Ich finde dass es ganz so einfach nicht ist.
Zum einen deswegen nicht weil die rechtlichen Grundlagen schlicht unterschiedlich sind - einen Deutschen kann man nicht abschieben, obwohl es bei manchen sehr angenehm wäre wenn das ginge. Da die Regelungen, um an eine deutsche Staatsbürgerschaft zu kommen, aber relativ hoch angesiedelt sind bedeutet es für den ein oder anderen durchaus dass ihm bei Straffälligkeit eine Abschiebung droht. Ich las dass das z. B. auf einen der Münchner Täter zutrifft. Auf Mehmet, vor ein paar Jahren ebenfalls in München, traf es z. B. auch zu.
Rein praktisch läuft jemand, der abgeschoben/ausgewiesen werden kann, Gefahr dass es passiert. Ob derjenige hier geboren wurde oder nicht, was die Eltern tun oder lassen oder welchen Bezug zu seinem offiziellen Herkunftsland jemand hat - das kann man akademisch disskutieren, es ändert aber nichts daran dass die Rechtslage ist wie sie ist und Straftätern mit ausländischen Paß die Ausweisung droht. Darüber müssen sich diejenigen, die es treffen könnte, eben im Klaren sein.
Und insofern macht es natürlich schon einen Unterschied, denn die möglichen Folgen sind eben nicht dieselben. Wenn ich keinen deutschen Paß habe droht eine Abschiebung, den dummen Glatzen aus Brandenburg und Sachsen nicht. So ist es nun mal.
Ansonsten ist es ja nicht so dass die Mehrheit der Eltern den ganzen Tag über arbeiten geht und die Kinder deswegen vernachlässigt. Oft ist es eher so dass die Leute in der 3. Generation Transferleistungen beziehen und nicht arbeiten. Manche Migrantenfamilien bewegen sich dazu in von der restlichen Gesellschaft abgeschotteten Parallelgesellschaften, da findet erst gar kein Versuch einer Integration statt, es gibt oft nicht mal rudimentäre Sprachkenntnisse.
Und an dieser Stelle finde ich: das ist nicht primär ein Versagen unserer Gesellschaft - oder wenn dann nur insofern als wir nicht konsequent genug Integration an die hiesigen Lebensumstände gefordert haben (beispielsweise Sprachkenntnisse oder meinetwegen auch dass zur Schulpflicht Teilnahme am Sportunterricht gehört, auch für Mädchen) - sondern hier muß es eine Bemühen derjenigen geben, die hier leben wollen.
Auch wenn das Argument immer wieder genannt wird, es ist ja nicht falsch: es ist überall auf der Welt gar keine Frage dass der Fremde wie ein Gast behandelt wird, man zugleich aber erwartet dass er sich an die ortsüblichen Gepflogenheiten anpaßt. Letztlich bewährt sich das ja auch, und hier würde es auch besser funktionieren weil uns die vorhandenen Parallelgesellschaften offensichtlich nicht wirklich genutzt haben.
Der Grad zwischen erwünschtem Multikulti und Abschottung gegenüber erwünschter Anpassung ans Gastland ist eben schmal...
Bzgl. der schlimmen Kindheit: das ist das übliche Totschlagsargument, was IMMER kommt und wer in bestimmten Stadtteilen oder sozialen Verhältnissen aufwächst ist regelmäßig nicht auf Rosen gebettet gewesen. Das darf aber nicht dazu führen dass grundsätzlich jeder Straftäter von vorneherein eine Art Freifahrtschein bekommt, denn "schlimme Kindheit" oder irgendwelche Ursachen, die zu der Tat führten, das trifft dann auf wirklich JEDEN Straftäter zu und dann braucht man irgendwann keinen mehr für sein Handeln in die Pflicht zu nehmen.
Bei dem einen sind es dann die prekären Lebensverhältnisse, beim anderen das Scheitern an den Anforderungen des erfolgreichen Firmengründer-Vaters, beim Dritten die strenge Erziehung, beim Vierten die zu lasche Erziehung. Jeder ist ein Produkt seiner Lebensumstände, und dennoch trägt jeder Verantwortung für das, was er tut und läßt.
Wenn, wie hier, Anlauf genommen wird um jemandem gegen den Kopf zu treten akzeptiere ich das Argument der schlimmen Kindheit auch nicht mehr. Wir reden hier ja nicht allein über Rauchen mit 11, Alk mit 13 oder andere relative Lappalien (im Sinne von: Verstoß gegen Gesetze) sondern hier geht es um eine Tat, wo jemand beinahe totgetreten worden ist.
Wer jemandem mit voller Wucht und Anlauf gegen den Kopf tritt weiß dass das Opfer extrem schwere und wahrscheinlich lebenslange Verletzungen haben wird und weiß auch dass das sogar noch der "glimpflichere" Fall ist, weil so eine Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich sein kann.
Angesichts dieser Größenordnung akzeptiere ich Verweise auf die schlimme Kindheit nicht, weil auch wer aus sozialen Brennpunkten kommt hat grundsätzlich gewisse Regeln kennengelernt und weiß einzuschätzen was er tut.