ZitatOriginal geschrieben von Usul
Dein Vergleich hinkt gewaltig.
Du kennst sicher die deutsche Geschichte und weißt, daß z.B. vor knapp 70 Jahren Synagogen in ganz Deutschland verbrannt wurden.
Wenn die Moschee in Würselen nach solch einer Vergangenheit wieder die erste in Deutschland wäre, bin ich mir sicher, daß darüber berichtet werden würde. Und ganz ehrlich: Ich fände das genauso gut wie die Berichterstattung über die Münchner Synagoge.
Zum einen ist das sachlich falsch weil es bereits mehrere Synagogen in Deutschland gibt. Zum anderen ging es mir darum darzulegen daß die Eröffnung einer Synagoge in der Öffentlichkeit anders behandelt wird als die Eröffnung einer Moschee - und genau das beweist der Aufmacher dieser Nachricht in der Tagesschau - und Du lieferst die Begründung.
Mein Punkt dabei ist aber daß ich, trotz Kenntnis der Geschichte, 40 Jahre nach der Reichskristallnacht geboren wurde und dazu genauso viel oder wenig Bezug habe wie zu Kaiser Neros Angriff auf die Christen oder die Kreuzzüge derselben nach Jerusalem. Will sagen: Ich - und vermutlich fast unsere ganze Generation - macht eben keinen Unterschied mehr wer da was eröffnet, und insofern interessiert es immer gleich viel oder wenig wer ein neues Gotteshaus eröffnet.
Uns wird in der Öffentlichkeit aber permanent diese Sonderbehandlung, wenn es um Themen geht, die in irgendeiner Weise mit der nazionalsozialistischen Vergangenheit zu tun haben, vor die Nase gehalten. Und das nervt dann irgendwann einfach und führt doch erst dazu daß sich die von Dir angeführten schwachsinnigen Argumente gegen Juden halten - eben weil da immer ein Sonderstatus gegeben wird, der in der heutigen Gegenwart nicht mehr nötig wäre und manche Verwirrte dazu bringt das aufzugreifen und in ihrem Sinne umzuinterpretieren.
ZitatOriginal geschrieben von Usul
Willst du damit andeuten, daß so etwas wie die Berichte über die Münchner Synagoge Gewalt und Ressentiments schüren? Das mag sein, aber es liegt sicher nicht an den Berichten, sondern an denjenigen, die sie vollkommen falsch interpretieren oder sowieso schon dazu neigen, die Angriffsflächen, von denen du redest, zu suchen und zu benutzen.
siehe oben...
ZitatOriginal geschrieben von Usul
Man hat es vielleicht schon gemerkt... die eindeutige Stellung, die du verlangst, finde ich vollkommen unnötig. Wie sollte die aussehen? Sollte eine Partei hergehen und sagen, daß sie gegen den Wirbel um die erste Synagoge in Deutschland seit Jahrzehnten ist?
Eindeutige Stellung gegenüber Themen, die in Deutschland in der Öffentlichkeit aus überzogener politischer Korrektheit, oder besser: aus Angst vor dem Vorwurf rechtes Gedankengut zu vertreten, nicht angesprochen werden, aber jedem normalen Bürger durch den Kopf gehen.
Ich will da jetzt nicht in eine ausufernde Nebendiskussion gehen, aber was hier andere schon als "Ausländerproblematik" angesprochen haben; es gibt da tatsächlich Probleme und wenn Du mal in einer Großstadt bist oder gar dort lebst weißt Du was ich meine.
Das wird aber von etablierten, seriösen Parteien geflissentlich ignoriert weil es eben als heißes Eisen gilt und keiner will sich dem Totschlagsargument, eine rechte Positionen zu vertreten, aussetzen - weil das in D ein politisches Todesurteil ist. Und davon müssen wir weg, es muß möglich sein daß derjenige, der vorhandene Probleme beim Namen nennt, nicht kalt gestellt wird mit dem Hinweis auf bedenkliche Ansichten zu diesem oder jenem Thema.
ZitatOriginal geschrieben von Usul
Ich will dir nicht zu nahe treten, aber dein ganzer Beitrag unterstreicht die Situation in Deutschland (wohl auch in anderen Ländern, aber das ist nicht das Thema hier) ganz gut.
Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung glauben z.B. über 17% der Deutschen, daß „der Einfluss der Juden zu groß“ sei. Dies ist ein sehr beliebtes Argument der Rechtsextremen und egal, was man sagt, man kann es nicht entkräften, weil darauf nicht eingegangen wird.
