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Original geschrieben von ChickenHawk
Fakt ist doch nun einmal: Steuerhinterziehung ist in D keine Seltenheit und zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Überspitzt ausgedrückt vom Priester bis hin zum Bandarbeiter. Ich will ja auch gar nicht ausschließen, dass es auch ein paar Fälle gibt in denen es tatsächlich ums wirtschaftliche Überleben geht.
Nur: Die Zahl der Betroffenen ist hier doch verschwindend gering, im einstelligen Prozent wenn nicht sogar Promillebereich. (Und da ist dann ja auch wieder die Frage, ob die wirtschaftlichen Probleme nicht hausgemacht sind, aber das sei mal dahingestellt.)
Nein, Fakt ist dass Otto Normalverbraucher durch fehlendes Wissen, was abzugsfähig gewesen wäre, enorm Geld in die Staatskasse spülen und zuviel an den Fiskus bezahlen!
Was angeblich geschummelte Kilometerangaben angeht: das Finanzamt kann die Entfernungen überprüfen und tut das auch.
Mal ganz abgesehen davon dass der einfache Arbeitnehmer mit seinem bescheidenen "Vermögen" gar nicht die gleichen Möglichkeiten hat irgendwelche Transaktionen mit schweizerischen, liechtensteiner oder luxembourger Banken durchzuführen oder seinen Wohnsitz in bestimmte Steuerparadiese zu verlegen.
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Original geschrieben von ChickenHawk
Genaue Werte habe ich da jetzt nicht, aber um mal eine grobe Zahl zu nehmen, selbst wenn man großzügig ist kann man also davon ausgehen, dass über 90% der Steuerhinterziehungen von Leuten begangen werden, die es genau wie Zumwinkel eben nicht "nötig" haben. Da geht es nicht um die nackte Existenz, sondern einfach darum, dass man sich von der Steuer ungerecht behandelt fühlt und deswegen zu seinem eigenen Vorteil rumtrickst.
Wie definierst du denn die "Notwendigkeit"? Wenn man sich die realen Vermögensverhältnisse der Bevölkerung anschaut dann besagen ein eigenes Haus oder ein neuwertiges Auto noch lange nicht dass derjenige "wohlhabend" ist und "es nicht nötig" hat. Schau dir nur mal an wie verschuldet die Bürger sind - dann wird schnell klar dass allein der Besitz irgendwelcher Dinge gar nichts bedeutet weil das meiste schlicht der Bank gehört, aber keineswegs gleichgesetzt werden kann mit eigenen Vermögen. Es gibt viele Menschen, die nach außen hin gehobene Verhältnisse signalisieren, in der Realität aber ab Monatsmitte aufpassen müssen dass der Dispo nicht ans Limit rutscht.
Natürlich ist Steuerhinterziehung immer strafbar, nur kann ich es um so weniger verstehen wenn jemand soviel (wirklich vorhandenen) Reichtum besitzt, dass er das Vermögen selbst bei luxuriösester Lebensweise realistisch nicht verprassen kann - und dann aber immer noch meint jeden illegalen Winkelzug mitnehmen zu müssen um das eh schon unglaublich große Kapital weiter vermehren zu müssen.
Das spielt moralisch durchaus in einer völlig anderen Liga als wenn ein Durchschnittsbürger trickst um das jeden Monat durchrauschende Gehalt besser zusammenzuhalten.
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Original geschrieben von ChickenHawk
Ob jemand nun 50.000, 100.000 oder wie Zumwinkel weit mehr verdient spielt dabei keine Rolle, wie schon geschrieben die Motivation ist die gleiche. Auch Hr. Zumwinkel wird (sofern sich die Vorwürfe bestätigen) sich persönlich ungerecht behandelt gefühlt und deswegen nach "Auswegen" gesucht haben. Die Summen die da im Raum stehen sind für einen Außenstehenden oder den Normalverdiener da zwar andere, aber nur weil man selbst evtl. das Außmaß derartiger Beträge aufgrund mangelder eigener Erfahrung nun nicht fassen kann, macht das die Sache dann wirklich verwerflicher?
Wenn der 100.000 € Verdiener 10.000 € vor der Steuer versteckt sind das 10%, wenn Zumwinkel von 10 Mio. € 1 Mio. der Steuer vorenthält sind das auch "nur" 10%. Warum sind 10% einmal ein Kavaliersdelikt und einmal ein "Kapitalverbrechen"?
