ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Aus populärer Sicht ist eine Erhöhung der Abgeordnetendiäten nie psychologisch günstig. Wann denn, wenn nicht jetzt, wo wir eine halbwegs gute Konjunktur, keine Nettoneuverschuldung haben, sollte eine Erhöhung der Diäten stattfinden?
Der Aufschwung kommt aber auf breiter Ebene nicht bei den Menschen an. Einzelfälle zählen nicht.
Steigende Diäten würden sicher akzeptiert wenn die allgemeine Stimmung positiv wäre weil die Menschen spüren dass sie mehr im Säckel haben, dann würden sie es auch den Abgeordneten gönnen. De facto haben die Leute aber nicht mehr Geld, sondern bei stagnierenden Löhnen faktisch weniger zur Verfügung weil die Preissteigerungen umso mehr wegfressen. Dazu kommt die immer mehr bröckelnde Versorgungssicherheit. Selbst jemand mit gutem Einkommen rauscht heute in Windeseile nach ganz unten wenn der Job gekündigt wird, andere erlangen gar nie eine gewisse Sicherheit weil sie als befristet Beschäftigte oder schlecht bezahlte Zeitarbeiter ackern, aber nie wirklich Früchte dafür ernten können.
Wenn es wirklich gut liefe würde die Masse der Leute auch den Abgeordneten eine Diätenerhöhung gönnen, aber es läuft für den Otto Normalverbraucher nicht wirklich gut und viele Arbeitnehmer haben noch viel länger Nullrunden gefahren als die Abgeordneten. Wenn es überhaupt mal eine Lohnerhöhung gab, dann war sie sehr wahrscheinlich auch weit unter 10%.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Natürlich ist die Prozedur, dass Abgeordnete selbst über die Höhe ihrer Diäten und Erhöhungen entscheiden nicht unbedingt glücklich, aber vielleicht würde eine unabhängige Kommission ja zu ganz anderen Ergebnissen kommen und 15 oder 20% Erhöhung vorschlagen.
Dieses Problem ist aber so alt wie die Bundesrepublik und dafür gibt es keine Patentlösung. Es ist aber auch nicht der eigentliche Knackpunkt bei der Sache.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Natürlich kann man jetzt auch wieder argumentieren, jemandem mit 8000 Euro im Monat tut der Preisanstieg weniger weh. Richtig.
Das ist aber der entscheidende Punkt. Die Zahlen selber sind zweitrangig, es geht hier hauptsächlich um die gefühlte Wahrnehmung. Und die ist eben so wie du schreibst.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Aber wer und in welchem Beruf auch immer zu einem Gehalt von 8000 Euro gekommen ist, hat dies in der Regel von plakativen Gegenbeispielen einmal abgesehen, doch durch Leistung erreicht
Wenn alle so bezahlt würden wie sie es verdienen müßten die Gehaltsstrukturen völlig umgekrempelt werden! Dann würde jemand wie Holli, der einen schweren Pflegeberuf hat, mindestens das 10fache verdienen.
Dass jemand für gute Leistungen gutes Geld bekommt - das ist der größte Witz dieses Threads!
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Leider ist es so, dass es bei einer gewissen gesellschaftlichen Schicht keinerlei Antrieb vorhanden ist, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und die persönliche Situation zu verbessern. Pure Lebensunfähigkeit. Bildungsferne, Junk TV-konsumierende Zombies, die es noch schaffen, die wichtigsten Botschaften der Seite 1 einer BILD-Zeitung zur Hälfte zu verstehen, aber höchstwahrscheinlich nicht mal einen Absatz eines Artikels in der FAZ kognitiv erfassen könnten.
Es gibt aber nun mal in jeder Gesellschaft eine Bandbreite und du kannst nicht erwarten dass jeder zur geistigen Elite zählt. Das hat sich nicht geändert und war immer so und wird auch immer so bleiben.
Die Aufgabe einer jeden Gesellschaft ist es aber zu schaffen dass auch diejenigen, die eben nicht durch außergewöhnliche Intelligenz oder Strebsamkeit glänzen, einen fairen Platz haben. Es erwartet ja niemand dass jeder Unterbelichtete hochschulfähig gemacht werden soll, aber es muß machbar sein dass jeder in dieser Gesellschaft leben kann und sich keine Subkultur bildet weil Menschen scharenweise den Anforderungen nicht mehr standhalten können.
