geschrieben von Miramal
    Von meiner Seite her kann ich berichten, dass ich eher positive Erfahrungen gesammelt habe, solche Zustände, wie in der Reportage zu sehen waren, hatte ich noch nie erlebt.


    Eine Freundin ist leitende Angestellte in inzwischen der 2. Zeitarbeitsfirma und Verhältnisse, wie sie im Film geschildert werden, gibt es bei ihr nicht. Sie geht wirklich fair mit ihren über 100 Mitarbeitern um, setzt sich - auch über das Berufliche hinaus - für die Menschen ein, und weigert sich jemanden für unter 7 EUR Stundenlohn zu beschäftigen, wobei sie nur einfache Handlanger-Jobs beaufsichtigt. Die meisten Mitarbeiter sind Ungelernte oder Ausländer, sie hilft auch bei Behördengängen und Formularen. Insofern sicher eines der besonders guten Beispiele in der Leiharbeits-Szene, aber es ändert nichts daran dass diese ganze Branche sehr kritisch zu sehen ist.


    Zitat

    Original geschrieben von Miramal
    Die Frage, was kann die Politik tun? Leiharbeit verbieten? Dann würden sicher viele Firmen noch mehr ihre Produktion ins Ausland verlagern. Zudem glaube ich, dass die Politik im Moment eher die Auffassung "gute Miene zum böse Spiel" vertritt.


    Einfachste, direkte Maßnahme: ein flächendeckender Mindestlohn und obendrein mit Argusaugen darüber wachen dass er nicht dadurch ausgehöhlt wird dass die Leute offiziell 10 EUR verdienen, aber in dafür Wirklichkeit 2 Stunden arbeiten müssen.


    Ansonsten sehe ich das Problem eher als eine komplexe Schieflage mit vielen Komponenten: Zeitarbeit sollte von der Grundidee her eigentlich ein Werkzeug sein um Auftragsspitzen abzudecken, die ein Unternehmen nicht mit dem Stammpersonal abarbeiten kann, wo aber auch wegen einzelner größerer Aufträge keine dauerhaften Mitarbeiter eingestellt werden können. Das pervertierte sich aber längst dahingehend dass man Stammpersonal abbaut und durch preiswerte Leiharbeit ersetzt um Kosten zu senken. Damit werden Leiharbeiter zu lohngedumpten Sklaven, aber auch die Strammbelegschaften werden zu rechtlosen Befehlsempfängern weil sie Angst haben ihren Arbeitsplatz zu verlieren, denn die Firmen können drohen "wenn's dir nicht passt kannste gehen, wir nehmen eh lieber einen billigeren Zeitarbeiter auf deine Stelle!".


    Das ist ein Problem der nicht mehr vorhandenen fairen Firmenkulturen, ein Problem raffgieriger Manager, nur noch kurzfristig am Gewinn orientierter Anleger, eines auf dem Papier zu guten Kündigungsschutzes, der in der Realität immer mehr ausgehöhlt wird, einfach einer Gesellschaft, die immer weniger sozial agiert.
    Meine Sorge ist dass es immer weiter ausufert und wirklich kritisch werden kann wenn das gesellschaftliche Klima kippt, also die Masse der Bevölkerung den ganzen Mist nicht mehr mitmacht.


    Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander, die Mehrheit der Armen gegen die Minderheit der Superreichen wächst, die Politik schaut zu und tut nichts außer labern... und hat natürlich auch nur begrenzten Einfluss, den die Mentalität in den Köpfen muss sich ändern und das kann die Politik nicht einfach verordnen, da müssen die Verantwortlichen in der Industrie und Gesellschaft auch etwas kapieren...


    Der Trend ist jedenfalls erschreckend, genau wie es diese Reportage war. Wie schlimm es wirklich ist war mir nie klar, und auch wenn hier sicher die Extrembeispiele gezeigt wurden - das war schon beängstigend.

    Dass aus der Sache noch etwas wird scheint ja eher wenig wahrscheinlich - und siehe es mal so, wenn es nach 2 Wochen schief geht ist das besser als wenn du Monate investiert hättest, und dann bricht alles zusammen...


