Zitat
Original geschrieben von kinslayer
Die Co Pilotin und ihr Kollege haben ihr bestes gegeben und es hat gerreicht.Versteh die Diskussionen und Anschuldigungen nicht. 
Vorneweg: ich stehe emotional voll auf der Seite der Crew, zum einen grundsätzlich, zum anderen weil ich denke dass LH fähige Leute im Cockpit hat und auch weil niemand vollkommen ist, Fehler können jedem passieren. Außerdem sehe ich auf den ersten Blick nicht was seitens der Crew gravierend falsch gelaufen sein könnte. Dazu hatte man viel Glück und bis auf das weggeraspelte Winglet ist nichts weiter passiert.
Weniger emotional, sondern rein sachlich muß man allerdings doch festhalten: es war sehr knapp. Wäre die Böe einen Tick stärker gewesen, das Flugzeug wenige Zentimeter tiefer gewesen, oder die Ausgleichsbewegung Bruchteile später erfolgt wäre es nicht mehr so glimpflich ausgegangen.
Und damit stellen sich dann durchaus Fragen. Einfach hinzunehmen dass es beinahe gekracht hätte kann man wohl kaum schulterzuckend akzeptieren... Fragen, ob Fehler im Verhalten oder der Entscheidungsfindung der Crew vorlagen (z. B. Limits überschritten wurden etc.), ob das Bedien-Design des Airbus Schwächen hat, ob es so bleiben kann dass im HAM möglichst immer über die Rwy 23 angeflogen werden soll, ob ein Flugbetrieb seinerseits frühzeitiger reagieren und Flüge absagen sollte wenn das Wetter unsicher ist, sollten durchaus gestellt werden.
Es geht in der Fliegerei nicht alleine darum jemanden "in die Pfanne zu hauen", sondern im Rahmen einer gesunden Fehlerkultur kann jeder aus dem Vorfall lernen. "Canned decisions", "konservierte Entscheidungen" - man überlegt und diskutiert, beantwortet für sich die Frage "was werde ich tun, wenn ich morgen bei Wind anfliege und mich eine Böe erwischt?", man bildet sich eine Meinung und entwickelt denkbare Handlungsstrategien, die man im Falle eines Falles umsetzen könnte.
Vielleicht muß auch die Programmierung der Airbusse ergänzt werden? Wir werden das hier nicht adäquat ausdiskutieren können weil es zu komplex ist, aber um mal grob die Richtung zu nennen: die Airbus-Vektorsteuerung und die Flight Envelope Protection (Sicherungen gegen überzogene Piloten-Eingaben) "ergänzen" manchmal Sidestick-Bewegungen der Piloten in gewisser Weise, Sidestick-Ausschlag ist dann nicht gleich Ruderausschlag und ab bestimmten Grenzen regelt das System ganz ab.
Dieses unterliegt allerdings auch noch zahlreichen Betriebsmodi (in der Airbus-Terminologie Normal / Alternate / Direct Law, Flight-, Flare- oder Ground-Mode). Es sollte durchaus hinterfragt werden ob/welche Rolle das hier spielte, ob also nach dem Motto "der Mensch denkt, der Airbus lenkt" Einflüsse stattfanden, die in ganz speziellen, seltenen Flugsituationen nicht gewünscht sein können.
Als der A320 neu auf den Markt kam war das ein großes Thema und Airbus hat hier mehrfach deutlich nachbessern müssen. Die Wahrscheinlichkeit, heute immer noch mal eine Situation zu entdecken, in der die Airbus-Steuerung unvollkommen ist, ist zwar extrem klein - aber nicht ausgeschlossen. Es wäre theoretisch durchaus möglich dass hier eine Situation vorlag, die so nie bedacht - und auch nicht programmiert wurde.