Beiträge von Printus

    Glaube ich eher nicht... Die ehemalige "Mittelschicht", die für's Haus und das Auto schuftet, gerät zunehmend unter Druck, beispielsweise durch die Diskussion um die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.
    Wer den Job verliert rauscht nach 1 Jahr aus gutbürgerlichen Verhältnissen ab auf die unterste gesellschaftliche Ebene, und wer schon etwas älter ist, dem schwimmt in Windeseile alles weg, was er sich in langen Jahren aufgebaut und für das Alter vorgesorgt hat.


    Zugleich wachsen aber die guten Gehälter immer maßloser. Das klingt zwar platt und irgendwer wird es auch sofort wieder als Stammtischgerede abtun, nur ist es durchaus richtig und Stammtisch hin oder her, dort prägt sich eben das Meinungsbild der Menschen.
    CDU und SPD planen beispielsweise eine Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete, in 2 Stufen soll es bis 2009 "mal eben so" 10% mehr Geld geben. Hallo??? Welcher Arbeitnehmer bekommt denn 10% Lohnerhöhung? Mir fällt kein entsprechender Tarifabschluß ein - und beim Otto Normalverbraucher wären 10% auch in absoluten Zahlen viel weniger weil kaum jemand ein Einkommen von rund 7000 EUR vorweisen kann (zu denen ungefähr weitere 3000 EUR für Auslagen kommen). Dafür fällt mir ein dass die geschrumpften Arbeitslosenzahlen stark dadurch erreicht wurden dass viele Menschen bei Zeitarbeitsfirmen unterkamen und zu sehr geringen Löhnen arbeiten. Die Realeinkommen der Menschen sinken und der Aufschwung kommt bei ihnen nicht an - bei den Abgeordneten aber offenbar wohl.
    Diese Diätenerhöhung soll übrigens bis zum Jahresende schnell durchgewinkt werden. Bei den Themen Mindestlohn, Hartz IV-Bezüge usw. geht es nicht weiter, aber bei den Diäten ist man sich schnell einig.
    Plakativthema hin oder her - die Leute regen sich über sowas auf und fühlen sich immer stärker nicht mehr von der Politik vertreten.


    Die Spanne zwischen arm und reich wird größer und der Bereich dazwischen bröckelt immer mehr weg oder merkt zumindest dass alles auf wackligen Beinen steht.
    Wenn aber gerade diese Mittelschicht, die eigentlich die größte Gruppe sein sollte und auf deren Schultern das Gemeinwesen hauptsächlich liegt inzwischen so richtig kämpfen muß seinen durchschnittlichen Gesellschaftsstatus zu halten - dann stimmt doch irgendwas nicht.


    Mal ganz abgesehen davon dass ich den Zusammenhang zwischen guten Lebensbedingungen und Kampf nicht so sehe. Rundum schafft ganz Europa es auf vergleichbar gutem Niveau zu leben, aber die Leute sind dennoch viel entspannter.


    Andere Beispiele hatte ich ja schon genannt, wo wir hier keineswegs so gut vorne dabei sind wie man erstmal denkt... Deswegen werden viele Leute hier eher ihre Heimat sehen und diese nicht "einfach so" aufgeben wollen. Aber das menschliche Klima wird wohl kaum jemand vermissen weil das alles andere als gut ist. In der Hinsicht wollen sicher viele weg.


    Es gab noch nie so viele Auswanderer wie im letzten Jahr, wie ich letztens in einer Statistik las. Es wundert mich nicht...

    Dein "Fehler" ist dass du mit Negativbeispielen vergleichst - aber das Maß sind immer die Positivbeispiele. Mir fallen durchaus zahlreiche Gegenden ein, in denen der materielle Lebensstandard nicht schlechter ist als hier, die Lebensqualität aber höher.


    Klar verhungert man hier nicht in dem Sinne dass man nichts mehr zu essen hat. Aber emotionale Kälte und das Reduzieren auf den reinen Marktwert eines Menschen, das ist emotionale Armut.


    Und auch was den Bereich des Wissens angeht: Deutschland war mal in der ersten Liga was Wissenschaft, Erfindungsgeist, Qualität, Kunst und Literatur angeht. Wo stehen wir inzwischen? Schau dir mal die PISA-Studie an und schau dir an, wo Wissenschaft und Forschung jetzt sind.
    In dieser Hinsicht sind wir keineswegs mehr Spitze, sondern im besten Fall Mittelfeld, eher darunter.