    Jetzt liegt es an dir: "brauchst" du es dass er dir nochmal direkt auf den Kopf zu sagt dass das nix gibt mich euch, oder "reicht" es dir wenn du das jetzt schon so weißt?


    Davon würde ich abhängig machen ob ich ihn treffe.


    Vielleicht ist es ganz gut wenn er dir ins Angesicht sagt dass das nix gibt. Dann ist es ausgesprochen und du hast es erlebt... manchmal ist sowas gut um es zu verstehen. Und danach: ein par Tage etwas bescheidene Stimmung, aber anschließend: "Aus den Augen, aus dem Sinn." Kannste dir jetzt gerade schwer vorstellen - ist aber so.


    Also: In jedem Fall "Kopf hoch", du wirst auch wieder glücklich werden - versprochen! :top:

    Ich war am Sonntagabend mit einem ICE zwischen Hagen und Bonn unterwegs, habe mit einem schweren Koffer ungefähr in der Zugmitte beim Bordbistro, gleich neben dem Schaffner-Abteil, im Gang gestanden. In den Zug bin ich geraten weil der IC, für den ich eine Zugbindung hatte, 100 Minuten verspätet war und ich ohne Nutzung des ICE meinen Anschluß in Bonn verpasst hätte.


    Die Nutzung des ICE anstatt des anderen Zuges war OK, wurde den Reisenden auch generell so empfohlen.


    Ansonsten war im Zug ein völlig übereifriger Schaffner, der menschlich so ziemlich alles falsch machte, was man in einem überfüllten Zug mit genervten, weil auf den Gängen stehenden Menschen falsch machen kann.


    Auch wenn man eigentlich politisch korrekt bleiben sollte, aber der erste Minuspunkt war dass er unüberhöhrbar Sachse mit starkem Dialekt und Fistelstimme war. :rolleyes:
    Dann kontrollierte er, fast möchte man sagen "stasi-mäßig", alle Tickets peinlich genau (mein Ticket war schon mehrfach kontrolliert und abgestempelt worden, dennoch meinte er erneut die BahnCard sehen zu müssen... kann ja sein dass 4 andere Schaffner sie vorher nicht kontrolliert haben und das Ticket einfach so abgestempelt haben...). Bei anderen ließ er sich auch alles genauestens vorlegen.


    Dann dumme Sprüche wie "Ich weiß nicht warum Sie hier im Gang stehen, am Zugende sind noch ein paar Plätze frei." War vielleicht gut gemeint, aber
    a) wenn der Zug so am Bahnsteig eingeparkt hätte wie auf der Anzeigetafel stand, wäre ich ganz am Ende gewesen und
    b) schleppe ich einen schweren Koffer nicht durch 5 Wagen eines eh schon überfüllten Zuges. Andere Fahrgäste dachten ebenso, vor allem der vorwurfsvolle Ton war aber ein Ärgernis.


    In Wuppertal schmiss er einen Mann aus dem Zug, der blöderweise genau an der Schaffner-Tür versucht hatte mit seinem Fahrrad an Bord zu kommen. Schaffner sagt "Fahrräder nehmen wir laut Beförderungsbedingungen im ICE nicht mit - aussteigen!", der Fahrgast "Ich bin im Zug drin und steige nicht mehr aus, ich bin schon mehr als 1 Std. verspätet und muss morgen früh arbeiten!" 1 Minute erregte Diskussion, 2 Minuten Diskussion ("Geben Sie mir das schriftlich!!!" - "Raus oder ich hole die Polizei!!!"), dann gab der Fahrgast nach; ich hatte schon eine weitere Verspätung und das Anrücken der Polizei kommen sehen...


    Naja, das Gesamtverhalten, das Auftreten, war einfach voll daneben. Wenn man den zu Recht genervten Leuten schon unangenehme Umstände zumutet, muss man ein bisschen locker bleiben und mal ein Auge zudrücken. Dieser Schaffner machte genau das Gegenteil - eine glatte Fehlbesetzung.