Du kannst über die "White trash"-people denken wie du willst, niemand zwingt dich auf deren Niveau zu gehen oder mit ihnen Bier zu trinken. Aber es geht auch nicht dass man Teile der Bevölkerung, die es immer gab und immer geben wird, als Taugenichtse, böse Schmarotzer und Unwillige herabwürdigt und sie davon abschneidet Teil der Welt, in der sie nun mal leben, sein zu können.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Aber wer spätestens in der Pubertät und als Erwachsener nicht doch langsam mal aufwacht und merkt, er muss was tun, er muss sich anstrengen und etwas leisten und dass das Leben was anderes sein kann, als um 12 aufzustehen, das erste Bier und die erste Zigarette des Tages zu konsumieren, für den kann ich einfach kein Verständnis aufbringen.
Das ist schade weil du dann einfach einen Teil der Realitäten nicht verstehen wirst. Nochmal: aus deiner elitären Sicht ist Zielstrebigkeit wünschenswert und das Maß der Dinge. Andere sind aber nicht so erzogen und geprägt, die denken in anderen Kathegorien und sind - ganz ohne bösen Willen - nicht darauf konditioniert nach Geld und Wissen streben zu wollen. Du mußt das nicht gut finden, aber du solltest das auch nicht so ratzfatz abtun.
Geld, Einfluß, Strebsamkeit, beruflicher Erfolg sind nicht alles, man könnte deine Werte auch hinterfragen und reichlich kritisieren.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Ich habe dieses Jahr auf jeden Fall meine Leistung gebracht und im November dafür auch mehr als ein Monatsgehalt zusätzlich bekommen und ich könnte ehrlich gesagt KOTZEN, wenn ich sehe, dass ich die Hälfte an den Staat abtreten muss. Ich würde die Hälfte lieber spenden oder einem Altenpfleger, einer Krankenschwester oder einer Frisörin, die für 3 Euro die Stunde arbeitet,in die Hand drücken anstatt zuzusehen, wie eine in alte Schemata zurückgefallene SPD vorgezogene Wahlgeschenke und Sozialalmosen verteilt.
Blöderweise haben viele genauso geackert wie du - sei es tatsächlich oder im Rahmen ihrer Möglichkeiten - und die kriegen aber trotzdem nicht mehr, sondern darben dennoch in prekären Verhältnissen. Eine 3 EUR verdienende Frisöse kann ihren Kunden die Haare genauso wenig versauen wie ein 1000 EUR verdienender Udo Waltz, der arbeitet im gleichen Job und leistet nicht mehr wie seine Kollegin.
Nichts gegen den Herrn Waltz und seine 1000 EUR, die ihm gegönnt seien. Aber wie kann es denn sein dass jemand anderes für die gleiche Leistung nur 3 EUR bekommt und am Monatsende ein Gehalt hat, das nicht zum Leben reicht?
Ich finde es skandalös wenn Menschen, die jeden Tag schuften, dennoch aufstocken müssen weil ihr Gehalt das Existenzminimum nicht sichert. Das sind gesellschaftliche Fehlentwicklungen, die es nicht geben darf weil sonst das ganze System kippt. Dass man über einen Mindestlohn überhaupt reden muß, dass es nicht absolut selbstverständlich ist dass niemand weniger als ein gewisses Minimum verdient, ist schon absurd.
ZitatOriginal geschrieben von D-Love
Wenn es schon soweit ist, dass man als Erwerbstätiger mit Durchschnittseinkommen oder minimal darüber und Abneigung gegen die Grünen sowie gegen zu viel Konservatismus und Staatsterrorismus ausgerechnet die FDP als einzige Partei ausmachen kann, die die Interessen der Erwerbstätigen, die ihr Leben gerne selbstbestimmt und eigenverantwortlich in einer sozialen Marktwirtschaft leben möchten, vertritt, dann sieht man sehr gut, wie weit abgedriftet
... diese Gesellschaft inzwischen ist!!! Es geht gar nicht um die SPD, sondern das System als Ganzes!
Du sagst es ganz richtig, nämlich dass wir uns hier immer mehr einem erschreckenden Bereich nähern, wo die Mitte wegbricht und man nur nach ganz oben oder ganz unten tendieren kann, aber das Mittelfeld immer weniger repräsentiert wird, obwohl es die größte Gruppe darstellen müßte.