2 grundsätzliche Denkfehler sollte man vermeiden...
Der eine ist: es gibt einfach Leute, die in unserer Gesellschaft keine reele Chance haben. Das wird natürlich niemand laut sagen, jedenfalls niemand offiziell. Es ist aber Fakt. Wer im Heim groß wurde, auf "die schiefe Bahn" geriet, vielleicht im Knast war, wer keine Ausbildung hat, wer zu alt ist (ein völlig dummes "Argument, aber die Realitäten sind so), der hat realistisch kaum eine Chance in Deutschland gesellschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen.
Es wird immer ein "Bodensatz" an Leuten bleiben, die nur für einfache Jobs zu gebrauchen wären, aber diese Jobs werden wegrationalisiert weil sie entweder durch Maschinen ersetzt werden oder schlicht nicht mehr finanzierbar sind. Jemanden "mit durchziehen", der kaum effektiv ist, das gibt es heute nicht mehr...
Und dem muß man einfach ins Auge sehen. Manche Menschen sind, hart ausgedrückt, nichr mehr zu gebrauchen weil deren Leistungsfähigkeit oder Lebensumstände in unserer Gesellschaft nicht mehr vermittelbar sind.
Die können dann gar nicht anders als von Sozialhilfe zu leben.
Der andere Punkt ist: ich wundere mich immer wieder dass man an Bezieher von Transferleistungen so hohe moralische Anforderungen stellt, die aber sonst auch kaum jemand erfüllt. Man erwartet von den Leuten dass die sich um jeden Drecksjob bemühen sollen, auf gut deutsch "Scheiße fressen sollen", weil man glaubt dass diejenigen dazu verpflichtet wären wenn der Staat sie finanziert.
Gleichzeitig hat der selbstgerechte Spießbürger keine Probleme damit selber die Steuererklärung zumindest zu "optimieren", den ein oder anderen Müll in eine Tonne zu werfen, in die er nicht gehört, und andere Dinge, die nicht ganz korrekt sind.
Man kann natürlich leicht von anderen tadelloses Verhalten fordern weil man sich selbstgerecht dazu ermächtigt fühlt. Es sagt sich ja auch leicht wie andere sich bemühen müssen wenn man das eigene Geld verhältnismäßig einfach verdient.
Mit "einfach" meine ich: man hat seinen mehr oder weniger ordentlich bezahlten Job, klar leistet man etwas für sein Geld, aber man hat sich im Laufe der Zeit eine gewisse Position geschaffen und sich damit arrangiert seine Aufgaben zu erfüllen. Sich "richtig den A... aufreissen" müssen aber die wenigsten - und wenn dann nur mal hier oder da, aber nicht immer weiter. Es mag Ausnahmen geben, aber der Durchschnitt der Leute geht morgens zur Arbeit, daddelt vor sich hin, geht nachmittags nach Hause - und am Monatsende kommt das Gehalt.
Der ALGler soll nun aber wie ein Knecht schuften um gerade mal das Existenzminimum zu bekommen...
Dass das niemand langfristig gerne macht finde ich verständlich. Wenn jemand als 1-Euro-Jobber vermittelt bekommt dass seine Arbeit nicht mehr wert sein soll als 1 EUR, und man dann noch die große Dankbarkeit zeigen soll - das kann man ja wohl kaum erwarten.
Und irgendwann ändern sich im Kopf die Einstellungen. Wenn der Gesellschaft irgendwelche Arbeiten nicht mehr wert sind als 1 EUR, wenn man auf den Ämtern behandelt wird wie ein Vollidiot, sich schlaue Sprüche anhören muß von Leuten, die niemals unter den harten Bedingungen des Existenzminimums leben mußten - dann kommt es schnell zu der Trotzreaktion die Gesellschaft genauso zu verarschen wie man von dieser auch selber verarscht wird.
Ich kann das verstehen und finde keineswegs dass die stattlichen Transferleistungen zu hoch sind. Im Gegenteil - sie sind für einen durchschnittlichen Menschen mit seinen ganz normalen Bedürfnissen viel zu niedrig! Der Systemfehler liegt darin dass inzwischen die Gehälter so klein geworden sind dass der Abstand zum ALG eigenartig klein geworden ist. Das ist aber kein Problem zu hoher Transferleistungen, sondern zu geringer Löhne!
Ach ja, und ein weiteres: es wird immer und überall Negativbeispiele geben. Wenn man sich ständig an denen aufhängt, wie es immer wieder gerne gemacht wird, ist klar dass man ständig von den Betrugsfällen redet.
Nur ist das eine eher kleine Minderheit. Die große Mehrheit sind die Leute, die ehrlich sind oder sein wollen. Nur sind die in der Öffentlichkeit uninteressant weil da eben nur die Aufreger interessieren, nicht die unauffälligen Normalos.