    Ansonsten reise ich sehr oft mit der letztmöglichen Verbindung der Bahn und meine Erfahrung ist: die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen ist so groß dass man nahezu immer damit rechnen muss. Wer mehr als 2x umsteigt und dabei jeweils nur ca. 10 Minuten Umsteigezeit als Puffer hat, sollte immer einen "Plan B" in der Tasche haben weil sehr wahrscheinlich ist dass man ihn aktivieren muss. Es ist fast ein Wunder wenn die Reise bei mehr als 2 Umsteigevorgängen wie geplant klappt.
    Allgemeingültige Formel: das Verspätungsrisiko steigt exponentiell zu den Umsteige-Vorgängen! :cool:


    Lasst euch bei Verspätungen vom Schaffner auf dem Ticket die Verspätung vermerken und abstempeln. Die schreiben dann nur hin "Zug 1234, 30 Minuten" und stempeln das ab. Macht keine Mühe, wird auch bereitwillig bestätigt und ihr habt dann aber etwas in der Hand.


    Umsteigen auf einen anderen Zug, obwohl man eine Zugbindung hatte, ist allerdings erfreulicherweise immer problemlos, jedenfalls wenn man in einem späteren Zug sitzt. Das ist dann im Bahn-System hinterlegt und wird sowieso fast immer ohne Gegencheck geglaubt - die Bahnmitarbeiter wissen schon um die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ihres Ladens. :cool: Außerdem hat man ja die Bestätigung auf dem Ticket...


    Wenn der letzte Zug ans Ziel absehbar nicht mehr erreicht werden kann: im vorhergehenden größeren Bahnhof zum Service Point gehen, Lage schildern, und dann auf einen Taxischein bestehen. Die Bahn hat einem ein Ticket verkauft und damit eine Beförderungspflicht bis ans Ziel. Kann sie das aufgrund ihrer Verspätungen nicht erfüllen darf man mit dem Taxi fahren. Die Taxischeine haben einen Wert von 80 EUR (steht nicht drauf, ist aber so). Kommt man für diesen Betrag nicht ans Ziel, wird man einen Hotelgutschein im Wert von 80 EUR bekommen.
    Bleibt freundlich, nicht pampig werden, die Mitarbeiter sind im Augenblick angewiesen zu sparen wo es nur geht, knausern also möglichst auch mit den Gutscheinen. Er steht einem aber zu wenn man anders nicht mehr ans Ziel kommt. Also freundlich, aber bestimmt auftreten und sich nicht abwimmeln lassen.


    Ist kein Service Point mehr erreichbar könnt ihr ab dem Bahnhof, an dem ihr strandet, auch für max. 80 EUR mit dem Taxi ans Ziel fahren (oder ein Hotel aufsuchen), euch eine Quittung ausstellen lassen und das Ganze nachträglich zur Erstattung bei der Bahn einreichen. Aber ihr solltet euch dann sicher sein dass ihr tatsächlich mit Zugverbindungen so nah wie irgend möglich ans Ziel herangefahren seid und es wirklich keine andere Chance mehr gab ans Ziel zu kommen.


    Die Erstattung klappte bei mir immer problemlos, da ich wie gesagt ganz oft die letztmögliche Verbindung des Tages buche ergibt sich diese Lage bei mir regelmäßig, an den letzten 4 Wochenenden war ich jedes Mal verspätet, 2x konnte ich noch mit einem späteren Zug bzw. eine andere Streckenführung ans Ziel kommen, 2x bin ich Taxi gefahren.


    BTW: bei mehr als 60 Minuten Verspätung werden im Zug (auf Kulanzbasis) Gutscheine für 20% Fahrpreisermäßigung bei der nächsten Reise verteilt. Wenn nicht: nachfragen! Wenn man den Gutschein nicht innerhalb 1 Monats verbraucht kann man ihn in einem Reisezentrum gegen einen 1 Jahr lang gültigen Gutschein eintauschen.


