Beiträge von Printus

    Das mag ja alles sein, aber es geht doch hier um die PERSÖNLICHE Schuld von Filbinger. Wie die Wehrmacht zu beurteilen ist oder wie die USA mit irgendwelchen Dingen umging ist zwar auch interessant, spielt aber keine Rolle im Hinblick auf die Bewertung der Schuld, die das Individuum Filbinger auf sich geladen hat.


    Und der hat nur das getan, was er gemäß seines Jobs tun "mußte". Sicher, er hätte theoretisch die Chance gehabt sich zu drücken und vielleicht hätte es keine Folgen für ihn gehabt. Vielleicht aber doch... Ich weiß es nicht, und die ganzen Schlaumeier haben es jetzt auch leicht im Nachhinein anhand einer Statistik nachzuweisen dass ihm bei einer Weigerung nichts passiert wäre weil soundsoviel anderen auch nichts passiert ist. Wußte Filbinger damals von der Statistik? Hatte der subjektiv das Gefühl es anders machen zu können? In anderen Fällen hat er die Todesstrafe für Leute verschleppt, vielleicht sah er in diesem Fall keine andere Chance?


    Ich finde dass viele hier es sich verdammt leicht machen aus unserer bequemen Position heraus zu behaupten dass er ein böser Mitläufer war. Sicher, er war ein Mitläufer, das ist auch nicht toll, besser wäre es anders gewesen usw. usw. usw., nur glaube ich dass ganz, ganz viele von uns an seiner Stelle auch den Kopf eingezogen hätten.


    Wir heute haben einfach Glück nicht in so einer Scheiß-Zeit gelebt zu haben und nicht vor solchen moralischen Entscheidungen und Problemen zu stehen. Wäre es aber so würden wir genauso massenhaft mitlaufen wie die Leute damals. Oder vielleicht wären wir jetzt ein wenig schlauer weil wir das damalige Negativbeispiel kennen, aber so generell sind wir keine besseren und schlaueren Menschen als die, die damals lebten.


    Und das stört mich so ein wenig. Dass hier jeder, der nie in einer Diktatur, wo Menschenleben nichts zählten, leben mußte, aber ganz weit die Klappe aufmacht und erzählt dass man sich doch hätte wehren müssen.


    Stellt euch wirklich mal vor wie die Verhältnisse waren und ob ihr, ganz ehrlich, unter den Bedingungen auch noch alle die Klappe weit auf gemacht hättet. Das glaube ich nämlich nicht.


    Lange Rede, wenig Sinn. Dass Filbinger ein Mitläufer war und somit auch das System unterstützt hat, zumindest nichts dagegen unternommen hat, ist ja unstrittig.
    Dass Oettinger es anders dargestellt hat ist auch klar. Also was ist jetzt daran noch unklar?


    Man kann jetzt zu unterschiedlichen Beurteilungen der Schwere kommen. Da gestehe ich jedem seine persönliche Sichtweise zu. Aber bitte bleibt freundlich... ne Marian...

    Zitat

    Original geschrieben von chung77
    Wenn du mit eingelegtem Gang an einer Steigung zum Stehen kommst: Mal eben den Gang rausnehmen, Fuss von der Kupplung nehmen und einmal auf die Feststellbremse treten. Danach Kupplung treten und Gang einlegen. Fuss von der Fussbremse nehmen, Gas geben und gleichzeitig Kupplung - wie gehabt - kommen lassen. Dabei ein kurzer Handgriff zum Lösen der Feststellbremse und es geht nach vorn bzw. Bergauf ;)


    Das setzt aber immer vorraus dass man genügend Gas gibt. Ist das nämlich nicht der Fall und das Auto beginnt doch leicht rückwärts zu rollen... kann man bei jedem konventionellen Handbremsen-Auto einfach den Bremshebel wieder höher ziehen. Beim Mercedes: einmal am Release-Hebel gezogen *zack* ist die Feststellbremse offen - die kannste nicht mehr anziehen wenn Du zu wenig Gas gibst.


    Deswegen sehe ich den Vorteil auch bei den weit verbreiteten Handbremsen in der Mittelkonsole.

    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Wer sein Bild über die Haltung der Mehrheit der Amerikaner zu Waffen aus Michael Moores "Bowling for Columbine" bezieht, wird das aber nur schwerlich erkennen. ;)


    Ich habe keine Lust mehr mit Dir zu diskutieren. Nachdem es schon im Filbinger-Oettinger-Thread so lief kommst Du mir hier wieder mit dummen Unterstellungen und allzu flachen Argumenten.

    Es tut aber nichts zur Sache weil es schließlich kein Nazi-Vergehen war die Todesstrafe für einen Deserteur zu fordern. Die Todesstrafe war damals - und ist in vielen Ländern bis heute - eine akzeptierte Bestrafung für gewisse Taten, und Desertation gehörte im damaligen Deutschland dazu.


    Ich habe zwar auch ein moralisches Problem damit und lehne die Todesstrafe kathegorisch ab, nur wurde der Angeklagte Gröger damals nicht wegen seiner jüdischen Abstammung etc. umgebracht, sondern aufgrund eines strafbewehrten Vergehens, das es so in zahlreichen Ländern gab und gibt, hingerichtet.
    Man kann von der Todesstrafe halten was man will, aber es wäre nicht korrekt den damaligen Vorfall als Nazi-Verbrechen hinzustellen - weil das war es nicht.