    Ansonsten hinken Vergleiche in der Lebensqualität auch insofern als man schnell Äpfel mit Birnen vergleicht. Ein armes Land, das es dennoch schafft, halbwegs zufriedene Menschen zu haben, macht seine Sache irgendwie richtig. Wenn eine - eigentlich sehr weit vorne befindliche - Industrienation wie wir nicht in der Lage ist den Menschen erfreuliche Lebensbedingungen zu bieten, läuft etwas falsch.


    In einem der reichsten Länder der Welt haben immer weniger Menschen einen ordentlichen Verdienst, Arbeitsplätze entstehen hauptsächlich im Billiglohn-Sektor und bei Minijobs. Man diskutiert allen Ernstes darüber ob jemand für seine Arbeit ein angemessenes Gehalt bekommen soll (fast alle anderen EU-Staaten haben ganz selbstverständlich einen Mindestlohn um sicherzustellen dass sowas nicht passiert!). Ist diese gesellschaftliche Armut noch zu toppen?


    Krankenkassen habe ich schon angesprochen - wir rühmen uns einer tollen Versicherung und dennoch gibt es eine 2-Klassen-Medizin (privat/gesetzlich Versicherte) und die Leute zahlen doch immer wieder stark zu...


    So richtig glücklich sind die Leute nicht, jeder ist gehetzt und gestreßt. Wie ich gesagt habe - sieh dir die Leute auf der Straße einfach mal an... da kenne ich aber ganz viele Länder, wo die Menschen wesentlich entspannter und irgendwie glücklicher sind als hier...

    Letztlich kannste das auch nur beim norwegischen Zoll klären weil hier kennt sich nur jeder mit dem Im- und Export nach Deutschland/und der EU aus.


    Es gibt Präferenzabkommen mit Norwegen, aber wie gesagt, wie die "von der anderen Seite" ausgelegt werden dürften hier nur wenige wissen.


    Wenn es um einen TFT-Monitor geht liegt der zumindest unter der Freigrenze, bei der eine Exportanmeldung stattfinden muß.

    Zitat

    Original geschrieben von jabrokoss
    hallo, die hohlblocksteinfamilie habe ich auch gesehen... was ist aus denen denn geworden? sind sie aus dem scheisse-finnland wieder ausgezogen, weil die finnen kein deutsch lernen wollten? *g*


    die waren echt verschärft bescheuert...


    Keine Ahnung was aus ihnen wurde. Aber das waren doch die, wo der Sohn so ein Fall für die Super-Nanni gewesen wäre... Komischerweise war der dann in Finnland noch problematischer - weil er keine Freunde hatte, sich nirgends auskannte, keinen Bock auf eine Hütte am Arsch der Welt hatte, es ihm auf den Keks ging nichts zu verstehen... Der Vater - war ja nicht mal sein eigener, sondern nur der erzwungene weil neuer Ehemann der Mutter - hatte doch gedroht ihn "heim ins Reich" zu schicken wenn sein Betragen nicht besser würde und er ihn weiter nervt... Keine Ahnung was daraus wurde. Vielleicht haben die Finnen gleich die ganze Familie wieder in die Sozialwohnung in Berlin-Neukölln geschickt... Verdenken könnte man es ihnen nicht.

    Naja, sicher ist in Deutschland nicht alles schlecht, aber auch bei weitem nicht alles so toll.


    Es ist durchaus so dass das Leben hier übertrieben bürokratisch, pedantisch, überkompliziert, zu hektisch und rein leistungsbezogen, zu verbissen und teilweise an falschen Werten orientiert ist.
    Wenn beispielsweise so ein Spektakel um Lebensläufe gemacht wird - und in dem Zusammenhang ist die Unterstellung, dass jemand mit 36 und frischem Diplom bestimmt ein Taugenichts sein müsse, sehr wohl eine ganz typisch deutsche Mentalitäts-Denke und ein Symbol - verkennt das völlig dass es auf die Motivation und das Können eines Menschen ankommt, nicht auf sein Alter oder das, was er früher gemacht hat.


