Von der Anti-Mindestlohn-Fraktion wird immer angeführt dass Jobs wegfallen würden wenn man Mindestlöhne zahlen würde.
Nur erklärt niemand logisch, warum! Da wird doch unterstellt dass bestimmte, im Moment unterbezahlte, Dienstleistungen wegfallen würden weil sie mit Mindestlohn unrentabel würden. Im Umkehrschluß heißt das: man zahlt im Augenblick für sinnlose Dinge nur weil sie billig sind?
Wenn es tatsächlich so wäre dass eine Putzfrau, die einen Mindestlohn bekommt, nur noch alle 2 Tage anstatt bisher täglich putzen kommt, dann bedeutet es dass eine Reinigung alle 2 Tage ausreichend ist. Demnach würden ihr Chef und dessen Auftraggeber sie im Moment täglich einsetzten - und bezahlen! - obwohl das gar nicht nötig ist?
Schwachsinn! Mindestlohn oder nicht Mindestlohn, wenn erkannt wird dass eine Reinigung alle 2 Tage reicht wird man das sofort umsetzen, denn so spart man auch vom kleinen Gehalt noch die Hälfte ein!
Geht man wirklich seltener zum Friseur und rennt demnächst wochenlang mit Zottelhaaren herum weil die Preise beim Friseur so gestaltet werden dass sie die Kosten decken? Sicher nicht!
Und schmidt, genau diese Prozentrechnungen, obwohl wohlbekannt und wahrscheinlich richtig, nutzen faktisch gar nichts weil sie am Problem vorbei gehen. Mir war aber, als ich die Zahlen vor ein paar Tagen erstmals las, sofort klar dass irgendwer sie partout als Nebelkerze nutzen würde. Glückwunsch, es war kein FDP-"Wir sind die Partei der Besserverdienenden"-Politiker in einer Talkshow, sondern du hast den Punkt gemacht.
Es ist völlig wurscht ob die Steuerlast X oder Y Prozent des Einkommens ausmacht oder welche Bevölkerungsschicht welchen Anteil am gesamten Steueraufkommen hat. Den individuellen Bürger interessiert was er netto in der Tasche hat und welche Kaufkraft er davon hat, nicht welchen statistischen Anteil seine Abgaben ausmachen.
In der täglichen Realität hat der eine ein Problem wenn das Geld kaum zum Leben reicht, der andere lebt in Saus und Braus, völlig egal wieviel Steuern diejenigen in den Topf einbringen. Wenn ich jeden Monat ein paar tausend Euro zum Verprassen habe ist mir völlig egal ob ich 1, 25 oder 99% Steuerabgaben zahle, wirklich wichtig ist was ich in der Tasche habe und wie ich davon leben kann.
Ansonsten ist es okay wenn Leute, die viel arbeiten, eine anspruchsvolle Ausbildung, einen anstrengenden Job oder hohe Verantwortung haben, entsprechend honoriert werden. Es muß aber in nachvollziehbarem Rahmen bleiben. Auch der Tag eines Managers hat nur 24 Stunden, er hat auch nur 2 Hände, einen Kopf zu denken und einen Mund zum reden. Er KANN nicht so viel mehr leisten wie normale Angestellte dass er so horrend mehr Geld verdient.
Die Leute sollen ruhig gutes Geld bekommen, aber es muß in vertretbaren Relationen bleiben - und das ist immer weniger der Fall.
Abgesehen davon verselbstständigen sich große Vermögen weil allein die Zinsgewinne so wachsen - und exponentiell weiter steigen! - dass viele Vermögen keineswegs mit harter Arbeit verdient wurden, sondern sich ab einer gewissen Schwelle aus sich selber heraus schneeballartig weiter vergrößern. Da tut der Besitzer keinen Handschlag dafür.
Wie man in purem Luxus leben, dem Geld beim selbstständigen Wachstum zusehen und dennoch mit krimineller Energie Summen beiseite schaffen kann ist mir einfach schleierhaft. Was geht in Zumwinkel und Konsorten vor, die es nun wirklich nicht nötig haben zu bescheißen?
Wie kann man sich denn vom Staat, vom Steuerrecht, benachteiligt fühlen wenn man trotz hoher Abgaben immer noch zu den finanziell bestgestellten Menschen des Landes, man kann auch schreiben "der Welt", gehört? Dazu muß man doch eine Denke entwickelt haben, die ein Psychiater als "Fixation in den Denkinhalten" bezeichnet.
Die CDU hat nicht etwa dazu beigetragen dieses gesellschaftliche Problem zu lösen - nein, sie waren sogar so dreist mitzumachen! Ich sage nur "Parteispendenaffaire"! Ansonsten verdienen Abgeordnete schon als solche ganz gut, aber so richtig abgesahnt wird durch die Posten in Aufsichtsräten etc. Man fragt sich natürlich wo diese Leute ihre Zeit stehlen... Und zugleich wie glaubwürdig und neutral ein Politiker ist, der auf der Gehaltsliste eines Unternehmens steht, gegen dessen Interessen er im schlimmsten Fall Gesetze machen müßte...
Die Bürger sind aber keineswegs so blöd das alles nicht zu verstehen oder sich wie dummes Stimmvieh zu gebärden. Die Leute kapieren mehr als manche Hohlköpfe glauben, wie ein gewisser Roland Koch gut zu berichten wüßte.