Weil die Moral dahinter absolut unterschiedlich ist! Wer in eher kleinen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt versucht sein sauer verdientes Geld zusammen zu halten und ein auskömmliches Leben zu führen. Dass man dafür nicht das Finanzamt bescheissen darf, steht außer Frage, ich will nicht die moralischen Wertigkeiten verdrehen.
Wer aber soviel hat, dass er gar nicht mehr sein eigenes, sauer verdientes Geld schützen will, sondern wie ein Geier die von alleine entstandenen Zinsgewinne raffgierig versteckt, wer schon im Luxus prassen kann und immer noch nicht genug bekommt - das zeigt wes Geistes Kind der Betreffende ist.
Die 10% sind je nach persönlichen Lebensverhältnissen nämlich nicht immer der gleiche Fehlbetrag, sondern die Auswirkungen dieser 10% sind für verschiedene Einkommensgruppen sehr unterschiedlich.
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Original geschrieben von ChickenHawk
Es ist ja auch gar nichts dagegen zu sagen, dass die Volksseele sich da nun ein wenig echauffiert, manchmal tut es ja auch gut wenn man jemanden hat auf den man mit dem Finger zeigen und "Ätsch" sagen kann. Herrn Zumwinkel kann man da auch nur ein fröhliches "SSA" zurufen, er hat es scheinbar versucht und ist auf die Nase gefallen, Mitleid hat er deswegen sicher nicht verdient, aber eben einfach immer nur mit einem Schuss Polemik drauf zu hauen ist dann doch zu einfach. Und wenn ich hier schon wieder Aussagen ala "XY% aller Personen mit einem Einkommen über XY € sind eh alles Verbrecher" lese, dann finde ich ist das nur bedingt TT würdig und würde besser in ein Forum einer bestimmten Tageszeitung passen.
Ich finde eher dass du es dir hier zu einfach machst. So simpel, dass hier einfach nur aus Neid Stimmung gemacht wird, ist es nämlich mitnichten.
Wir unterhalten uns hier über das Gebahren gesellschaftlicher Eliten, die Vieles in diesem Land bestimmen und weit mehr als ein einfacher Arbeiter oder Angestellter Einfluß haben. Zu erwarten dass dieses Klientel entsprechend moralische Kathegorien und Prinzipien kennt finde ich nicht verwerflich. Ganz im Gegenteil!
Wenn ich mir die Erfolge der Linken bei den letzten Landtagswahlen anschaue, dann verstehe ich ihren Einzug in westdeutsche Landesparlamente so dass in der Bevölkerung der Unmut über "die da oben" so sehr gewachsen ist dass es zu politischen Verwerfungen führt. Wie man am Beispiel Koch gesehen hat sind die Wähler keineswegs nur dummes Stimmvieh, sondern reagieren durchaus sehr sensibel auf Entwicklungen und Aussagen. So wie Koch für seine tumbe Wahlkampfstrategie abgestraft wurde, wurde zugleich die Linke gestärkt. Weniger weil alle menschen deren Programm toll finden, sondern viel mehr weil die Bevölkerung es leid ist wenn sich Turbokapitalismus à la Nokia, Zumwinkel, Managergehälter (ich werfe das einfach mal alles in einen Topf) völlig ungehemmt verbreitet, während beim Fußvolk die Realeinkommen sinken und die angeblich so niedrigen Arbeitslosenzahlen nur Makulatur durch Zeitarbeit und Geringverdiener-Jobs sind.
Hier einfach nur Bild-Zeitungs-Stimmungsmache zu sehen ist wesentlich zu kurz gegriffen!
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Original geschrieben von ChickenHawk
Unterm Strich bleibt aber auch der Postchef eben einfach nur ein Mensch und diese machen bekanntlich Fehler. Und meiner Erfahrung nach ist ein nicht wirklich sinnig die Höhe der moralischen Ansprüche an das Verhalten einer Person von der Höhe des Einkommens abhängig zu machen. Sollte zwar in der Theorie vielleicht so funktionieren, hat aber mit der Praxis nicht viel zu tun.
So einfach sehe ich das aber nicht. Wer an der Spitze eines Weltkonzerns steht, über tausende Mitarbeiter bestimmt, Millionen an eigenem und Geschäftsvermögen verwaltet und zahlreiche Berater an der Seite hat, muß mit einer anderen Verantwortung, Kompetenz und Haltung an die Sache herangehen als Bratwursthorst vom Hauptbahnhof.