Ich mußte mich seinerzeit mit einem absolut schlechten Zeugnis herumschlagen und hatte deswegen diesen Thread gestartet. Das macht mich zumindest zu einem "kleinen Experten" im Hinblick auf das Thema denn ich mußte mich umfassend mit Zeugnissen beschäftigen.
Zum einen ist es immer schlecht wenn man nicht den vollen Text kennt, also in deinem Beispiel die Aufgabenbeschreibung. Wenn man das nicht hat wird der Rest teilweise zu Kaffeesatzleserei.
Trotzdem ein paar Anmerkungen zu diesem Text weil ich ihn ziemlich schlecht finde...
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Original geschrieben von CrazyD
Gerne bestätigen wir, dass wir in Hernn xy einen fleißigen und engagierten Mitarbeiter kennen gelernt haben, der sich gut in unser Team einfügte und die ihm übertragenen Aufgaben eigenständig und zuverlässig ausgeführt hat.
2 Schwachpunkte: "kennengelernt" drückt Distanz aus, "übertragene Aufgaben" soll Passivität dokumentieren. Da dir zugleich Eigenständigkeit attestiert wird könnte man es zwar als ungeschickte Formulierungen durchgehen lassen, die eigentlich doch positiv gemeint waren - aber gleich 2 negative Formulierungen in 1 Satz ziehen den Wert der Aussage doch nach unten.
Zitat
Original geschrieben von CrazyD
Nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir, dass er jederzeit pünktlich und ehrlich war.
Dieser überflüssige Satz stand damals auch in meinem Zeugnis und man muß es auslegen als "wenn wir schon sonst nix Gutes schreiben können dann wenigstens daß er pünktlich und ehrlich war". Eigentlich sind Pünktlichkeit und Ehrlichkeit selbstverständliche Tugenden, die keiner besonderen Erwähnung bedürfen, sondern vorrauszusetzen sind. Also ein ziemlich übler Satz.
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Original geschrieben von CrazyD
Besonders hervorheben möchten wir, dass seine Abrechnungen jederzeit präzise und korrekt durchgeführt waren
Da wäre es jetzt gut zu wissen in welchem Job Du tätig warst... An sich eine gute Formulierung und in manchen Jobs absolut lebenswichtig, aber diese "starke Hervorhebung" stört irgendwie. Man fragt sich was das soll... Manche Zeugnisschreiber übertreiben Aussagen absichtlich um sie lächerlich zu machen, also hier entweder sie ins Gegenteil zu verkehren oder zumindest eine besondere (negative) Pingeligkeit zu betonen. An sich eine gute und je nach Job nötige Aussage, aber wieder mit einem negativen Beigeschmack.
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Original geschrieben von CrazyD
Sein Erscheinungsbild war stets ordentlich.
Wieder so eine überflüssige Bemerkung. In manchen Jobs wird ordentliches Erscheinungsbild vorrausgesetzt - bedarf dann aber keiner speziellen Erwähnung. Insofern frage ich mich hier wieder was diese Aussage soll...
Oder bist Du immer im Schlips zur Arbeit in der Autowerkstatt erschienen? Dann soll es ausdrücken daß Du zu viel Wert auf lächerlich overdresste Bekleidung gelegt hast. Man wird den Eindruck nicht los daß wieder ein negativer Touch in der Bemerkung liegt und man womöglich Auffälligkeiten an deinem Erscheinungsbild verklausuliert ansprechen will...
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Original geschrieben von CrazyD
Vorgesetzten gegenüber verhielt er sich korrekt; sein Verhalten Gästen und Mitarbeitern gegenüber war immer höflich und zuvorkommend.
Bezgl. der Vorgesetzten fehlt ein sehr wichtiges Adjektiv wie "immer", "stets", "jederzeit". Also war Dein Auftreten gegenüber Vorgesetzten manchmal nicht korrekt.
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Original geschrieben von CrazyD
Zusammenfassend können wir sagen, dass Herr xy alle ihm gestellten Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt hat.
"Gestellte" Aufgaben betont wieder daß man dich immer erst ermahnen mußte. Bei wirklicher Eigeninitiative sollte dort nur "Aufgaben" stehen. "Volle Zufriedenheit" ist OK... nicht supertoll, aber ordentlich. Das geht in Ordnung da man den normalen Mitarbeiter im Bereich einer 3 sieht und nur wer überdurchschnittlich gut war bekommt eine 2 oder gar eine 1. "Volle Zufriedenheit" ist daher problemlos.
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Original geschrieben von CrazyD
Das Arbeitsverhältnis war auf ein Jahr befristet. Wir danken Herrn xy für seine Mitarbeit und wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute.
Hier fehlen 2 wichtige Komponenten: man bedauert zum einen Deinen Weggang nicht - gleichbedeutend mit "gut daß er weg ist" und zum anderen lautet eine gute Schlußformulierung "wünschen ihm für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg weiterhin alles Gute". Daß man nur "Lebensweg" schreibt und "beruflich und privat" wegläßt mag noch angehen. Ein fehlendes "weiterhin" unterstellt aber daß es bisher nicht gut war. Da wird also schon wieder betont daß Du kein so toller Mitarbeiter warst. Der Schlußsatz ist also nochmal ein dicker Minuspunkt.
Ganz allgemein wird auch sehr wenig auf Deine fachlichen Leistungen und ganz wenig auf deine sog. Führung , also das Sozialverhalten, eingegangen. Der eine Satz "Vorgesetze, Gäste, Mitarbeiter...." ist viel zu knapp.
Offenbar hat das Zeugnis jemand geschrieben, der nicht so die große Ahnung davon hat. Blöderweise hat derjenige aber ganz viele mehr oder weniger große Patzer eingebaut, die den Text sehr zu deinem Nachteil abwerten.
In meinen Augen ist das ne glatte 4, und das ist schon eher positiv beurteilt. Ich würde den Text beinahe eher im Bereich 4- ansiedeln...
Dagegen würdfe ich mich definitiv wehren! Am besten ist wenn Du einen eigenen Textvorschlag machst, schau z. B. mal auf Arbeitszeugnis.de und reiche dann einen eigenen Textvorschlag ein, der diese ganzen Mängel nicht hat. Aber so solltest Du das in keinem Fall akzeptieren!