ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th
Öhm ich glaube du verstehst mich nicht wirklich im Ansatz. Das Problem wohl aus der Chinesischen Sicht ist das es quasi "Gesetz ist" (vereinfacht ausgedrückt). Also warum zum Geier extra Sonderwünsche Regelungen im eigenen Land für quasi Touristen.
Hier zeigt sich aber das zugrunde liegende Kernproblem. Die Chinesen wollen ganz vorne in der Welt mitmischen, wollen wirtschaftlich und politisch in der 1. Liga spielen. Blöderweise reicht es aber nicht anderswo technisches Knowhow abzukupfern und Waren in mieser Qualität nachzubasteln. Im Hinblick auf moralische Werte kann man nicht den weltoffenen Gastgeber spielen wollen, wenn man andererseits diese politische Offenheit nicht hat.
Natürlich kann man schlecht hingehen und den Chinesen erzählen wie sie zu leben haben, am Ende entscheiden die selbstverständlich souverän was bei ihnen gilt. Nur wenn man auf der großen Bühne mitspielen will, muss man die Spielregeln beachten. Mein Eindruck ist aber dass dieses hier ein typischer Fall von "mit den großen Hunden pissen wollen, aber das Bein nicht heben können" ist.
Die Vergabe der Spiele wurde seinerzeit konkret an die Bedingung und Hoffnung geknüpft, dass China sich weltanschaulich entwickeln und ein korrekter Gastgeber sein werde. Bisher haben sie es nicht geschafft in dieser Hinsicht vorwärts zu kommen. Natürlich kann man fragen ob das denn überhaupt erwartet werden konnte, ob das überhaupt je zur Debatte stand... generell, aber auch innerhalb der kurzen Zeiträume. Aber der Schlamassel ist jetzt natürlich nicht mehr aufzuhalten, nicht zuletzt auch aus dem Grund, den Simensanier schon nannte: gerade dieses "unter den Teppich kehren wollen" führt dazu dass der Fokus der Berichterstattung jetzt erst Recht auf dem Thema liegt und permanent beobachtet wird wie offen oder verschlossen sich die staatlichen Organe jetzt verhalten.
Just gestern Abend stammelte irgendein chinesischer Funktionär vor der internationalen Presse in die Kameras und Mikrofone dass man die Webseite von *hab nicht behalten um welche Seite es ging* nicht zensieren würde, sondern offenbar sei die Seite öfter mal gestört... Ähm - wenn man schon dumme Ausreden präsentiert, dann wenigstens so dass es nicht ganz so hochnotpeinlich rüber kommt. Dass sich die "Internetseiten-Problematik" stellen würde musste den Chinesen doch klar sein, oder? Also entweder gibt man die Seiten dann doch frei, oder man steht dazu und vertritt ganz klipp und klar, dass bestimmte Webseiten in China nicht zu sehen sind, weil man eben nicht möchte dass sie erreichbar sind.
ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th
Da es sich hier um eine menge Geld und Co dreht kann man nicht mehr von Touristen sprechen da dies viel zu Global ist (halt Olympia). Mit anderen Worten die wollen ganz einfach das man ihre Regelungen im eigenen Land akzeptiert.
Bei individuellen 08/15-Touristen ist das ja auch kein Problem, die halten sich natürlich an die lokalen Vorgaben und sind, wenn sie nach China reisen, wohlwollend und willig sich an die dortigen Gesetze zu halten.
Eine Olympiade ist aber ein anderes Parkett, da gibt eher der Charakter der Veranstaltung die Regeln vor. Olympische Spiele stehen für Völkerverständigung, Fairness, ehrlichen Wettbewerb, friedliche Koexistenz von Kulturen, aber auch sportlicher Wettstreit. Das alles findet nicht nur vor Ort statt, sondern dieser Mega-Event trägt diese Dinge in die ganze Welt - und dann MUSS es natürlich in die Hose gehen wenn man einerseits den Vorzeige-Veranstalter geben will, andererseits aber grundlegende Werte, die mit dem Ereignis verknüpft sind, nicht umsetzen kann oder will.
ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th
Diese Zugeständnisse sind ja schon riesen Fortschritte. Man sollte nur nicht so naiv glauben das quasi eine 180°Grad Kehrtwende gemacht wird. Normalerweise passt man sich an wo man hin geht und nicht umgekehrt.
Man lädt aber auch nicht ein wenn man weiß dass man den Gästen nicht bieten kann, was sie erwarten.
ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th
Und persönlich gesehen muss ich sagen das sich Reporter von 52 Wochen im Jahr wohl kein Bein brechen werden wenn sie runde 8 Wochen ihre "Internet Freiheit"etwas einschränken müssen.
Somit zieht dein Argument einfach nicht "Es geht in dieser Frage einfach um die Freiheit, so leben zu können, wie man es möchte - solange man anderen nicht schadet" da dies einfach nicht in das Weltbild der Chinesischen Regierung passt zudem auch noch Zeitlich (ein paar Wochen)beschränkt ist.(in einem fremden Land mit anderen Gesetzen)
So einfach können wir uns unsere grundlegenden Werte aber nicht nehmen lassen. Mit dieser Denke bräuchten sich Amnesty oder diverse andere Organisationen nirgendwo auf der Welt mehr engagieren, denn das sind immer fremde, souveräne Staaten...
ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th Tut mir leid was du hier als Sperren von Webseiten bezeichnest auch wenn vieles Sinnvoll erscheint stellt sich mir die Frage wer hat das Recht sowas zu entscheiden? Aus unserer Sicht mag dies Sinnvoll sein, andere Länder haben diesbezüglich ganz andere Ansichten und Einstellungen. Wir sollten lernen auch andere Meinungen zu tolerieren und nicht "Fremden" unser Weltbild als das Non Plus Ultra zu verkaufen.
Im aktuellen Fall geht es aber darum dass China sich als Veranstalter der Olympiade, wenn man es jetzt mal so nennen will, selber in Handlungszwänge gebracht hat. Dass sich das internationale - vor allem westliche - Publikum nicht wie die immer grinsenden, sich selbst beklatschenden Kommunistenopas aus der Volkskammer verhalten würde, hätte auch dem dümmsten Parteifunktionär seit langem klar sein müssen.
Was das Sperren von Seiten angeht: zum einen wüsste ich nicht dass es das hier gibt. Aber selbst wenn es sowas gäbe ist das keine Zensur im Sinne eines schlichten "ihr dürft nur lesen was uns gefällt", sondern dann passiert es im Rahmen des Schutzes unserer Verfassung und der Gefahrenabwehr. Man schaltet bestenfalls verfassungsfeindliche und / oder gewaltverherrlichende Inhalte ab, aber nicht kritische Meinungen.
ZitatOriginal geschrieben von Paradox_13th
Fazit: Es geht hier nicht ums denken sondern um Toleranz. Ich habe gelernt mich anzupassen dort wo ich bin bzw. mit den lokalen Gebräuchen auseinanderzusetzen. Und da die Welt zu "Gast in China" ist, sollte man auch das eine oder andere akzeptieren (auch wenn man es nicht gut findet) zumindest für diesen kurzen Zeitraum.
Das ist als Allgemeinplatz schon richtig und im Hinblick auf Sitten und Gebräuche auch durchaus gegeben. Im Hinblick auf moralische Werte und den Charakter einer Olympiade geht das aber nicht so einfach. Wenn die Chinesen Olympische Spiele ausrichten wollen, müssen sie sich auch an die Gepflogenheiten der Veranstaltung halten - oder erst gar nicht als Ausrichter eines derartigen Events in Erscheinung treten.
ZitatOriginal geschrieben von ChinaMobile
Ich weiss, diese Informationen entsprechen nicht den westlichen Mainstream Berichten über den Dalai Lama. Aber deswegen bedeutet es nicht automatisch, das die Inhalte dieses Berichtes frei erfunden sind und es nicht wert sind, sich damit genauer zu befassen.
Ich wusste dass dieser Einwand kommen würde... Du hast zwar durchaus Recht dass der Dalai Lama hier ein Sympathieträger ist und viele daher ungern sehen würden wenn er in irgendeiner Hinsicht Dreck am Stecken hätte. Nur hat er nachweislich den Friedensnobelpreis verliehen bekommen und steht somit eher für Völkerverständigung und als Repräsentant eines unterdrückten Volkes.
Wenn dann derartige Infos, wie in den von dir genannten Links, auftauchen, sind die Vorwürfe immer schwer zu verifizieren und letztlich hat es keinen praktischen Wert, weil jeder weiß dass der Dalai Lama kein nationalistischer Gewalttäter ist. Selbst wenn der Dalai Lama Kontakt zu Nazi-Größen hatte, das kann 1000 Gründe gehabt haben und ist an sich noch nichts Verwerfliches. Wenn bei dir nebenan ein freundlicher Nachbar lebt, der aber blöderweise später als Straftäter ermittelt wird, kannst du auch nichts dafür und das darf dann auch nicht unterschwellig oder direkt gegen dich verwendet werden.
Man bedient sich hier der gleichen Taktik, die auch die Blöd-Zeitung gerne benutzt. Man bringt eine "Nicht-Meldung" über angebliche oder tatsächliche Zusammenhänge, die schlicht nichts miteinander zu tun haben, aber die es ermöglichen komische Schlussfolgerungen zu ziehen.
Das ist genau dasselbe wie wenn Frau Merkel einen stinknormalen Döner in Berlin essen geht - und am nächsten Tag titelt die Zeitung "Merkel und ihr dunkles Döner-Geheimnis - ist die Bundeskanzlerin eine geheime Al Quaida-Sympathisantin???"