Im IT-Fachhandel stellt man schnell folgendes fest: es gibt 2 Käufergruppen, die sich wenig überschneiden.
Die einen kaufen nur nach Preis und denen geht es nur um die Anschaffung eines Produktes. Klar dass diese Leute eher online kaufen, denn kein Fachhändler mit Ladengeschäft kann dieselben Preise bieten wie ein Onlinehändler, der womöglich nur ein Büro hat und alle Waren vielleicht sogar vom Großhändler direkt zum Kunden schickt, also mit minimalem Aufwand agiert.
Die andere Gruppe legt Wert auf Beratung und kauft im Fachhandel. Fachhandel meint hier nicht Media Markt und Saturn, sondern Anbieter, die sich wirklich auskennen.
Gerade ältere Leute können oder wollen nicht nur ein Gerät kaufen, sie wünschen auch Beratung. Wer sich z. B. nicht mit PC's auskennt wird online genauso wenig wie im MM erfahren welchen Rechner zu welchem Preis er brauchen kann oder welche der komplexen Daten eines Angebots warum für ihren Zweck geeignet oder nicht geeignet ist. Denen hilft außer einem Fachhändler keiner wenn mal etwas nicht klappt. Dieses Klientel will meistens einen festen Ansprechpartner vor Ort haben, an den man sich wenden kann wenn Schwierigkeiten entstehen, und dem vertraut wird wenn die Beratung gut war und bereits gute Käufe dort getätigt werden konnten.
Im Fachhandel kaufen auch viele Gewerbetreibende, denn auch die sind auf Service angewiesen: wenn das Netzwerk nicht mehr funktioniert nützt der billigste Kauf im Internet nichts, dann muß ein Ansprechpartner da sein, der sich schnellstmöglich um das Problem kümmert. Meistens kämpfen kleine Gewerbetreibende in ihrer Branche mit demselben Problem von Billigkonkurrenz, sodass dort oft auch eine Art Agreement herrscht - "ich kaufe bei dir, du dafür bei mir".
Ein weiterer Punkt: die Kalkulationen der Preisbrecher stehen oft auf Messers Schneide. Da wird kalkuliert dass man Ware für 1 EUR kauft, für 1,50 EUR verkauft und dann 50 Cent gewonnen hat. Das ist aber eine Milchmädchenrechnung, denn eventuelle Rücksendungen nach Fernabsatzgesetz müssen bedacht werden (Ware in geöffneten Kartons - schwerer verkäuflich und mit logistischem Aufwand verbunden, außerdem trägt der Händler die Versandkosten ab 40 EUR Warenwert), und Reklamationen müssen bedacht werden. Die kosten Zeit und Geld, also wird jeder, der sowas nicht ausreichend kalkuliert, versuchen Reklamationen abzuwimmeln.
Gerade an dieser Stelle profiliert sich ein Fachhändler, der seinen Kunden einen Mehrwert bieten will.
Dazu kommt: manche Großhändler bieten besonders gute Einkaufskonditionen wenn ein Händler in Jahresfrist bestimmte Größenordnungen an Umsatz erreicht. Einige Schlaumeier kalkulieren diese Rabatte von Anfang an in ihre Preisgestaltung ein. Wenn's aber schief geht - hat man billig gekauft, steht im Reklamationsfall aber dumm da weil der Händler insolvent ist.
Nicht zu vergessen die Versandkosten: gerade bei den besonders preiswerten Anbietern sind diese oft erschreckend hoch - und stellen so einen Großteil des Preisvorteils wieder ein. Für das gleiche Geld oder nur wenig mehr hätte man auch im lokalen Fachhandel kaufen können.
Man hätte das Einkaufserlebnis gehabt, die Ware sofort bekommen, sie anschauen können...
Außerdem muß man keine Vorabüberweisung an einen unbekannten Vertragspartner leisten. Da sich der Onlinekauf naturgemäß nur bei relativ teuren Sachen rechnet ist das ein wichtiger Punkt. Alternative wäre die Nachnahme, aber das steigert den Versandpreis ja erneut.
Ich war lange ein ziemlicher Verfechter von Onlinekäufen und mag die unkomplizierte Kaufmöglichkeit. Inzwischen komme ich aber immer öfter wieder dahin zurück vor Ort zu kaufen. Es hängt davon ab um welche Produkte und Konditionen es geht, aber die Zeiten des "alles im Internet bestellen" sind für mich vorbei. Man kann auch auf duie Nase fallen und der Preis ist nicht alles - vor allem weil es gar nicht immer stimmt dass im Netz alles preiswerter ist.
Gerade am Apothekenbeispiel zeigt sich ein weiteres: Chronisch Kranke können online natürlich geplante Medikamente kaufen, aber für den Normalfall in jungen Jahren, nämlich dass man hin und wieder akut Medikamente braucht, führt kein Weg am Anbieter vor Ort vorbei. Ebenso im Bezug auf den Notdienst.
Ich halte es inzwischen mit folgendem, sehr guten Grundsatz:
"Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte.
Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Anbieter. Es ist unklug zu viel zu bezahlen, aber es ist dumm zu wenig zu bezahlen. Wer zuviel bezahlt verliert etwas Geld, das ist alles. Wer dagegen zu wenig bezahlt riskiert alles zu verlieren, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Marktwirtschaft verbietet es für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Wer das niedrigste Angebot annimmt muss für das Risiko, das er eingeht, etwas hinzurechnen. Und wer so ehrlich ist und das macht, der hat auch genug Geld um etwas Besseres zu bezahlen."
John Ruskin (1819-1900), Englischer Sozialreformer
Man sieht ja an "Qualitätswaren" aus China oder Nokia in Bochum wohin es führt wenn es nur noch um den billigsten Preis geht... In letzter Konsequenz bedeutet der "Billigwahn" auch Verlust von Arbeitsplätzen und das kann viele irgendwann auch selber betreffen, je nachdem in welcher Branche man seine Brötchen verdient.