Zitat
wieso soll ein 1 Euro Job nicht normal sein?
Weil es eine Unverschämtheit ist wenn jemand 1 Stunde arbeitet um dafür einen lächerlichen Euro zu bekommen!
Die Grundsicherung wurde vor einigen Jahren, wenn ich es richtig weiß 2003, auf 345 EUR im Monat festgesetzt. Seitdem ist schon mal grundsätzlich die Inflation weitergegangen, und neben dieser planbaren (in der Grundsicherung dennoch nicht berücksichtigten) Kostenerhöhung wurde die MwSt. um 3% erhöht (nicht für Nahrung, aber auch ein "Sozialhilfeempfänger" braucht Kleidung etc., es schlägt also natürlich bei ihm durch!) und es gab exorbitante Preissteigerungen z. B. bei Milchprodukten.
Das gleiche bei Energiekosten und dadurch beispielsweise auch Fahrkarten. Wer ab und zu mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin fahren muß - und das muß jeder, es ist einfach realitätsfern dass man niemals sein Stadtviertel verlassen muß - zahlt also inzwischen mehr weil er die 5, 6, 7 Fahrpreiserhöhung erlebt hat. Wobei es auch absolut widersinnig ist wenn in den 345 EUR Transferleistung 2,98 EUR Fahrgeld bedacht sind, die durch 0,1192 Cent an 25 Tagen (ist nur ein Beispiel), an denen man in die Stadt fahren darf, zustande kommen. Das ist doch absoluter Schwachsinn!
Dieser bescheuerte Warenkorb des statistischen Bundesamtes kommt zu irgendwelchen Phantasiewerten weil z. B. Unterhaltungselektronik oder Urlaubsreisen (Billigflieger...) preiswerter wurden - aber nützt das einem Bezieher der Grundsicherung? Nein, absolut gar nichts!
Wie soll das denn 2008 bitte funktionieren wenn man 2003, vor 5 Jahren, mit einem Mindestsatz von 345 EUR amtlich festgesetzt gerade so klarkommen konnte? Dann kann es 5 Jahre weiter unmöglich beim gleichen Betrag geblieben sein!
Damit es überhaupt rechnerisch aufgeht hätte man jährlich einen Inflationsausgleich draufschlagen müssen und es hätte auch bei der Umsatzsteuererhöhung zu einer Bezugserhöhung um 3% kommen müssen, und zwar auf die Anteile der Grundsicherung, die nicht für Lebensmittel gedacht sind. Selbst das erklärt aber immer noch nicht wie man mit knappen 12 Cent an 25 Tagen irgendwo hin kommt oder wie man mit monatlich 3,42 EUR für "kulturelle Teilhabe" nur IRGENDEIN Museum, ein Kino, einen Zoo, oder was auch immer besuchen können soll.
Abgesehen von dieser Theorie, die ja schon zum Schreien ist, kann sich jeder halbwegs intelligente Mensch auch sonst denken dass es mit 345 EUR schlicht nicht mehr möglich ist zu leben. Manches Geschwafel hier regt mich wirklich auf, denn es kommt garantiert von Leuten, die tatsächlich nie unter diesen Bedingungen leben mußten und dennoch von der gedeckten Tafel aus den Armen erzählen was zu leben reicht. Das finde ich echt mies.
Es geht überhaupt nicht darum dass es mancher nicht schlimm findet Flaschen zu sammeln, es als Beschäftigung oder Zubrot sieht, oder wenn sich ein Pfennigfuchser daran aufgeilt ein paar Cent Flaschenpfand ergattert zu haben.
Wir reden hier mehr über die Gesellschaft und ein System, bei dem Leute gezwungen sind für 1 EUR Stundenlohn zu arbeiten, obwohl jeder weiß dass das niemals reicht um von diesem Verdienst zu leben. Durch eine korrekte Bezahlung wird auch eine Wertschätzung ausgedrückt, Arbeit ist mehr als eine Beschäftigung, sondern sie soll auch dazu dienen Menschen einen Sinn zu geben und ihnen zu vermitteln dass sie etwas leisten können. Wer dann 1 EUR dafür bekommt, bekommt vermittelt dass er und das, was er tut, nicht mehr wert sei.
Das ist ein Armutszeugnis für eins der nach wie vor reichsten Länder der Erde!
Auch die Argumentation "der 1 EUR ist Zubrot, derjenige bekommt ja immerhin schon 345 EUR und eine Wohnung, also rechnerisch auch mehr Gehalt", zieht bei mir nicht. Das ist eine Überlebenssicherung, die jedem Menschen in unserer humanistischen Gesellschaft zusteht ohne dass das als Bezahlung gesehen werden kann.
Selbstverständlich gibt es Mißbrauch, der muß konseqent ausgerottet werden, und da gibt es viele Ansatzpunkte. Das müssen wir nicht ernsthaft diskutieren weil ich das selbstverständlich finde. Es kann dann aber auch kein Argument gegen alle Transferleistungsbezieher sein, denn das Maß der Dinge müssen natürlich die tatsächlich Berechtigten sein und nicht die Betrüger.
An anderer Stelle werden doch auch nicht rechtschaffene Menschen für Fehler bestraft, die schwarze Schafe machen... so kann man doch nicht rangehen.
Es ist ja nichts gegen Flaschensammler zu sagen, wer das tun WILL sollte es ruhig tun. Ich bezweifele aber dass die Mehrzahl der Leute aus lauter Freude am Flaschenpfand mit ungeschützten Händen im Müll anderer wühlen würde wenn es keine Notwendigkeit gäbe auch mit so einem Drecksjob Geld machen zu müssen.
Und zum Alkohol bei Nichtsesshaften: Alkoholismus ist eine Krankheit. Mir sind diese Menschen auch unangenehm, aber ich verurteile sie nicht, denn sie sind krank. Bevor man abfällig über die redet sollte man sich das mal durch den Kopf gehen lassen.