    Gerade da hat Deutschland überhaupt nichts aus dem Rest der Welt gelernt. Mitarbeiter werden hier nur als teure Kostenfaktoren gesehen, die rundum perfekt funktionieren sollen. Dass auch jemand mit buntem Lebenslauf seinen Job gut machen kann, dass Zeugnisse nur Papier sind, das sieht hier keiner. Ältere Arbeitnehmer werden möglichst aussortiert, Leute sollen immer funktionieren und immer ranklotzen... das ist eine verbissene Denkweise, die es nur hier gibt.


    Und was die Krankenversicherung angeht: die ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Zuzahlungen überall, trotz eh schon sagenhaft hoher Beiträge, und solange es einen nicht richtig böse erwischt zahlt man dort wesentlich mehr ein als man herausbekommt.
    Ich fand das nie schlimm weil ich eine Krankenversicherung nicht als Kapitalanlage, die Erträge bringen muß, verstehe, sondern ich zahle für eine Sicherheit, für einen Fall, von dem ich dennoch hoffe dass er nicht eintritt.
    Wenn man aber mal von dieser Absicherungs-Kiste weggeht und nüchtern rechnet ist die Sicherheit teuer erkauft. Viele Ausländer leben in ihren Ländern nicht schlechter, solange ihnen nichts Schlimmes passiert.


    Und Lebensqualität ist etwas anderes als Bürokraten, die zwar alles fein säuberlich regeln, aber mich auch zwingen mich mit den komplizierten, anstrengenden und unnützen Regelungen für jeden Pups, Verfahrensanweisungen, Querverweisen usw. auseinandersetzen zu müssen.


    Deutschland ist keineswegs so toll dass man hier unbedingt leben muß. Unter dem Strich gibt es sehr wohl zahlreiche Länder, in denen man sich weit wohler fühlen kann als hier weil das, was zählt, ist die Mentalität der Menschen und die Zufriedenheit insgesamt. Und damit steht es hierzulande nicht zum Besten. In welchem Laden wird man denn als willkommener Kunde behandelt? Wo findet man gut gelaunte, freundliche Menschen? Man muß sich ja nur mal in eine Fußgängerzone stellen oder morgens um 7.30 Uhr mit der U-Bahn fahren und in die Gesichter sehen - das sagt alles.


    Oder die Art, wie hier im Straßenverkehr miteinander umgegangen wird. Wer kann denn 20km Autobahn fahren ohne dass er genervt ist von Dränglern, Oberlehrern oder "Ich habe Recht"-Sturköpfen? Man kann ja über die Chaoten-Fahrerei in Rom oder Paris oder oder oder sagen was man will - aber es wird Rücksicht genommen. Ich weiß noch gut wie ich vor ein paar Jahren mal mit einem Bus in Rom war und der Fahrer feststellte dass wir auf der falschen Ausfallstraße waren. Der hat auf dieser riiiiiiesigen Straße, mit locker 4-5 Fahrspuren pro Richtung, gedreht - und nicht einmal hat irgendwer gehupt oder ist ihm absichtlich auf die Pelle gerückt... Sowas ist hier unmöglich. "Leben und leben lassen" gibt's hier nicht, Hauptsache man selber hat Recht...


    Der Fehler der Vollpfosten aus dem Fernsehen ist einfach dass jemand, der nicht motiviert ist oder sich einredet dass einem anderswo die gebratenen Hähnchen von alleine in den Mund fliegen, natürlich auf die Nase fällt. Denn ein totaler Neuanfang an einem anderen Ort setzt immer sehr viel Engagement vorraus. Wer das nicht kapiert hat MUSS natürlich scheitern.


    Und ein paar weitere Vorraussetzungen sind: ohne Sprachkenntnisse geht es nicht und man sollte sowieso vorher wissen auf was amn sich einläßt. Einfach irgendwo hin zu gehen und dann festzustellen dass man mit der Mentalität der Leute nicht zurecht kommt ist eigene Dummheit.

    Ich glaube dass der gedankliche Ansatz "Deutschland ist scheiße, ich will hier weg weil ich keinen Job habe und die Leute nerven" keine gute Basis ist.


    Man findet in manchen Ländern zwar leichter einen Job als hier - aber muß dann auch ranklotzen. Und die Leute mögen weniger griesgrämig sein als die Menschen hier - aber die Mentalität ist eine andere und viele verstehen die Sprache nicht. Es liegt auf der Hand dass der Stress dann plötzlich wesentlich größer ist als er hier war.