Aber - und das ist die momentane Lage - solche Aussagen stammen mittlerweile nicht mehr nur von Neonazis und Rechtsextremen... Vertreter jeder Bevölkerungsschicht denken so. Natürlich nicht alle, aber 17,8% ist schon eine Menge, wenn man bedenkt, daß diese spezielle Meinung ganz einfach eine nicht wirklich belegbare Legende ist.
siehe oben - natürlich "ist der Einfluß der Juden zu groß"! Um mal bei dem Beispiel zu bleiben: der Tagesschau-Aufmacher oder daß der Zentralrat der Juden zu allem seinen Käse gibt und das auch jedes Mal brav durch alle Medien und Nachrichtensendungen geistert zeigt daß da eben immer eine überproportionale Aufmerksamkeit gegeben wird. Und dann wundert man sich daß irgendwelche Studien ermitteln daß es in der Bevölkerung die Meinung gibt "den Juden würde zuviel Aufmerksamkeit gewidmet".
Das Fatale daran ist daß eben genau der Effekt, der NICHT gewünscht ist aber genau erreicht wird. Man will "Normalität" unterstreichen - seht her, eine neue Synagoge, etc. - und erreicht genau das Gegenteil - siehe Studienergebnisse (ist mal egal ob die 17% treffen oder nicht).
ZitatOriginal geschrieben von Usul
Kannst du ja sagen, weil es stimmt... nur in welchem Zusammenhang willst du es sagen? Warum z.B. ausgerechnet hier in diesem Thread, wo es um die dürftige Beteiligung an der Demonstration gegen den NPD-Parteitag geht? Es geht doch gar nicht darum, wer alles ein Arschloch sein kann... daß du dennoch die Notwendigkeit verspürst, solch einen zusammenhanglosen Satz zu sagen - der wie gesagt für sich gesehen durchaus richtig ist - sagt einiges aus. Nicht etwa, daß du ein Rechtsextremer vom Schlage eines dumpfen Neonazis bist... aber - auch gepaart mit deinen Aussagen, die ich zitiert habe, scheinbar ein Problem hast, das viele in Deutschland mit dir teilen...
Nein, nicht ICH habe das Problem - ich beschreibe es nur weil mir eben auffällt daß WIR es haben.
ZitatOriginal geschrieben von Usul
Amerikaner:
Schau dir mal das Programm der NPD an und auch ihre Äußerungen vor allem in der politischen Alltagsarbeit. Dann wird dir vielleicht ganz schnell klar, daß sie im Grunde genommen nichts hat, was andere Parteien nicht bieten können, außer vielleicht eine riesengroße Klappe. Und den Klartext aus dieser Klappe möchte ich persönlich nicht hören.
Doch, sie bietet offenbar etwas, was andere nicht bieten. Sie umschifft manche Probleme nicht, die in der Öffentlichkeit von etablierten Parteien nicht deutlich benannt und angepackt werden.
Wenn in Berlin in manchen Schulklassen fast nur ausländische Kinder sitzen, wenn viele von ihnen in der Gesellschaft keine oder nur schlechte Chancen haben weil sie keine ausreichende Schulbildung haben, vielleicht auch sich schon die Eltern nicht ausreichend in die hiesige Gesellschaft integriert haben, wenn das wiederum zu verstärkter (Jugend)Kriminalität führt - dann muß da etwas passieren bevor wir Zustände wie in den Vorstädten von Paris haben.
Nur stellt sich kein Politiker einer demokratischen Partei hin und nennt das Kind beim Namen. Es ist z. B. keinem Otto Normalverbraucher nachvollziehbar warum z. B. türkische Schülerinnen nicht am Turnunterricht teilnehmen können - wer sich entscheidet hier zu leben muß akzeptieren daß in der Schule verbindlicher Sportunterricht stattfindet.
Würde von uns jemand in den Nahen Osten ziehen müßten wir uns da ja auch den Gepflogenheiten anpassen, eine deutsche Frau müßte sich in manchen gegenden verschleiern und kann nicht mit Hinweis auf die Gepflogenheiten in Deutschland im bauchfreien Top über die Straße rennen...
Die jetzigen rechten Parteien besetzen ganz alleine irgendwelche konserativen Positionen weil es keine adäquate demokratische Partei gibt, die es tut. Und so "zwingt" man aber viele Bürger dazu sich diesen unsäglichen Parteien anschliessen zu "müssen", wenn sie ihre konkreten Anliegen angepackt sehen wollen.
Daß ausgerechnet in Berlin wenig Protest gegen die NPD kam liegt sicher auch daran daß viele Probleme dort besonders ausgeprägt sind, und blöderweise sind die Rechten die einzigen, die etwas dazu sagen. Oft ist es doch so daß die Leute die Parteien und ihre Programme gar nicht wirklich wollen weil sie deren Unzulänglichkeiten erkennen. Da aber niemand sonst ihre Interessen vertritt wird eben Protest gewählt, und da bieten sich eben NPD und Co. an.