    Also welchen Vorwurf kann man Filbinger nun machen? Sicher ist das nicht gerade toll und stellt auch mich vor ein Problem mich einem Menschen zu nähern, der maßgeblich an einem Todesurteil beteiligt ist/war. Aber dieses Urteil war schließlich kein Nazi-Unrecht. Deswegen ist das auch kein gutes Argument um Filbinger als Nazi hinzustellen. Und doch wird es jetzt überall so hingedreht als habe er sich hier der Teilnahme an einer Nazi-Greueltat schuldig gemacht.

    Aber man kann sich doch nicht auf eine Argumentation berufen, die uralt ist und zur Zeit des Wilden Westens ihren Sinn gehabt haben mag, inzwischen aber längst obsolet ist.


    Wenn eine Sache als falsch erkannt wird muß man sie ändern. Und wenn die amis es wollten könnten sie. Tun sie es nicht - OK, dann gibt es eben früher oder später wieder einen Verrückten, der die Waffe dann auch nutzt.


    Man muß ja auch mal sehen dass es nicht nur um spektakuläre Amokläufe geht, sondern diese ganzen Waffen auf bei unzähligen anderen Verbrechen benutzt werden, so dass insgesamt eben doch eine unglaubliche Gefahr und sehr viel Leid durch die frei verfügbaren Knarren hervorgerufen wird.

    Berater und Redenschreiber hin oder her - am Ende steht immer der Chef vorne und muß vertreten was er sagt. Und Aussagen wie die, die in dieser Rede standen, MUSSTEN Oettinger einfach auffallen. Das war ja nichts, wo man sagen kann dass es so versteckt war dass es erstmal nicht auffallen konnte...

    Zitat

    Original geschrieben von Henni
    Ich denke, ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass wir uns zu intensiv mit der Materie befassen und deshalb sämtliche Schwachstellen der einzelnen Modelle kennen.


    So würde ich es nicht sagen. Ich denke dass da eher eine generelle Philosophie hinter steht, die man hat. Wenn es um andere Dinge geht bin ich genauso pingelig darin dass ich für mein sauer verdientes Geld ordentliche Produkte bekommen möchte und es mich verärgert wenn das nicht gegeben ist. Ich kann das nicht allein auf Handys beschränken.

    Eine interessante Gegenthese, ebenfalls sehr lesenswert, findet man hier.


    Für uns Deutsche steht zwar mehrheitlich fest dass die Todesstrafe eine unwürdige Veranstaltung ist - aber andere Länder sehen das bis heute nicht so, und vor 60 Jahren wurde das auch in Deutschland anders bewertet.
    Kann man allein an der Frage nach der Todesstrafe fest machen ob jemand ein "schlimmer Jurist" war? Man pickt sich hier eine Sache heraus, die nach heutigen, nach unseren Gesichtspunkten sicher absolut unappettitlich ist. Aber ich weiß nicht ob man diese Maßstäbe anlegen kann... Damals sah das alles noch anders aus, und nicht allein wegen der Nazis. Deserteure wurden auch anderswo nicht zimperlich behandelt und in einer gewissen Weise ist das nachvollziehbar, weil wer würde in den Krieg ziehen und dort sein Leben riskieren wenn er ohne allzu große Konsequenzen fern bleiben könnte?


    Jeder mußte auch immer fürchten wegen "Wehrkraftzersetzung" angeklagt zu werden - und selbst wenn es nur um das Einbüßen von Karrierechancen ging - mal ganz im Ernst: würden wir heute "einfach so" unsere Lebenspläne verändern nur weil wir im Job mal etwas tun müssen, was uns nicht so gut gefällt?


    Ich will das alles nicht rechtfertigen oder relativieren, selbstverständlich war das alles schlimm damals, aber Viele sind mir zu schnell dabei mit großspurigen Aussagen dass man sich so und so hätte verhalten können und dann wäre ohne großes persönliches Risiko alles anders gewesen. Vielleicht hat der einzelne das damals ganz anders wahrgenommen?


    Wer damals irgendeinen Posten bekleidete hatte zu einem großen Teil auch echt Pech. Wenn die Leute es sich hätten aussuchen können hätten sie sicher nicht in den 1930er und 40er Jahren in Europa, speziell Deutschland, gelebt. Man hatte leider die Arschkarte und wurde nicht gefragt ob man sie will...


    Wobei es keine endgültige Antwort der Beurteilung geben wird. Jeder kann es werten wie er mag. Im Zusammenhang mit Oettinger ist die Sache aber doch klar. Ein Widerständler war Filbinger nicht, die Trauerrede in diesem Punkt schlicht falsch. Das bestreitet inzwischen ja auch keiner mehr. Also läßt man es entweder gut sein oder zieht Konsequenzen daraus - fertig. Aber was gibt es da jetzt immer weiter dran zu diskutieren? Viele Politiker wollen sich da jetzt auch profilieren und ins Rampenlicht treten indem sie den Gutmenschen abgeben und die Gunst der Stunde nutzen um Parteipolitik zu betreiben.