    Ich glaube dass Auswandern nur dann funktioniert wenn man wirklich Bock auf ein Land und die die Leute hat, wenn Sprachkenntnisse da sind und der Wille, diese schnell weiter auszubauen, und wenn man bereit ist auch beruflich besondere Anstrengungen zu unternehmen.


    Dieses Ansinnen "weg aus dem ätzenden Deutschland und dann gemütlich da leben, wo die anderen Urlaub machen, sozusagen Urlaub nonstop" - das geht nicht auf. Auswandern dürfte anstrengender sein als hier zu bleiben weil rundum alles neu ist.


    Was man bei diesen Auswanderer-Sendungen auch immer feststellt ist dass die Leute ihr Land total unrealistisch idealisieren. Z. B. gab es da dieses Pärchen, das zusammen mit seinen Hunden in eine völlig einsame Hütte ohne Wasser und Strom in der kanadischen Wildnis gezogen ist. Eigentlich recht intelligente Leute, nicht die üblichen Proleten, die nach Malle ziehen.
    Aber anstatt sich damit auseinander zu setzen was es bedeutet ohne Wasser, ohne Strom, ohne Menschen um einen rundum zu leben, waren die in einer völligen Traumwelt und schwafelten nur über das große Abenteuer. Dass der Alltag aber nicht immer Abenteuer ist war eine Überlegung, die es in deren Gedankenwelt gar nicht gab. Aber diese kritischen Fragen muß man sich doch stellen!


    Und wenn man dann Assis sieht, die aus der Arbeitslosigkeit heraus ohne Sprachkenntnisse in Länder gehen, in denen sie zuvor noch niemals waren - da kannste echt nur den Kopf schütteln...
    Wobei sich das Fernsehen sicher auch die besonderen Knalltüten sucht: ostdeutsche Großfamilie, die Eltern zum x-ten Male verheiratet, Kinder aller Altersstufen aus verschiedenen Ehen, und jetzt aus der Sozialwohnung und Hartz IV heraus ab nach Finnland, ohne vorher je dort gewesen zu sein und ohne ein einziges Wort finnisch zu sprechen. Das einzige, was sie von dort kannten, war Nokia. Und IKEA... ähm, ach, das war ja Schweden... :rolleyes:
    Den Leuten siehst du an dass sie hier nix auf die Reihe gekriegt haben, und du weißt sofort dass sie unter den erschwerten Bedingungen eines fremden Landes erst Recht nix hinkriegen werden.


    Also die Motivation kann nur Interesse an Land und Leuten sein, aber nicht Frust weil Deutschland in mancher Hinsicht nervt.
    Ein ehemaliger Kollege von mir ist nach Schweden ausgewandert. Er hatte schon immer Schlittenhunde und war andauernd im Wald unterwegs, und in Schweden hatte er seit Jahren ein Haus, war immer dorthin gereist wenn er ein paar Tage frei hatte, beherrscht die Sprache und hatte einen Job als er gegangen ist. SO muß man es anstellen, dann wird das was...

    Zitat

    Original geschrieben von Daniel_23
    Schwieriges thema :) Das flugzeug kann nur abheben wenn es schnell genug im verhältniss zur umgebenden Luft ist.


    Und da es von den Triebwerken bewegt wird, gegenüber der Umgebungsluft, ist es auch völlig egal was die Räder tun oder lassen. Die sind nur ausgeklappt weil das Flugzeug am Boden irgendwie stehen muß, aber ob sich da ein Laufband und Räder drehen oder nicht ist völlig wurscht.

    Nach wie vor ein geiles Thema! Und nach wie vor: Wenn das Flugzeug Räder bräuchte um zu beschleunigen und vorwärts zu kommen, wie kann es sich denn dann in der Luft fliegend vorwärts bewegen?


    Die Vorwärtsbewegung hat allein damit zu tun dass die Triebwerke sich bzgl. der Umgebungsluft vorwärts bewegen, und da an den Triebwerken das ganze Flugzeug hängt bewegt sich eben das komplette Gerät.


    Ob der Flieger nun auf Rädern steht oder am Flügel hängt ist egal.


    Aber echt geil wie das nach wie vor nicht verstanden wird... :top: