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Original geschrieben von flatie
Nach gut 21 Jahren möchte ich meinen Marktwert mal abschätzen und ein wenig über den Tellerrand hinausschauen.
Das ist löblich und immer gut.
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Original geschrieben von flatie
Identifikation mit dem Unternehmen geht bei mir Richtung null.
Aktuell fand die jährliche Leistungsbeurteilungen an und das natürlich zur allgemeinen Unzufriedenheit, außer bei den eh, ähm, "bequemeren" Mitarbeitern 
Kann es aber auch sein, dass die lauwarmen Bewertungen Folge der allgemein mangelnden Motivation sind? Wobei ich nicht bestreite, dass es Unternehmen gibt, in denen mittelmäßige Einheitsbeurteilungen mit der Gießkanne ausgeschüttet werden.
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Original geschrieben von flatie
Ich möchte nun dieses Jahr Bewerbungsunterlagen erstellen und mich bewerben. Gleichzeitig möchte ich dies meinen Führungskräften auch klar machen und offen kommunizieren warum.
Nach einem kurzen Gespräch mit meinem Meister, woraus ersichtlich geworden sein sollte, dass ich mit der Leistungsbeurteilung unzufrieden bin überlege ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu beantragen um dies zu verdeutlichen.
Ich möchte damit niemanden unter Druck setzen oder gar erpressen aber meinen Unmut verdeutlichen.
Hier bist du auf dem ganz falschen Dampfer unterwegs, du gehst viel zu unbedarft an die Sache heran.
Diskretion ist absolut Pflicht wenn man sich wegbewerben will. Teilst du deinen Vorgesetzten mit, dass du über einen Weggang nachdenkst, wird das nicht mehr nur als "etwas nachgelassene Motivation" bewertet, sondern als Bruch der Vertrauensbasis. Je nachdem wie die Führungsetage tickt könnten sie von sich aus "Maßnahmen ergreifen", also dich sofort von Aufgaben entbinden oder sogar kündigen. Ein Grund findet sich schnell, wenn man jemanden loswerden will. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen kann man ganz leicht irgendwen rausmobben und dadurch sehr viel Geld sparen. Nebenbei erhöhten Arbeitsdruck auf die Kollegen ausüben, die dann eben deine Arbeit mit übernehmen müssen, fertig. Der Unternehmer bedankt sich, du stehst dann auf der Straße...
Unzufriedenheit mit der Beurteilung ist okay, das sollte man dann aber in geeigneter Form ansprechen und darum bitten, dass das nochmal überdacht wird. Wenn du in dem Gespräch noch Interesse und Identifikation mit dem Unternehmen anführst/zeigst anstatt die schlechte Bewertung durch Gemecker und deine offenbarte Demotivation in ihrer Richtigkeit zu bestätigen, hast du vielleicht eine gute Chance.
Die richtige Einstellung ist NICHT "Ich bin unzufrieden und will ein besseres Zeugnis!!!" SONDERN "Ich arbeite gerne und gut für diesen Laden, bilde mich fort und meine, dass das mehr gewürdigt werden sollte."
So wie du es vorhast könnte der Schuss ganz böse nach hinten losgehen.
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Original geschrieben von flatie
Fügt ein Bewerber überhaupt Arbeitszeugnisse bei? Oder nur auf Nachfrage?
Du hast dich also zu absolut 0,0000 mit dem Thema beschäftigt, sonst würdest du nicht so eine Frage stellen! Die Arbeitszeugnisse, mein Freund, sind das A und O einer Bewerbung, weil die allein sagen überhaupt aus, wer du bist.
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Original geschrieben von flatie
Ansonsten würde ich nämlich lieber Bewerbungen vorbereiten ohne Arbeitszeugnis und ggf. noch ein Gespräch mit einer weiteren Führungskraft suchen.
Ohne gute Zeugnisse kannst du dir das Bewerben gleich sparen. Sparen kannst du auch hingerotzte Unterlagen und Anschreiben, die du in einer halben Stunde zurechtgebastelt hast.
Erstelle einen den gültigen Regeln entsprechenden Geschäftsbrief als Anschreiben, schreibe einen tabellarischen Lebenslauf, absolutes Muss ist ein professionelles Foto. Beschaffe Kopien deiner Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse, dann erst hast du überhaupt die formalen Dinge zusammen. Und dann muss noch ein guter Text im Anschreiben stehen. Der muss die Frage beantworten, warum du dich überhaupt bewirbst. "Unzufriedenheit mit dem aktuellen AG" ist dabei ein eher schlechter Grund.
Es bewerben sich neben dir 200 andere Leute mit genau den gleichen Qualifikationen, oder viel Bessere mit Erfahrungen aus mehreren Unternehmen. Davon fliegen 185 Bewerbungen schon allein deswegen in den Müll weil irgendein i-Tüpfelchen nicht perfekt war oder der Text sterbenslangweilig mit "Hiermit bewerbe ich mich um...." begann.
Wenn du nur den Hauch einer Chance haben willst, dass man dir auf die Bewerbungen überhaupt ANTWORTET, geschweige denn, dich zum Vorstellungsgespräch einlädt, du also zu den letzten 15 gehörst, muss die komplette Bewerbung makellos sein und du musst mehr bieten als fast alle anderen.
20 Jahre in derselben Firma, keine weiteren Erfahrungen, keine Arbeitszeugnisse oder nur ein mittelmäßiges wie die Beurteilung - da lachen sich andere Bewerber kaputt über dich. Du hast so nicht den Hauch einer Chance, wenn du eine neue Stelle suchst.
Das ist natürlich etwas drastisch und übertrieben dargestellt, aber du scheinst nicht so wirklich zu wissen, wie es ausschaut da draußen.
Und genau deswegen würde ich dir auch dringend raten, deine Stelle, die du hast, wertzuschätzen und nicht mit negativem Gelaber zu gefährden. Wie hart der Wind anderswo weht wird dir erst klar, wenn du mal über den Tellerrand schaust und erlebst, wie es heute zugeht...
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