    Ansonsten: rechnet die Verspätung als Normalfall ein, rechnet erst gar nicht mit Pünktlichkeit, sondern kalkuliert Zeitpuffer ein, geht mit toleranter Einstellung auf die Reise.
    Es wird garantiert eine alleinerziehende Mutter mit lila Latzhose, Doppelname und 3 quengelnden Kindern in eurer Nähe Platz nehmen, sie wird eure Nerven alle 20 Sekunden mit Rufen nach Kevin, Leander oder Leah-Anne-Franzi strapazieren... "Cedric, bitte betrage dich!". Oder ihr sitzt nahe bei einem Jugendlichen aus einem sozialen Brennpunkt mit Assi-Rap aus dem MP3-Player, oder einem dauerlabernden Wichtigtuer-Handyman, der den ganzen Waggon an seinem Geseier teilhaben lässt, oder irgendeiner affigen Tussi, oder Leuten, die 50x aus unerfindlichen Gründen hin und her rennen, oder sonstigen Freaks, die einem die Nerven rauben. Das gehört beim Bahnfahren dazu... Nicht ärgern, sondern interessiert beobachten! :)


    Und im Bezug auf's Personal immer an den alten Spruch denken: "Wer nichts hat und wer nichts kann, geht zur Post oder zur Bahn." :D

    Ich denke dass du in dem Fall mit der Bahn gut bedient bist. Nürnberg hat kein wirklich gutes Angebot an Billigfliegern, auch Frankfurt und München nicht. Mal abgesehen davon dass du dahin erst anreisen müsstest...


    Selbst wenn es Flüge gäbe wärst du jetzt, so kurz davor, viel zu spät dran um ein wirklich preiswertes Ticket zu bekommen.


    Zeitlich gesehen müsstest du erst zum Airport rausfahren, rechtzeitig einchecken, am Ziel wieder in die Stadt reinfahren...


    Insofern - obwohl ich dem Fliegen generell weit mehr abgewinnen kann als der Bahn - bietet sie dir hier aber deutlich bessere Möglichkeiten. Nürnberg ist ein ziemlicher Drehpunkt für die Bahn, Hamburg auch, und wenn du mindestens 3 Tage im voraus buchst kannst du auf Sparpreise zugreifen. Spiele mal ein wenig mit verschiedenen Zeiten und Verbindungen, mit ein bisschen Flexibilität kommst du auch an einen halbwegs guten Preis.


    Und ansonsten die eisernen Bahn-Regeln beachten: grundsätzlich davon ausgehen dass du verspätet sein wirst und grundsätzlich so selten umsteigen wie nur möglich, weil ansonsten eskaliert das mit den Verspätungen durch verpasste Anschlüsse um so mehr... ;)

    Die Frage, die sich eben grundsätzlich stellt - und nicht beantwortet wird - ist warum RR und seine Groupies das TV-Gerät nicht einfach abschalten wenn ihnen das Programm nicht zusagt.


    Mit der gleichen Berechtigung, mit der er jetzt das Fernsehen kritisiert, könnte er auch Eckkneipen oder Kirmesplätze als Schund bezeichnen und fordern dass die Leute ins Theater oder die Oper gehen sollen...


    Oder ein Lagerfeld könnte demnächst kommen und den Frauem mit Kleidergröße 44 aufwärts die pinken Leggins und ihren Männern Feinripp-Unterhemden verbieten... Aber welche Berechtigung hat er dazu?
    Man muss ja keineswegs der Meinung sein dass die Genannten gut angezogen seien, aber man braucht den Leuten auch nicht vorschreiben was andere tragen dürfen.


    Der Anspruch, die eigene Sichtweise anderen aufzudrücken, ist generell immer daneben.


    Zeitgleich taucht dann im Moment auch noch eine Werbekampagne des RR für das von ihm kritisierte Fernsehen auf - ist das Realsatire?
    Er bringt auch passend unter's Volk dass gerade sein Leben verfilmt wird und demnächst im Kino angesehen werden kann... ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


    Mit solchen Aktionen beraubt man sich gänzlich der guten Reputation und gibt sich der Lächerlichkeit preis.


    Das war's für mich auch in diesem Thread.